Bullshitbingo

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hafi69
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Re: Bullshitbingo

Beitragvon hafi69 » 28.07.2017, 13:43

Schade wenn ein Autor, der eigentlich gutes Grundlagenwissen vermitteln will und sich gegen
Mythen ("Bogus & Might") stark macht, dann doch wieder an seinem eigenem Halbwissen scheitert... :roll:


So ähnlich wie hier:

http://www.keusgen.de/pages/philosophie1.php

MarkusP
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Re: Bullshitbingo

Beitragvon MarkusP » 28.07.2017, 14:46

Hallo auch,

ich freue mich schon jetzt auf die Antwort von Rainer und anderen, die es wissen, zum Punkt "Auflösung", die in der Analogtechnik " "unendlich" sein soll. Zumindest beim Magnetband ist hier auch eine deutliche Beschränkung vorhanden.

Gruß aus Berlin

MarkusP.

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tillebolle
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Re: Bullshitbingo

Beitragvon tillebolle » 03.10.2017, 00:57

Gerade bin ich durch Zufall auf ein besonders erschreckendes Beispiel tontechnischen Bullshits gestoßen:

http://www.tonbandstimmen.de

:shock:

Viele Grüße
tillebolle
SchöneTöne - Phonographie
http://www.schönetöne.com

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Re: Bullshitbingo

Beitragvon sleepytomcat » 03.10.2017, 13:10

… da gibt es noch mehr Seltsamkeiten bei Tonträgern:

Wenn ich in die Abspielseite einer CD schaue, sehe ich immer so ein eigenartiges Porträt, das eine entfernte Ähnlichkeit mit mir hat. Wie man unschwer erkennen kann können nicht nur seltsame Stimmen aus einem Speichermedium kommen, sondern auch Bilder…
Der Kater

Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt.
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Re: Bullshitbingo

Beitragvon alex » 03.10.2017, 16:52

tillebolle hat geschrieben:http://www.tonbandstimmen.de


Bild

Grüße, alex
"Modern technologies allow new ways of enhancing old mistakes."

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RainerG
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Re: Bullshitbingo

Beitragvon RainerG » 04.10.2017, 11:13

tillebolle hat geschrieben:Gerade bin ich durch Zufall auf ein besonders erschreckendes Beispiel tontechnischen Bullshits gestoßen:

http://www.tonbandstimmen.de

:shock:

Viele Grüße
tillebolle



Schon köstlich ! diese Seiten!

Grundsätzliches: Daß es Phänomene gibt, die rational nicht erklärbar sind, streite ich persönlich nicht ab, aber die gibt es nur im Kreise aktiver Okkultisten und dazu wird sich ja keiner von uns zählen...!

UND:

1. Ich habe noch keine solche Phänomene wahrgenommen,
2. Alles was zunächst unerklärlich scheint gleich als "paranomale Erscheinung" abzutun ist einfach dumm und naiv!
3. "Tonbandstimmen" von denen in diesen Seiten die Rede ist, habe ich persönlich noch nie wahrgenommen. Alles was ich da an Phänomenen bis jetzt wahrgenommen habe, ließ sich rational erklären: Es waren fast immer HF-Einstreuungen von MW- oder KW-Sendern, die sich mit entsprechenden Modifikationen der Schaltung beseitigen ließen. Und wenn nicht, waren es Reste die durch unzureichende Löschdämpfung verblieben sind. Und auch da ist eine einfache Abhilfe möglich

Was ich zu dem Thema "Parapsychologie" zu sagen habe: Es gab an der Uni Freiburg mal eine Professur für Parapsychologie (Prof. Bender). Aber was hat denn das ganze gebracht? Meiner Ansicht nach NICHTS!
Die Parapsychologie ist in meinen Augen ein Pseudowissenschaft, die nichts beweist und nichts erklären kann. Die Erklärungsversuche für jegliche außergewöhnliche Phänomene sind immer wieder nur Trivialitäten - wir brauchen derartige "Wissenschaften" nicht.

Wenn man sich die in den o.g. Seiten eingestellten Hörbeispiele anhört, dann kann man wirklich wieder mal sagen: Das Ohr hört das was es hören will ! Alles andere hört sich eher an wie HF-Einstreuungen wie ich so oben schon nannte.
Kurz gesagt: MICH überzeugt das nicht!

Mit einem Wort : BULLSHIT

Grüße
RainerG
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Re: Bullshitbingo

Beitragvon stefan » 04.10.2017, 14:59

Das menschliche Gehirn erkennt in irgendwelchen Tintenklecksen ja auch oft Gesichter. So ein Phänomen lässt sich durchaus (evolutions-)geschichtlich seriös erklären.
Ähnlich wird es sich mit dem scheinbaren erkennen von Stimmen verhalten, behaupte ich mal, aber dass diese Stimmen was verständlich dahererzählen, sollte man lieber vergessen, das Gehör versucht wohl im wahrgenommenen Rauschen instinktiv Sprachmodulation herauszufiltern, auch wenn da nichts ist. (...von daher habe ich einen etwas anderen Erklärungsansatz, als Rainer :-) )
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Re: Bullshitbingo

Beitragvon Wolfus » 05.10.2017, 09:31

Das erinnert mich an den Witz, bei dem der Psychologe nach dem Rohrschach-Test sagt: "Sie haben aber eine verdorbene Phantasie". Darauf der Patient: "Aber Sie zeigen mir doch den ganzen Schweinekram".

Der illustriert das ganz gut. Oder, weniger witzig: ich denke jeder hier hat schon mal sehr feinfühlige Einstellungen an einem Gerät/Plugin gemacht bis es stimmt und später bemerkt, dass es auf Durchgang geschaltet war, im anderen Kanal o.ä :roll: . Oder bin ich der Einzige hier, der das schon geschafft hat?
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Re: Bullshitbingo

Beitragvon RainerG » 05.10.2017, 09:57

Der Rohrschach-Test ist m.E. ein derart hirnrissiger Unfug, der an Unwissenschaftlichkeit, Scharlatanerie und Subjektivismus nicht mehr zu überbieten ist. Ich kann mir nicht vorstellen, daß seriöse Psychologen sich derartiger Tests bedienen. Da kann man gleich aus der Form eines jeden Scheißhaufens Persönlichkeitsmerkmale herauslesen wollen...
Genauso ein Schwachsinn ist die Graphologie, d.h. aus der Handschrift Charaktermerkmale erkennen wollen. Ich hatte tatsächlich mal bei einer Bewerbung die Situation, daß der Chef noch eine Handschriftenprobe von mir wollte - habe ich strikt abgelehnt und damit auch meine Bewerbung zurück gezogen. Nur noch Scharlatane bedienen sich derartigem Unfug.

Wolfus hat geschrieben:
Der illustriert das ganz gut. Oder, weniger witzig: ich denke jeder hier hat schon mal sehr feinfühlige Einstellungen an einem Gerät/Plugin gemacht bis es stimmt und später bemerkt, dass es auf Durchgang geschaltet war, im anderen Kanal o.ä :roll: . Oder bin ich der Einzige hier, der das schon geschafft hat?


Nein, Du bist keineswegs hier er Einzige! Das ist auch mir schon passiert und noch ganz anderen Leuten passiert... Lies dazu mal Jörg Wuttkes Aufsatz "Das Mikrofon zwischen Physik und Emotionen". Aus diesem Grund glaube ich nicht alles was ich höre, sondern erst dann wenn ich die Bestätigung durch Messung bekomme (im Gegensatz zu der Hifi- und Highend-Szene die stur nach dem Motto handelt: "Ja .... aber ich kanns doch hööööörääääääään!!" . Und nicht nur bei akustischen Einstellungen passiert das, sondern auch bei der Bildbearbeitung mit Photoshop: Man schiebt irgendein Schieber mit der Maus und meint, es ändert sich etwas am Bild. In Wirklichkeit hat man den Schieber vor lauter Hingucken gar nicht mit dem Mauszeiger getroffen.

Grüße
RainerG
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Re: Bullshitbingo

Beitragvon RainerG » 05.10.2017, 14:55

Mal ein interessanter Hinweis auf die Seiten einer seriösen Gruppe Wissenschaftler die sich mit der Untersuchung sog. "paranormaler Phänomene" befaßt:

https://www.gwup.org/

Wenn man die Ergebnisse dieser Forschungen liest, kommt man zu dem Schluß, daß die Resultate angeblicher "übersinnlich begabter" Personen bzw. solche die sich dafür halten nicht mehr sind als ein Zufallsprozentsatz und diese Leute einfach alles Scharlatane sind. Und es soll auch nicht verschwiegen werden, daß in einschlägigen Session (z.B. "spiritistische Sitzungen") vieles, wirklich sehr vieles Betrug und Schwindel ist.
Folglich kann ich persönlich auch nicht an die "Echtheit" sog. "Tonbandstimmen" wie sie im Link des Threadstarters angeführt sind, glauben.
Der Verkauf esoterischer Produkte aller Art - auch solche aus der Hifi/Highend-Szene - gehört für mein Empfinden bei Strafe verboten.

MfG
RainerG
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LoboMixx
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Re: Bullshitbingo

Beitragvon LoboMixx » 06.10.2017, 00:15

Aus der Gehirnforschung weiß man, dass unser Gehirn mit Hilfe umfangreicher neuronaler praktisch permanent damit beschäftigt ist, sich die "Wirklichkeit" zu konstruieren. Aus der Fülle der ständig auf es einströmenden Reize wird aussortiert, und ausgeblendet, was als gerade nicht wichtig, nicht von Belang oder uninteressant ist oder andere Wahrnehmungen stört. Dabei fokussiert sich das Gehirn auf das, was gerade als wesentlich identifiziert wird, mitunter auch auf Dinge, die womöglich nur scheinbar wichtig sind. Denn eines versucht das Gehirn immer: Sinnhaftigkeit zu erzeugen und aus den Reizen ein Erkennen abzuleiten. Das Gehirn will kurz gesagt immer etwas erkennen. Dabei passiert es oft genug, auch im Alltag, dass aufgrund sehr undeutlicher, verwirrender oder widersprüchlicher Reize Irrtümer auftreten und etwas "erkannt" wird, was gar nicht oder zumindest nicht so existiert.
Wie gesagt, das ist Alltag und jeder kennt entsprechende Situationen.

Um so schneller und "sicherer" springt das Gehirn auf Reize an, wenn es bestimmte Erkennungsmuster trainiert hat (was überhaupt die Grundlage dafür ist, dass wir nicht permanent irren, denn im Alltag wiederholen sich Reizmuster ja so oft in gleicher Art und Weise, dass das Erkannte als Fakt sicher eingeordnet werden kann).
Wenn diese neuronale Netzwerke nun aber von Wünschen und Erwartungen beeinflusst werden, was an sich auch ein normaler Vorgang ist, dann wird eben genau das erkannt, was man erkennen will. Diese Wünsche und Erwartungen können auch völlig unbewusst im Hintergrund anwesend sein. Wer also geneigt ist, in den undefinierbaren Geräuschen auf einem Tonband Stimmen zu hören und/oder sogar einen konkreten Text, der "hört" sie tatsächlich! Denn es ist sein Gehirn, das ihm sagt, was da zu hören sein soll.

Selbst in der seriösen Wissenschaft sind reichlich Fälle solchen quasi-"Selbstbetruges" bekannt, indem eine unbewusst vorhandene Erwartung den untersuchenden Forscher so steuerten, dass sein Versuchsaufbau nicht mehr neutral war und das "gewünschte" Ergebnis sich wie von allein einstellen musste. Deshalb ist es in der seriösen Forschung Usus, eine neue Entdeckung bei Veröffentlichung als eine These zu formulieren, die erst durch weitere Untersuchungen anderer Forscher verifiziert oder falsifiziert wird.
Es ist überhaupt die Veri- bzw. Falsifizierbarkeit von Thesen, die seriöse Wissenschaft ausmacht.

Die Anhänger esoterischer, übersinnlicher, audiophiler und vergleichbarer Thesen verweigern aber gerade dieses Grundprinzip der Verifikation/Falsifikation und nehmen alleine ihre Wahrnehmung als Beweis, weshalb es sich eigentlich niemals lohnt, sich mit ihnen und mit ihren Thesen auseinanderzusetzen.


Da ich es aber gelegentlich immer noch nicht ganz lassen kann, in Threads zu lesen, die sich mit Mikrofonen auseinandersetzen in der Hoffnung, immer noch etwas dazu zu lernen, bin ich aktuell mal wieder auf einen Vergleich gestoßen: https://www.musiker-board.de/threads/der-grosse-microtech-gefell-kondensator-mikrofontest.668002/
Soweit ich mich mit Mikrofonen von MG auskenne oder ich über sie etwas erfahren habe, handelt es sich um sehr hochwertige und handwerklich sehr gut gemachte Mikrofone die man eigentlich unbesehen (müsste es nicht ungehört heißen?) einsetzen kann, - daran habe ich keinen Zweifel.
Was mir an diesem Thread (mal wieder) aufstößt sind Anmerkungen, wenn z.B. von "modern klingenden Mikrofonen" die Rede ist oder ein bestimmter Mikrofonvorverstärker "der Kapsel mehr ´girth´ oder ´leichte Körnigkeit´ gibt" (um nur die für mich abwegigsten Formulierungen zu nennen).
Eigentlich würde ich gerne in diesem Thread nachfragen, wie "modern" bei Mikrofonen denn so klingt und wie "leichte Körnigkeit". Letzteres kenne ich noch aus der Zeit, als ich ganz klassisch im Heimlabor Fotos vergrößert habe von den hochempfindlichen SW-Filmen. Bei Klängen würde ich da spontan eher an das Prasseln denken, dass auf Langwelle bei atmosphärischen Störungen oft zu hören war. Aber das wird hier sicher nicht gemeint sein.
Da ich mir aber keinen Erkenntnisgewinn auf meine Fragen hin ausrechne, spare ich mir dort die Fragerei und empfehle stattdessen allen hier interessierten den verlinkten Thread zur Erbauung, Schmunzeln oder Kopfschütteln, je nachdem.

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Re: Bullshitbingo

Beitragvon RainerG » 06.10.2017, 11:19

Hallo LoboMixx,

Ein sehr interessanter Beitrag den Du da verfaßt hast! Ja, unser Gehirn ist schon ein fantastischer "Apparat". Im Laufe der Jahre macht man Erfahrungen die ich als "Musterbildungen" bezeichnen möchte. Nur an 2 Beispielen sehe ich das immer wieder: 1. Am Lesen eines Schaltplans und 2. Beim Schachspiel.
1.Legt man einen Schaltplan einem Anfänger vor, dann geht der so vor: "Wenn ich am ersten Transistor ' wackele' , dann macht der nächste dies, der übernächste das, u.s.w - also ist es eine Verstärkerschaltung" bzw. Oszillator etc.

Als Profi dagegen sehe ich an der "Topologie" der Schaltung sofort was sie für eine Funktion hat und brauche erst gar nicht die Einzelheiten innen drin zu analysieren um anschließend festzustellen "aha, das ist ein Verstärker".
Konkret heißt dies: Der Anfänger denkt in Einzelheiten, der Profi dagegen denkt in Funktionsgruppen.

Ahnlich ist es beim Schach spielen wie ich es aus meiner Anfägerzeit noch weiß: Man analysiert jeden Zug und jeden möglichen Gegenzug und stellt dann fest: "aha, der erste Zu war nix, weil ich dann in den 3 nächsten Zügen matt werde".
Der geübte Spieler denkt in kompletten Stellungsbildern (Ein bekannter Schachbuchautor spricht von "Denken in Schachgestalten") und braucht dazu nicht jeden Einzelzug zu prüfen. Er sieht - und dies teilweise rein intuitiv - daß die Stellung eine Stärke bzw. eine Schwäche erhält wenn er einen bestimmten Zug macht. Solche Beispiele kann man sich in Chessbase und allen möglichen Schachbüchern suchen und findet sie massenweise.
Interessant ist hier folgender Sachverhalt: Man hat Schachprofispielern verschiedene Stellungen aufgebaut und sie eine kurze Zeit einsehen lassen. Dabei waren sowohl Stellungen die "normal" waren, also solche die in einem Spielablauf durchaus vorkommen können, als auch solche die schachlich unsinnig waren und niemals vorkommen können. Danach hat man die Bretter abgeräumt und die Spieler sollten die Stellungen aus dem Gedächtnis wieder aufbauen. Die Folge: Die sinnvollen Stellungen haben alle wieder aufbauen können, wogegen die unsinnigen Stellungen nicht reproduziert werden konnten.

Ich denke mal, daß es mit allem so ist, daß unser Gehirn im Laufe unseres Lebens lernt in "Mustern" zu denken. Auch beim Lesen einer Partitur ist das so: Der Anfänger muß sich einen Akkord auf dem Klavier vorspielen. Der Profi sieht das Notenbild und hört im Geist wie es klingt und zwar nicht nur die einzelnen Akkorde, sondern ganze Sequenzen.
So ist es ja auch beim Lesen: Das Kind das gerade anfängt das Lesen zu lernen liest erst die Einzelbuchstaben und anschließend bildet es daraus das Wort, wir Erwachsene sehen das Schriftbild und erkennen sofort das Wort UND dessen Sinn, selbst dann wenn ein Rechtschreibfehler drin ist. Hier spielt auch die "redundande" Information eine Rolle.

Und auch mit dem ganzen Thema "Hifi und Highend" ist das so: Die Psychologie spielt hier eine große Rolle: Man hört was man hören will - die Erwartungshaltung siegt hier und dies letztlich auch aus dem ganz einfachen Grund weil man nicht wahr haben will, daß man für teures Geld (z.B. ein Kabel für 1000 €) etwas gekauft hat, das keinerlei Verbesserung bewirken soll, weder physikalisch noch psychoakustisch.
Was mich in diesem Zusammenhang immer wieder verwundert, daß gerade (Profi)Musiker auf solche Verführungen herein fallen und Dinge hören die gar nicht existieren. Musiker scheinen mir da manchmal anfälliger zu sein als Nichtmusiker. Beispiele habe ich da immer wieder erlebt.

Grüße
RainerG
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Re: Bullshitbingo

Beitragvon RainerG » 06.10.2017, 11:37

Wolfus hat geschrieben:Das erinnert mich an den Witz, bei dem der Psychologe nach dem Rohrschach-Test sagt: "Sie haben aber eine verdorbene Phantasie". Darauf der Patient: "Aber Sie zeigen mir doch den ganzen Schweinekram".

Der illustriert das ganz gut. Oder, weniger witzig: ich denke jeder hier hat schon mal sehr feinfühlige Einstellungen an einem Gerät/Plugin gemacht bis es stimmt und später bemerkt, dass es auf Durchgang geschaltet war, im anderen Kanal o.ä :roll: . Oder bin ich der Einzige hier, der das schon geschafft hat?



Ach, da fällt mir noch einer ein:

Begegnen sich zwei Psychologen auf der Straße. Sagt der eine "Guten Tag Herr Kollege - Ihnen geht es sehr gut!, wie geht es mir?"
Und noch einer: Ruft ein Psychologe seinen Patienten an am Telefon: "Hallo, Haaaaloooo!!! Warum machen Sie denn dauernd 'tut tut tut tut tut tut tut tut' ?"

Grüße
RainerG
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Re: Bullshitbingo

Beitragvon manjak » 08.10.2017, 08:05

Dann gebe ich auch noch mal einen zum Besten:

wo ist der Unterschied zwischen einem Neurotiker, einem Psychotiker und einem Psychiater?

Der Neurotiker baut Luftschlösser,
der Psychotiker bewohnt Sie
und der Psychiater kassiert die Miete dafür.


Die Diagnose bei diesen Leuten ist doch klar: Schizophrenie! Das wird doch nicht dadurch besser, dass man da die Schuld auf das Tonband schiebt.

VG Manfred
Viele Grüße
Manfred

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Re: Bullshitbingo

Beitragvon aseptisch » 11.10.2017, 15:33

Ich hab' den Thread nicht komplett gelesen, aber noch was zur Wahrnehmung, was ich vor einiger Zeit im Radio in einem Wissenschaftsmagazin gehört habe (NDR Info oder DLF). Da es schon etwas her ist, ist meine Beschreibung vielleicht nicht so ganz korrekt:

Man hat Personen auf einem Bildschirm einfache Bewegungssequenzen vorgespielt, und ich glaube, sie sollten eine Taste drücken, wenn irgendwas Bestimmtes passiert, z. B. ein Kreis von links hereinkommt. Allerdings wiederholte sich die Sequenz so oft, dass man annehmen konnte, dass dasselbe wiederkehrt. Daher wurden die Reaktionszeiten immer besser. Dann hat man es aber einmal ausbleiben lassen. Das Interessante war, dass die Messung von Nervenimpulsen (oder wie auch immer man das misst) ergab, dass bereits von den Augen der visuelle Reiz ans Gehirn gemeldet wurde, obwohl er gar nicht vorhanden war. Kann sein, dass sie auch sagten, dass in den anderen Fällen die Meldung der Augen schon kurz vor dem Eintreten erfolgte.


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