Seit gestern gab es einige Probleme bei der Anmeldung. Es erschienen etwas kryptische Fehlermeldungen.
Jetzt funktioniert wieder Alles.
Der Grund war: Der Provider hat heimlich still und leise die PHP Version von Version 5.6 auf 7.2 geändert.
Wir haben dies temporär wieder rückgangig gemacht.
Allerdings werde ich in den nächsten Tagen noch mal einen Update der Forensoftware
machen und ich hoffe dass alles problemlos läuft.
Hin und wieder kann es während dem Upgrade Prozess zu einer Nichterreichbarkeit
bzw. Fehlermeldungen kommen.

Prüfung für angehende Tonmenschen

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hafi69
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Re: Prüfung für angehende Tonmenschen

Beitragvon hafi69 » 28.04.2014, 14:10

Ich vermisse den Nachweis für diese Behauptung.

Alle hier verlinkten Quellen und eigene Erfahrungen weisen das mit Leichtigkeit nach.
Vielleicht hast Du meinen Satz nur überflogen und nicht richtig gelesen?

...dass die Summe der Faktoren (Lagerung, Qualität des Bandes, Qualität der Wicklung, ...) praktisch einen erheblich größeren Einfluss auf auf die [allgemeine] Qualität (nebst Kopiereffekt) haben mag als die damit überbewertete Frage der Schichtlage [bei der Wiedergabe].

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Re: Prüfung für angehende Tonmenschen

Beitragvon Wolfus » 28.04.2014, 15:58

Ich erinnere mich (Webers Tonstudiotechnik? Ich bin nicht sicher) an Aussagen, dass mit extrem abgeschwächtem Löschsignal die durchkopierte Magnetisierung deutlich mehr als das eigentliche Signal vermindert wird und daher bei seltenem Abspielen eine Optimierung des Signal/Störsignalabstandes möglich ist.

Wer hat sich eigentlich je getraut, diese problematische Methode wirklich anzuwenden? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Nutzsignal davon völlig unbeeindruckt bleibt. Aber bei einer finalen Auslesung zum Digitalisieren und Archivieren könnte das vielleicht zu Verantworten sein?
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Re: Prüfung für angehende Tonmenschen

Beitragvon RainerG » 28.04.2014, 16:58

Wolfus hat geschrieben:....
Wer hat sich eigentlich je getraut, diese problematische Methode wirklich anzuwenden? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Nutzsignal davon völlig unbeeindruckt bleibt. Aber bei einer finalen Auslesung zum Digitalisieren und Archivieren könnte das vielleicht zu Verantworten sein?


Also ich würde mich da auch nicht trauen, vor allem dann wenn es heikle Aufnahmen sind die unwiederbringlich sind.
Es gibt aber auch noch eine andere Methode:
Man nimmt einen kurzen Schnippel Band und magnetisiert diesen mit einem starken Dauermagnet auf. Diesen Schnippel befestigt man an einer Bandführung und läßt das Band daran vorbeilaufen. Wegen der geringen Stabilität der Echomagnetisierung werden diese Echos gelöscht. Habe das allerdings selbst noch nicht probiert, sondern irgendwo gelesen.

Grüße
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Re: Prüfung für angehende Tonmenschen

Beitragvon Arno » 28.04.2014, 17:21

Hallo,

gibt es dafür denn tatsächlich noch keine (Restaurations-)Software? Rein theoretisch müsste man die Vor-/Nachechos doch durch Phasenauslöschung beseitigen können?

Arno
Moment, Moment! Haben Sie das gehört? Was für ein seltsamer Ton!

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Re: Prüfung für angehende Tonmenschen

Beitragvon Wolfus » 28.04.2014, 17:33

So ganz einfach ist es aber nicht, denn der Abstand der Vor- und Nachechos variiert mit dem Umfang der Wicklung. Der ändert sich laufend beim Abspielen. Es lässt sich sicherlich machen, wenn sogar die Echo Cancellation der Videokonferenzsysteme live einsatzfähig ist. Dazu müsste die Software ein Modell der Kopie erzeugen und dessen Parameter laufend nachoptimieren, so dass das Echo maximal ausgelöscht wird. Von einer solchen Software gehört habe ich noch nicht.
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Re: Prüfung für angehende Tonmenschen

Beitragvon Arno » 28.04.2014, 17:55

Wolfus hat geschrieben:So ganz einfach ist es aber nicht, denn der Abstand der Vor- und Nachechos variiert mit dem Umfang der Wicklung.


Außerdem: die Tonhöhe schwankt minimal.
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Re: Prüfung für angehende Tonmenschen

Beitragvon alex » 28.04.2014, 19:38

hafi69 hat geschrieben:Alle hier verlinkten Quellen und eigene Erfahrungen weisen das mit Leichtigkeit nach.

Zumindest in den Quellen, die ich dazu beigesteuert habe, sind mir solche Nachweise noch nicht mit Leichtigkeit aufgefallen. Insofern wäre ich dankbar für jede konkrete Aufklärung. Was die eigenen Erfahrungen angeht, deuten meine sämtlichen Nachweise definitiv in die gegenteilige Richtung.

hafi69 hat geschrieben:Vielleicht hast Du meinen Satz nur überflogen und nicht richtig gelesen?

??

...dass die Summe der Faktoren (Lagerung, Qualität des Bandes, Qualität der Wicklung, ...) praktisch einen erheblich größeren Einfluss auf auf die [allgemeine] Qualität (nebst Kopiereffekt) haben mag als die damit überbewertete Frage der Schichtlage [bei der Wiedergabe].

Bei der Wiedergabe? Ich dachte wir sprachen hier bisher über Archivierung. Die verwendete Schichtlage beim Wiedergabevorgang selbst ist nun wirklich unerheblich.

Was mit "allgemeiner Qualität" gemeint ist, erschließt sich mir in diesem Kontext nicht. Das aktuelle Thema war spezifisch der Kopiereffekt, nicht etwa Gleichlaufschwankungen durch Bandüberdehnung, Schichtablösung, oder ähnliche gravierend qualitätsvermindernden Faktoren bei der Archivierung.

Um auf den Kopiereffekt zurückzukommen: Die Diagramme auf S. 79 f. im von mir verlinkten Vortrag von Fritz Hammon lassen erkennen, dass die Pegelunterschiede zwischen Vor- und Nachechos im kritischen Frequenzbereich von 300 … 2000 Hz bei 3 … 5 dB liegen. Diese Pegelunterschiede bleiben auch nach langer Lagerung in derselben Größenordnung bestehen, unabhängig davon, wie viele kopiereffektverstärkende Faktoren hinzukommen (magnetische Eigenschaften des Schichtmaterials, Schichtdicke, Gesamtdicke, Aufzeichnungswellenlänge, Lagerzeit, Lagerbedingungen, externe magnetische Felder …). Da ein Vorecho subjektiv eher stört als ein Nachecho (s. Hammon S. 81), ist die Schichtlage bei der Lagerung für mich keineswegs irrelevant.

Grüße, alex
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Re: Prüfung für angehende Tonmenschen

Beitragvon alex » 28.04.2014, 20:12

RainerG hat geschrieben:Man nimmt einen kurzen Schnippel Band und magnetisiert diesen mit einem starken Dauermagnet auf. Diesen Schnippel befestigt man an einer Bandführung und läßt das Band daran vorbeilaufen. Wegen der geringen Stabilität der Echomagnetisierung werden diese Echos gelöscht. Habe das allerdings selbst noch nicht probiert, sondern irgendwo gelesen.

So ähnlich funktionierte eine Variante des von mir zuvor erwähnten sog. "Echolöschkopfs" – allerdings mit Wechselspannung, welche die Gefahr ausschließt, auf dem Archivband eine störende Gleichfeldremanenz zu hinterlassen. Tatsächlich handelte es sich hierbei nicht um einen Löschkopf, sondern eher um einen Löscharm. Die Beschreibung einer Form dieser Einrichtung findet sich in der ersten Ausgabe von Fritz Winckels "Technik der Magnetspeicher" (1960). Ich versuche sie aus dem Gedächtnis wiederzugeben:

Vorzugsweise auf einem hochkoerzitiven, hochaussteuerbaren Band wurde ein Signal zwischen 1 … 4 kHz mit Sättigungspegel aufgezeichnet. Ein kurzes Bandstück davon (ca. 5 cm) wurde leicht schräg zur Bandlaufrichtung auf einem speziell dafür gebogenen Arm angebracht, den man auf der Abwickelseite so in den Bandtransportweg schwenken konnte, dass die Magnetschichten der Echolöschaufzeichnung und des Archivbandes zueinander zeigten und sich berühren konnten. Dieser Arm durfte nur während des laufenden Bandtransports (d.h. während des Wiedergabe) mit dem Archivband in Berührung kommen, da sonst an der Berührungsstelle die Aufzeichnung des Echolöscharms auf das Archivband übertragen worden wäre.

Solche Echolöscharme waren z.B. lieferbar für den nachträglichen Einbau in die Telefunken T9. Auf dieser Maschine habe ich sie auch häufig verwendet. Das optimale Ergebnis war am besten durch Ausprobieren zu ermitteln, was viel Fingerspitzengefühl verlangte, vor allem bei unersetzlichen Aufzeichnungen.

Natürlich war es nicht möglich, Kopierechos vollständig zu eliminieren und dabei die Nutzaufzeichnung unangetastet zu lassen, doch war man für jede Verminderung des Kopiereffektes dankbar. Es ging also eher darum, ob die zwangsläufigen Veränderungen des Nutzsignals vertretbar waren oder nicht. Dies schloss die häufige Verwendung dieser Art der Echolöschung für dasselbe Archivband von vornherein aus. Wie Wolfus schon schrieb, war sie hingegen für eine einmalige Wiedergabe zur Digitalisierung durchaus zu erwägen, falls das Vor- und Rückspulen nicht die gewünschte Verminderung des Kopiereffektes erzielte.

Grüße, alex
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Re: Prüfung für angehende Tonmenschen

Beitragvon alex » 28.04.2014, 20:26

Wolfus hat geschrieben:Dazu müsste die Software ein Modell der Kopie erzeugen und dessen Parameter laufend nachoptimieren, so dass das Echo maximal ausgelöscht wird. Von einer solchen Software gehört habe ich noch nicht.

Ich leider auch nicht. Beim derzeitigen Stand der Technik ist zur Digitalisierung analoger Band- oder Plattenaufzeichnungen wohl immer noch mehr oder weniger Handarbeit notwendig, wenn es um die zufriedenstellende Beseitigung von Kopiereffekten geht.

Zumindest habe ich eine Patentschrift der France Telecom von 1997 aufgetrieben, wo Wolfus' Idee anscheinend aufgegriffen wird. "Anscheinend“ deshalb, weil ich ehrlich zugeben muss, das ich nicht komplett verstehe, wie die Erfindung tatsächlich funktioniert. Beim mathematischen Teil zucke ich häufiger mit den Schultern.

Versteht jemand mehr von der Angelegenheit und kann hier weiterhelfen?

Grüße, alex
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Re: Prüfung für angehende Tonmenschen

Beitragvon hafi69 » 29.04.2014, 01:43

Was die eigenen Erfahrungen angeht, deuten meine sämtlichen Nachweise definitiv in die gegenteilige Richtung.

Dann hieße das: Alle von mir aufgezählten Parameter sind belanglos, Hauptsache die Schichtlage
ist invertiert?? Das kann ich nicht annehmen.

Das aktuelle Thema war spezifisch der Kopiereffekt, nicht etwa Gleichlaufschwankungen durch Bandüberdehnung, Schichtablösung, oder ähnliche gravierend qualitätsvermindernden Faktoren bei der Archivierung.

Und doch nützt die höchste Kopierdämpfung nichts, wenn andere Faktoren nicht stimmen.
Und es waren meist andere Faktoren die in der Produktion Probleme bereiteten:
Bandabrieb, Höhenverluste, tote Spuren, falsche Kalibrierung, Rauschen, Übersprechen...
Bei der Wiedergabe? Ich dachte wir sprachen hier bisher über Archivierung. Die verwendete Schichtlage beim Wiedergabevorgang selbst ist nun wirklich unerheblich.

Es ging doch auch nicht expliziert nur um Archivierung, sondern um den generellen Vorteil der "deutschen Schichtlage", weswegen der deutsche Rundfunk ja nicht nur die Archivierung (sinnvollerweise) entsprechend vornahm, sondern auch die Maschinen und den Produktionsalltag darauf abrichtete,
und damit waren leider erstmal alle Bänder "von außen" nicht sofort abspielbar.
Davon ausgehend, dass eine genormte Codierung am "Lead In" seltsamerweiser nicht existierte
(anders als bei anderen teilweise offensichtlichen Parametern - und das war ja mein Einstieg ins Thema) sind Fehler im laufenden Betrieb vorprogrammiert gewesen.
Ein recht hoher Preis für ein Verfahren, dass offenkundig nur bei der Archivierung Vorteile bringt...
Noch sinnvoller wäre es wohl gewesen, man hatte sich International auf eine Norm einigen können.

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Re: Prüfung für angehende Tonmenschen

Beitragvon alex » 29.04.2014, 08:50

hafi69 hat geschrieben:
Was die eigenen Erfahrungen angeht, deuten meine sämtlichen Nachweise definitiv in die gegenteilige Richtung.
Dann hieße das: Alle von mir aufgezählten Parameter sind belanglos, Hauptsache die Schichtlage ist invertiert??

Nein, es hieße lediglich, dass neben allen anderen Faktoren auch die Schichtlage bei der Archivierung eine Rolle spielt, die nicht von vornherein belanglos ist.

Falls die Aufnahme sonstige Artefakte aufweist (weil beispielsweise andere technische Parameter nicht genügend beachtet oder ausgereizt wurden), tritt demgegenüber die Wirkung des Kopiereffektes subjektiv entsprechend zurück. Oder überspitzt ausgedrückt: Bei einer miserablen Aufnahme mit hörbaren Übersteuerungen, Frequenzgangverwerfungen, Gleichlaufschwankungen, Rauschen, Brummen, Knistern oder sonst vorstellbaren unliebsamen Begleiterscheinungen wären mir die zusätzlichen Vor- oder Nachechos auch vergleichsweise wurscht.

Doch selbst wenn sämtliche übrigen technischen Bedingungen bei der Produktion und der Archivierung einer Bandaufzeichnung ideal gewesen sein sollten (und solche Archivbänder gibt es ja glücklicherweise auch): um den Kopiereffekt, vor allem bei Langzeitarchivierung, kommt niemand herum, weil er physikalisch unumgänglich ist. Und gerade bei Aufnahmen, die sonst technisch einwandfrei bis makellos sind, machen sich - wiederum subjektiv gesprochen - die unvermeidlichen Vor- und Nachechos um so auffälliger und störender bemerkbar.

Es waren aber gerade die naturgesetzlichen Gegebenheiten und Notwendigkeiten, um die unsere geistigen Vorväter sich jahrzehntelang grundlegende und anerkennungswürdige Gedanken machten und für die damalige Zeit zum Teil erstaunliche bis geniale Wege und Methoden entwickelten, welche damals gangbar waren und zumindest die Chance boten, den so störenden wie unvermeidlichen (Vor)Echoeffekt nicht unnötig weiter zu vergrößern. Man konnte in der Frühzeit des Nachkriegsrundfunks beispielsweise kaum ahnen, dass in den 1960er und 70er Jahren professionelle NR-Systeme auf dem Markt erscheinen würden, welche bei Studiobändern den Kopiereffekt der damit produzierten Aufnahmen an den Rand der Unhörbarkeit drängen können.

hafi69 hat geschrieben:Und doch nützt die höchste Kopierdämpfung nichts, wenn andere Faktoren nicht stimmen. Und es waren meist andere Faktoren die in der Produktion Probleme bereiteten: Bandabrieb, Höhenverluste, tote Spuren, falsche Kalibrierung, Rauschen, Übersprechen...

Bei den normativen Festlegungen während der Frühzeit der Magnetbandtechnik konnten Lagerungseffekte, die sich erst wesentlich später herausstellten (Abrieb, Höhenverluste, Welligkeit, Schichtablösungen, aufgelöste Klebestellen …), naturgemäß kaum eine Rolle spielen.

Falsche Kalibrierung, übermäßiges Rauschen oder Übersprechen, Übersteuerungen, verkehrt eingemessene Aufnahmemaschinen, fehlende Pegeltöne und dergleichen würde ich zu jenen Faktoren zählen, die eher auf die individuelle Qualität der verwendeten Gerätschaften bzw. den Grad des technischen Sachverstands beim Anwender zurückzuführen sind als auf physikalisch-technisch unvermeidliche Begrenzungen. Und unsachgemäße Anwendung entzieht sich - behutsam ausgedrückt - ohnehin dem Einfluss jeglicher Normierung.

Was die technischen Möglichkeiten angeht, haben sich sachkundige Vorfahren zu allen Zeiten und auf allen beteiligten Fachgebieten redlich und effektiv bemüht, sämtliche relevanten Parameter so weit wie zur jeweiligen Zeit technisch möglich zu optimieren bzw. näher an die physikalische Grenze zu bringen. Und zu den maßgeblichen elektroakustischen Parametern gehörte beim Magnetband - gleichwertig neben Grundrauschen, Modulationsrauschen und Aussteuerbarkeit - eben auch die Kopierdämpfung.

hafi69 hat geschrieben:Es ging doch auch nicht expliziert nur um Archivierung, sondern um den generellen Vorteil der "deutschen Schichtlage",

Das ist mir neu. Habe ich Beiträge übersehen oder falsch verstanden? Während der Durchsicht bisheriger Beiträge muss ich sogar feststellen, dass tatsächlich ich es war, der einen Vorteil der deutschen Schichtlage überhaupt in die Diskussion brachte. Und den klarsten und größten - vielleicht sogar einzigen - Vorteil der deutschen Schichtlage sehe ich tatsächlich in der Archivierung. Ob dieser Vorteil tatsächlich so groß ist, mag gerne jeder für sich entscheiden. Demgegenüber habe ich z. B. beim mechanischen Schnitt "schichtaußen" immer als ziemlich hinderlich und umständlich empfunden, unabhängig davon, welche konstruktive Lösung einzelne Hersteller dafür präsentierten.

hafi69 hat geschrieben:Noch sinnvoller wäre es wohl gewesen, man hatte sich International auf eine Norm einigen können.

Das hat man zwar getan - es waren halt nur nicht alle Institutionen bzw. Länder daran beteiligt. Hauptursache, wie so oft: Die nötigen umfangreichen und komplexen Überlegungen führten schließlich zu unterschiedlichen Einschätzungen über die Vor- und Nachteile von Festlegungen in eine bestimmte Richtung.

Dasselbe gilt auch für international uneinheitliche Bezugspegel, Entzerrungen und Spurlagen. Was diese angeht, so wurden Bezugspegel und Entzerrungen der fortscheitenden technischen Entwicklung über die Jahrzehnte nach und nach angepasst, und auch dies weder synchron noch einheitlich - was das Chaos, auf das wir jetzt im Nachhinein zurückblicken, nur vergrößern half.

So lassen sich - mit der Tonaufzeichnung auf Magnetband als Beispiel - sehr anschaulich sowohl die unbestreitbaren Vorteile als auch die unvermeidbaren Nachteile normativer Festlegungen im Allgemeinen studieren.

Grüße, alex
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Re: Prüfung für angehende Tonmenschen

Beitragvon RainerG » 29.04.2014, 14:21

alex hat geschrieben:Dasselbe gilt auch für international uneinheitliche Bezugspegel, Entzerrungen und Spurlagen. Was diese angeht, so wurden Bezugspegel und Entzerrungen der fortscheitenden technischen Entwicklung über die Jahrzehnte nach und nach angepasst, und auch dies weder synchron noch einheitlich - was das Chaos, auf das wir jetzt im Nachhinein zurückblicken, nur vergrößern half.

So lassen sich - mit der Tonaufzeichnung auf Magnetband als Beispiel - sehr anschaulich sowohl die unbestreitbaren Vorteile als auch die unvermeidbaren Nachteile normativer Festlegungen im Allgemeinen studieren.

Grüße, alex


Hallo Alex,

Da Du u.a. auch die Entzerrung erwähnst:
Ich meine Du hättest mal gesagt, daß Du auch noch eine NAGRA IV-S hast. Dieses Gerät hatte bei 38 cm/s zusätzlich die Sonderentzerrung "NAGRAMASTER" (13 µs). Hast Du diese mal oder öfter benutzt, bzw. siehst Du darin Vorteile gegenüber der sonst üblichen CCIR-Entzerrung mit 35 µs?
Kudelski hatte diese Nagramaster-Entzerrung gewählt wegen des Kopiereffektes bei den Low-Noise-Bändern um den Störabstand in der Nähe von 70 dB zu halten.

Grüße
RainerG
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Re: Prüfung für angehende Tonmenschen

Beitragvon alex » 29.04.2014, 15:37

RainerG hat geschrieben:... die Sonderentzerrung "NAGRAMASTER" (13 µs). Hast Du diese mal oder öfter benutzt, bzw. siehst Du darin Vorteile gegenüber der sonst üblichen CCIR-Entzerrung mit 35 µs?

Ja, ich habe auch noch eine Nagra IV-S, und sie läuft wie der sprichwörtliche VW Käfer noch immer wie am ersten Tag, toi toi toi ...

Ohne eingeschleiften Kompander (also "nackig", wie ich manchmal sage) macht sich die Nagramaster-Entzerrung gehörsmäßig sehr angenehm bemerkbar. Man mag kaum glauben, dass der Geräuschspannungsabstand messtechnisch nur um ca. 3 ... 3,5 dB steigen soll. Das ist zwar etwas weniger als die damalige ARD-Entzerrung (die speziell für Mehrspurmaschinen gedacht war) ermöglichte. Dafür wird aber auch die Höhenaussteuerbarkeit des Magnetbands um 4 kHz (wo die ARD-Entzerrung ihr Maximum hat) deutlich weniger strapaziert.

Diesen Vorteil bezahlt man natürlich mit entsprechendem Kompatibilitätsverlust, weil die Aufnahmen ohne zusätzliche Entzerrungskorrektur nur auf entsprechend ausgerüsteten Nagra-Maschinen korrekt wiedergegeben werden können.

Dabei fällt mir etwas ein: Wegen gewisser Beschränkungen der internen Einstellmöglichkeiten für Arbeitspunkt und Aufnahmepegel, vor allem aber wegen der begrenzten Aussteuerbarkeit des Aufnahmeverstärkers kann eine Nagra IV-S die Aussteuerungsreserven neuester Bandentwicklungen wie BASF SM 900 oder 911 kaum ausreizen. Das ist aber kaum Kudelski anzulasten - schließlich kamen diese Bandsorten erst ca. 25 Jahre nach der Nagra IV auf den Markt. Diese besondere Eigenheit kann man aber auch als Vorteil ansehen: Sogar bei der "verschärften" Nagramaster-Entzerrung muss man sich um eine evtl. Begrenzung der Höhenaussteuerbarkeit praktisch keine Sorgen machen.

Sobald man allerdings die Nagra mit Kompander verwendet, wird die Wahl "CCIR oder Nagramaster" praktisch irrelevant. Andere Parameter wie Pegelkonstanz oder möglichst linearer Frequenzgang "über Band" werden dafür um so entscheidender.

Grüße, alex
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Re: Prüfung für angehende Tonmenschen

Beitragvon tillebolle » 30.04.2014, 11:47

alex hat geschrieben:
Wolfus hat geschrieben:Es lässt sich sicherlich machen, wenn sogar die Echo Cancellation der Videokonferenzsysteme live einsatzfähig ist. Dazu müsste die Software ein Modell der Kopie erzeugen und dessen Parameter laufend nachoptimieren, so dass das Echo maximal ausgelöscht wird. Von einer solchen Software gehört habe ich noch nicht.

Ich leider auch nicht. Beim derzeitigen Stand der Technik ist zur Digitalisierung analoger Band- oder Plattenaufzeichnungen wohl immer noch mehr oder weniger Handarbeit notwendig, wenn es um die zufriedenstellende Beseitigung von Kopiereffekten geht.

Zumindest habe ich eine Patentschrift der France Telecom von 1997 aufgetrieben, wo Wolfus' Idee anscheinend aufgegriffen wird. "Anscheinend“ deshalb, weil ich ehrlich zugeben muss, das ich nicht komplett verstehe, wie die Erfindung tatsächlich funktioniert. Beim mathematischen Teil zucke ich häufiger mit den Schultern.

Versteht jemand mehr von der Angelegenheit und kann hier weiterhelfen?

Grüße, alex

Bei der Echokompensation in Freisprecheinrichtungen und Videokonferenzsystemen liegen immer zwei Eingangssignale an:
a.) das Sprachsignal des entfernten Gesprächspartners
b.) und das lokale Mikrofonsignal mit dem lokalen Sprecher und dem über Lautsprecher wiedergegebenen entfernten Signal.

Aufgabe der Echokompensation ist "lediglich", über eine Kreuzkorrelation die Verzögerung und die Dämpfung von a.) in b.) zu bestimmen (oder Verzögerungen und Dämpfungen im Falle von mehreren Reflektionen) und a.) dann in b.) durch Invertierung auszulöschen.

Im Falle einer Audioaufnahme liegt leider nur ein Signal vor. Diesen Umstand versucht das von alex angeführte Patent zu umgehen, indem im Frequenzbereich versucht wird, die frequenzabhängige Dämpfung und Verzögerung des Echos zu bestimmen, und so a.) aus b.) zu extrahieren. Dann kann das Echo ausgelöscht oder mindestens minimiert werden.

Scheint aber mehr schlecht als recht zu funktionieren, sonst gäb's da sicher funktionsfähige Implementierungen. Vielleicht will's aber auch bloß keiner implementieren weil FT da ja ein Patent drauf hat.

@Arno: Das wär doch mal ein interessantes Thema für eine Masterarbeit bei euch am Lehrstuhl.

Interessant, wohin freie Assoziation eine anfängliche Quatschdiskussion führen kann...

Viele Grüße
tillebolle
SchöneTöne - Phonographie
http://www.schönetöne.com

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Re: Prüfung für angehende Tonmenschen

Beitragvon Arno » 01.05.2014, 11:28

Hallo,
tillebolle hat geschrieben:@Arno: Das wär doch mal ein interessantes Thema für eine Masterarbeit bei euch am Lehrstuhl.


dachte ich mir auch schon. Werde ich bei Gelegenheit vorschlagen.

Gruß, Arno
Moment, Moment! Haben Sie das gehört? Was für ein seltsamer Ton!


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