Seit gestern gab es einige Probleme bei der Anmeldung. Es erschienen etwas kryptische Fehlermeldungen.
Jetzt funktioniert wieder Alles.
Der Grund war: Der Provider hat heimlich still und leise die PHP Version von Version 5.6 auf 7.2 geändert.
Wir haben dies temporär wieder rückgangig gemacht.
Allerdings werde ich in den nächsten Tagen noch mal einen Update der Forensoftware
machen und ich hoffe dass alles problemlos läuft.
Hin und wieder kann es während dem Upgrade Prozess zu einer Nichterreichbarkeit
bzw. Fehlermeldungen kommen.

Bayreuther Festspielhaus 2

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sleepytomcat
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Bayreuther Festspielhaus 2

Beitragvon sleepytomcat » 11.08.2014, 10:58

Es dürfte bekannt sein, dass das Gestühl im Bayreuther Festspielhaus eine “Katastrophe” ist: einfache Sperrholzsitze mit kurzer umgepolsterter Rückenlehne und einer Sitzfläche, die mit einem dünnen Cord-Bezug versehen ist. Das Gestühl erinnert an einen Hörsaal aus den 50er Jahren.

Eine längere Oper durchzustehen ist Qual.

Auf Nachfrage erfuhr ich, das eine Veränderung des Gestühls die “überragende Akustik” des Hauses zerstören würde. Ein Versuch mit etwa 10 Reihen hätte das bestätigt (saß dabei jemand auf den Stühlen?).

Ich frage mich, ob hier vielleicht Blödsinn verbreitet wird: Wie verändert ein Gestühl, das an den relevanten Flächen (Sitz und Lehne) durch einen Hintern und einen Rücken abgedeckt bedeckt wird die Raumakustik? Hat da nicht eher der Mensch mit seinem Körper und seiner Bekleidung Einfluss?

Warum wird das Gestühl aus “akustischen Gründen” nicht verbessert, aber mitgebrachte Sitzkissen toleriert, weil sie für die Akustik unbedeutend sind?

Es wird wohl ein Prinzip sein oder die Festspielleitung hat kein Geld (wäre bei “Wagners” ja nicht ungewöhnlich…).
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Re: Bayreuther Festspielhaus 2

Beitragvon alex » 11.08.2014, 14:36

sleepytomcat hat geschrieben:Warum wird das Gestühl aus “akustischen Gründen” nicht verbessert, aber mitgebrachte Sitzkissen toleriert, weil sie für die Akustik unbedeutend sind?

Sobald ein Zuschauer das Sitzkissen so gut wie vollständig verdeckt, wird es für die Saalakustik belanglos. Hingegen werden die Schallschluckeigenschaften der freibleibenden Flächen des Gestühls (Unterseite Sitzfläche, Hinterseite Rückenlehne ...) akustisch relevant bleiben.

Zu den Vorgaben und Maßnahmen bei der akustischen Erneuerung des Bayreuther Festspielhauses vor zwanzig Jahren finden sich auf der nmz-Homepage wenige, jedoch aufschlussreiche Informationen des verantwortlichen Akustikers (Prof. Karlheinz Müller, München):

"All die Um- und Einbaumaßnahmen sollten nichts verbessern, aber der Klangcharakter und die Klangtreue des Saales mussten erhalten bleiben. Wolfgang Wagner war mutig genug, eine Totalrenovierung des Gebäudes vorzunehmen, ohne dass es der breiten Öffentlichkeit bewusst war, um ja nicht eine Diskussion anzustoßen, wie zum Beispiel: 'Früher war die Akustik doch besser!' So konnten wir mit Ruhe eine Klimaanlage einbauen, die für das Publikum unhörbar ist; die Decken- und Wandelemente renovieren und zum Teil das gesamte Proszenium und Portal erneuern, da dies morsch und in hohem Maße brandgefährdet war. Alle Konstruktionen, alle Materialien wurden immer wieder akustisch geprüft: Der Klang des Bayreuther Festspielhauses muss erhalten bleiben. Auch dies ist geglückt."

Und beim Deutschlandradio zu den Besonderheiten der Abdeckung des Orchestergrabens:

"Die Besonderheit des Grabens ist, dass er als erstes den Klang sehr stark mischt, ihn aber dann nicht direkt in den Zuschauerraum sendet, sondern durch die verschiedenen Überdeckungen zuerst in den Bühnenraum und dann erst vom Bühnenraum wieder in den Zuschauerraum hinein. Das hat im Wesentlichen zwei Vorteile: einmal ist der Orchesterklang für das Publikum ein bisschen weiter weg, noch mystischer, als ob er aus dem All käme. Und es hat einen großen Vorteil für die Sänger, da dieses große Orchester sie nicht permanent zudecken kann."

Soviel auf die Schnelle.

Grüße, alex
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Re: Bayreuther Festspielhaus 2

Beitragvon sleepytomcat » 11.08.2014, 16:45

Die freibleibenden Anteile eines Sitzes können ja bleiben wie sind, deswegen müssen die vom Körper berührten Flächen ja nicht so grausam sein…
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Re: Bayreuther Festspielhaus 2

Beitragvon alex » 11.08.2014, 16:56

sleepytomcat hat geschrieben:... deswegen müssen die vom Körper berührten Flächen ja nicht so grausam sein…

Und selbstredend gibt es seit Jahrzehnten Sitze, welche die Schallschluckeigenschaften von Personen in Konzertkleidung ziemlich genau imitieren. In der Praxis bedeutet dies, dass ein ausverkaufter Saal fast dieselben Nachhalleigenschaften aufweist wie ein leerer.
Doch auch in Bayreuth gilt anscheinend das Motto, mit dem Georg Kreisler bereits die Stadt Wien charakterisierte: "Nur nix Neu's, bleib'ma schön beim Oiden..."

Grüße, alex
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Bayreuther Festspielhaus 2

Beitragvon bremusound » 11.08.2014, 22:07

Neue Sitze würden nicht das Problem des für heutige Maße zu kleinen Sitzabstandes lösen... aber seien wir ehrlich: wer Karten bekommt, nimmt mangelnden Komfort in Kauf - Profis bringen sich, wie im Stadion - ein Klappkissen mit. Ich persönlich befand bislang die Hitze und Luftqualität immer als das größere Problem! Daß da eine Klimaanlage drin ist hätte ich nicht vermutet.
Die Grabenakustik ist wirklich einzigartig. Die Sängerinnen und Sänger werden selten zugedeckt, gleichwohl kommt aus dem Graben die volle Palette an Farben, was in normalen Opernhäusern eigentlich nie möglich ist, weil dort meist die Orchester durch dynamische Retuschen in Zaum gehalten werden müssen. Dadurch gehen leider nicht nur einiges an Dynamik, sondern auch eine Menge Klangfarben verloren.

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Re: Bayreuther Festspielhaus 2

Beitragvon RainerG » 12.08.2014, 15:03

alex hat geschrieben:Und selbstredend gibt es seit Jahrzehnten Sitze, welche die Schallschluckeigenschaften von Personen in Konzertkleidung ziemlich genau imitieren. ...

Grüße, alex



Hat man im HR-Sendesaal und in der Frankfurter Alten Oper realisiert.

Grüße
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Re: Bayreuther Festspielhaus 2

Beitragvon stefan » 12.08.2014, 20:43

RainerG hat geschrieben:Hat man im HR-Sendesaal und in der Frankfurter Alten Oper realisiert. [...]
...und auch bereits 1952 im grossen Sendesaal des WDR.
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Nur wer selbst noch nie Messungen für Produktdaten gemacht hat, glaubt was auf Hersteller-Datenblättern steht.

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Re: Bayreuther Festspielhaus 2

Beitragvon tillebolle » 13.08.2014, 12:32

sleepytomcat hat geschrieben:Die freibleibenden Anteile eines Sitzes können ja bleiben wie sind, deswegen müssen die vom Körper berührten Flächen ja nicht so grausam sein…

Doch, das müssen sie. Die Zauberflöte im Plüschsessel kann ja jeder Monohörer, aber der Ring im Folterstuhl, das ist die echte Herausforderung für stramme Wagnerianer. Man ist ja schließlich nicht zum Vergnügen da! :jaa:

Viele Grüße
tillebolle


stefan hat geschrieben:...und auch bereits 1952 im grossen Sendesaal des WDR.

... und im Essener Aalto-Theater. Oben Leder, unten Stoff.
SchöneTöne - Phonographie
http://www.schönetöne.com

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Re: Bayreuther Festspielhaus 2

Beitragvon RainerK » 14.08.2014, 07:57

Hallo,

auch der Große Sendesaal des RBB/SFB an der Masurenallee hat solche "kompensierenden" Sitze.

Es grüßt RainerK
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Re: Bayreuther Festspielhaus 2

Beitragvon stefan » 16.08.2014, 14:55

Hatten wir das schon, oder nicht? ...egal:

Hier ein Literaturtipp, um wieder zum Thema Bayreuth zurückzukommen:
'Warum man im Auto nicht Wagner hören sollte' von Thomas Richter, Reclam Verlag.

Also: Wagner nur in Bayreuth hören und nicht im Auto! ...sehr unterhaltsam, dieses Buch :-)

Grüsse und schönes Wochenende
Stefan
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