Frage zu Rechten beim Einstellen von Videos in Youtube

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tillebolle
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Re: Frage zu Rechten beim Einstellen von Videos in Youtube

Beitragvon tillebolle » 26.01.2016, 23:00

Hab ich noch nicht erlebt. Was Rechnungen angeht ist die GEMA bei mir immer flott dabei.
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LoboMixx
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Re: Frage zu Rechten beim Einstellen von Videos in Youtube

Beitragvon LoboMixx » 27.01.2016, 23:45

Üblicherweise vereinbare ich mit den Kunden, sich um die GEMA-Anmeldung zu kümmern. In einigen Fällen habe ich das aber trotzdem im Rahmen des Auftrages übernommen. Alles kleine Auflagen (50-200 CD) und meist nur mit einem relativ geringen GEMA-pflichtigen Zeitanteil. Deren Rechnung kam aber meistens erst ca. 1 Jahr später, in einem Fall erst nach über 1 1/2 Jahren! Da ich damals noch nicht wusste, wie lange das dauern kann, konnte ich den Kunden nicht vorab darauf hinweisen und hatte den Vorgang selber irgendwann vergessen. Der damalige Kunde war wirklich "not amused" als ich mich so lange nach dem Projekt bei ihm wegen der Rechnung bei ihm meldete (die auch nicht so ganz niedrig war).

Abgerechnet wird natürlich genau, und wenn nur 4,90 € fällig sind, wie in einem Fall wo bei einer 50-er Auflage der GEMA-Anteil auf jeder CD nur ca. 5 Minuten betrug.
Bei geplanten Veröffentlichungen im Internet rate ich meist dazu, möglichst auf GEMA-freies Material zurück zu greifen (was natürlich nicht immer gewünscht ist).
Wenn professionelle Orchestermusiker bei der Aufnahme mit spielen ist es unbedingt geraten, sich mit dem Ensemble vorab diesbezüglich abzustimmen. In dem Kreis gibt es gerne mal den einen oder anderen, der sehr ungehalten reagiert und dann ein zusätzliches Honorar einfordert.

Gruß, Jürgen

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juppy
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Re: Frage zu Rechten beim Einstellen von Videos in Youtube

Beitragvon juppy » 28.01.2016, 08:40

LoboMixx hat geschrieben:Bei geplanten Veröffentlichungen im Internet rate ich meist dazu, möglichst auf GEMA-freies Material zurück zu greifen (was natürlich nicht immer gewünscht ist).

Selbst dann können immer noch Verlagsrechte an Bearbeitungen bestehen, die lizenzpflichtig sind.
Es sei denn, die Aufführung erfolgt nach Beethovens oder Mozarts Originalmanuskripten ...

MarkusP
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Re: Frage zu Rechten beim Einstellen von Videos in Youtube

Beitragvon MarkusP » 28.01.2016, 11:20

Hallo auch,

im Falle von Notenausgaben erlöschen die Rechte z.T. bereits 25 Jahren nach Ausgabe. Ein Grund dafür, daß Verlage so gerne "neue und noch kritischere" Ausgaben herstellen und die alten einstampfen. Man muß bei Mozart und Beethoven also nicht unbedingt auf die Mansukripte zurückgreifen. Die Noten müssen nur "alt genug" sein.

Lustig wird es bei der Gema, wenn man eine Rechnung über "o,oo.-" bekommt, weil tatsächlich alles Gema-frei ist. Das hatte ich schon mal. Wie überweißt man den diesen Betrag? :-)

Gruß aus Berlin

MarkusP

prinzipal
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Re: Frage zu Rechten beim Einstellen von Videos in Youtube

Beitragvon prinzipal » 28.01.2016, 22:51

Grad aktuell: die GEMA hat wieder verloren vor dem OLG München im Streit mit/gegen Youtube.

Da war dann wieder der Hinweis, die Rechtslage selbst mit dem Urheber zu klären.

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RainerG
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Re: Frage zu Rechten beim Einstellen von Videos in Youtube

Beitragvon RainerG » 29.01.2016, 10:58

MarkusP hat geschrieben:
Lustig wird es bei der Gema, wenn man eine Rechnung über "o,oo.-" bekommt, weil tatsächlich alles Gema-frei ist. Das hatte ich schon mal. Wie überweißt man den diesen Betrag? :-)

Gruß aus Berlin

MarkusP



Markus, Du wirst es kaum glauben: Aber es gibt tatsächlich solche von der Dummheit und Denkfaulheit ferngesteuerte Bürokraten und dies nicht nur bei der GEMA.

Folgende wahre Geschichte:

Bekannte von uns erhielten mal eine Rechnung von der Stadt worauf stand:
Sie haben zu zahlen: 0,00 DM.
Na ja, korrekt wie man ist, der Mann heftete die Rechnung im betreffenden Ordner ab.
Nach einiger Zeit kam eine Mahnung von der Stadt - wieder mit dem Text:
Sie haben zu zahlen: 0,00 DM + 3,00 DM Mahngebühr (!)
Der Mann ging hin zur Stadtverwaltung und fragte was das soll. Darauf hin die ernst gemeinte Antwort des aus Haut und Knochen bestehenden Roboters:
"Ja, dann hätten Sie eine Überweisung über 0,00 DM bei Ihrer Bank tätigen müssen, dann wäre dieser Fall für uns erledigt gewesen" - Tatsachen !!!!
Ich frage mich wirklich, was für Trottel in unseren Behörden herum geistern, die wir von unseren Steuergeldern durchfüttern müssen.

Wenn das mir passiert wäre, hätte ich diesen Trottel glatt gefragt, ob ich ihm einen Psychiater schicken soll !

Grüße
RainerG
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Re: Frage zu Rechten beim Einstellen von Videos in Youtube

Beitragvon Tomte » 29.01.2016, 11:44

RainerG hat geschrieben:
MarkusP hat geschrieben:
Lustig wird es bei der Gema, wenn man eine Rechnung über "o,oo.-" bekommt, weil tatsächlich alles Gema-frei ist. Das hatte ich schon mal. Wie überweißt man den diesen Betrag? :-)

Gruß aus Berlin

MarkusP



Markus, Du wirst es kaum glauben: Aber es gibt tatsächlich solche von der Dummheit und Denkfaulheit ferngesteuerte Bürokraten und dies nicht nur bei der GEMA.

Folgende wahre Geschichte:

Bekannte von uns erhielten mal eine Rechnung von der Stadt worauf stand:
Sie haben zu zahlen: 0,00 DM.
Na ja, korrekt wie man ist, der Mann heftete die Rechnung im betreffenden Ordner ab.
Nach einiger Zeit kam eine Mahnung von der Stadt - wieder mit dem Text:
Sie haben zu zahlen: 0,00 DM + 3,00 DM Mahngebühr (!)
Der Mann ging hin zur Stadtverwaltung und fragte was das soll. Darauf hin die ernst gemeinte Antwort des aus Haut und Knochen bestehenden Roboters:
"Ja, dann hätten Sie eine Überweisung über 0,00 DM bei Ihrer Bank tätigen müssen, dann wäre dieser Fall für uns erledigt gewesen" - Tatsachen !!!!
Ich frage mich wirklich, was für Trottel in unseren Behörden herum geistern, die wir von unseren Steuergeldern durchfüttern müssen.

Wenn das mir passiert wäre, hätte ich diesen Trottel glatt gefragt, ob ich ihm einen Psychiater schicken soll !

Grüße
RainerG

Lustige Geschichte. Nur hat das nichts mit der GEMA zu tun. Ich habe mich regelmäßig gefreut über die 0 Euro Rechnungen der GEMA, damit ich wusste, dass die korrekte Anmeldung der komplett lizenzfreien Produktionen erfolgreich war.

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Re: Frage zu Rechten beim Einstellen von Videos in Youtube

Beitragvon aseptisch » 29.01.2016, 15:46

Ich hatte auch mal eine Rechnung über 0,- Euro. Die h-Moll-Messe wurde aus einer alten Bärenreiter-Ausgabe musiziert.

(Aus meiner Ton- und Videoaufnahme wurden sogar 20 s bei der letzten Echo-Klassik-Verleihung gesendet, weil der Chor sonst kein Videomaterial von sich besaß. Den Preis bekamen sie freilich nicht für meine Aufnahme, sondern für eine CD-Produktion bei MDG.)

Wahrscheinlich kommen Gema-Rechnung später, je geringer der Betrag ist.

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Re: Frage zu Rechten beim Einstellen von Videos in Youtube

Beitragvon tillebolle » 29.01.2016, 18:07

MarkusP hat geschrieben:im Falle von Notenausgaben erlöschen die Rechte z.T. bereits 25 Jahren nach Ausgabe. Ein Grund dafür, daß Verlage so gerne "neue und noch kritischere" Ausgaben herstellen und die alten einstampfen. Man muß bei Mozart und Beethoven also nicht unbedingt auf die Mansukripte zurückgreifen. Die Noten müssen nur "alt genug" sein.

Das Alter der Notenausgabe spielt für die Berechnung von GEMA-Gebühren keine Rolle. Das Urheberrecht erlischt 70 Jahre nach Tod des Urhebers, daran ändert auch eine überarbeitete Notenausgabe nichts.

In der Tat veröffentlichen die Verlage regelmäßig neue Ausgaben (Urtext, UrUrText...), da sich daraus ein Schutz nach §70 UrhG (Schutz wissenschaftlich-kritischer Ausgaben) ergibt, der für 25 Jahre gilt. Das bedeutet, dass die Noten nicht kopiert werden dürfen und in ganz besonderen Fällen behält sich der Verlag evtl. Rechte an Aufnahmen vor bzw. verlangt ein zusätzliches "Materialentgelt" bei Aufnahmen. Bei Standardwerken dürfte das aber wenig praktikabel sein, da man wohl in den seltensten Fällen hören kann, welche Ausgabe verwendet wurde. In den meisten Chören dürfte das Weihnachtsoratorium wohl aus einer Vielzahl von Ausgaben von Bärenreiter, Peters, Breitkopf&Härtel etc. verschiedenster Jahrgänge gesungen werden.

Anders liegt der Fall, wenn es sich um eine echte Bearbeitung handelt, deren Schöpfungshöhe einen erneuten Schutz nach §19-22 UrhG rechtfertigt, z.B. die Bearbeitung eines alten Werkes für ein anderes Instrument. Ich habe z.B. gerade tatsächlich GEMA-Gebühren für das Brahms-Requiem bezahlt, da es in der Bearbeitung für 2 Klaviere und Pauke von H. Poos aufgeführt wurde.

Ob ein Werk nach §70 UrhG geschützt ist kann man übrigens bei der http://www.vg-musikedition.de recherchieren.

Viele Grüße
tillebolle
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Re: Frage zu Rechten beim Einstellen von Videos in Youtube

Beitragvon MarkusP » 09.02.2016, 01:15

Halloa auch,

das Alter der Notenausgabe spielt durchaus eine Rolle. Die Gema möchte zumindest immer wissen, aus welcher Ausgabe gespielt wurde.

Gruß aus Berlin

MarkusP

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Re: Frage zu Rechten beim Einstellen von Videos in Youtube

Beitragvon hafi69 » 09.02.2016, 10:57

...was allerdings nicht heißen muss, dass sie das wirklich etwas angeht...

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Re: Frage zu Rechten beim Einstellen von Videos in Youtube

Beitragvon tillebolle » 15.06.2016, 10:43

juppy hat geschrieben:Umgehe ich also die GEMA, indem ich ein lizenzpflichtiges Video
auf youtube hochlade und dann in meine Internetseite einbinde?

Ich bin gerade auf diesen interessanten Artikel bei Heise.de gestoßen:
http://www.heise.de/tr/blog/artikel/Kafka-laesst-gruessen-2614316.html

Darin heißt es:
Gregor Honsel hat geschrieben:Andere Videoplattformen wie Myvideo.de, Clipfish und Vevo haben einen Deal mit der Gema und führen die Lizenzgebühren ab. Diese Lösung werde ich mir mal genauer anschauen. Es kann sowieso nicht schaden, mit seinem Content nicht immer nur die üblichen Verdächtigen zu füttern.


Das könnte also eine Lösung für das leidige Lizenzproblem sein.

Viele Grüße
tillebolle
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Re: Frage zu Rechten beim Einstellen von Videos in Youtube

Beitragvon aseptisch » 15.06.2016, 13:56

Mir sieht es aber nicht danach aus, dass man auf diesen drei Platformen als normaler Mensch Videos hochladen kann. Soweit ich das verstehe, ist das für TV-Serien, Kinofilme und sowas. Man kann höchstens seine Kommentare oder Bewertungen dazu abgeben.

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Re: Frage zu Rechten beim Einstellen von Videos in Youtube

Beitragvon aseptisch » 02.09.2016, 22:35

Bezüglich der Rechte des Notenverlags habe ich etwas dazugelernt. Also 70 Jahre nach seinem Tod ist der Komponist jedenfalls außenvor. (Gleiches gilt für den Verfasser des Textes, so es einen Text gibt.) Verlegt der Verlag das Notenmaterial ganz normal, hat er Rechte an den Noten, man darf sie nicht kopieren. Das Recht verfällt nach 25 Jahren, glaube ich. Wenn der Verlag allerdings eine "Wissenschaftliche Ausgabe" vorlegt (§70 UrhG), die durch wissenschaftliches Sichten wesentlich von den bisherigen Ausgaben vorlegt, hat er auch 25 Jahre lang Rechte an z. B. der Aufführung. (Als ich nach dem Paragraphen suchte, habe ich mich fast komplett durch das Urheberrecht bei dejure.org geklickt, alles sehr interessant.) Rechte können außer nach §70 auch nach §71 bestehen ("Nachgelassene Werke", siehe Gesetzestext.)

Welche Werke nach §70 und §71 UrhG geschützt sind, kann man prima bei der zuständigen Verwertungsgesellschaft Musikedition im Werkkatalog nachschlagen, und es sind nicht so besonders viele, da nicht alle Tage eine wissenschaftliche Ausgabe erscheint:
http://www.vg-musikedition.de/p7x_katalog.php

Bei musikalischen Werken, die in diesem Katalog nicht enthalten sind, müssen nach meinem Verständnis also nur alle Ausführenden einwilligen, der Verlag muss nicht gefragt werden. (Falls wie gesagt der Urheber, d.h. Komponist/Texter mind. 70 Jahre tot ist und keine anderen Ansprüche gelten.)

Hinweis: Ich bin Privatperson und kein Jurist, und obige Ausführungen sind keine Rechtsbelehrung, sondern nur die Wiedergabe dessen, was ich meine verstanden zu haben.


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