FOH-Simulation für Theater-Beschallung

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ebs
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FOH-Simulation für Theater-Beschallung

Beitragvon ebs » 10.09.2010, 09:25

Jeder kann für sich einfach folgenden Test durchführen:
Auf einen Kanal ein sich wiederholendes Geräusch legen, wie z. B. Claves.
Das gleiche Geräusch mit gleichem (!) Pegel auch auf den anderen Kanal legen
und so lange die Verzögerung (Delay) größer machen, bis ein Echo gehört wird.
Dann nachdenken und sich fragen, wie sieht die Wirklichkeit aus?
Welchen Pegel hat üblicherweise eine Reflexion gegenüber dem Direktsignal?
Ist denn der Fall: links Direktsignal und rechts Reflexion üblicherweise so in der Praxis vorhanden?
Sind denn übliche Signale wie beispielsweise Sprache so impulshaft, wie die harten Claves-Schläge?
Die in Büchern immer ohne Angabe des Reflexionspegels angstmachende Angabe von 35 ms als "Echogefahr" wird von einem Buch zum anderen ohne praktische Nachprüfung abgeschrieben. :cry:

Die Angst vor dem "35-ms- Echo" erlebe ich bei Studenten sogar, wenn sie das Predelay beim Nachhallgerät einstellen sollen.
Es kommt doch auf die Impulshaftigkeit (!) des Signals und auf die Höhe (!) des Hall-Zumischpegels an. Bei dem "Streicherteppich" im Adagio-Teil und selbst höherem Zumischpegel als das Direktsignal wird selbst ein 120 ms Delay kein hörbares störendes Echo erzeugen.
Also keine Angst vor einem Echo - und wenn etwas störend zu hören sein sollte, dann kann man ja immer noch einschreiten - aber erst dann!

Viele Grüße ebs
ebs - Mikrofonaufnahmetechnik und Tonstudiotechnik
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Beitragvon a:w » 12.09.2010, 00:05

Lieber ebs,

ich fühle mich auch angesprochen hier zu antworten, da das ja unter dem gleichen Thema läuft wie das Delays setzen im anderen Thread.

Hier bitte ich zu bedenken, dass ein entscheidender Unterschied besteht, ob ich ein Hallsignal zumische (oder eine Reflexion simuliere) ODER ob ich für eine Beschallungssituation eine Delayline baue. Die Delayline dient dazu um den Nutzpegel in ihrem Versorgungsgebiet zu erhöhen! Sie muss somit zumindest gleich laut, eher lauter sein als das Originalsignal an dieser Stelle ist um einen entsprechenden Pegelgewinn zu lukrieren.

Und genau dabei hilft uns das Gesetz der ersten Welle. Das besagt nämlich, dass ich den (etwa 10ms) später eintreffenden Schall um etwa 10dB lauter abspielen kann als den Schall der ersten Wellenfront ohne die Lokalisation/Ortung aus der Richtung der ersten Welle zu verlieren. Somit erhöhe ich den Nutzpegel in meinem Versorgungsgebiet und habe trotzdem das Gefühl, der Schall käme von der Bühne bzw. eben vom Ort der ersten Wellenfront.

Sollte ich eine Delayline deutlich unter dem Pegel fahren, der am betreffenden Ort ohnehin von meiner MainPA kommt, kann ich mir die Arbeit gleich sparen und muss keine weiteren Lautsprecher aufstellen, weil sie mir den Nutzpegel nicht erhöhen.

Ein Hallsignal wird üblicherweise deutlich unter dem Pegel des Originalsignals zugemischt, somit verlängert man natürlich die Zeit beträchtlich bis es zu einem hörbaren Echo kommt. Da das Zumischen eines Hallsignals, aber nicht die (Sprach)verständlichkeit erhöht, sondern - wie ich meine - das Gegenteil bewirkt, führt das grundsätzlich an der Idee einer Delayline vorbei. Du sprichst hier leider von einer vollkommen anderen Praxis als der einer Beschallungsanlage.

lieben Gruß,
Armin

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FOH-Simulation für Theater-Beschallung - Die Echoschwelle

Beitragvon ebs » 12.09.2010, 15:04

a:w hat geschrieben: Hier bitte ich zu bedenken, dass ein entscheidender Unterschied besteht, ob ich ein Hallsignal zumische (oder eine Reflexion simuliere) ODER ob ich für eine Beschallungssituation eine Delayline baue. Die Delayline dient dazu um den Nutzpegel in ihrem Versorgungsgebiet zu erhöhen! Sie muss somit zumindest gleich laut, eher lauter sein als das Originalsignal an dieser Stelle ist um einen entsprechenden Pegelgewinn zu lukrieren.

Die Auszubildenden haben von den Dozenten gehört und gelernt, dass bei einer Verzögerung eines Signals (Delay) größer als 35 ms ein störendes Echo erscheint. Diese Zeitgröße der furchtbaren Echoschwelle hat sich allgemein eingeprägt und wird nachgeplappert, wenn eine Frage in etwa diese Richtung kommt. Da wird nicht nachgedacht, ob eventuell ein Unterschied besteht, wenn man ein Hallsignal zumischt oder den Haaseffekt bei der PA-Beschallung benötigt. Vom den Dozenten wird selten genauer hinterfragt, was aber unbedingt dazu notwendig wäre: Wie ist das Signal beschaffen? Sinusförmig oder knackig? Schmalbandig hohe Frequenzen oder tiefe Frequenzen? Welche Richtung hat das verzögerte Signal gegenüber dem Ausgangssignal? Welchen Pegel hat das verzögerte Signal gegenüber dem Direktsignal. Wurde der Frequenzgang des verzögerten Signals mit EQ verändert? Wegen dieses Fehlwissens (Pisa lässt grüßen) muss ich ja "Blätter" erzeugen, die wenigstens darauf hinweisen; siehe:
"Wo liegt die Echowahrnehmungsschwelle bei Tonaufnahmen?"
http://www.sengpielaudio.com/WoLiegtDieEchowahrnehmungsschwelle.pdf
"Echoschwelle - 30 ms?"
http://www.sengpielaudio.com/Echoschwelle.pdf
"Wirkung einer Seitenreflexion bei Sprache als Testsignal"
http://www.sengpielaudio.com/WirkungEinerSeitenreflexionBeiSprache.pdf
Besonders wenn man sich in dieses letzte Blatt vertieft, kann man viel selbst herauslesen.

Viele Grüße ebs
ebs - Mikrofonaufnahmetechnik und Tonstudiotechnik

http://www.sengpielaudio.com


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