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Mikro "Grundausstattung" (DPA 4006 vs. 4011)

Über Geräte und was es darüber zu sagen gibt ...

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Hendrik
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Beitragvon Hendrik » 24.02.2011, 21:16

alex hat geschrieben:
Genau wie auch die Fa. Neumann repariert Andreas Grosser selbst keine defekten Mikrofonkapseln.


Hallo,
im Falle einer defekten Kapsel könnte man sich aber an Siegfried Thiersch wenden.

Viele Grüße
Hendrik

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alex
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Beitragvon alex » 24.02.2011, 21:24

Hendrik hat geschrieben:im Falle einer defekten Kapsel könnte man sich aber an Siegfried Thiersch wenden.

Ja, das macht Andreas Grosser genauso.
Man muss allerdings ein bisschen beharrlich bleiben, sonst gehört Thiersch nämlich nicht zu den Schnellsten.
Ob er sich auch an KK83 versucht weiß ich leider nicht, seine Favoriten sind eher Großmembrankapseln.
Einfach nachfragen, ist'n netter.

LG alex
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Beitragvon Swen » 25.02.2011, 11:05

Tonzauber hat geschrieben:Dann würde ich hier auf jeden Fall das DPA 4015 ins Spiel bringen - meine lieblings-breite Niere.


... das war/ist auch meine bis sich die MK22 in meinen Satz "verirrt" hat. Nun habe ich halt beide gern ... ;-)

Nein, ganz im Ernst fände ich die Breitniere (oder eben die "offene Niere MK22") eine echte Ergänzung zum oben angegebenen Mikrofonsatz.


Zur dpa4011 kann ich sagen das sie mir damals im Vergleich leider überhaupt nicht gefallen hatte und daraufhin für das Budget (doppelt so viele) Gefell M300 angeschafft wurden. Die gefallen auch noch heute, neben KM140/184 und MK4.

-.-

Mal ganz "off topic" - weil einige Beiträge in diese Richtung gingen - ich habe für Umbauten alter "rauschender Mikrofone" in letzter Zeit gerne den LSK389 eingesetzt, ein viel besserer ist mir bis dato nicht begegnet. Aber ich muß dazu sagen das es meist nicht automatisch damit getan ist den FET zu tauschen. Viele andere Details spielen da mit rein. Nicht umsonst schaffen es recht wenige Firmen gute und konstant funktionierende Kondensatormikrofone zu bauen obwohl die Technologie ja schon diverse Dekaden auf dem Markt existiert.

Ich erinnere mich da gerne auch an einen "Spezialisten" der mir mal erzählt hat das er in seinen aktiven Studiomonitoren einen TL072 gefunden hat, und weil der ja so schlecht ist hat er ihn gegen einen ganz noblen Typ getauscht. Er hat mir Stein und Bein behauptet das die Monitore jetzt besser klingen würden. Ich habe ihm allerdings nie gesagt das der 072 nur die LED schaltet (...).


Swen

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Beitragvon alex » 25.02.2011, 12:23

Swen hat geschrieben:... ich muß dazu sagen das es meist nicht automatisch damit getan ist den FET zu tauschen. Viele andere Details spielen da mit rein.

Stimmt. Schon bei einem einstufigen Impedanzwandler (wie in der KM8x-Reihe) gilt es beim Austausch des FET eine Reihe sich gegenseitig beeinflussender Faktoren zu beachten.

Die Eingangsschaltung ist höchstohmig und reagiert sensibel auf Fehlabgleich, deswegen ist sie auch nicht wirklich etwas für ausgesprochene Anfänger ("this is being done by a trained professional - don't try to do this at home").

Die Technologie hinter älteren Neumann-Schaltungen ist aber nicht "top secret": man kann sie lernen, wenn man sich dafür interessiert.

LG alex
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Beitragvon RainerG » 25.02.2011, 12:36

alex hat geschrieben:
Die Eingangsschaltung ist höchstohmig und reagiert sensibel auf Fehlabgleich, deswegen ist sie auch nicht wirklich etwas für ausgesprochene Anfänger ("this is being done by a trained professional - don't try to do this at home").

Die Technologie hinter älteren Neumann-Schaltungen ist aber nicht "top secret": man kann sie lernen, wenn man sich dafür interessiert.

LG alex



Soweit ich die Schaltung der KM8*-Serie im Kopf habe, ist in einer Fußnote erwähnt, daß der FET zusammen mit dem Sourcewiderstand abgestimmt ist, und bei einem Austausch des FET auch folglich der Sourcewiderstand ausgetauscht werden muß.
Im übrigen sind Manipulationen an diesem Teil der Schaltung ohnehin kritisch, denn wegen der Höchstohmigkeit ist die Platine in einem besonderen Schutzlack isoliert.


MfG
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Beitragvon alex » 25.02.2011, 13:42

RainerG hat geschrieben:Soweit ich die Schaltung der KM8*-Serie im Kopf habe, ist in einer Fußnote erwähnt, daß der FET zusammen mit dem Sourcewiderstand abgestimmt ist, und bei einem Austausch des FET auch folglich der Sourcewiderstand ausgetauscht werden muß.

Die Schaltungen habe ich hier, deine Erinnerung trügt nicht.

Die gleiche Prozedur gilt auch für das U87 und das SM69fet, die in der Eingangsstufe dieselbe Prinzipschaltung verwenden.

Die Exemplarstreuungen geeigneter FET-Typen waren in den 60er Jahren relativ groß, der Sourcewiderstand lag daher in der Praxis meist irgendwo zwischen 2,2 und 8,2 kOhm.

Da mit dem Sourcewiderstand gleichzeitig der zwischen Drain und Source fließende Strom IDS, die Betriebsspannung UDS und die Vorspannung zwischen Gate und Source UGS stark variieren (die entscheidend sind für das Verhalten des FET), wird in der Originalschaltung die Speisespannung des FET zusätzlich durch Zenerdiode mit anschließendem Vorwiderstand stabilisiert. Diese Diode sollte ebenfalls ausgetauscht werden, da es auch für sie inzwischen rauschärmere Typen gibt.

Bei einem FET-Austausch durch aktuelle Typen (2SK170, LSK389 ...) ist es zweckmäßg, einen wechselweisen Abgleich von Sourcewiderstand und Speisevorwiderstand durchzuführen, sodass sich eine UDS von 20...24V bei einem IDS von ca. 1mA ergibt, und zugleich eine UGS von ca. -0,3V. Hierfür muss bei neueren FETs meistens der 1GOhm-Gatewiderstand masseseitig aufgetrennt und über einen ebenfalls abzugleichenden Spannungsteiler (Größenordnung 500kOhm) parallel zum Sourcewiderstand zwischen Source und Masse gelegt werden. (In der Originalschaltung ist dies nicht vorgesehen, da die geeigneten FETs damals eine UGS um -2V benötigten und ihre Betriebsspannung niedriger war.) Diese Abgleichvorgänge sind mit relativ geringem Zeit- und Messgeräteaufwand zu bewerkstelligen.

Bei genügend stabiler P48 könnte man die Zenerdiode sogar weglassen und hätte damit eine potentielle Rauschquelle weniger. In dem Zusammenhang wäre es auch überlegenswert, für sämtliche Widerstände in der FET-Umgebung (Höchstohmwerte ausgenommen) Metallfilmtypen einzusetzen.

RainerG hat geschrieben:Im übrigen sind Manipulationen an diesem Teil der Schaltung ohnehin kritisch, denn wegen der Höchstohmigkeit ist die Platine in einem besonderen Schutzlack isoliert.

Das gilt vor allem für die neueren Neumann-Mikrofone (etwa ab TLM170). Bei KM8*, U87 und SM69fet liegt als zusätzliche Maßnahme der höchstohmige Teil der Schaltung - im Prinzip alles, was irgendwie mit Gate oder Kapsel elektrisch verbunden ist - entweder "frei in der Luft" (wie schon bei den röhrenbestückten Typen), oder lässt sich verhältnismäßig leicht dahingehend umändern.

Man muss aber in der Tat peinlich genau darauf achten, dass nicht durch unbedachte Fingerabdrücke, großzügig verteilte Lötflussmittel und dergleichen die hohen Isolationswerte der Eingangsstufe zunichte gemacht werden. Mangelnde Sorgfalt führt hier unweigerlich zu allerlei lustigen Störsignalen, deren Ursache ohne spezielle Messgeräte (Teraohmmeter, statisches Voltmeter) nachträglich schwer einzukreisen ist. Eine erneute Versiegelung der geänderten Schaltung mit hochisolierendem Plastikspray o.ä. steigert die Betriebssicherheit.

Ich bekam mal ein paar KM83 mit viel Störgeräusch und wenig Nutzsignal zur Prüfung, die vor über 20 Jahren mit eisenloser Ausgangsstufe versehen worden waren. Schaltung und Aufbau schienen soweit einwandfrei zu sein. Nur hatte der findige Bastler damals die fertige Platine - zur Vermeidung von Kurzschlüssen wie es hieß - vor dem Einsetzen ins Mikrofongehäuse komplett mit Leukoplast (!) umwickelt. Man kann sich lebhaft vorstellen, was für eine Frickelei und Sauerei es war, den Schaltungsaufbau unter den überall fest haftenden Kleberesten unbeschädigt wieder hervorzuschälen. Eigentlich hätte man in derselben Zeit die Schaltungen auch gleich neu aufbauen können...

Auf die Frage, wie lange die Mikros schon nicht mehr funktionierten, bekam ich übrigens zur Antwort: "Seit dem Umbau". Tja, mitunter fehlen sogar mir die Worte.

Wie gesagt: Derlei Modifikationen sind nicht wirklich was für absolute Neulinge. Damit es nicht zu sehr OT gerät, möchte ich das Thema hier ungern weiter vertiefen. Falls jemand speziellere oder detailliertere Fragen dazu auf dem Herzen hat, können wir den Austausch gerne in einem separaten Thread fortsetzen.

Grüße, alex

PS.:
Swen hat geschrieben:Nicht umsonst schaffen es recht wenige Firmen gute und konstant funktionierende Kondensatormikrofone zu bauen obwohl die Technologie ja schon diverse Dekaden auf dem Markt existiert.

Das liegt m.E. nicht so sehr an der Komplexität oder Schwierigkeit der Aufgabe selbst.

Viele Mikrofonbauer beispielsweise - vor allem chinesische, aber nicht nur die - benutzen nach wie vor mehr oder weniger modifizierte Varianten des seit den späten 70er Jahren bekannten trafolosen Schoeps-Impedanzwandlers. Doch auch diese Schaltung erfordert einen sorgfältigen Abgleich, damit sie optimal funktioniert.

Angesichts des Preisdrucks scheinen einige Hersteller ihre Prioritäten anders zu setzen und verzichten folglich auf zeitintensive Sorgfalt für Schaltungsdesign, -aufbau und -abgleich. Hier lässt sich manchmal durch "Tuning" erheblich mehr verbessern als durch eine Modifikation von vornherein sauber realisierter Schaltungskonzepte renommierter Mikrofonhersteller.
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