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Subsubbass-Frequenzgang eines MKH 110: Braucht man das?

Über Geräte und was es darüber zu sagen gibt ...

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aseptisch
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Subsubbass-Frequenzgang eines MKH 110: Braucht man das?

Beitragvon aseptisch » 15.02.2016, 16:54

In der Kleinanzeigenbucht verkauft gerade jemand vier Sennheiser MKH 110. Der Frequenzgang reicht bis 1 Hz, es gab sogar eine Version bis 0,1 Hz.

Gibt es bei Tonaufnahmen eine sinnvolle Anwendung für diesen erweiterten Frequenzgang, oder sind alle sonst erhältlichen Kugeln praxisgerecht begrenzt, so dass keine tontechnischen Wünsche offen bleiben? Für irgend welche Orgeln oder Pauken? Gravitationswellen liegen ja nicht in diesem Frequenzbereich, wie wir gerade gelernt haben.

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juppy
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Re: Subsubbass-Frequenzgang eines MKH 110: Braucht man das?

Beitragvon juppy » 15.02.2016, 17:40

Zu der Zeit, zu der das MKH110 angeboten wurde, vermutlich in den 70er Jahren, wäre sicherlich
niemand auf die Idee gekommen, dieses Messmikrofon (!) für Tonaufnahmen zu nutzen.
Die Senkelmaschinen hätten zum einen den erweiterten Tonumfang nicht aufzeichnen können, und
beim Konsumenten standen damals Plattenspieler, deren Rumpelspektrum und Tonarmresonanzen
im Bereich um die 10 Hz liegen.
Solange man nicht die Druckwelle einer einfahrenden U-Bahn aufzeichnen möchte, sehe ich auch
heute wenig Sinn darin, diesen erweiterten Frequenzumfang aufzunehmen. ;)

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Tomte
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Re: Subsubbass-Frequenzgang eines MKH 110: Braucht man das?

Beitragvon Tomte » 15.02.2016, 17:54

Wenn man Unterhaltungen von Elefanten aufzeichnen möchte, sicher interessant und nötig. In der Wildbahn von Stadt und Aufnahmeräumen hat man vermutlich vor allem Geräusche von Lüftungsanlagen oder Verkehr in diesem Frequenzbereich unter 20 Hz.

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Wilfried
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Re: Subsubbass-Frequenzgang eines MKH 110: Braucht man das?

Beitragvon Wilfried » 15.02.2016, 18:02

Braucht man bei Tonaufnahmen nicht. Im Gegenteil. Es gibt nur Probleme mit durch Wind erzeugte
Druckwellen, Lüftunganlagen, Trittschall, durch in der Nähe fahrende Schiffe (Kölner Philharmonie),
Rumpelgeräusche von Lastwagen, Eisenbahnen, Gebäudeschwingungen und anderem Infraschall
häufig unbekannter Herkunft. Der Dreck (engl. "mush") muss also sauber weg gefiltert werden.
If you can't fix it with a hammer, you've got an electrical problem.

prinzipal
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Re: Subsubbass-Frequenzgang eines MKH 110: Braucht man das?

Beitragvon prinzipal » 17.02.2016, 00:19

Also.... es gibt ja erstens diese neuen Studien zu "Brummtönen etc." (bei Windkraftanlagen z.B.) wo im Ergebnis rauskam, daß doch die Hörschwelle unter 16Hz angesetzt werden muß. Teilweise wurde bis 8 Hz gehört.

Und zweitens: Es gibt diese Orgeln mt ihren 64 Füssen... (Sydney z.b.) oder Nürnberg, St. Lorenz. WENN man nun eine Anlage zuhause hätte, die sowas überhaupt übertragen kann, dann fänd ich es cool, sowas auch mal abzuspielen.

Klar, hat man die nicht, insofern braucht man es auch nicht aufzunehmen, aber man weiß ja nie;-)))

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juppy
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Re: Subsubbass-Frequenzgang eines MKH 110: Braucht man das?

Beitragvon juppy » 17.02.2016, 03:22

prinzipal hat geschrieben:Es gibt diese Orgeln mt ihren 64 Füssen... (Sydney z.b.) oder Nürnberg, St. Lorenz.
WENN man nun eine Anlage zuhause hätte, die sowas überhaupt übertragen kann,
dann fänd ich es cool, sowas auch mal abzuspielen.

Wenn der Hörer denn auch die Räumlichkeiten hat,
um diese tiefen Frequenzen wiederzugeben ...

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alex
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Re: Subsubbass-Frequenzgang eines MKH 110: Braucht man das?

Beitragvon alex » 17.02.2016, 10:06

prinzipal hat geschrieben:Wenn der Hörer denn auch die Räumlichkeiten hat,
um diese tiefen Frequenzen wiederzugeben ...


Ist der Wiedergaberaum zu klein dafür - und das ist er paktisch immer - arbeitet er bei geschlossenen Boxenkonstruktionen mit genügend Membranfläche als Druckkammer, sofern er nach außen hin abgedichtet ist. Ich hatte mal so einen Fall bei einer Selbstbaubox. Bei Infraschall begann die angelehnte Tür, im Rhythmus der Frequenz zu schwingen. Spooky.

Bis herunter zu 1-2 Hz schaffen ja auch B&K Mikrofone locker. In den späten 1960er Jahren habe ich damit auf einer Nagra III noch Dampflokomotiven aufgenommen (die fuhren da noch regelmäßig). Erstaunlich, wie hoch der Druckpegel beim Dampfausstoß werden kann :shock:
Zwar kann ein analoges Bandgerät tiefste Frequenzen nur schlecht wiedergeben, doch für Übersteuerungen bei der Aufzeichnung langte es allemal. Zudem bekam man beim Mithören während des Umspulens eine Ahnung davon, was auf dem Band wirklich "drauf" war :idea:

Schall mit Wellenlängen dieser Größenordnung breitet sich ja kilometerweit relativ ungehindert aus, und so registrierte das Messmikrofon viel früher und zuverlässiger, wann eine Dampflok sich näherte, es vergingen meist mindestens fünf Minuten, bis ihr Pfeifen, Läuten und Schnaufen auch tatsächlich zu hören waren. So konnte ich die Aufnahmen fast immer rechtzeitig starten :opa:

Wenn man an einer Druckempfängerkapsel die Ausgleichsöffnung findet (was manchmal nicht so einfach ist) und mit Filz abdeckt, verwandelt man es schlagartig in einen Subsonic-Empfänger. Ich habe sowas z.B. mal machen müssen, als es um die Frage ging, ob möglicherweise sporadisch laufende unterirdische Wasserpumpen dafür verantwortlich waren, dass eine Bekannte in ihrem Wohnhaus nicht mehr schlafen konnte. Zunächst wollte man sie als mehr oder weniger spinnert hinstellen, bis ich mit der Aufzeichnung schließlich nachwies, dass im Bereich 6...13 Hz tatsächlich Vibrationen von umgerechnet mindestens 100 dBSPL vorhanden waren, was gerade an der Wahrnehmbarkeitsgrenze des Tastsinns lag.

Bei meinen ersten Digitalaufnahmen war ich ziemlich überrascht, was Mikrofone so alles auffangen. Auf digitalem Wege nachträglich die Tiefen zu beschneiden war Anfang der 1980er Jahre ja ein vergleichsweise schwieriges Unterfangen, und so konnte es leicht passieren, dass beispielsweise beim zu raschen Schließen einer Türe im Konzertsaal die Lautsprechermembranen einem gefährlich entgegen kamen :shock:

Erstaunlich ist bei den Sennheiser-Tieftonmikrofonen (so hießen die glaube ich im Katalog) auch, dass die 0,1 Hz Version problemlos die Brandung an einer Meeresküste registrieren kann. Auch Wasserwellen erzeugen Druckschwankungen der Atmosphäre, doch gleichen sich diese auf dem offenen Meer natürlich aus. Sobald sich die Wellen an der Küste brechen, findet dieser Druckausgleich jedoch nicht mehr statt, und wegen der großen Wellenlänge lässt sich der Verlauf der Brandung bis ins Landesinnere verfolgen, einigen Quellen zufolge sogar weit über 100 km (z.B. Veit, Technische Akustik - müsste ich auch mal wieder drin stöbern, aber man kommt ja zu nix ...)

Grüße, alex
"Modern technologies allow new ways of enhancing old mistakes."


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