Soyuz Microphones

Über Geräte und was es darüber zu sagen gibt ...

Moderator: Moderation

Benutzeravatar
alex
Senior Member
Beiträge: 1158
Registriert: 06.07.2010, 23:53
Ort: Krefeld

Soyuz Microphones

Beitragvon alex » 05.06.2017, 11:23

Jemand hier schon mal diese Mikrofone gesehen oder gehört? Oder damit gearbeitet?

https://soyuzmicrophones.com/

Selbstbewusste Preise haben sie jedenfalls schon mal :shock:

Ihre Democlips erinnerten mich an Fertigungstechnologien bei Neumann vor rund 50 Jahren:

https://youtu.be/DzCt47ajyIg
https://youtu.be/V-i0GztOrlg
https://youtu.be/kJIW1RQQlKc
https://youtu.be/4NfeCz9zI48

Grüße, alex
"Modern technologies allow new ways of enhancing old mistakes."

Benutzeravatar
hafi69
Senior Member
Beiträge: 1142
Registriert: 19.06.2007, 23:44
Ort: Duisburg

Re: Soyuz Microphones

Beitragvon hafi69 » 05.06.2017, 12:50

Der 111. Neumann- Rip off.
Besonders nett auch das "inspirierte" Logo.

Technische Daten finde ich keine, aber was interessiert das auch
den technikfremden Anwender bei so viel namhafter Endorser und
dem alles entscheidendem Hinweis "Handverdrahtet"... :lol:

LoboMixx
Senior Member
Beiträge: 112
Registriert: 25.12.2015, 18:45
Ort: Moenchengladbach

Re: Soyuz Microphones

Beitragvon LoboMixx » 05.06.2017, 12:54

Diese Mikrophone kannte ich noch nicht und den Namen dieses Hersteller hatte ich noch nie gehört. Soweit ich erkennen kann, habe ich da aber auch nichts verpasst. Das Design der Mikrofone, die Bevorzugung von Röhrentechnik, das dazu gehörende Marketing-Gebrabbel (... large-diaphragm tube condenser microphone delivers sound that is as rich, warm, solid, and beautiful as its hand-crafted, polished design suggests ...) und nicht zuletzt der Preis zielen ganz eindeutig auf die (wachsende?) Schar der offensichtlich gut betuchten Vintage-Liebhaber ab.

In mehrfacher Hinsicht für mich völlig uninteressant.
Für deutlich weniger Geld gibt es Mikrofone, mit denen man exzellente Aufnahmen machen kann. Röhrentechnik will ich mir in meiner Aufnahmekette nicht (mehr) antun, schon gar nicht im Mikrofon, da das nicht ohne extra Netzteil und spezielles Kabel möglich ist. Für meine Anwendungsfälle per se viel zu umständlich und ohne jeden zusätzlichen Nutzen.

Benutzeravatar
juppy
Senior Member
Beiträge: 1910
Registriert: 20.06.2007, 09:23
Ort: Köln

Re: Soyuz Microphones

Beitragvon juppy » 06.06.2017, 02:52

Ich war ein wenig verdattert, als ich unter "contact" auf der Seite des Herstellers
als Adresse Los Angeles finde und im Video dann eine russische Drehbank sehe ...
:shock:

Homepage des Herstellers hat geschrieben:Like a violin or a guitar that has been crafted by a master luthier, a handmade microphone posseses a unique, sonic quality not to be found in its mass produced counterparts.

... liest sich für mich, als wäre mit großen Serienstreuungen zu rechnen?
Zwei gleiche Instrumente eines Herstellers klingen oder spielen sich auch nicht gleich ...

Bemerkenswert finde ich den Mikrofonvergleich am Flügel:

https://www.youtube.com/watch?v=EMsfkZV9ZJ8

Man hört bei allen Kandidaten, egal ob AKG C12, Neumann U67 oder Soyuz SU-017, daß
der Flügel einfach nur schrecklich klingt und dringend einer Wartung und Intonation be-
darf. Das hätte ich aber auch bei einem Shure SM57 feststellen können - mehr Mikrofon
braucht es für diesen Flügel auch nicht.

Ergo: Dieses Video weckt kein Verlangen, nur eines der Mikros haben zu wollen.

(Diese Diskrepanz zwischen Mikrofonaustattung und Flügel im Studio habe ich schon des
öfteren festgestellt. Deshalb möchte ich die Aussage Wuttkes ergänzen: Für eine gute
Aufnahme braucht man gute Musiker und gute Intrumente, keine Selbstmörderkisten.)

LoboMixx
Senior Member
Beiträge: 112
Registriert: 25.12.2015, 18:45
Ort: Moenchengladbach

Re: Soyuz Microphones

Beitragvon LoboMixx » 06.06.2017, 17:43

Die Videos hatte ich mir erst gar nicht angesehen und daher auch nicht nach weiteren Videos gesucht. Diese Mikros interessieren mich schlicht nicht.
Aber das Video mit den Testaufnahmen und dem "Flügel" ist tatsächlich bemerkenswert. Ich kann mich an solche Flügel und Klaviere an der Musikhochschule erinnern, in den Übe-Räumen konnte man gelegentlich solche völlig abgenudelte und herunter gespielte Instrumente finden. Alle richtig guten Flügel, auf denen unterrichtet oder konzertiert wurde, waren mit soliden Bügelschlössern gesichert und den Schlüssel bekam man als Student auch nicht so ohne weiteres, wenn überhaupt.
Als ich den Ton am Anfang des Videos hörte, wo der Flügel schon zu hören ist, hatte ich spontan die Assoziation einer historischen Aufnahme mit "Wow and Flutter" und dem so charakteristisch eingeschränkten Frequenzumfang. Das sollte doch eigentlich gut zu dem angebotenen "Vintage"-Eqiupment passen :-P .

Dass man in Russland ordentliche und preiswerte Mikrofone bauen kann, beweist Oktava mit seinen brauchbaren Produkten. Die werden dann aber nicht in Los Angeles mit einem um eine "0" ergänzten Preisschild versehen.
Im Video wurde mir im übrigen erst gewahr, wie gigantisch diese Röhren-Flaschen tatsächlich sind. Dezentes Mikrofonieren ist damit schlicht unmöglich - aber sicher auch nicht gewollt. Nun ja, wenn sie schon "Soyuz" heißen, dürfen sie auch gerne die Anmutung einer Weltraumrakete haben.

Benutzeravatar
sleepytomcat
Senior Member
Beiträge: 277
Registriert: 10.06.2013, 20:05
Ort: Halstenbek
Ort: Halstenbek

Re: Soyuz Microphones

Beitragvon sleepytomcat » 08.06.2017, 10:23

…irgendwie erinnern mich die Dinger an die Pokale, die beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" zu gewinnen sind. Vielleicht wurde da das Design abgekupfert. :lol:
Der Kater

Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt.
— Albert Einstein —
Elektrische Geräte kennen 3 Zustände:
eingeschaltet, ausgeschaltet, kaputt
— Wau Holland —

Benutzeravatar
juppy
Senior Member
Beiträge: 1910
Registriert: 20.06.2007, 09:23
Ort: Köln

Re: Soyuz Microphones

Beitragvon juppy » 10.06.2017, 02:23

sleepytomcat hat geschrieben:…irgendwie erinnern mich die Dinger an die Pokale, die beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" zu gewinnen sind.

In den Pokal bekäme man wenigstens ein paar Bonbons oder Gummibärchen für den Gewinner.

Bild

Insgesamt erinnert der Schaltungsaufbau des SU019 an erste Elektronikexperimente auf einem Nagelbrett oder einer Lochrasterplatine ...

Benutzeravatar
Tonzauber
Site Admin
Beiträge: 1246
Registriert: 19.06.2007, 19:16
Ort: Wien
Kontaktdaten:

Re: Soyuz Microphones

Beitragvon Tonzauber » 10.06.2017, 12:57

juppy hat geschrieben:
Insgesamt erinnert der Schaltungsaufbau des SU019 an erste Elektronikexperimente auf einem Nagelbrett oder einer Lochrasterplatine ...



Nein..... Röhrenmikrofone wurden ja früher Punkt-zu-Punkt freiverdrahtet aufgebaut, in der Zeit bevor es hochisolierende Platinenmaterialien gab.

z.B. hier das Innenleben meines AKG/Siemens SM204:
c12.jpg
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Tonzauber - einfach klassisch
www.tonzauber.com

Benutzeravatar
juppy
Senior Member
Beiträge: 1910
Registriert: 20.06.2007, 09:23
Ort: Köln

Re: Soyuz Microphones

Beitragvon juppy » 11.06.2017, 00:56

... oder das SCHOEPS M221(b):

Bild

Aber die Zeiten ändern sich:

Neumann M149:

Bild

oder auch ein anderes Beispiel (Neumann M148 ?):

Bild

Fliegende Aufbauten sind nicht mehr unbedingt der Stand der Technik.

:opa:

LoboMixx
Senior Member
Beiträge: 112
Registriert: 25.12.2015, 18:45
Ort: Moenchengladbach

Re: Soyuz Microphones

Beitragvon LoboMixx » 11.06.2017, 13:29

juppy hat geschrieben: ... Fliegende Aufbauten sind nicht mehr unbedingt der Stand der Technik.

:opa:

Sicher, heutzutage muss man das sicher so nicht mehr machen. Aber in einer russischen Manufaktur ticken die Uhren sicher etwas anders. Außerdem sind mir hinsichtlich der Funktionalität keine Nachteile dieser fliegenden Montage bekannt. Die auf der Homepage erwähnte Kontaktierung mittels Wire-Wrap gilt prinzipiell sogar als sehr zuverlässig, vor allem bei höheren mechanischen bzw. thermischen Belastungen.
Für eine Serienfertigung größerer Stückzahlen dürfte allenfalls die Kostenseite nachteilig sein wegen des höheren Aufwands an Handarbeit. Aber auch das dürfte hier keine nennenswerte Rolle spielen. Den Reibach an diesen Mikrofonen macht sicher der amerikanische Vertrieb, nicht die Manufaktur.

Auch wenn die vorhandenen Beispiel-Aufnahmen kaum aussagekräftig sind, will ich gar nicht mal in Abrede stellen, dass man mit diesen Mikrofonen vergleichbar gut aufnehmen kann wie mit vielen anderen guten GM-Mikrofonen auch.
Aber mein Interesse an diesen Mikros ist und bleibt gleich Null, da ich erstens keine GM-Mikrofone brauche und zweitens den Preis für erheblich überzogen halte.
Von der Ästhetik her finde ich diese ´Giganten´ ebenfalls nicht ansprechend, für meine Zwecke (vorwiegend Live-Mitschnitte von Klassik-Konzerten) sind sie völlig unbrauchbar.
Nebenbei wären sie mir auch als Pokal zu hässlich - aber hat schon jemand einen wirklich schönen Pokal gesehen?

Benutzeravatar
Tonzauber
Site Admin
Beiträge: 1246
Registriert: 19.06.2007, 19:16
Ort: Wien
Kontaktdaten:

Re: Soyuz Microphones

Beitragvon Tonzauber » 11.06.2017, 13:50

Das M149 ist aber auch kein wirklich gutes Mikrofon...

Ich sehe ehrlich gesagt keinen Nachteil in freiverdrahteten Systemen, vor allem wenn sie so einfach aufgebaut sind wie diese Schaltungen. Gerade für einen Hersteller, der mit "Handarbeit" und doch einem gewissen Vintage-Touch wirbt, eigentlich nur nachvollziehbar.
Tonzauber - einfach klassisch

www.tonzauber.com

Benutzeravatar
RainerG
Senior Member
Beiträge: 1439
Registriert: 20.06.2007, 08:41
Ort: Romrod (Oberhessen)

Re: Soyuz Microphones

Beitragvon RainerG » 11.06.2017, 22:07

Tonzauber hat geschrieben:
Ich sehe ehrlich gesagt keinen Nachteil in freiverdrahteten Systemen, vor allem wenn sie so einfach aufgebaut sind wie diese Schaltungen.


Mal ganz bescheiden gefragt:
Ehrlich: Wer kann denn das noch? Auf einer Platte, sei sie aus Blech oder aus Pertinax oder was auch immer, mit aufgeschraubten Lötleisten eine Schaltung von Hand zu verdrahten?
Ich glaube, das war in meiner Lehrzeit 1967 wo ich sowas mal gemacht habe... aber ich traue es mir auch heute noch zu! Auch dann wenn es höchstohmig im Giga-Ohm-Bereich zugeht! Und egal ob mit IC's oder mit Transistoren oder gar mit Röhren und egal ob es eine ECC 83 ist bei 250 Volt oder eine EL 34 bei 800 Volt!

Grüße
RainerG
Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur wieder auf (Quelle unbekannt).
Siege wenn Du kannst, verliere wenn Du mußt, aber kapituliere nie! (André Kudelski).
Lautsprecher verstärken nur die Stimme - nicht die Argumente! (Hans Kasper)

Benutzeravatar
alex
Senior Member
Beiträge: 1158
Registriert: 06.07.2010, 23:53
Ort: Krefeld

Re: Soyuz Microphones

Beitragvon alex » 12.06.2017, 11:24

RainerG hat geschrieben:Ehrlich: Wer kann denn das noch?

Solcherlei Aufbauten aus Volksempfänger-Zeiten habe ich Ende der 1960er Jahre selber noch zusammengelötet, in meiner „Radiobasteln für Jungen“-Zeit. (Kostprobe: „Sorgfalt und Geduld sind die allerersten Voraussetzungen für gute und saubere Arbeiten. Nichts rächt sich mehr als hastiges und oberflächliches Herumpfuschen.“)

Heute begegnen sie mir hauptsächlich als revisionsbedürftige Oldtimer, wie hier bei einer Revox G36. Zwar ein altvertrauter Anblick für mich, jedoch nur bedingt servicefreundlich:

Bild Bild

Vor ca. 40 Jahren habe ich meinen kleinen Röhrenmikrofonpark auf P48 umgerüstet. Bei dem geringen Platz entschied ich mich für einen Aufbau auf Lochrasterplatinen. Hier beide Platinenseiten eines von sechs KM 253:

Bild

Heute würde ich dazu vielleicht „abenteuerlich“ sagen, doch ändert das nichts daran, dass sämtliche umgerüsteten Exemplare bis heute ohne die geringste Störung im Einsatz sind.

Grüße, alex
"Modern technologies allow new ways of enhancing old mistakes."

Benutzeravatar
hafi69
Senior Member
Beiträge: 1142
Registriert: 19.06.2007, 23:44
Ort: Duisburg

Re: Soyuz Microphones

Beitragvon hafi69 » 12.06.2017, 17:27

Tonzauber hat geschrieben:Das M149 ist aber auch kein wirklich gutes Mikrofon...

Somit von meiner Liste "wirklich guter Mikrofone" gestrichen. Danke.

Benutzeravatar
sleepytomcat
Senior Member
Beiträge: 277
Registriert: 10.06.2013, 20:05
Ort: Halstenbek
Ort: Halstenbek

Re: Soyuz Microphones

Beitragvon sleepytomcat » 12.06.2017, 19:32

Zum Thema "fliegende Verdrahtung" u. ä. sei noch die "Fädeltechnik" angeführt, die bei Einzelstücken und Versuchsaufbauten immer noch aktuell ist.

Beim "wrappen" wird übrigens auch sehr oft mit "fliegender Verdrahtung" zwischen den einzelnen Pfosten gearbeitet.
Der Kater

Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt.
— Albert Einstein —
Elektrische Geräte kennen 3 Zustände:
eingeschaltet, ausgeschaltet, kaputt
— Wau Holland —


Zurück zu „Tontechniker-Spielzeug“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Google [Bot] und 3 Gäste