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SE Electronics SE8

Über Geräte und was es darüber zu sagen gibt ...

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chris_newtone76
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Re: SE Electronics SE8

Beitragvon chris_newtone76 » 30.04.2018, 08:19

Hallo Kollegen,

vielen Dank für die tollen Antworten!!

Vielleicht gelingt es wirklich ein bisschen Klarheit in die Sache zu bringen...

JoMayer hat geschrieben:5.1 Wahrnehmung der Marke durch den fach-kundigen/intressierten Musiker.
Psychlogie: Wohlfühlfaktor des/der Musiker entscheidend für das Endprodukt.


Richtig...das ist beim Einsatz von niederpreisigen Mikrofonen nicht immer ganz diskussionslos.
Wenn ich aber bspw. die kleinen Line Audios CM3 als Stützen einsetze, muss ich nicht viel diskutieren.
Wirklich fachkundige Musiker kennen auch diese Mikrofone und fühlen sich wohl. Das Problem sind
eben die nicht-fachkundigen Musiker, die es meinen zu sein. Bis jetzt hatte ich aber hier nie Schwierigkeiten.
Gut...die Berliner Philharmoniker hab ich jetzt auch noch nicht aufgenommen:-).

JoMayer hat geschrieben:5.2 Zeit ist Geld: gute & hochpreisige Mikros verzeihen eher suboptimale Aufstellungen rel. zur Schallquelle.


Muss ich widersprechen. Ein Rode NT5, NT1A, NT1, SE X1S, MicW E151, Line Audio CM3...etc sind bekannt dafür und machen genau das!

Frage an Jo und hafi: Hattet ihr schon mal ein Mikrofon in dieser Preisregion im Einsatz? Hattet Ihr schon derart Probleme mit denen, sei es von der Bauqualität her oder klangtechnisch? Hattet ihr schon jemals ein schlechtes Ergebnis durch den Einsatz solcher Mikrofone als Hauptmikrofon?

Bitte...das soll von meiner Seite aus keine Stichelei oder sonstwas sein. Ich möchte der Sache einfach soweit es geht auf den Grund gehen. Es liegt mir fern hier irgend jemanden zu verärgern. Ich schätze eure Arbeit und Meinungen sehr!

@hafi69

hafi69 hat geschrieben:Das genau so solche Äußerungen, mit denen ich nichts anfangen kann. Was heißt denn "Auflösung" bei einem Mikrofon?
Also: Objektiv?


Na ja, Auflösung heißt für mich, wie genau bspw. ein Mikrofon das Saitenrutschen eine Akustikgitarre und wie natürlich es das darstellt..
Vielleicht bin ich hier aber auch auf dem Holzweg...

hafi69 hat geschrieben:Man bekommt nur keine kompromisslosen Mikrofone dafür, die braucht es aber nicht um obiges Ziel zu erreichen.


Richtig hafi, die Frage ist hier aber nach wie vor: Welche Kompromisse muss ich eingehen? Sind diese wirklich gravierend?

LG
Chris

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hafi69
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Re: SE Electronics SE8

Beitragvon hafi69 » 30.04.2018, 09:52

Mhmm, ich dachte eigentlich die Nachteile wären klar herausgearbeitet, aber gerne nochmal:

1. Qualitative Kompromisse, die sich direkt auf den Klang auswirken:
Ja, aber das ist nicht unbedingt ein Problem sondern Geschmackssache.
Nicht jeder würde außerdem Schoeps als das Maß aller Dinge bezeichnen,
sonst würde nicht eine erhebliche Anzahl an Usern
z.B. auch Neumann, Sennheiser MKH oder DPA verwenden.
2. Die Fixierung auf eine Niere. Kein Zubehörprogramm wie bei Schoeps oder Neumann.
Was aber auch maßlos überteuert ist.
3. Serienstreuungen
4. Ersatzteil-Sicherheit über längere Zeit
5. Möglichkeit/Wirtschaftlichkeit einer Reparatur.

Oder stellen wir das mal anders da: Manche Mikrofone sind seit 40 Jahren im Einsatz und haben trotz
professioneller Wartung ihr Geld zigfach eingespielt.
Bei Produkten aus chinesischer Manufaktur ist die kalkulierte Lebensdauer zwei, drei Jahre,
danach entfällt die Garantie und nicht immer gibt es danach auch Support. Das kann Dir auch bei namhaften Herstellern
passieren, bei Firmen wie Beyer oder Schoeps kann ich mich sicher darauf verlassen, dass auch in 10+ Jahre noch jemand
für die Wartung gerade steht.

Hattet ihr schon mal ein Mikrofon in dieser Preisregion im Einsatz? Hattet Ihr schon derart Probleme mit denen, sei es von der Bauqualität her oder klangtechnisch? Hattet ihr schon jemals ein schlechtes Ergebnis durch den Einsatz solcher Mikrofone als Hauptmikrofon?

Ich habe mit so ziemlich jedem Mikrofon jeder Preisklasse gearbeitet.
Natürlich gibt es da mitunter Probleme, aber die sind nicht dramatisch, selbst wenn wir in die "Holzklasse" gehen - was extrem am Aufgabengebiet variiert!.
Als Hauptmikrofon habe ich aber bisher ausschließlich Sennheiser MKH (MS) und/oder AKG C460/480 mit Kugel oder Nierenkapseln eingesetzt.
Ich würde aber auch guten Gewissens die AKGs gegen die CM3 (oder ggf. anderes in der "Mittelklasse") tauschen, wenn das mit dem Eigenrauschen hinhaut.
Die MKHs sind praktisch überhaupt nicht zu ersetzten und schon gar nicht in "günstig".
Am Ende schaut wirklich NIEMAND was für Mikrofone ich verwende, und wenn doch ist es mir eher egal.
Ich werde gebucht für meine Arbeit und nicht für mein Werkzeug.
Jeder Depp kann sich Schoepse besorgen und irgendwo hinstellen und zusammen mischen.
Es kommt am Ende eben fast gar nicht darauf an, welche Technik da steht, sondern wer sie wie für was benutzt.
Das hat Jo Mayer ja im Grunde schön zusammengefasst.


"gute & hochpreisige Mikros verzeihen eher suboptimale Aufstellungen rel. zur Schallquelle."

Das war mir allerdings auch neu, JoMayer... :mrgreen:
Bisher galt für mich: So mehr ein Mikrofon richtet, desto weniger verzeiht es suboptimale Aufstellung...

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Re: SE Electronics SE8

Beitragvon Tonzauber » 30.04.2018, 10:03

Ein Punkt der m.M.n für "Markenmikrofone" spricht ist, dass der Wiederverkaufswert selbst in "gut benutztem Zustand" sehr nah an den Anschaffungspreis herankommt.

Ansonsten: Eine Aufnahme wird nicht durch den Einsatz durchschnittlicher Mikrofone scheitern, und ich bin sehr zuversichtlich, dass niemand von uns am Ende heraushören wird ob das eingesetzte Mikrofon nun von Behringer, SE, Rode, Neumann oder Schoeps war. Da gibt es 10.000 andere Faktoren die wichtiger sind, begonnen bei dem was vor dem Mikrofon passiert bis zur richtigen Positionierung.
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Re: SE Electronics SE8

Beitragvon chris_newtone76 » 30.04.2018, 10:31

@hafi69

D.h. in Punkto Fertigungsqualität, Serienkonstanz und Service bei den SE8 kann ich Glück oder Pech haben.
Ansonsten....

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Re: SE Electronics SE8

Beitragvon chris_newtone76 » 30.04.2018, 10:47

ah..vergessen...zurück zum Beitrag:

@ hafi69

hafi69 hat geschrieben:1. Qualitative Kompromisse, die sich direkt auf den Klang auswirken:
Ja, aber das ist nicht unbedingt ein Problem sondern Geschmackssache.
Nicht jeder würde außerdem Schoeps als das Maß aller Dinge bezeichnen


Genau...

hafi69 hat geschrieben:2. Die Fixierung auf eine Niere. Kein Zubehörprogramm wie bei Schoeps oder Neumann.
Was aber auch maßlos überteuert ist.


Nein, ich widerspreche...nehmen wir mal das Rode NT5. Das bietet außerdem noch 2 tolle Kugelkapseln.

hafi69 hat geschrieben:3. Serienstreuungen


Auch hier...wenn ich das Beispiel Rode bringen darf...Serienstreuung sehr gering..

hafi69 hat geschrieben:4. Ersatzteil-Sicherheit über längere Zeit


Und wieder Rode...renommiertes Fabrikat. Keine Probleme mit Ersatzteilen, sicher auch in 15 Jahren nicht.

hafi69 hat geschrieben:5. Möglichkeit/Wirtschaftlichkeit einer Reparatur.


Das ist ein Punkt. Aber ganz ehrlich, und hier sind wir wieder bei Rode..Rode bietet eine 10 Jährige Garantie.
Sollte nach den 10 Jahren was sein kostet ein neues Paar NT5 sicher nicht mehr als eine Reparatur von Schoeps Mikrofonen.

Sollte man wirklich jetzt ausschließlich auf deutsche Fabrikate zurückgreifen, nur weil man diese direkt tel. erreichen kann?
Einen deutschen Support von SE kann ich auch problemlos erreichen.

Im Grunde stimmt das schon. Bei den großen (Gefell, Schoeps, Beyer) hat man in gewisser Weise ein Gefühl der Sicherheit, was Fertigungsqualität angeht.

LG

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Re: SE Electronics SE8

Beitragvon JoMayer » 30.04.2018, 10:57

Guten Morgen miteinander

Vielen Dank für euere Antworten und Kommentare.
@ manjak:
Meine in 6. aufgeführten Punkte sind rein persönlich geäusserte Ansichten und als solche auch gekennzeichnet.
Deine Argumentation ist für mich auch nachvollziehbar.

@chris_newtone76:
zu 5.1: Deine Erfahrungen mit Ensemblemitgliedern oder solche mit "gesundem aufnahmetechnischen Halbwissen" kann ich nur bestätigen.
Eine Neuman Raute ist immer diskussionslos auch das Schoepssche Mäusefell bietet nie Anlass zu Diskussionen.
KM Hauptmikrofonanordnungen sind zuweit vom Ensemble entfernt und werden so detailiert nicht von den Ensemblemitgliedern wahrgenommen.

zu 5.2: Da muss ich dir aufgrund meiner Erfahrungen abermals wiedersprechen:
Gerade billige Mikrofone zeigen bei ihrer proklamierten Richtcharakteristik nicht immer das erwartete Verhalten über den gewünschten Frequenzbereich.(Nebenkeulen bei bestimmten Frequenzen etc.)
Dies kommt dann bei nicht optimaler Positionnierung durch Verschieben des Miks durch unachtsame Zeitgenossen oder durch Zeitmangel beim Aufbau zur Geltung.

Ich setze die LA CM3 gerne als Stützen für Streichersektionen ein (1.,2. Geigen & Bratschen) Warum:
- durch ihre Größe sehr unauffällig, (Die dafür zwingende Schwinghalterung ist größer als das Mikro)
- ausgeglichener richtungsabhängiger Frequenzgang der breiten Niere (Pflaume) erlaubt geringere Distanz zur Quelle.
- geringerer Output durch reduzierte Distanz zur Quelle kompensierbar.

In Haupmikrofonanordnungen ist mir der Output des CM3 wg. der größeren Quellendistanz zu gering.

Mit den anderen von dir genannten preiswerten Mikros habe ich keine praktischen Erfahrungen.

LG
Jo

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Re: SE Electronics SE8

Beitragvon chris_newtone76 » 30.04.2018, 11:05

Klasse!!

Danke dir Jo!

LG
Chris

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Re: SE Electronics SE8

Beitragvon JoMayer » 30.04.2018, 12:37

hafi69 hat geschrieben:Mhmm, ich dachte eigentlich die Nachteile wären klar herausgearbeitet, aber gerne nochmal:
...
"gute & hochpreisige Mikros verzeihen eher suboptimale Aufstellungen rel. zur Schallquelle."

Das war mir allerdings auch neu, JoMayer... :mrgreen:
Bisher galt für mich: So mehr ein Mikrofon richtet, desto weniger verzeiht es suboptimale Aufstellung...

Damit hast du ja völlig recht!

Bei dieser Aussage ging ich von Stützen aus, welche nicht mehr richten als eine Hyperniere.
Eher von Nieren oder Pflaumen.

Sorry für die etwas unpräzise Aussage
LG
Jo

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RainerG
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Re: SE Electronics SE8

Beitragvon RainerG » 30.04.2018, 12:57

Hallo Kollege,

chris_newtone76 hat geschrieben:
hafi69 hat geschrieben:Das genau so solche Äußerungen, mit denen ich nichts anfangen kann. Was heißt denn "Auflösung" bei einem Mikrofon?
Also: Objektiv?


Na ja, Auflösung heißt für mich, wie genau bspw. ein Mikrofon das Saitenrutschen eine Akustikgitarre und wie natürlich es das darstellt..
Vielleicht bin ich hier aber auch auf dem Holzweg...

LG
Chris


Bei dem Begriff "Auflösung" läuft es mir auch immer kalt den Rücken herunter! Das ist nämlich ein Begriff aus der Hifi-Religion und ist überhaupt nicht definierbar und wenn man die Freaks fragt, erhält man von jedem eine andere Antwort. Das was Du oben im Zitat meinst, ist eine Frage des Frequenzgangs bzw. der Übertragungsbandbreite. Ein Mikrofon was gradlinig bis 20 kHz übertragen kann wird auch diese Geräusche mit aufnehmen.

Die Argumente von Jo Mayer kann ich nahezu alle nachvollziehen bis auf den Satz: "gute & hochpreisige Mikros verzeihen eher suboptimale Aufstellungen rel. zur Schallquelle.". Da muß ich entschieden widersprechen und kann auch mit einem Beispiel aufwarten:
Wir haben in unserer Kirche an Kanzel und Altar die Neumann KM 140 für die Beschallungsanlage. Unser früherer Pfarrer hat das Mikrofon an der Kanzel immer zur Seite hin gedreht und entsprechend von der Seite aus besprochen weil es ihn gestört hat. Das Ergebnis war natürlich dementsprechend. Er behauptete auch immer, daß ein gutes Mikrofon auch von der Seite her besprechbar sein muß. Ich habe ihm das dann mal klar gemacht, daß genau das Gegenteil der Fall ist: Ein schlechtes Mikrofon nimmt auch als "Niere" den Schall noch von der Seite her auf. Aber - folglich ist auch die Rückkopplungsgefahr größer.

Meine eigenen Erfahrungen die noch aus der sog. "Tonbandamateurzeit" stammen:
Als ich vor meinem Studium (Anfang der 1970-er) als "Tonbandamateuer" anfing, hatte ich mit den billigen dyn. Mikrofonen von UHER angefangen. Ich war immer erstaunt wie gut die Aufnahmen in ORTF-Anordnung sich anhörten.
Als ich dann das nötige Kleingeld hatte für 4 Neumann KM 84 und diese zum ersten Mal 2 Stück davon in ORTF aufstellte und damit eine Orchesteraufnahme gemacht hatte war ich erschrocken! Der Raumeindruck war viel geringer als mit den alten dynamischen Gurken!
Warum: Die dynamischen Gurken waren zwar als "Niere" propagiert, aber die tatsächliche Charakteristik war schon eher eine Sub-Niere - also schon mehr in Richtung "Kugel". Dadurch mehr Raumeindruck. Die KM 84 dagegen waren von vornherein saubere Nieren, die den unerwünschten Raumschall entsprechend ausblendeten.

Und genau dies ist auch ein Punkt, wenn irgendwelche "Halbwisser" (z.B. Gesangvereine aus Hintertupfing) selbst Aufnahmen machen - und dies womöglich jahrelang - und dann eine Aufnahme einem Profi in Auftrag geben: Da heißt es dann: "Die Aufnahme ist scheiße!, den Murks bezahlen wir nicht, da war doch die Aufnahme vom Dr. Stümper viel besser!".
Daher graust es mir wenn ich irgendwelche Amateurensembles aufnehmen muß... und die dann noch mit ihren "Ratschlägen" kommen und sagen: "Du mußt die Mikrofone da ... und da... hinstellen, dann wird das viel besser, die stehen doch hier viel zu nah!" Ihr lacht? habe ich alles schon erlebt.

Nochwas: Ich stelle immer wieder bei solche eingestellten Klangbeispielen fest (und nicht nur hier in unserem Forum - sondern ganz allgemein): Gitarre - Gitarre - Gitarre und immer wieder Gitarre.
Nehmt doch bei solchen Vergleichen mal etwas anderes an Instrumenten, vor allem Instrumente mit sehr großem Obertonanteil (z.B. Cembalo, Orgel mit vielen Mixturen und 1'-Registern) und vor allem: In STEREO und nicht in Mono. Damit man auch den Raumeindruck beurteilen und vergleichen kann. Punktschallquellen - und eine Gitarre ist hahezu eine solche - sind ungeeignet.

Grüße
RainerG
Zuletzt geändert von RainerG am 30.04.2018, 13:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: SE Electronics SE8

Beitragvon chris_newtone76 » 30.04.2018, 13:14

Hallo Rainer,

RainerG hat geschrieben:Bei dem Begriff "Auflösung" läuft es mir auch immer kalt den Rücken herunter! Das ist nämlich ein Begriff aus der Hifi-Religion und ist überhaupt nicht definierbar und wenn man die Freaks fragt, erhält man von jedem eine andere Antwort. Das was Du oben im Zitat meinst, ist eine Frage des Frequenzgangs bzw. der Übertragungsbandbreite. Ein Mikrofon was gradlinig bis 20 kHz übertragen kann wird auch diese Geräusche mit aufnehmen.


Genau das meinte ich:-) Viele, auch Fritz Fey bspw. benutzen das Wort "Auflösung". Du hast freilich recht, man sollte das dann schon genauer spezifizieren.

Ich danke dir mal wieder!!:-)

LG
Chris

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Re: SE Electronics SE8

Beitragvon chris_newtone76 » 30.04.2018, 14:10

Nachtrag:

RainerG hat geschrieben:Die Argumente von Jo Mayer kann ich nahezu alle nachvollziehen bis auf den Satz: "gute & hochpreisige Mikros verzeihen eher suboptimale Aufstellungen rel. zur Schallquelle.". Da muß ich entschieden widersprechen


Da muss ich Reiner absolut zustimmen. Das kann man nicht pauschalisieren! Ein SE X1A verzeiht eine suboptimale Aufstellung nicht, ein SE X1S dagegen schon. Ein Lewitt LCT240 verzeiht das auch nicht, ein Lewitt LCT140 schon. Sowie natürlich das Rode NT1A, das bekannt dafür ist auch seitlich einfallender Schall unverfärbt wiederzugeben...

LoboMixx
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Re: SE Electronics SE8

Beitragvon LoboMixx » 30.04.2018, 14:46

Das typische Sirren, das durch das Rutschen auf der Gitarrensaite ausgelöst wird, aber auch das leichte Klirren durch ein ungünstiges Anschlagen der Saite am Bund, das konnten selbst die Oktavas prima aufnehmen, die ich vor einigen Jahren bei der Produktion einer Gitarren-CD als Nahstütze im Einsatz hatte. Soviel zum Thema "Auflösung".
Wenn ein Mikrofon mit einer entsprechenden Anhebung im Frequenzgang solche Geräusche dann überbetont, dann mag das ja der eine oder andere als "bessere Auflösung" bezeichnen - obwohl es in diesem Fall schlicht eine verfälschende übertriebene Abbildung wäre, ich selber benutze diesen Begriff nicht.
Ebenso habe ich recht bald aufgehört, mich mit den zahlreich im Netz zu findenden Mikrofon-"Tests" näher zu beschäftigen, die zahlreichen methodischen Fehler sind eher die Regel als die Ausnahme und die Tests damit weitgehend ohne Aussagekraft.

Chris, was soll den der beabsichtigte Einsatzbereich sein? Hauptmikrofone oder ausschließlich Stütze? Die Aufnahme rein akustischer Instrumente wie in der "klassischen" Musik?
Sollen sie für professionelle Anwendungen genutzt werden, also Aufnahmen, Produktionen, Mitschnitte im Auftrag für Kunden oder nur privat? Wie zahlungskräftig bzw. zahlungswillig ist der anvisierte Kundenbereich? Sind die Kunden Profis oder Amateure/Laien? Sollen es Produktionen für den Handel sein oder nur Klein- bzw. Kleinstauflagen (z.B. nur für den Chor und deren Angehörige)?
Letztere Fragen haben mit der Einschätzung der Wirtschaftlichkeit der Anschaffungen zu tun. Z.B. wenn die Berliner Philharmoniker deine Kunden wären (ich arbeite nicht für sie), dann wäre eine Vollausstattung mit Schoeps-Mikrofonen nicht nur vertretbar, sinnvoll und angemessen, sondern sicher auch recht bald refinanziert. Bei einem Kundenkreis vorwiegend oder ausschließlich aus dem Laien- und Amateurbereich ist das eher unwahrscheinlich.

Wie andere schon schrieben, würde ich als (Stereo-)Hauptmikrofone immer schauen, in die Kategorie Neumann KM 184 oder vergleichbare Mikrofone von Haun zu investieren (so halte ich es selber), da braucht man in der Regel ja nur zwei Stück.
Als Stützen werden die SE-Mikros sicher mehr als ausreichen, wenn sie die im Datenblatt angegebenen Werte mit einer akzeptabel geringen Toleranz über die Serie einhalten. Wenn ich sonst nichts anderes zur Hand hätte, würde ich sie selbstverständlich auch als Hauptmikrofone benutzen. In einem guten Raum, einem guten Ensemble und bei sorgfältiger Positionierung wird schon mindestens etwas Brauchbares, mit Glück etwas Gutes dabei heraus kommen. Im Zweifel ist eine nicht ganz optimale Aufnahme besser als gar keine, wenn man ein schönes und gut gelungenes Konzert archivieren möchte.

A propos Datenblatt: Die technischen Daten lassen sich sehen, die Diagramme sind aber - wie so oft - extrem gemittelt und damit geschönt, ein Toleranzbereich ist nicht angegeben. Das ist immerhin 100% mehr als z.B. Brauner für seine hochpreisigen (überteuerten?) Produkte liefert, der veröffentlicht nämlich gar keine Diagramme und liefert ansonsten auch nur eher rudimentäre Angaben.

Als Stützen hatte ich mit vergleichbar preiswerten Mikrofonen wie den schon erwähnten Oktavas, aber auch der AKG Blue-Line-Serie (z.B. Niere C391b) keine Probleme und nur gute Erfahrungen gemacht. Ebenso als Hauptmikrofone in unkritischen Anwendungen wie z.B. dokumentarische Mitschnitte im Musikschul-Bereich. Bei günstigen Mikrofonen wie diesen habe ich auch keine Bedenken, sie im bekanntlich etwas raueren Live-Betrieb auf einer Bühne für PA-Anwendungen zu verwenden.

Allen anderen Einwänden was zu erwartende Streuungen, späteren Service usw. angeht kann ich mich voll und ganz anschließen.
Gerne empfehle ich als etwas günstigere und dabei sehr gute Alternative mit vor allem hervorragendem Service die Mikrofone von Haun (Obrigheim). Selbst die modularen Systeme von Haun sind auch bei kleinerem Budget finanzierbar. Das günstigste mir bekannte Mikrofon von Haun ist das MBC660L (Niere mit fester Kapsel), das es im Paar-Set schon für 379,- € gibt bei einem großen Händler.
Hierzulande gefertigt und wie gesagt mit bei Bedarf exzellentem, langfristig sicherem und bemerkenswert günstigem Service.

Gruß, Jürgen

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Re: SE Electronics SE8

Beitragvon pkautzsch » 30.04.2018, 14:59

RainerG hat geschrieben:Die Argumente von Jo Mayer kann ich nahezu alle nachvollziehen bis auf den Satz: "gute & hochpreisige Mikros verzeihen eher suboptimale Aufstellungen rel. zur Schallquelle.". Da muß ich entschieden widersprechen


Ich auch, und genauso dem Satz über die Richtwirkung.
Mit meinen Oktavas ist schon die Haupteinsprechrichtung verfärbt, da fällt seitliche Färbung viel weniger auf - deshalb glaubt man schnell mal, die wären leichter zu handhaben. Das sind für mich fast schon "Effektmikros", die einen recht begrenzten Einsatzbereich bei Schlagwerk und Blech haben.

Zur Richtwirkung: Es sind "lustigerweise" genau die Hypernieren MK41 und KM 150/185, die die geringste winkelabhängige Verfärbung zeigen. Da wirds halt a bissl leiser, wenn man daneben zielt. Mit MK2, KM140/184 und auch KM183 fängt man sich viel stärker verfärbte Nachbarn ein.

Wenns nicht sooo teuer sein soll, kann ich die "Blue Line" Serie von AKG empfehlen - solange man die geringere Empfindlichkeit in Kauf nehmen kann (Stützen). Auch das Logo mit den drei Nieren kennt der interessierte Musiker, und sei es nur von seinen Kopfhörern.
Der interessierte Musiker kennt übrigens sicherlich auch die Fernost-Marken - weil er sie selber gekauft hat und damit "tolle" Aufnahmen macht. So einer wird nicht immer vom Preis einer professionellen Aufnahme überzeugbar sein, wenn er dort dieselben billigen Werkzeuge sieht.

chris_newtone76
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Re: SE Electronics SE8

Beitragvon chris_newtone76 » 30.04.2018, 15:35

Hallo Jürgen,

LoboMixx hat geschrieben:Ebenso habe ich recht bald aufgehört, mich mit den zahlreich im Netz zu findenden Mikrofon-"Tests" näher zu beschäftigen, die zahlreichen methodischen Fehler sind eher die Regel als die Ausnahme und die Tests damit weitgehend ohne Aussagekraft.


Das habe ich jetzt gelernt. Richtig, solche Test`s sagen im Grunde nichts aus.

LoboMixx hat geschrieben:Chris, was soll den der beabsichtigte Einsatzbereich sein? Hauptmikrofone oder ausschließlich Stütze? Die Aufnahme rein akustischer Instrumente wie in der "klassischen" Musik?
Sollen sie für professionelle Anwendungen genutzt werden, also Aufnahmen, Produktionen, Mitschnitte im Auftrag für Kunden oder nur privat? Wie zahlungskräftig bzw. zahlungswillig ist der anvisierte Kundenbereich? Sind die Kunden Profis oder Amateure/Laien? Sollen es Produktionen für den Handel sein oder nur Klein- bzw. Kleinstauflagen (z.B. nur für den Chor und deren Angehörige)?


Ich brauche ein gutes und günstiges Hauptmikrofon für Orchester und Ensembles aller Art, die vorwiegend im Semi-Professionellen Bereich anzusiedeln sind. D.h. es sind i.d.R. Kleinserien. Von der zahlungswilligkeit her ist es mal so und mal so. Die richtig Großen werde ich selbstvertändlich nie aufnehmen können. Kleinstauflagen sind selbstverständlich auch dabei, aber weniger..

Apropos Haun: Ein MBC440 Paar wäre natürlich auch drin. Was mich an denen ein bisschen stört ist die Schallpegelverträglicheit von "nur" 126dB.
Viele andere können hier deutlich mehr. Ich würde diese beiden aber ausschließlich als Hauptmikrofone einsetzen. D.h. die 126dB sollten doch reichen, richtig? Das schafft eigentlich auch kein Blasorchester mit Wummms. Wie aber gemessen wurde wird nicht angegeben. Die meisten geben dann schon dBA an, bei den Haun ist hier im Datenblatt nichts zu finden..

Also auch hier die Frage: Wie gut sind die Haun MBC440 für solche Anwendungen? Ich denke hier wird`s dann auch keine Diskussionen mit halbwissenden Musikern geben...

600.- sind aber Ende der Fahnenstange..

Ich kenne einige der Haun`s, under anderem, wie auch geschrieben, die MBC603 + KA200N, die ich auch schmerzlich loswerden musste. Ich bin jetzt sozusagen wieder ein bisschen im Aufbau, möchte aber finanziell jetzt nicht gleich wieder so tief in die Tasche greifen müssen. Ich denke das macht auch für meine Anwendungsbereiche keinen Sinn.

Nochwas zur Fa. MBHO in Obrigheim...Erstmal sei gesagt, das alle die dort arbeiten sehr sehr nette und kompetente Leute sind. Was ich so ein bisschen kritisch dort sehe, ist die Tatsache das alle fähigen Ingenieure über 70 Jahre alt sind. Ein weiteres Manko sind die Daten die zu den jeweiligen Produkten rausgegeben werden. Das ist schon teilweise verwirrend. Mal hat der Impedanzwandler im Ausgang 35Ohm, dann wird revidiert...dann hat er plötzlich wieder 200Ohm. Es gibt dann Verstärker die nennen sich MBC, dann wieder MBP, oder beides...
Einen aktuellen Katalog oder eine Übersicht gibt es auch nicht.
Was ich damit auch sagen will...Wie lange wirds die Fa. MBHO in der Form noch geben? Zum Thema Support bei MBHO habe ich auf längere Sicht mehr Bauchweh als bei SE Electronics.
Ich bin ganz sicher kein Schwarzmahler, aber das sind einfach Fakten.
Neumann, Gefell, oder Schöps und auch AT haben hier ganz andere Strukturen.

Danke euch!

LG

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Re: SE Electronics SE8

Beitragvon Wilfried » 30.04.2018, 15:36

JoMayer hat geschrieben:Eine Neuman Raute ist immer diskussionslos auch das Schoepssche Mäusefell bietet nie Anlass zu Diskussionen.


So ist es. Für einen solchen Fall hatte ich mal grün gephotoshoppte Neumannrauten
auf meine AKG Perception 200 geklebt. :oops: Das war bevor es das Neumann BCM
mit grüner Raute gab. Sah furchtbar aus (blau-metallic mit grünem Logo). Dann noch
was von Neumann Prototyp und Erlkönig geschwafelt und schon war diskussionslos
die gewünschte Ehrfurcht da. :mrgreen:
Heute würde ich vielleicht das Logo vom HSV Fußballverein dafür missbrauchen oder
ein Neumannlogo mit einem Farbverlauf nutzen. :blbl:
Ansonsten gilt ganz allgemein: Auch mit einfachem Werkzeug in den richtigen Händen
kann man gute Ergebnisse erzielen. :opa:
If you can't fix it with a hammer, you've got an electrical problem.


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