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Kopfhörer

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Crossfeed-Technik und Kopfhörer

Beitragvon ebs » 16.03.2010, 17:41

GerhardS hat geschrieben: Man kann ja auch mal mit Kopfhörern und HRTF Parametern herumspielen:
http://www.ohl.to/about-audio/audio-softwares/head-fit
Das ist ein Programm dass auch die Crossfeed Technik einsetzt (die ja auch SPL z.B. im Phonitor einsetzt) um eine HRTF zu simulieren.
Eine ähnliche Lösung für die MAC User gibt's hier:
http://www.midnightwalrus.com/Canz3D/
Es sind halt Lösungsansätze die versuchen eine HRTF Emulation mit einzubeziehen und damit die Nachteile des Kopfhörers etwas abzuschwächen.
Mal damit herumspielen und bitte die (sicherlich sehr subjektiven) Resultate hier posten.

Ein ausgezeichneter Vorschlag von Gerhard, den ich voll unterstütze: Mit fertigen Lautsprecherstereofonie-Aufnahmen und der Crossfeed-Technik mit den Kopfhörerhörern rumspielen, um dabei zu lernen, wie eigentlich unser natürliches Hören funktioniert. Über subjektive Erfahrungen und Erkenntnisse dazu würde ich auch gerne hier etwas hören. Besonders interessiert mich dabei die "Außer-Kopf-Lokalisation" und das Vorne-Hören auf "Nasenhöhe".

Viele Grüße ebs
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'In-Ear-System' aber unbedingt 'offene" Kopfhörer

Beitragvon ebs » 20.03.2010, 03:43

Grosse_j hat geschrieben:Danke für die Tipps, aber ich meinte keine Kopfhörer sondern die ins Ohr zu steckenden In-Ohr- oder Ohrkanalhörer, die bei einem längeren Konzert guten Tragekomfort und gute Außengeräuschdämpfung bringen, aber bei meinem oben zitierten, trotz Stereoplay-Spitzenklasse-Test jedoch noch keinen befriedigenden Gesamtklang.

In der Newsgroup "de.rec.musik.hifi" gibt es zu diesem Thema eine passende Diskussion
unter dem Betreff "Nachtrag: Audiophile 'offene' Ohrhörer":

Da sucht jemand ein 'In-Ear-System' oder etwas das nicht die Gehörgänge hermetisch verschließt und was damit nach außen 'atmen' kann, so wie es auch jeder 'offene' Kopfhörer tut, und damit erst eine räumliche Abbildung im Gehirn ermöglicht. Dort werden bekanntlich Töne 'zusammengebaut' - nicht im 'Hörzentrum', das es in diesem Sinne gar nicht gibt; siehe:

http://de.nntp2http.com/rec/musik/hifi/2010/02/4394a96598cbdce50807cfed018a8f37.html

Gehe unbedingt auch die Kette der interessanten Antworten nach.
Diese Postings sollten auch diejenigen lesen, die behaupten, dass man Mischungen für die Lautsprecherstereofonie auch über Kopfhörer machen könne.

Viele Grüße ebs
ebs - Mikrofonaufnahmetechnik und Tonstudiotechnik

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Re: Crossfeed-Technik und Kopfhörer

Beitragvon GerhardS » 20.03.2010, 11:58

ebs hat geschrieben:...Mit fertigen Lautsprecherstereofonie-Aufnahmen und der Crossfeed-Technik mit den Kopfhörerhörern rumspielen...Viele Grüße ebs


Danke Eberhard für die Unterstützung.
Eine nicht nur für für diesen Zweck sehr hilfreiche Aufnahme ist eine bearbeitete Cabassaaufnahme: der LEDR Test.
Zu finden auf einer (sehr teuren) TestCD von Prosonus und auf der 'Chesky Records Jazz Sampler & Audiophile Test CD (JD37)'. Die Chesky CD ist sowieso sehr hörenswert!

Dazu Bob Katz: "...To use LEDR, you only need one set of test instruments: your ears. LEDR consists of a series of computer-generated sounds that are intended to move in a predefined way between a pair of loudspeakers. A sampled cabasa (a percussion instrument often used in Latin music) is electronically manipulated to move through three different paths. The paths are Up, Over, and Lateral. The differences between what these signals are designed to do, and what your system actually produces, represent a measure of the imaging accuracy of the stereo speakers, electronics, and the room environment..."

Der gesamte Text von Bob Katz steht hier: http://www.stereophile.com/features/772/

Eine Beschreibung der LEDR Signale findet ihr auch hier:

www.nordost.com/Downloads/Test%20CD%20Text.pdf
LG
Gerhard

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MarkusP
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Beitragvon MarkusP » 23.03.2010, 04:02

Hallo ebs, hallo all,

kurz zurück auf mein etwas umstrittenes Posting bzgl. Kopfhörern.
Ich provoziere halt mal gerne... :-)

Ich habe nun Eberhards diverse Artikel ausführlich gelesen. Ich brauchte da schon sehr lange, um in dieser Masse an guten Beiträgen rauszulesen, warum Abhören über Kopfhörer nicht möglich ist oder sein soll.
Die meisten Skripte bezogen sich doch eher auf das Verhältnis zwischen Kunstkopf-Aufnahmen (und Äquivalenten Varianten) und der "Lautsprecher-Mikrophonierung".

Grundsätzlich möchte ich sagen, daß ich natürlich äußerst ungern Schönbergs Gurrelieder über Kopfhörer mischen möchte. Aber wer es bis dahin gebracht hat, hat entweder ein gutes Studio oder einen brauchbaren Ü-Wagen vor Ort, das/der mit guten Abhören ausgestattet sein dürfte.

Daß man über Kopfhörer die Abbildungsbreite anders hört, dürfte jedem klar sein. Man ist versucht, das ganze mehr einzuengen, was aus EBS Beiträgen im Umkehrschluß deutlich hervorgeht. Daraus geht aber auch hervor, daß man es damit beimAbhören über Kopfhörer -entgegen der Gewohnheit- auch einfach übertreiben muß.

Hinsichtlich des Frequenzganges (dank des kastrierten Ohres) sehe ich (noch?!?) nicht so große Probleme.

Aus der Gemengelage der beiden ergeben sich aber schon Probleme, die ich gerne zugebe. Es geht um die Einstellung der Räumlichkeit bzw. des künstlichen Nachhalls.

Meine Wenigkeit schiebt immer etwas zuviel Raum drauf, wenn ich über Kopfhörer abhöre.

Aber an das kann man sich doch auch irgendwie gewöhnen, genauso wie man sich an verschiedene Abhören gewöhnen muß.

Ich betone nochmal, daß ich auch lieber über gute Monitore abhöre!
Es ist aber leider nicht immer möglich. Dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: den Auftrag ablehnen (soweit bin ich noch nicht!) oder das beste draus machen. Und das ein oder andere Mal habe ich halt über Kopfhörer, trotz vorhandener Monitore, einfach das bessere Ergebnis vor Ort erzielt.

Was mein Geithain "Bashing" angeht, wird es eher subjektiv, wohlwissend, daß dies nicht sehr tonmeisterlich ist!

Sie klingen für mich nach Telephon. Sie sind zu distanziert, ich bin nicht wirklich im Geschehen drin. Sie füllen nicht, sie "umhüllen" micht nicht.
Sie haben keine Baß, das haben sie aber auch mit den "amtlichen" von B+W gemeinsam. Diese klingen aber wenigstens "oben rum" sehr schön-

Ich weiß auch nicht so recht, was ich mit meinem subjektiven Empfindungen anfangen soll. Sie sind so.

Andere Monitore sind da doch anders, wie die großen von K+H, die alten JBL noch vor den "A....backen", die ADAMS, selbst die "Telephonkisten" von Auratone nehmen mich mehr mit ins Klanggeschehen...
Auch meine nicht mehr ganz jungen Heco 7302, die auch baßarm sind, aber sonst sehr ausgeglichen klingen.

Nun helft mir in meiner absoluten Subjektivität gegenüber den Geithainern. Entweder bin ich absolut taub gegenüber den Vorteilen dieser Monitore oder einer der wenigen Ehrlichen, die sagen, daß die Kisten nicht wirklich gut sind.
Nur weil bei allen öffentlich rechtlichen die Dinger stehen, sind sie noch lange nicht amtlich. Da ist doch viel Politik dabei.
Meine Hecos gab es meines bescheidenen Wissens nach nur beim HR, alle anderen hatten damals noch eher K+H.

Soviel zu meinem nicht tonmeisterlichen subjektiven Eindrücken.

Nichts für ungut

Gruß aus Berlin

MarkusP.

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RainerG
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Beitragvon RainerG » 23.03.2010, 09:05

@ Markus P.


Hallo Markus,

vieles was Du über die erkannte Problematik des Abhörens über KH schreibst, kann ich voll bestätigen. Ich bin bei Außenaufnahmen gezwungen über KH zu mischen und zwar benutze ich den Stax "SR Lambda Pro" mit eingeschalteter Diffusfeldentzerrung. Da ich jahrelang immer wieder Vergleiche angestellt habe zwischen dem Klangbild was der KH erzeugt und dem was dann das resultierende aus dem LS ist, weiß ich inzwischen sehr genau wie ich über KH mischen muß, damit es über LS so klingt wie es klingen soll. Das soll aber nicht heißen, daß eine Abhöre über LS prinzipiell verzichtbar sei. Wo man über LS abhören kann, sollte man es auch tun.
Die Tatsache, daß man beim Abhören über KH geneigt ist, die Stereobasis nicht voll auszunutzen, beobachte ich bei vielen Anfängern. Überhaupt stelle ich gerade bei Anfängern immer wieder das Phänomen fest, daß sie die Basisbreite nicht voll ausnutzen - oftmals nur zu einem Drittel! Ach dann wenn sie über LS abmischen. Woher das kommt vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht kann Eberhard dazu näheres sagen.

Aber dem was Du über die "Heco 7302" sagst, muß ich widersprechen! Diese LS habe ich mal bei mir zur Probe gehabt und ich hatte die Gelegeneheit sie gegen die K+H zu hören. Die 7302 waren ein Graus!!:
Wenn man solche wie K+H zum Vergleich heran zieht, merkt man erst sehr deutlich wie klangverfärbend diese 7302 sind. Im Baßbereich verschmieren sie Paukenwirbel zu einem einzigen Brei, sodaß die einzelnen Anschläge nicht mehr auseinander zu halten sind.
Der HR hatte lange Jahre die 7302 in seinen Studios und auch m.W. in den Ü-Wagen. Die haben sie alle rausgeschmissen und haben heute die MEG's!
Ich selbst habe an meinem Schnittplatz lange mit den Heco "Aktiv 2000 k " gearbeitet und habe diese gegen die K+H "O 110" ausgetauscht. Aber trotzdem finde ich die Aktiv 2000k immer noch besser als die 7302. Interessant ist, daß der langjährige Enwickler bei Heco - Herr Seikrit - selbst ein negatives Urteil über die 7302 fällt. Die Entwicklung stammt übrigens nicht von ihm!


Grüße
Rainer

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Die Lautsprecher-Basisbreite wird selten voll ausgenutzt

Beitragvon ebs » 23.03.2010, 21:27

RainerG hat geschrieben:Die Tatsache, daß man beim Abhören über Kopfhörer geneigt ist, die Stereobasis nicht voll auszunutzen, beobachte ich bei vielen Anfängern. Überhaupt stelle ich bei Anfängern immer wieder das Phänomen fest, daß sie die Basisbreite nicht voll ausnutzen - oftmals nur zu einem Drittel. Auch dann, wenn sie über Stereo-Lautsprecher abmischen. Woher das kommt vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht kann Eberhard dazu näheres sagen.

Die Feststellung der selten voll ausgenutzten Lautsprecher-Basisbreite von Rainer kann ich selbst bei Studierenden der Abschluss-Semester bestätigen. Bei der Klangeinstellung eines Symphonieorchesters über Stereo-Lautsprecher kann ich häufig zu kleine Abmessungen der Mikrofonabstände beim Decca-Tree antreffen, wobei als notwendige Abhilfe dann das Centermikrofon in der Mischung im Pegel um 10 dB gegenüber L und R abgesenkt werden muss, was ja nicht die Lösung sein kann. Woher es kommt, dass nicht bemerkt wird, dass die Lautsprecher-Stereobasis oft etwa nur zur Hälfte ausgenutzt wird, kann ich auch nicht sagen. Jedenfalls stelle ich veränderte Hörgewohnheiten fest, die möglicherweise vom häufigen Kopfhörerhören kommen. Die Poppmusik ist bei ihren Mischungen ja nicht gerade stereo-freundlich. Alles Wichtige besetzt halt die dicke Mitte - und da ist eben alles recht bedeutsam. Eine regelrechte Abneigung gegenüber Surround-Sound 5.1 Aufnahmen ist auch zu verspüren.

Viele Grüße ebs
ebs - Mikrofonaufnahmetechnik und Tonstudiotechnik

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ese

Beitragvon MarkusP » 26.03.2010, 02:27

Lieber EBS, lieber Rainer,

die Tatsache, daß die Stereobreite nicht voll ausgenutzt wird, kann sicherlich daher rühren, daß in der Pop-Musik viel "auf Mitte" gemischt wird, was mich persönlich nicht befriedigt.

Es ist in diesem Genre aber auch schwierig, zu sagen, was mal von der Seite kommen darf. Meine Wenigkeit hat gerne das Schlagzeug in Form von Becken und Toms gerne gut verteilt. Bei Hi-Hat und Snare wird es schwierig. Soll es von halblinks und viertellinks kommen, wie es der Schlagzeuger hört, bzw. umgekehrt, wie es das Publikum hört?
Die Hörer heutzutage sind es wohl gewohnt, daß Baß-Drum, Snare und Hi-Hat aus der Mitte kommen, der E-Baß eh.

Ich persönlich würde Snare und Hi-Hat gerne etwas aus der Mitte rausnehmen, da ich ein "großes" räumliches Schlagzeug bevorzuge, genauso ich den gro0en Schlagzeugsound aus den end80-gern mitte 90-gern bevorzuge, wo auch jedes Tom ein (räumliches) Ereignis ist.
Es paßt aber nicht zu jeder Nummer.

Bei klassischen Aufnahmen bin ich immer wieder imZwiespalt bei Produktionen mit Orchester und Chor. Wer darf da die größere Basis einnehmen?!?
Als Chorfreund hätte ich natürlich auch den Chor gerne über die ganze Breite, dies wirkt dann aber immer etwas unnatürlich gegenüber dem Orchester.
Also schränke ich den Chor normalerweise etwas ein.

Wenn es das Stück hergibt, gebe ich beiden eine vergleichbare Basis.
Außerdem ist mir bei Stücken mit Orchester und Chor, wenn der Chor den Schwerpunkt bildet, wie in Oratorien, großen Requiem-Kompositionen etc. pp. , der Chor fast immer wichtiger.
Den betone ich dann sehr gerne, auch wenn ein gewisses Maß an Tiefenstaffelung dann verloren geht.
Aber z.b. bei einem Verdi-Requiem möchte ich den Chor hören, deutlich vorne, denn er trägt die Botschaft. Er ist nicht die "Tutti-Flöte", die in demselben untergehen soll.
Ich finde es auf etlichen alten Aufnahmen schade, daß der Chor untergeht, selbst wenn dies durchaus der Realität im Konzertsaal entspricht.
Vielleicht "überstütze" ich den Chor dann auch.
Also Chordeutlichkeit vs. Tiefenstaffelung

Wie ist Eure Meinung dazu, besonders von EBS?

Ich werde mal in meinem Archiv kramen und eventuelle Beispiele meiner Aufnahmen reinstellen.

Nur kurz @Rainer. Die alten Hecos sind sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluß, die aktuellen K+H sind prima. Mir fehlt nur das Kleingeld dafür. Ich habe noch ein Paar OY, die sind bärbeißig, und ein Paar alter JBL 3-Weg passiv mit Hörnern. Die JBL müssen restauriert werden. Die mag ich aber klanglich sehr.
Auf Deinen Hinweis mit dem Baßmulm der Hecos hin habe ich sie heute nochmal genau gehört. Da ist etwas dran.
Ich habe das aber bisher auf meine nicht optimalen Abhörbedingungen (großes Wohnzimmer/Altbau) zurückgeführt.
Die JBLs sind die ganz alten vor den A...Backen, die Typenbezeichnung habe ich gerade nicht parat.
Über die hört auch sehr gerne ein Kollege ab, der (noch) nicht im Forum aktiv ist, der aber eine entscheidene Position im Moment an der UdK innehat, nämlich Wolfgang Loos, der nun eher in Pop und Filmton macht.
EBS kennt ihn gut.

Soviel zu meinen Gedanken in später Nacht

Herzlichen Gruß

Markus Przybilla

Einklang
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Re: Crossfeed-Technik und Kopfhörer

Beitragvon Einklang » 26.03.2010, 05:36

ebs hat geschrieben:Ein ausgezeichneter Vorschlag von Gerhard, den ich voll unterstütze: Mit fertigen Lautsprecherstereofonie-Aufnahmen und der Crossfeed-Technik mit den Kopfhörerhörern rumspielen, um dabei zu lernen, wie eigentlich unser natürliches Hören funktioniert. Über subjektive Erfahrungen und Erkenntnisse dazu würde ich auch gerne hier etwas hören. Besonders interessiert mich dabei die "Außer-Kopf-Lokalisation" und das Vorne-Hören auf "Nasenhöhe".

Viele Grüße ebs


Ich habe vor nicht allzu langer Zeit mal Experimente in die Richtung angestellt. Nicht zuletzt aufgrund meiner Abneigung gegen Kopfhörerwiedergabe.

Ich habe dabei Impulsantworten verwendet, die mit einem Kunstkopfmikrofon gemacht wurden. Teilweise waren die reflexionsfrei (interessant mit Elevation) oder z.B. über Surround-Abhören in Regieräumen erstellt.

Zu finden z.B. hier:

http://pcfarina.eng.unipr.it/Public/HRTF/Kemar/

Damit kann man ja theoretisch, Lautsprecher in verschiedensten Positionen simulieren, von Stereo über 5.1 bis hin zu würfelförmigen Anordnungen etwa für Ambisonics. Mit und ohne Rauminformation, je nach dem wie die Impulsantworten erstellt wurden. All das - bis hin zur Wiedergabe von Ambisonics-Aufnahmen über ein virtuelles "Würfel-Setup", habe ich ausprobiert. Als Software habe ich Audiomulch verwendet, die sich aufgrund ihres modularen Aufbaus für komplexe Signalflüsse eignet. Zusätzlich natürlich Mehrkanal-"Faltungs"-Plugins.

Einzelne Testsignale korrespondierten noch ganz gut mit der entsprechenden Impulsantwort - wenn man denn wusste, wo man sie zu hören hat. ;-)

Virtuelle stereophone Laustsprecheraufstellungen von "normal" Zweikanal bis eben hin zu "8-Kanal-3D"-Anordnungen funktionierten mit steigender Anzahl von virtuellen Lautsprechern immer schlecht. Von ganz passabel bis sehr unbefriedigend. Vor allem kommt bei mir schnell einfach alles von hinten, wohl das typische Problem. Die "Ausser-Kopf-Lokalisation" war grundsätzlich zumindest leicht verbessert. Insegesamt waren die Ergebnisse aber für die Praxis nicht einsetzbar, darum habe ich das auch schnell wieder gelassen. Aber es war interessant und lehrreich.

Es gibt (z.B. von Beyerdynamic und vom IRT) und gab (von Studer) Systeme, die Headtracking und eine dynamische, praktische Echtzeit-Anpassung der Simulation an spontane Kopfdrehungen, die offenbar einen sehr wichtigen Einfluss auf das Richtungshören haben, vornehmen. Das soll den Herstellern und ihren Studien zu folge, die Systeme wesentlich verbessern.

Das erscheint mir durchaus logisch, ich konnte aber selbst noch nicht so ein System testen. Hat damit jemand Erfahrungen?

Ich sähe da schon Potential, wenn der Ipod-Kopfhörer irgendwann dreidimensionales Headtracking ermöglicht, kann man vielleicht eine gewisse Klientel - mit einem "trojanischen App" :-D - wieder für KLANG begeistern.
Zuletzt geändert von Einklang am 26.03.2010, 16:43, insgesamt 1-mal geändert.

prinzipal
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Beitragvon prinzipal » 26.03.2010, 09:58

ist es noch eigentlich aktuell (also stand der forschung), daß es zum richtigen interpretieren eines Kunstkopfsignals reichen würde am Anfang der Aufnahme eine definierte Kopfbewegung aufzuzeichnen, die der spätere Kunstkopfhörer dann nachvollzieht, um so sein Gehör zu "eichen" (bezüglich der Rauminformation)?

Es dürfte doch heute nicht mehr schwer sein, z.b. ein App für das Iphone zu entwickeln, wo die eingebaute Kamera die kopfbewegung "sieht", analysiert und daraufhin die Rauminformation entsprechend verändert-zumindest einmalig für einen "Kalibriervorgang" des Gehörs (wenn das eben heute noch so gesehen wird).

3D visuell im Kino ist ja nun mittlerweile auch technisch überragend gelöst (wer sich damit etwas auskennt, weiß, daß hier auch ganz diffizile Problemchen da sind). Warum sollte also Audio hier nachstehen?

lg matthias

Einklang
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Beitragvon Einklang » 26.03.2010, 14:32

Technisch wäre das Headtracking heute kein Problem mehr:

http://www.youtube.com/watch?v=Jd3-eiid-Uw

Johnny Chung Lee bastelt hier aus einem billigen Controller für eine Spiele-Console einen Headtracker. Und demonstriert eine Bildwanwendung, die durch die "Point-Of-View"-Perspektive der Kamera sehr eindrucksvoll 'rüberkommt. Mit diesen "Wii-Hacks" wurde der Student eine "Internetberühmtheit". Mehr: http://johnnylee.net/projects/wii/

Das Prinzip sollte sich eigentlich relativ einfach auf Audio übertragen lassen.

Mischungen (auch One-Point-Aufnahmen, aber die will ja keiner) im B-Format beispielsweise lassen sich ja in allen Dimensionen rotieren. So könnte man schon mal Kopfrotationen in allen Richtungen ausgleichen.

Eleganter und sicherlich wesentlich leichter zu realisieren als WFS.

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Beitragvon JP » 26.03.2010, 15:02

Hallo Markus,
MarkusP hat geschrieben:Was mein Geithain "Bashing" angeht, wird es eher subjektiv, wohlwissend, daß dies nicht sehr tonmeisterlich ist!

Sie klingen für mich nach Telephon. Sie sind zu distanziert, ich bin nicht wirklich im Geschehen drin. Sie füllen nicht, sie "umhüllen" micht nicht.
Sie haben keine Baß, das haben sie aber auch mit den "amtlichen" von B+W gemeinsam. Diese klingen aber wenigstens "oben rum" sehr schön-

Ich weiß auch nicht so recht, was ich mit meinem subjektiven Empfindungen anfangen soll. Sie sind so.

Andere Monitore sind da doch anders, wie die großen von K+H, die alten JBL noch vor den "A....backen", die ADAMS, selbst die "Telephonkisten" von Auratone nehmen mich mehr mit ins Klanggeschehen...
Auch meine nicht mehr ganz jungen Heco 7302, die auch baßarm sind, aber sonst sehr ausgeglichen klingen.

Nun helft mir in meiner absoluten Subjektivität gegenüber den Geithainern. Entweder bin ich absolut taub gegenüber den Vorteilen dieser Monitore oder einer der wenigen Ehrlichen, die sagen, daß die Kisten nicht wirklich gut sind.


da ich dich ja direkt wegen deinem "Bashing" kritisiert habe, will ich zumindest versuchen meine Geithaineindrücke ganz kurz darzulegen: Ich habe mich aber auch nicht durch deren komplettes Programm vergleichend durchgehört. Hier stehen haben ich die kleinen Passiven (ME25).
Das sie für dich nach Telefon klingen finde ich doch schon sehr seltsam... :wink: Das etwas distanzierte, daß ich aber auch nur im Vergleich mit älteren Events gehört habe, empfinde ich als eher angenehm. Die Events sprangen einen förmlich an. Sehr unangenehm.
Eine Basschwäche konnte ich bei den 903ern (als Zuhörer) nicht feststellen. Ist aber ohne direkten Vergleich natürlich schwer zu sagen.
Was mir damals schon beim Kauf meiner LS aufgefallen ist, ist die Losgelöstheit der Musik von den Lautsprechern, ganz Links/Rechts wird nicht scharf durch die Lautsprecherposition abgegrenzt. Der Klang hat eine gewisse angenehme Diffusität und trotzdem sind alle Veränderungen im Stereopanorama sofort zu hören. Auch in den Raum lösen sie gut auf. Das gut gelöste Koaxialsystem würde ich als großen Vorteil, gerade im Nahfeld beurteilen.
Ich hatte vor Jahren mal ein ähnliches Erlebniss wie du, allerdings mit den zweit kleinsten K&Hs, mit denen ich beim einmaligen Arbeiten gar nicht klargekommen bin. Als Vergleich standen mir damals aber auch nur Mackie, Genelec, NS10 und Konsorten zur Verfügung, die meine Mischungen "besser übersetzt" haben. Wahrscheinlich ist also alles auch immer eine Frage der Gewöhnung, oder würdest du die NS10 besser als eine beliebige K&H ansiedeln?

Gruß
Jan
Zuletzt geändert von JP am 26.03.2010, 22:17, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon Einklang » 26.03.2010, 15:51

Zum Thema der Nicht-Ausnutzung der Stereobasis:

Im Pop-Bereich hat das natürlich auch praktische Gründe, da denken sich die Verantwortlichen schon auch was dabei. Diese Musik wird vom Konsumenten praktisch nie im "Sweet-Spot" gehört. Im Auto, über das Küchenradio (ob Mono oder Stereo ist da auch schon egal), auf der Tanzfläche, über Ohrstöpsel (oft mit nur mit einem Ohr, das andere bleibt frei für die "Kommunikation"). Die Lautsprecher von "Stereo-Anlagen" stehen oft so, dass jeder Lautsprecher einen anderen Raum beschallt.

Da kann ein volles Ausnutzen der "Stereobasis" - durch reine Knüppel-Pegeldifferenz, was anders nutzt "man" ja nicht - schnell nach hinten losgehen. Ich erinnere mich da immer gerne an das Zitat eines Freundes zu Schulzeiten, das war auch so ein Kollege (ein ganz guter Musiker übrigens), der immer in der Schule mit Walkman und EINEM Ohrstöpsel herumlief:

"Dieser Lenny Kravitz benutzt so eine veraltete Aufnahmetechnik. Ich höre mit nur einem Ohrhörer diese eine Gitarre gar nicht." :lol:

Wie ihr sicherlich wisst, werden ja im Amateur-"Homerecording"-Bereich immer gewisse "heisse Tips aus dem Profilager" herumgereicht. Einer dieser Tips, der immer wieder auftaucht heisst: "Nie irgendetwas ganz nach aussen pannen. Nie. Profis machen das nicht!" Das wendet man dann natürlich z.B. sogar auch auf die beiden Kanäle des Stereo-Overhead-Mikrofonsystems fürs's Schlagzeug an:

Hier z.B. eine in viele Foren als genial "gehypte" Technik ein Schlagzeug mit zwei Mikros aufzunehmen:

http://www.youtube.com/watch?v=IiFOD1EeKhQ

Mal abgesehen davon, dass man sich hier jede Menge widersprüchlicher Richtungsinformationen einfängt. Bei 1:20 wird der zweite Denkfehler klar, man filmt genau die Panpots:

"You don't want to pan them too wide..."

Das ist also eine dieser Weisheiten, die nicht tot zu kriegen ist, und die höchstens diffus und geheminsvoll mit dem Totschlagargument drohender "Phasenschweinereien" begründet wird, wenn man sie hinterfrägt. Das Problem sind wohl eher die üblichen "Phrasenschweinereien". :-D
Zuletzt geändert von Einklang am 26.03.2010, 17:06, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon noki » 26.03.2010, 17:01

Einklang hat geschrieben:Zum Thema der Nicht-Ausnutzung der Stereobasis:

In meinen Augen ist es auch zum großen Teil eine Frage des persönlichen Geschmacks und nicht so sehr eine eine von richtig und falsch. Es hängt z.B. auch von der Art der abzubildenden Schallquelle und der Abhörsituation des Konsumenten ab. Ich zum Beispiel mag es nicht sehr, wenn ein Flügel die gesamte Breite der Stereobasis ausfüllt, mag er auch physisch 2,75 m lang sein :-)
Ein bißchen Luft an den Seiten gibt dem Raum Platz für Umhüllung zu sorgen und macht das Klangbild in meinen Augen authentischer. Insofern ist die Stereobreite ja dann auch mit dekorreliertem Schall "aufgefüllt".

Wenn der Markt zunehmend kopfhörerkompatiblere Aufnahmen fordert (Stichwort IPod) und dies ein Weg ist, auch eine jüngere Zielgruppe zu erreichen (Stichwort "Silbersee"), dann sollte man sich dem nicht verschließen, oder?

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Re: Sennheiser HD 800 - nicht schlecht! Mal anhören.

Beitragvon d_fux » 05.11.2010, 02:02

ebs hat geschrieben:Auch den neuen Sennheiser HD 800 sollte man hörmäßig einmal testen, trotz des hohen Preises von 1000 Euro:


Und dann gibt's noch den neuen Beyer T1...

Man zitiert einen Vergleichstestmit dem HD800, wo der nicht so gut wegkommt. Da ich den DT880 Pro kenne, auf dem der T1 basiert, bit ich geneigt, das zu glauben....

Konnte den T1 auf der Messe in Ffm nur mal kurz hören, aber das ist natürlich relativ sinnfrei. Muss mal meine Beziehungen zu Beyer spielen lassen, vielleicht krieg ich ja mal ein Testexemplar. Aber ansonsten ist der 880 Pro auch gut.

Freu mich gerade, weil ich ihn nach wochenlanger Suche wiedergefunden hab - war beim Umzug verlegt worden... :oops:

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Re: Kopfhörer

Beitragvon d_fux » 25.10.2012, 15:08

Wenn's um gute/hochwertige KH geht, lass ich ja außer Beyer nix gelten... :mrgreen:

Aber heute bin ich im Saturn mal an der Kopfhörerbar vorbeigelatscht und hab etwas gelauscht. Es lief recht banales Popzeug, aber naja. Und da ist mir tatsächlich ein richtig günstiger KH untergekommen, der sich sehr klein zusammenklappen lässt (schön für mein neues Mini-Setup mit dem iPad als Aufnahmegerät...), der weiterhin geschlossen ist und recht gut dämpft (neben mir ging ein penetrant fiependes Alarmteil an einem anderen KH los, das war mit KH und moderat lauter Musik kaum noch zu hören), und vor allem für KH dieser Klasse ausgesprochen neutral klingt. Naja, neutral. Es gibt eine Basstendenz und auch eine gewisse Absenkung zu den Höhen hin. Aber was es auch im Vergleich zu deutlich teureren KH von Sony, Philips u.a. hier nicht gibt, ist diese oft sehr penetrante Mittigkeit, die fast schon einen Formanten über den Klang legt... :motz:
Kurz, es dröhnt nicht, und klingt auch nicht topfig. Man kann schon Details hören und auch Aufnahmequalitäten beurteilen, das ist schon was... Und Musikhören macht auch Spaß, man fühlt sich nicht dauernd von unangenehmer Klangqualität gestört (kriegt aber auch keinen Gehörschaden qua Überbrillianz...). Wirkungsgrad ist ok, aber nicht besonders laut, obwohl mit 105 dB angegeben.

Das Teil heißt Panasonic RP-DJS200 und kostet lumpige €20,-... Das es als DJ-KH deklariert ist, gibt es das Gerät in den exquisiten Farben Hellblau, Gelb, Pink und Weiß... Weiß ist ok... Alles aus Plastik, aber nicht auffallend klapprig. http://shop.panasonic.com/shop/model/RP-DJS200-W

D.


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