Kontrollraum: Diffusoren hinter den Lautsprechern?

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ebs
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Re: Kontrollraum: Diffusität hinter den Lautsprechern?

Beitragvon ebs » 18.12.2010, 03:58

ebs hat geschrieben: Die Gedanken zum Prinzip LEDE haben nichts mit dem Prinzip RFZ gemeinsam.

Hannes_F hat geschrieben:Lieber Eberhard, hier muss ich trotz aller Verehrung nun doch etwas widersprechen. Die RFZ (reflection free zone) ist ein Spezialfall des LEDE-Prinzips, man kann auch sagen eine Weiterentwicklung.

Man kann mir immer widersprechen - egal ob mit oder auch ohne Verehrung. Bisher war mir jedoch keine Ähnlichkeit zwischen dem Live-End und Dead-End-Prinzip (LEDE) mit den frei stehenden Lautsprechern und dem Reflection-Free-Zone-Prinzip (RFZ) mit den in schräge Wände plan eingebauten Lautsprechern im Denkansatz aufgefallen oder genannt worden. Jedoch ist interessant zu hören, dass das später entwickelte RFZ-Prinzip sich aus dem LEDE-Prinzip entwickelt haben soll. Auch ich lerne gerne ständig immer noch hinzu. In meinem tontechnischen Umfeld sind LEDE und RFZ theoretisch zwar bekannt, aber praktisch sehe und höre ich allein das LEDE-Prinzip bei der Stereo-Wiedergabe in praktischen Regieräumen mehr oder weniger verwirklicht.

Hannes_F hat geschrieben: Nebenbemerkung: Es gibt auf gearslutz und in verschiedenen Akustik-Foren haufenweise Threads über Selbstbau-Studios, die sehr eindrucksvoll aussehen, mit abgeschrägten Wänden, Diffusoren und wasweissich. Jeder Musiker, der in solch ein Studio kommt, muss beeindruckt sein von der Professionalität, die das so ausstrahlt.
Fast nie sieht man allerdings akustische Messergebnisse aus diesen Projekten. Oft ist nicht einmal die Andeutung davon zu finden, dass dem Erbauer und Besitzer bewusst wäre, dass viel mehr als nur der Frequenzgang wichtig ist. Begriffe wie Time Delay Spectrometry (TDS), "Time-Energy-Frequency" Analysis (TEF) oder gar die Heyser-Spirale sind meist völlig unbekannt.
Wenn ein international namhafter Akustiker am Werk war, gehe ich davon aus, dass er das alles beherrscht und berücksichtigt und die Messungen aber aus vertraglichen Gründen nicht herausgegeben werden. Etwas anderes ist das bei vielen Selbstbauprojekten, da habe ich immer wieder den Eindruck, die werden mehr oder weniger nach Optik gebaut und die Messungen werden dann verschämt verschwiegen... (ebs: ...oder wohl erst gar nicht erst gemacht.)

Das ist voll zu bestätigen. Die Optik und auch die Beleuchtung haben gewissen Einfluss auf den Höreindruck. Die Augen essen ja mit.
Eine rühmliche Ausnahme bei der Angabe von Akustik-Messungen bildet Galaxy Studios Belgium mit dem namhaften Akustiker Eric Desart.

Viele Grüße ebs
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JP
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Beitragvon JP » 19.12.2010, 15:13

Kommen wir mal von der Theorie zur Praxis.
Mit dem Thema Diffusor beschäftige ich mich jetzt schon einige Zeit, bin aber vor allem wegen des hohen zu erwartenden Gewichts (beim Einsatz von Holz) nie dazu übergegangen, mir einen großen, auch in tiefere Frequenzbereiche reichenden zu bauen. Gerade bei der Skyline-Variante sind ja Unmengen an Holz einzuplanen.
Als Alternative werden oft Styropor/Styrodur genannt.
Hat jmd praktische Erfahrungen mit solchen Bauten?

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Re: Kontrollraum: Diffusoren hinter den Lautsprechern?

Beitragvon ebs » 19.12.2010, 22:41

JP hat geschrieben: Mit dem Thema Diffusor beschäftige ich mich jetzt schon einige Zeit, bin aber vor allem wegen des hohen zu erwartenden Gewichts (beim Einsatz von Holz) nie dazu übergegangen, mir einen großen, auch in tiefere Frequenzbereiche reichenden zu bauen. Gerade bei der Skyline-Variante sind ja Unmengen an Holz einzuplanen. Als Alternative werden oft Styropor/Styrodur genannt. Hat jemand praktische Erfahrungen mit solchen Bauten?

Oft möchte man in kleinen Räumen störende Reflexionen in den Griff bekommen und ein umgebendes Schallfeld durch Diffusität (!) statt durch Absorption verbessern. Wenn sich die Raumoberflächen relativ nah am Hörer befinden, wird man eine recht wirksame zerstreuende Oberfläche benötigen. Um dieses Problem zu lösen, gibt es das patentierte RPG-Skyline®-System. Es ist der branchenweit erste und wirksamste "omnidirectional primitive root number theory" Diffusor. Die Skyline zerstreut gleichmäßig den einfallenden Schall; siehe: http://www.rpginc.com/products/skyline/skyline.pdf

Mit diesen "Styropor-Syline-Diffusors" habe ich gute Hör-Erfahrung bei der Anbringung hinten an der Wand gegenüber den Lautsprechern gemacht. Das ist sehr hör wirksam.

Viele Grüße ebs
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Beitragvon JP » 24.01.2011, 12:52

Hannes_F hat geschrieben:Ich bekomme im Januar eine Wagenladung eines derartigen Prototyps (soll von 200 Hz bis fast 20000 Hz wirken) und werde mein Studio damit bekleistern, danach kann ich mehr dazu sagen.


Und, schon angekommen?

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Re: Kontrollraum: Diffusoren hinter den Lautsprechern?

Beitragvon tonstudio96 » 25.05.2015, 20:28

An die Frage würde ich mich anschließen. verbunden mit meinen Erfahrungen mit Diffusoren in der Nähe der Lautsprecher:

Bei mir hängen sie im Musikzimmer an der Schräge zwischen / oben den Monitoren und ich stelle zwei Dinge fest: Einerseits bekomme ich einen sehr seltsamen Effekt im Stereobild, andererseits ist es mit einfacher möglich, die Lage eines Instruments auf der Basis zu orten. Ich denke, dass trotz dem Umstandes, dass die Monitore die Höhen nach vorn strahlen, bestimmte Reflektionen vom Mixtisch oder Möbeln schnell die Rückwand erreichen und dort entweder hart oder eben diffuser reflektiert werden. Im ersten Falls ziehen sie mir das Stereobild wahrscheinlich "zusammen" und im zweiten Fall wohl weniger.Umgekehrt scheinen vor allem solche Refs von der Seite eingesammelt- und zu mir geworfen zu werden, die sonst überhaupt nicht direkt angekommen wären. Messtechnisch kommt da jedenfalls insgesamt weniger am Hörplatz an

Des Weiteren bekomme ich einen sehr lustigen Fernsehton: Der Flachbild gibt den Klang nach hinten ab und profitiert von der harten Rückwand. Die so nach oben kommenden Signale werden nun nicht mehr an der Schräge in meine Richtung gelenkt, sondern in die Pampa! Der Klang wird sehr diffus und der Fernseher weiter weg. Ist aber eher unangenehm. Mit grösserem Abstand geht es. Es handelt sich übrigens genau um die von EBS benannten RPG.

Die ganze Sache ändert sich übrigens recht drastisch, wenn man die Seitenabsorber umdreht: Ich habe alle Regale voll mit Basotect verkleidet und habe so keine nennenswerten Refs mehr oberhalb 200Hz. Damit werden die Diffusoren nicht mehr von der Seite versorgt und der komische Effekt ist weg. Der Haupteffekt des Streuens aber auch. Will sagen: Mit oder ohne Diffusoren macht es keinen grossen Unterschied mehr. Diffusoren direkt hinter den Monitoren testweise aufgestellt, haben noch weniger Effekt. Erstens werden sie von den Monitoren nicht grossartig beschickt und zweitens wird das, was in meine Richtung kommen könnte von den Monitoren selbst abschirmt.

Nun muss man sagen, dass diese RPG sehr leicht sind und mit niedrigeren Frequenzen wenig anfangen können. Frequenzen unter 500Hz gehen da schon so ziemlich durch. Die Typen aus Holz schirmen da besser ab bzw reflektieren mehr, was in meinem Fall aber kontraproduktiv wäre, weil ich da die leichte Holzdecke mit viel Rockwool drunter habe.

Der Effekt der Diffusoren ist aber unbestritten: Hält man sich eine dicke Styroporplatte in 20cm Abstand ans Ohr, kann man sie durch den reflektierten Schall herankommen hören. Den RPG nicht, bzw viel schwächer.

Ich werde in einem anderen Thema nochmal etwas zu dem Thema Diffusion und meinen Holzaufbauten schreiben, mit denen ich aktiv streue.


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