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Studiobauakustik und Schalldämmung

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RainerG
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Studiobauakustik und Schalldämmung

Beitragvon RainerG » 22.06.2011, 11:17

Hallo Kollegen,

wer von Euch kennt sich denn mit der rein architektonischen Seite des Studiobaus aus?
Mir geht es einmal darum zu erfahren, wie groß die empfohlene Mindestschalldämmung zwischen einem Regieraum und direkt daranhängenden Aufnahmeraum sein sollte, wenn die beiden Räume nur durch Doppelwände und Sichtfenster getrennt sind.
Ich habe da in der Literatur und im Netz nichts konkretes gefunden. Ich denke mal, daß ich mit einem Dämmwert von 80...100 dB ganz gut liege.


MfG
Rainer
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ebs
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Re: Studiobauakustik und Schalldämmung

Beitragvon ebs » 22.06.2011, 12:33

RainerG hat geschrieben: Wer von Euch kennt sich denn mit der rein architektonischen Seite des Studiobaus aus?
Mir geht es einmal darum zu erfahren, wie groß die empfohlene Mindestschalldämmung zwischen einem Regieraum und direkt daranhängenden Aufnahmeraum sein sollte, wenn die beiden Räume nur durch Dop-pelwände und Sichtfenster getrennt sind.
Ich habe da in der Literatur und im Netz nichts Konkretes gefunden. Ich denke mal, daß ich mit einem Dämmwert von 80...100 dB ganz gut liege.

Ein Schall-Dämmwert (siehe: Schalldämmung) von 80 dB ist in diesem Falle schon sehr gut, weil im Regieraum ja die identische Musik des Aufnahmeraums - wenn auch leicht verzögert - abgehört wird. Anders wäre es, wenn im Nebenraum eine Heavy Metal Band probt und man leise Lautenmusik abhören möchte. Ein Problem sind immer die weniger gedämmten tiefen Frequenzen.

In Wikipedia ist "Dämmwert" nicht direkt erläutert. Allgemein bezieht sich dieser Begriff eher auf den Wärmedämmwert.
Wieviel Schall in den Nachbarraum gelangt, wird durch das Schalldämmmaß R in dB gekennzeichnet.
Ein sorgfältiger Artikel dazu: Lutz Ackermann, "Simulation der Schalltransmission durch Wände":
http://www.biblio.tu-bs.de/ediss/data/20020819a/20020819a.pdf

Das Thema ist schon interessant.

Viele Grüße ebs

PS: Information über "Schalldämmung von Wänden im Gebäudeinneren" und "Schallschutz in Gebäuden - DIN 4109 bzw. DIN EN 12354" ist lesenswert, aber wohl für unsere speziellen Tonstudiozwecke wenig aussagekräftig:
http://books.google.com/books?id=bwjzwvqGGMEC&pg=PA87&lpg=PA87&dq=Mindest+Schalld%C3%A4mmung&f=false
ebs - Mikrofonaufnahmetechnik und Tonstudiotechnik
http://www.sengpielaudio.com

ThomasT
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Beitragvon ThomasT » 27.06.2011, 19:42

80 dB sind schon extrem viel.

Zumindest im Semi-professionellen Bereich und Hobby-Bereich (für "richtige" Profistudios mit großem Budget kann man natürlich viel mehr machen und immer mehr wünschen) sind Gipskartonwände bestehend aus 2x12mm (oder 2x16mm) - 20cm Luft (mit Dämmung) - 2x12mm Gipskarton üblich. Diesen Aufbau haben wir auch. Vielleicht
hier und hier erkennbar.

So eine Wand hat [url=http:///www.stcratings.com/]STC Werte[/url]
von ca. 60dB.

Von Knauf hier noch eine Broschüre als PDF.

Das deutsche Schalldämmmaß unterscheidet sich von amerikanischen STC etwas durch die Bewertungskurve und Bewertungsvorschrift. (kannst du ja selber suchen)

Die Bewertungskurve fällt grob um 6dB pro Oktave ab.

Generell fällt ja die Dämmung (einer Einzelwand, genau genommen) (u.a. nach acoustic mass law - keine Ahnung wie der korrekte deutsche Terminus lautet, meine ganze akustische Literatur ist englisch) auch mit 6dB pro Oktave ab.

Also wenn bei 1000 Hz tatsächlich 100 dB erreicht werden, dann wären es bei 100 Hz nur noch 20dB.

Unsere Konstruktion hat folgende gemessene Dämmung. (Wobei der Schwachpunkt die einfache Tür ist.)

40 Hz 23 dB
80 Hz 36 dB
160 Hz 45 dB
320 Hz 38 dB
500 Hz 55 dB
1000 Hz mehr als 55 dB
2000 Hz mehr als 55 dB
4000 Hz mehr als 55 dB
8000 Hz mehr als 55 dB

War nur so ne schnelle Messung. Bedingt durch Maximalpegel (ich will ja nicht taub werden...) und Messgenauigkeit des preisgünstigen Messgeräts nach unten (AFAIR 30dB(C)) sind Messwerte über 50dB sinnlos. Die 500Hz habe ich nochmal gemessen, indem ich mir die Ohren wegeblasen habe ... ;-) Bei höheren Frequenzen hat mir das > 55 dB gereicht.

Subjektiv ist die Dämmung ausreichend und wie gesagt in vielen Bauvorschlägen für die semiprofessionellen Anwendungen anscheinend ja auch, sonst würde es nicht immer empfohlen werden.

Besagte Metal Band [1] (welch Zufall ...) ist zwar zu hören, aber so leise, dass Dazuklimpern mit unverstärkter E-Gitarre geradeso möglich ist.

[1] Metalbands sind nicht lauter als andere Rockbands. Sobald die typische Rockbesetzung von druckvoll gespielten Schlagzeug (also keine Besen) und Gitarren im Spiel sind, ist man bei ca. 100dB(C) im Schnitt.

Umgekehrt herangegangen wie oben beschrieben sind 50-60dB ausreichend. Für richtig professionalle Anwendung einfach pauschal ein paar dBchen dazu. Das setzt aber eben voraus, dass im Aufnahmeraum dasselbe zu hören ist, wie im Regieraum.

Überlegt: Pegel im Regieraum ist ca. 30dB (sehr leise), eher 40dB oder sogar mehr. Rockband bzw. Schlagzeug alleine produziert so 100dB, 110dB maximal. Also bräuchte man dafür Dämmwerte von 60-70dB.

Also 80 dB im unteren Mittenbereich oder Bassbereich sind schon sehr sportlich. Und wohl nur mit zwei entkoppelten massiven Betonwänden oder so zu erreichen (ein gemauerte Wand hat AFAIR so ca. 40dB, wobei dann hier das Fenster der Schwachpunkt sein wird).
Damit der aufgedrehte Bassamp in einem Raum die leise Lautenmusik im anderen nicht stört.

Zu den Grundlagen ist hier noch was:
http://www.pexider.at/ziegelinfo/ziegel ... undlag.htm

http://www.greengluecompany.com/understandingSTC.php


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