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Polymikrofonierung und 1:3 Regel - Chorabnahme

Tipps, Tricks und "Kochrezepte" für den guten Ton

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Polymikrofonierung und 1:3 Regel - Chorabnahme

Beitragvon Bertelmann » 21.07.2011, 18:29

Hallo!

Was sagt ihr dazu. Kürzlich habe ich eine Chorbeschallung erlebt, bei der mehrere Mikrofone (sagen wir ca. 6) an der Rampe der Bühne standen und Chorgesang abgenommen haben. Alles wurde sicher zu Mono gemischt.

Das widerspricht aber der 1:3 (oder 3:1 - hoffentlich schimpft ebs nicht :-) )

Die Mikros sind sicher enger beieinander in Bezug zur Distanz des sich über der Bühne verteilten Chores.

Sehr ihr das auch so?

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Polymikrofonierung und 1:3 Regel - Choraufnahme

Beitragvon ebs » 21.07.2011, 22:04

Bertelmann hat geschrieben: Was sagt ihr dazu. Kürzlich habe ich eine Chorbeschallung erlebt, bei der mehrere Mikrofone (sagen wir ca. 6) an der Rampe der Bühne standen und Chorgesang abgenommen haben. Alles wurde sicher zu Mono gemischt.
Das widerspricht aber der 1:3 (oder 3:1 - hoffentlich schimpft ebs nicht :-)
Die Mikros sind sicher enger beieinander in Bezug zur Distanz des sich über der Bühne verteilten Chores.

Die 3:1-Regel für die Mikrofonaufstellung zur kammfilterarmen Tonaufnahme besagt:
"Hat eine mikrofonierte Schallquelle einen bestimmten Abstand x = 1 zum Mikrofon, so soll das nächste Mikrofon, das diesen Schall auch aufnimmt, mindestens das Dreifache des Abstands vom ersten Mikrofon (also x = 3) haben."
Das vermeidet mit Sicherheit einen hörbaren Kammfiltereffekt, wenn diese beiden Mikrofone zusammengemischt werden.

            Bild
            Die "Drei-zu-eins-Regel" bei der Polymikrofonierung

Literatur:
"Die 3:1-Regel für die Mikrofonaufstellung bei Pop-Aufnahmen":
http://www.sengpielaudio.com/Die3zu1Regel.pdf
Antworten zu "Die 3:1-Regel für die Mikrofonaufstellung":
http://www.sengpielaudio.com/Die3zu1RegelAntworten.pdf

Wird beim Chor-Beispiel von Bertelmann eine Schallquelle nach der 3:1 Faust-Regel aufgenommen?
Vielleicht möchte man ja beim zu Mono gemischten Chor den Kammfiltereffekt extra als belebendes Element künstlerisch einsetzen. Ein sich bewegender Gospel-Chor mit "Kammfilter-Phasing" kann doch interessant klingen.

Viele Grüße ebs

PS: Allgemeine Anmerkung: Eine Mikrofonierung zur PA-Beschallung ist grundsätzlich eine deutlich andere Aufgabe, als eine ideale Mikrofonierung zur Stereo-Tonaufzeichnung. Das wird gerne vermischt oder gänzlich vergessen. Eine gute Mikrofonaufstellung für eine Tonaufzeichnung wird sich deutlich von der Mikrofonaufstellung zu einer PA-Beschallung unterscheiden. Beides zusammen zu versuchen ist klanglich immer ein recht unbefriedigender Kompromiss.
In eine Tonaufnahme gehört klanglich kein verstärkter Lautsprecherklang, es sei denn, es soll unbedingt ein typischer Live-Mitschnitt einer Rock-Pop-Veranstaltung sein.
ebs - Mikrofonaufnahmetechnik und Tonstudiotechnik
http://www.sengpielaudio.com

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Beitragvon MarkusP » 22.07.2011, 07:41

Hallo auch,

Eine Mikrofonierung zur PA-Beschallung ist grundsätzlich eine deutlich andere Aufgabe, als eine ideale Mikrofonierung zur Stereo-Tonaufzeichnung. Das wird gerne vermischt oder gänzlich vergessen.


Manchmal geht es einfach nicht anders. Gerade für Chor bei Beschallung braucht man recht viele Mikrophone, um irgendetwas brauchbares einzufangen, gerade wenn man das "Vergnügen" hat stimmschwache Laien- oder Kinderchöre zu übertragen...
Wenn ein richtig guter Chor vor einem ist, der "gasgeben" kann, reicht auch weniger :-)

Bei Mitschnitten von eher unausgeglichenen Chören wird es nicht einfach, die 3:1 Regel zu beachten.

Mir fallen da auch noch Bigband-Aufnahmen ein, bei denen die Bläser doch recht eng zusammensitzen. Da wird es mit 3:1 auch schwierig.

Mir fällt da noch die Frage ein, wie Ihr gerne einen Chor stützt? Bei guten Chören stütze ich gerne mal mit Kugeln. Das geht dann eher in die Richtung "Kugelvorhang".

Gruß aus Berlin

MarkusP.

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Polymikrofonierung und 1:3 Regel - Choraufnahme

Beitragvon ebs » 22.07.2011, 08:58

MarkusP hat geschrieben: Mir fallen da auch noch Bigband-Aufnahmen ein, bei denen die Bläser doch recht eng zusammensitzen. Da wird es mit 3:1 auch schwierig.

Dieses ist das bekannte Foto einer Bigband-Mikrofonierung bei der gezielt ein Mikrofon auf einen Bläser geht. Die gewünschte Mindest-3:1-Regel ist schon einzuhalten. Mikrofon mit Abstand 1 zum Bläser direkt und Mikrofon mit Abstand 3 und mehr zur "Kammfiltervermeidung" beim Bläser daneben.

Bild

Dieser klare Zustand liegt bei der Mikrofonierung von größeren Streichergruppen oder Chorgruppen nicht vor. Somit ist bei der Mikrofonierung dieser Gruppen die an sich gute Idee der "3:1-Regel" zur Vermeidung von hörbaren Kammfilter-Effekten eben nicht zu verwirklichen.

Viele Grüße ebs
ebs - Mikrofonaufnahmetechnik und Tonstudiotechnik

http://www.sengpielaudio.com


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