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Brass Band

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GerhardS
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Brass Band

Beitragvon GerhardS » 26.07.2011, 09:10

Moin,

ich muss überraschend für einen Kollegen einspringen. Thema Brass Band mit:

4 Solocornets
1 Soprano Cornet
1 Repiano Cornet
2 2nd Cornets
3 3rd Cornets
1 Flügelhorn (sitzt in der Verlängerung der Solocornets)
4 Althörner
2 Baritones
2 Euphonien
4 Posaunen (3 Tenorposaunen, 1 Baßposaune)
4 Tuben (2 F-Tuben, 2 B-Tuben)
5 Schlagzeuger

Da der Raum sich recht gut anhört, hatte ich hier an ein Decca Tree gedacht mit Stützen für das Schlagwerk und ein Klein AB im Raum.
Eventuell kommen noch 2 Outrigger (Kugel) für das Decca Tree System.

Meiner Vorstellung nach kommt das Decca Tree mit seiner 'Wohlfühlwolke' dem Thema Brass Band am Nächsten. Durchhörbarkeit und exakte Lokalisation ist eher unwichtig, wichtig ist das Ensemble als Ganzes.

Aus dem Programmheft:

Drachenmond: Im Zentrum des Programms stehen zwei Originalkompositionen für Brass Band. Bei “The Year of the Dragon” von Philip Sparke aus dem Jahr 1984 handelt es sich um einen sowohl bei Zuhörern als auch den ausführenden Musikern allseits beliebten Klassiker...

...„Lake of the Moon“ von Kevin Houben aus dem Jahr 2008 ist ein typischer Vertreter der aktuellen konzertanten Brass Band Literatur...

...Das weitere Programm beinhaltet unter anderem die Intrada über den Luther-Choral „Ein Feste Burg ist unser Gott“ in der Bearbeitung von Ray Farr sowie eine Uraufführung für Brass Band. Hans-Reiner Schmidt, der Leiter der BBH, hat das Thema der 40. Sinfonie von Mozart augenzwinkernd in die Form moderner Film- und Unterhaltungsmusiken gegossen. Die Zuhörer können sich auf ein kurzweiliges Konzerterlebnis freuen...


Was sind da eure Erfahrungen? Ideen? Anregungen?
LG
Gerhard

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alex
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Re: Brass Band

Beitragvon alex » 26.07.2011, 10:39

Hallo Gerhard,

das ist eine der Mitschnittsituationen, wo ich mir zwei Generalproben im Aufnahmeraum sehnlichst wünschen würde. Wie oft habe ich in meinen frühen Lehrjahren eine vielversprechende Mikrofonanordnung detailliert überlegt und sorgfältig aufgebaut, nur um beim erstmaligen Hören der Kombination von Werk, Ensemble und Aufnahmeraum feststellen zu dürfen, dass die Aufnahme besser grundlegend anders hätte angegangen werden müssen.

Selbst wenn ich alle drei Faktoren sehr gut kenne, rechne ich bei ihrer Kombination immer noch mit einem gewissen Spielraum an akustischen Überraschungen, die ich bei meiner Planung einbeziehen muss, um darauf flexibel reagieren zu können. (Da ist es irgendwie blöd, wenn man nur eine GP zur Verfügung hat - es sei denn, zu Auf- oder Umbau lässt sich eine hoffentlich ausgedehnte Mittagspause nutzen.)

Zu deiner Situation kann ich mit meinem momentanen Kenntnisstand nicht viel mehr sagen als dass mir deine Aufstellungsidee grundsätzlich sehr geeignet für das erwünsche Ergebnis zu sein scheint. Fürs Detail hätte ich noch zwei Anregungen:

1) Den Raummikros würde ich (bei Kugelcharakteristik) eher eine Basis von 50cm oder mehr gönnen. Bei 30cm oder weniger wirkt der Raum - vor allem zu den Tiefen hin – meist etwas "schmal", weil die Signale nicht ausreichend dekorreliert sind (was mit der erwünschten "Wohlfühlwolke" nicht gut zusammengehen würde);
2) Je nach Raumeigenschaften, Charakter des Werkes und Niveau der Ausführenden würde ich bei meinen Stützen auch mit an die tiefen Bläser denken, die oft genügend laut ankommen, doch manchmal etwas schwammig wirken können.

Grüße, alex
Zuletzt geändert von alex am 26.07.2011, 13:11, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Brass Band

Beitragvon ebs » 26.07.2011, 11:13

Hallo Gerhard,

du hast eine wunderbare Aufgabe bei tollem Programm vor dir. Mir juckt es in den Fingern.
Ich erinnere mich da an Blechbläser-Aufnahmen mit London Brass. Discographie mit Teldec-Aufnahmen.
Möglicherweise sollten die 5 Schlagwerker ein wenig mit Schallwänden eingebaut werden.
Alles was Max sagt ist völlig richtig. So brauchen die tiefen Bläser eine kleine "Richtungsstütze". Nie sind alle tiefen Frequenzen automatisch ins Center zu mischen, wie ich es immer wieder bei Amateuren erlebe.
Gerade wegen der Perkussion würde ich auf entfernte Raummikrofone verzichten und den Raum lieber über etwas höhere Hauptmikrofone einfangen.
Ein Zumischmikrofon-System hinter dem Decca-Tree würde ich unbedingt ausprobieren.
Das hilft ganz sicher dem Gedanken an die "Wohlfühlwolke".

Viele Grüße ebs
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Re: Brass Band

Beitragvon GerhardS » 26.07.2011, 11:27

ebs hat geschrieben:...Alles was Max sagt ist völlig richtig.


Das war Alex :-)

Aber die Stützen für das tiefe Blech werde ich berücksichtigen. Vielleicht nur um die Charakteristik der Instrumente etwas besser zu definieren (ähnlich wie bei einer Kontrabass Stütze) Da sollte ein Niere + EQ reichen.

ebs hat geschrieben:Ein Zumischmikrofon-System hinter dem Decca-Tree würde ich unbedingt ausprobieren.


Das hatte ich im Sinn aber fälschlicherweise Raummikro genannt. Ich meinte ein Zumisch AB mit etwa 1m positioniert etwa 3-4m hinter dem Dirigenten und im Pegel 5-6dB unterhalb des Decca Tree.
LG

Gerhard



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Beitragvon Tonzauber » 26.07.2011, 12:33

Servus Gerhard!

Ich habe leider nur kurz Zeit,
aber ich habe mit vier Kugeln in einer Reihe als HS sehr gute Erfahrungen gemacht.
Wichtig ist es mir auch immer Mallets und Schlagzeug zu stützen, damit das präzise knackig und nicht verwaschen klingt. Gerade Marimba geht sonst sofort hinter Blech unter.

Sinnvoll ist es ansich immer auch jedes einzelne Register zu stützen, einfach da sehr oft die natürliche Balance nicht 100%ig vorhanden ist, abhängig auch von der Aufstellung.

Lg

Georg
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Beitragvon GerhardS » 26.07.2011, 13:07

Danke Georg,

fürs Schlagwerk hatte ich 4 Mikros vorgesehen (die Gran Cassa brauche ich wohl nicht zu stützen)

Ich stelle dann noch einfach ein paar Registerstützen. Hab noch etwa 10 Kanäle frei, ist also kein Problem. Die fressen ja kein Brot.

Warum gerade 4 Kugeln als HS?
Meine (zugegebenermassen etwas einfach gestrickte) Vorstellung sah so aus:
Dreiecksanordnung + evtl. Outrigger IM Orchester=Decca Tree
5 Kugel in einer Reihe vor dem Orchster wovon das mittlere Mikro etwas weiter nach vorne im Orchester steht (also ein kleines Stück vor dem Dirigenten)= Kugelvorhang

Vier Kugeln: Ist das dann ein Gross AB + Outrigger?

Übrigens mal eine Tabelle die ich vor einiger Zeit gefunden habe. Da machen die Registerstützen bei einigen Instrumenten durchaus viel Sinn.

Bereits 1959 haben Sivian, Dunn und White einmal die Schalleistung (in Watt) verschiedener Instrumente gemessen und folgende Tabelle veröffentlicht.

Tabelle 1 - Schalleistung (Watt)

Triangel l0.500
Klavier 0.437
Klarinette 0.050
Posaune 6.400
Horn 0.550
Becken 9.500
Piccolo 0.084
kleine Trommel 11.900
Kontrabass 0.156
Orgel 12.600
Basstuba 0.206
Kammerorchester 9.000
Bass-Sax 0.288
Sinfonieorchester 66.500
Trompete 0.314
Lautsprecherbox 0.500 (mit 50-W-Verstärker)
LG

Gerhard



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Brass Band

Beitragvon ebs » 26.07.2011, 13:14

GerhardS hat geschrieben: Fürs Schlagwerk hatte ich 4 Mikros vorgesehen (die Gran Cassa brauche ich wohl nicht zu stützen)

Eine Gran Cassa stütze ich immer (!) nah mit einem dynamischen Mikrofon (RE 20, MD 421, MD 441). Eine "Wohlklangwolke" einer Gran Cassa klingt unbefriedigend. Diese braucht unbedingt etwas Anschlag-Klack mit Bass-Cut bei etwa 100 Hz.

Viele Grüße ebs

PS: Die "Tabelle 1 - Schalleistung in Watt" (Jecklin) mit den Schallleistungen der Musikinstrumente bringt mir für eine Tonaufnahme nichts. Eine Konzerttrommel - egal wieviel Watt sie emittiert - braucht immer ein nahes Stützmikrofon, wenn sie in der Aufnahme nicht "schwimmen" soll.
Der Gedanke ist nicht richtig, dass Instrumente die viel Schallleistung emittieren, keine Mikrofone brauchen.
Als Tontechniker kann ich nicht verstehen, wenn mir dynamisch-gespielte Musikinstrumente mit Werten ihrer entfernungsunabhängigen Schallleistung in Tabellen genannt werden - gleich neben den statischen Angaben der Schallleistung von Rasenmähern, Hubschraubern und Presslufthämmern, die bei Lärmbekämpfern so beliebt sind.

Mikrofonmembranen und Trommelfelle werden allein vom entfernungsabhängigen Schallwechseldruck als Wirkung bewegt.
ebs - Mikrofonaufnahmetechnik und Tonstudiotechnik

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Beitragvon GerhardS » 31.07.2011, 11:52

Gestern war's dann soweit. Der akustisch angeblich sehr gute Raum entpuppte sich dann als runde Kirche mit einer riesigen Kuppel und einem Nachhall deutlich jenseits der 5 Sekunden Marke.

Nix mit Decca Tree :lol: :lol: :lol:

Da war dann ORTF und jede Menge Stützen angesagt um wenigsten einigermassen den Raum auszublenden.

Meine beiden uralt MD421 (~35 Jahre alt) leisteten dann auch gute Arbeit im Schlagwerk. (Danke Eberhard für den Tip die Gran Cassa noch mal extra zu stützen. Der Kick hat sie tatsächlich 'gerettet').
Es waren auch wegen des grossen Schlagwerks (volles Programm - 5 Spieler) sehr viele Stützen notwendig.
Sogar die Tuben musste ich extra stützen um den 'Knarz' beim Anblasen etwas hörbar zu machen. Viel Zeit hat dann auch die Mikrofonierung der Cornets benötigt. 4 Solocornets, 1 Soprano Cornet, 1 Repiano Cornet, 2 2nd Cornets und 3 3rd Cornets, die teilweise auch solistisch tätig waren, galt es einzufangen.
Ansonsten hat es sehr viel Spass gemacht. War eine coole Truppe
aber auch ein langer Arbeitstag mit einem extrem langen Soundcheck. Aber auch einige der Bläser gingen bildlich gesprochen auf den Felgen ihrer Lippen.
Und beinahe waren die Grenzen meines Equipments erreicht. Ich hatte noch 2 Mikrofonständer und drei Mikrofone übrig. :lol:
LG

Gerhard



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