Mikrofonaufstellung und Psychoakustik bei Jugend forscht

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Tonträumer
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Re: Mikrofonaufstellung und Psychoakustik bei Jugend forscht

Beitragvon Tonträumer » 30.05.2012, 21:55

Tja, anscheinend hast Du recht. Die beiden ließen sich wohl nicht einladen.
Schade, denn ich hätte hier gerne eine anregende und faire Diskussion über die Ergebnisse der beiden Kandidaten erlebt.

Es scheint wohl nicht so wichtig gewesen zu sein. :wink:

LG Tonträumer
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Hannes_F
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Re: Mikrofonaufstellung und Psychoakustik bei Jugend forscht

Beitragvon Hannes_F » 20.06.2012, 01:22

Tonträumer hat geschrieben:Tja, anscheinend hast Du recht. Die beiden ließen sich wohl nicht einladen.


Nee, wohl nicht.

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ebs
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Mikrofonaufstellung und Psychoakustik bei Jugend forscht

Beitragvon ebs » 20.06.2012, 08:17

Den Landessieg (Nordrhein-Westfalen) für die beste interdisziplinäre Arbeit bei "Jugend forscht" errangen Fabian Bronner (19) vom Gymnasium Rheinkamp Moers und Christian Dreier (18) vom Gymnasium Adolfinum in Moers. Die beiden Jungforscher konstruierten ein Mikrofonsystem, das durch den Einbezug des Raumes einen neuartigen Klangeindruck ermöglicht.

"Akustik-Projekt „Rêverie de l‘acoustique“: https://www.jugend-forscht.de/index.php/projectsearch/detail/6038.4579

Zitat: "Sitzt man vor seiner Stereoanlage und hört genau hin, dürfte einem folgendes Phänomen auffallen: Der Klang ist zwar räumlich, doch er bleibt zwischen den Lautsprechern eingesperrt: Die beiden Boxen begrenzen das Hörfeld nach links und nach rechts. Bei der Audioaufnahme eines Konzerts entdeckten Christian Dreier und Fabian Bronner jedoch etwas Verblüffendes: Richtet man einen Teil der Mikrofone nicht direkt auf die Musiker aus, sondern auf Decke und Seitenwände, wird der Klang räumlich merklich weiter. Systematisch experimentierten die beiden mit verschiedenen Mikrofonanordnungen und programmierten eine Software, die die optimale Position errechnet. Das Resultat: ein extrem dreidimensionaler Höreindruck ganz ohne Einsatz elektronischer Effektprozessoren."

Bei einer Tonaufnahme habe ich mich redlich bemüht, einen Teil meiner Mikrofone auf die Decke und die Seitenwände und nicht auf die Musiker auszurichten. Leider wurde der Klang zwischen den Stereo-Lautsprechern bei mir nicht breiter als die Lautsprecherbasis. Mir fehlt offensichtlich die erwähnte speziell-programmierte Software, welche die "optimale Position" errechnet, um den gewünschten extrem dreidimensionalen Höreindruck in 3D zu erreichen - und das auch noch völlig ohne Einsatz von elektronischen Effektprozessoren. Wow!
Da bin ich auf das Geheimnis der "Berechnung der optimalen Position" gespannt, denn so etwas ist sicher nicht lange geheimzuhalten.
Dieser Frage wollen die beiden Erfinder sicher ausweichen.

Viele Grüße ebs
ebs - Mikrofonaufnahmetechnik und Tonstudiotechnik
http://www.sengpielaudio.com

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scholzi
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Re: Mikrofonaufstellung und Psychoakustik bei Jugend forscht

Beitragvon scholzi » 22.06.2012, 21:34

Hallo!

Habe gerade Strauss' Tanz der Sieben Schleier Telarc 80371 (Cinncinati Symphony Orchestra) auf meiner Anlage (2 Electrostaten Martin Logan Ascent I) gehört. Dort kann ich deutlich eine Überbreite feststellen, ein Teil der ersten Violinen kommt von links neben dem Lautsprecher. Der Klang löst sich förmlich vom Lautsprecher, man fühlt sich umhüllt in einer tollen Räumlichkeit.
Vielleicht ist ja mit 3D dieser losgelöste Klang gemeint (fällt mir leider schwer zu beschreiben), der nicht an der Box klebt. Das haben aber viele Aufnahmen insbesondere der Firmen Telarc, Decca ( wunderbar: Hörner oft von hinten links neben dem Lautsprecher), Reference Recording und Teldec um nur einige zu nennen. Selten habe ich dieses Gefühl (das ist vielleicht das richtige Wort) bei den Aufnahmen von DGG, Phillips und EMI. Die mit einem Grammy bedachte 8. Mahler von A. Neubronner kann dieses Gefühl leider auch nicht vermitteln.

Apropos Überbreite: mein nebenan stehender Steinway D hat auch Überbreite, passt nämlich gerade so ins Zimmer...


Grüße,
Scholzi

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alex
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Re: Mikrofonaufstellung und Psychoakustik bei Jugend forscht

Beitragvon alex » 23.06.2012, 11:10

scholzi hat geschrieben:Das haben aber viele Aufnahmen insbesondere der Firmen Telarc, Decca ( wunderbar: Hörner oft von hinten links neben dem Lautsprecher), Reference Recording und Teldec um nur einige zu nennen. Selten habe ich dieses Gefühl (das ist vielleicht das richtige Wort) bei den Aufnahmen von DGG, Phillips und EMI.

Eine breiter wirkende Stereobasis ist meist eine direkte Folge der Mikrofonaufstellung. Bei Äquivalenz- oder Laufzeitverfahren sind gewisse Phasenunterschiede zwischen den Stereokanälen unvermeidlich und gewollt einkalkuliert. Diese können bei den jeweiligen Instrumentengruppen zu einer Richtungsempfindung von mehr oder weniger außerhalb der LS-Basis führen (Überbasislokalisation).

Sehr viele Aufnahmen von Telarc, Decca und Teldec wurden und werden - wegen ihrer klanglichen Vorzüge - mit Druckempfängern hergestellt. Damit man mit Druckempfängern unterschiedliche Kanalsignale (und damit Stereowirkung) erzielen kann, verwendet man laufzeitstereofone Verfahren.

Zumindest historisch betrachtet sind bei DG, Philips und vor allem EMI häufiger Stereoaufnahmen nach dem Pegeldifferenzprinzip zu finden. Aber auch dort gab und gibt es andere Aufnahmephilosophien. Ein älteres Beispiel der DG: Brahms Violinkonzert op. 77 mit Ch. Ferras, den Berliner Philharmonikern & H.v.Karajan, aufgenommen in der Berliner Christuskirche 1964.

Grüße, alex
"Modern technologies allow new ways of enhancing old mistakes."


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