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Flügelmikrofonierung mit 3 Mikrofonen

Tipps, Tricks und "Kochrezepte" für den guten Ton

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Moritz
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Flügelmikrofonierung mit 3 Mikrofonen

Beitragvon Moritz » 21.02.2016, 19:21

Guten Abend liebe Tonfreunde,

ich habe kürzlich eine Mikrofonierungstechnik für Flügel gesehen, bei der 3 Mikrofone (ich meine es waren Nieren) oberhalb der Tastatur in den Viertelpunkten in den Flügel hineingerichtet waren. Panoramisiert waren diese dann entsprechend links/mitte/rechts. Mich würde mal interessieren, ob jemand von euch diese Technik kennt und wie sie heißt. Der Kollege, der dafür verantwortlich war, konnte sich leider nicht mehr an den Namen erinnern. Wichtiger war jedoch, dass es klanglich an diesem Instrument recht schön funktioniert hat und ich versuche nun ein bisschen mehr darüber rauszufinden.

Vielen Dank schon mal
VG Moritz

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juppy
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Re: Flügelmikrofonierung mit 3 Mikrofonen

Beitragvon juppy » 21.02.2016, 20:07

Keine Ahnung, ob diese "Technik" einen Namen hat. Für mich ist das 08/15 Standard-Mikrofonierung,
wenn es um Beschallung oder eine bewußte Nah(?)aufnahme bei Jazz oder Pop geht. Leider gibts Du
keine Abstände von Mikrofonen zum Instrument an.

Möchte man einen perkussiven Klavierklang haben, führt diese Anordnung mitunter zum gewünschten
Klang, da aus dieser Position die Mechanikgeräusche stärkeren Anteil im Klangbild erhalten.

Ob man dem individuellen Instrument wirklich gerecht wird, bliebe auszuprobieren. Was bei dem einen
Flügel grandios wirkt, kann bei einem anderen eine klangliche Katastrophe sein.

Bei Nahabnahme eines Flügels ziehe ich i.a. Kugeln vor ...

Moritz
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Re: Flügelmikrofonierung mit 3 Mikrofonen

Beitragvon Moritz » 21.02.2016, 20:13

Vielen Dank schon mal für diese Antwort. Ich denke, ich werde einfach ein bisschen rumexperimentieren. Ich wollte nur mal wissen, ob euch das irgendwie geläufig ist.

Im Popbereich, wenn ich nah ran musste hatte ich bisher eigentlich nie mehr, als zwei Mikrofone, aber drei machen schon Sinn, wenn man sehr nah dran ist.

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RainerG
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Re: Flügelmikrofonierung mit 3 Mikrofonen

Beitragvon RainerG » 21.02.2016, 20:32

Hallo Moritz,

Wie Juppy schon schreibt, kann dies durchaus eine 08/15-Mikrofonierung sein, die nicht unbedingt durchdacht sein muß. Nicht alles was man so sieht - auch bei den Profis! - ist unbedingt zur Nachahmung empfohlen.
Ich habe bei solchen Anordnungen immer gewisse Bedenken, denn: Wenn die Mikrofone sehr nahe zueinander stehen, bildet jedes einzelne Mikrofon mit jedem anderen ein Stereopaar. Also 1 mit 2; 1 mit 3 und 2 mit 3. Dies hat dann zur Folge, daß aufgrund der unterschiedlichen Aufnahmebereiche die sich dadurch zwangsläufig ergeben, Mehrfachabbildungen/-lokalisationen der Schallquelle entstehen können - im ungünstigsten Fall also wird jeder Ton an 3 verschiedenen Punkten auf der Stereobasis abgebildet. Anders ist es bei einem Decca-Tree. Da sind aufgrund der großen Abstände der Mikrofone zueinander Mehrfachabbildungen nahezu ausgeschlossen. Schade, daß Eberhard Sengpiel nicht mehr bei uns ist, denn er könnte dazu mit Sicherheit viel erzählen.
Einfach probieren und genau hinhören!

Grüße
RainerG
Zuletzt geändert von RainerG am 21.02.2016, 20:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Flügelmikrofonierung mit 3 Mikrofonen

Beitragvon alex » 22.02.2016, 09:47

RainerG hat geschrieben:Dies hat dann zur Folge, daß aufgrund der unterschiedlichen Aufnahmebereiche die sich dadurch zwangsläufig ergeben, Mehrfachabbildungen/-lokalisationen der Schallquelle entstehen


Hinzuzufügen wäre noch, dass die beiden Stereopärchen 1/2 und 2/3 jedes für sich funktionieren wie AB Mikrofonierung mit eingeengten Panpots, mit den bekannten klangfärbenden Kammfiltereffekten. Bei Stützmikrofonen kein Problem, solange man sich an die 3:1 Regel hält. Diese Bedingung wird jedoch mit einer weiter entfernten Hauptmikrofonanordnung bei einem Flügel aufgrund der relativ kleinen Mikrofonbasen schwer zu erfüllen sein.

RainerG hat geschrieben:Einfach probieren und genau hinhören!


Größtenteils mit dieser Methode ist schließlich auch die Decca-Tree Anordnung entwickelt worden, mit ihrer Anwendung verhält es sich nicht anders.

Ähnlich verhält es sich auch mit anderen empirisch ermittelten Mikrofonanordnungen, so seltsam sie manchmal prima vista anmuten. Solange deren Protagonisten über das nötige Wissensfundament verfügen, können dabei durchaus interessante und überlegenswerte Lösungen zum Vorschein kommen. Bei den anderen ist mir inzwischen die Zeit für Diskussionen meistens zu schade.

Grüße, Peter
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Re: Flügelmikrofonierung mit 3 Mikrofonen

Beitragvon Moritz » 24.02.2016, 11:21

Vielen Dank auch an euch beide für eure Antworten.

Auf die Idee mit den Kammfiltern bin ich auch schon gekommen, deswegen habe ich u.a. gefragt. Auf den Umstand mit den Mehrfachabbildungen bin ich garnicht gekommen, vielen Dank für diesen Hinweis!

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Re: Flügelmikrofonierung mit 3 Mikrofonen

Beitragvon Moritz » 06.03.2016, 13:10

Aufgrund meiner Unfähigkeit, das halbwegs brauchbar zu erklären habe ich das nochmals fotografiert, falls es jemanden interessiert. Auf dem Foto sieht man die, von mir gemeinte, Mikrofonierung mit AKG c480. Ich würde sagen, bei der Nähe der Mikrofone, ist die 3:1 Regel nicht verletzt ;)

20160305_133632.jpg
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Re: Flügelmikrofonierung mit 3 Mikrofonen

Beitragvon hafi69 » 06.03.2016, 13:41

So wie es aussieht benutzt Du zwei CK61 Nieren plus eine CK62 Kugelkapsel im Bassbereich.
So recht will mir der Sinn des Ganzen nicht aufgehen.
Ich benutze (zu Beschallungszwecken) gerne zwei Ck62-Kugelkapseln
(alternativ breite Nieren wie KM143)
auf einer kürzeren Stereoschiene (~20cm).
Ein drittes Mikrofon - wofür?

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Re: Flügelmikrofonierung mit 3 Mikrofonen

Beitragvon Moritz » 06.03.2016, 13:54

hafi69 hat geschrieben:So recht will mir der Sinn des Ganzen nicht aufgehen.
[...]
Ein drittes Mikrofon - wofür?


So ähnlich geht es mir auch, darum habe ich ja hier mal nachgefragt, ob das in dieser Form irgendjemandem bekannt ist. Das klangliche Ergebnis ist allerdings durchaus überzeugend, zumindest an diesem Instrument.

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Re: Flügelmikrofonierung mit 3 Mikrofonen

Beitragvon juppy » 06.03.2016, 19:03

Moritz hat geschrieben:... habe ich das nochmals fotografiert, ...
20160305_133632.jpg

Ich wiederhole an dieser Stelle nicht, was ich weiter oben bereits geschrieben habe.
Ich schließe mich jedoch auch (bedingt) hafi69 an:

hafi69 hat geschrieben:... plus eine CK62 Kugelkapsel im Bassbereich.
So recht will mir der Sinn des Ganzen nicht aufgehen.

An der Kante des Resonanzbodens wird wohl kaum eine nennenswerte Baßabstrahlung stattfinden.
Mir scheint's, der Tontechniker ging bei diesem Aufbau davon aus, die Tonabstrahlung erfolge
direkt von den Saiten - warum sonst die Abnahme (!) über den Hämmern? Der Anteil der Mechanik-
geräusche wird an dieser Position relativ hoch sein - aber wenn das so gewünscht ist, o.k. ...

Gehört(e) das AKG Stereomikrofon zum SetUp dazu oder steht das nur so im Bild herum? Im ersten
Fall kann man schwer beurteilen, welchen Anteil die KM-AKGs (?) am Gesamtklang hatten.

hafi stimme ich bei der Auswahl der Kugelcharakteristik 100%ig zu, aber ein drittes Mikrofon kann
durchaus sinnvoll sein, wenn man die Zeit zur Beschäftigung mit dem Instrument hat.


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