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Pop-Chor und Klavier

Tipps, Tricks und "Kochrezepte" für den guten Ton

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Moritz
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Pop-Chor und Klavier

Beitragvon Moritz » 02.06.2016, 23:30

Hallo zusammen,

ich hätte mal wieder eine Frage, die zwar momentan keinen konkreten Anwendungsfall hat, aber man weiß ja nie, was noch kommt.
Ich habe gelegentlich mit einem Chor zu tun, dessen Repertoire sich auf sehr moderne Musik konzentriert, um nicht zu sagen Pop-Musik. Diesen Chor habe ich nun schon mehrfach aufnehmen dürfen, allerdings bereitet mir mein Endergebnis jeweils im Nachgang immer etwas Kopfzerbrechen. Der Chor ist, wie häufig in SATB aufgeteilt, obgleich der Tenor und Bass im Vergleich zu den Frauenstimmen reichlich unterbesetzt sind (Verhältnis so ca.5-6:1). Begleitet wird der Chor durch ein Klavier (bei der Aufnahme glücklicherweise meistens ein Flügel aus dem Hause Blüthner), das aufgrund der Musik häufig wichtig für den Erkennungswert des Stückes ist. Nun spielt der Pianist häufig sehr motiviert, sodass der Flügel stark auf meine Chormikrofonierung überspricht. Was ich bisher probiert habe:
- Choraufstellung: Männer und Frauen gegenüber, jeweils mit 3 Nieren mikrofoniert, dazwischen der Flügel gestützt. Ergebnis: kein besonders schöner Chorklang (die Aufstellung verbuch ich mal unter jugendlichem Leichtsinn)
- Chor nebeneinander aufgestellt, Flügel davor, Groß-AB als Hauptmikrofon. Ergebnis: Flügel zu laut auf dem HM. Da könnte ich mir vorstellen, den Chor zusätzlich zu stützen, um das Verhältnis zwischen Chor und Flügel zu verändern.
- Männerstimmen erhöht hinter den Frauenstimmen, Groß-AB als HMS, Tenor und Bass jeweils mit ORTF gestützt, Flügel aus Platzgründen links stehend separat gestützt. Ergebnis: Chor gefällt mir sehr gut, Flügel hängt (logischerweise) auf der linken Seite im Klangbild (gefällt mir nicht so sehr), das Zumischen der Klavierstütze machts eher schlimmer als besser (starke Klangfärbung).

Meine Frage nun: Wie würdet ihr das angehen. Ich nehme mal an Chor mit Klavier kommt doch häufiger vor. Was mir noch einfallen würde, wäre den Flügel im "Rücken" des HMS aufzustellen. Damit könnte ich wahlweise Kugeln im HMS verwenden und den Flügel entsprechend weiter weg stellen, bis mir das Mischungsverhältnis gefällt oder aber auf Nieren zurückgreifen und den Flügel separat mikrofonieren.

Vielen Dank schon mal für eure Erfahrungen!

VG Moritz

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RainerG
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Re: Pop-Chor und Klavier

Beitragvon RainerG » 03.06.2016, 00:02

Hallo Moritz,

Ich würde zunächst mal den Dirigenten versuchen zu überzeugen, daß die Aufstellung des Chores äußerst ungünstig ist. Aufgrund der Hörphysiologie klingen die Männerstimmen immer zu leise - von der "Übermacht" der Frauenstimmen in Deinem Fall mal ganz abgesehen. Die SATB-Austellung ist eine Manie die ich bei Chören auch nicht leiden kann. Man hat immer eine klangliche Unsymmetrie drin - es klingt links immer lauter, weil die Männer i.d.R. rechts stehen. Versuche mal, dem Dirigenten die Aufstellung STBA vorzuschlagen und zwar so, daß die Männer in einer Dreiecksanordnung zwischen den Frauen stehen. Dadurch wird das Klangbild von vornherein "symmetrischer".
Was die Mikrfonierung betrifft: Verzichte am besten ganz auf ein Hauptsystem. Ordne die Mikrofone für den Chor dann so an, daß Du 2 Mikrofone für die Frauenstimmen stellst und ebenso 2 für die Männerstimmen, wobei die ganze Anordnung dann in einem trapezförmigen Layout angeordnet sein sollte. So würde ich es machen.
Das Klavier kannst Du dann mit 2 Einzelmikrofonen stützen, sei es in A/B, ORTF oder ggf. sogar X/Y-Anordnung.
Das Klavier würde ich VOR den Chor stellen, nicht in den Chor und auch möglichst in die Mitte. Der Dirigent sollte dann vor dem Klavier stehen, sodaß er den ganzen Klangkörper im Blick hat.
Wenn erforderlich, kann man ja noch vorsichtig verhallen, wobei Klavier und Chor unterschiedlich im Hall dosiert werden sollten.
Probier es mal so aus und berichte mal über das Ergebnis.

Grüße
RainerG
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Re: Pop-Chor und Klavier

Beitragvon pkautzsch » 04.06.2016, 20:11

Bei dem gegebenen Ungleichgewicht der Stimmen würde ich evtl. Rainers Vorschlag abwandeln und für S und A jeweils zwei Mikrofone benutzen. Für T und B reicht sicherlich je eines.
Wenn der Flügel mittig vor dem Chor steht, hat das tontechnisch zwei Vorteile: erstens schattet der Deckel den Chor ab, so daß man auf dem (für "Pop-Klang" niedrig und nah stehenden) Flügelmikrofon wenig Chor hat. Zweitens hält der Deckel zumindest die Höhen des Flügels in Richtung Chor fern, man hat also weniger auffälliges Übersprechen. Leider ist so ein Deckel meist nicht durchsichtig, und daher ist diese Aufstellung einem Dirigenten nur dann zu verkaufen, wenn der Chor so erhöht steht, daß alle über den Deckel drüberschauen können.

Sehr gute Erfahrungen mit zu lautem Übersprechen von Instrumenten in die Chormikrofone habe ich mit Achtermikrofonen gemacht. Die läßt man leicht schräg von oben auf den Chor zeigen und hält das Klavier (oder die Blechbläser oder das Schlagwerk...) in der unempfindlichen Ebene. Achten verfärben winkelabhängig nur wenig, dadurch fällt eventuelles Übersprechen auch noch weniger auf, und auch der Diffusschall kommt ungefärbt.

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Re: Pop-Chor und Klavier

Beitragvon Moritz » 07.06.2016, 17:45

Vielen Dank ihr Beiden für eure wertvollen Ratschläge. Da kann ich beim nächsten Mal wieder probieren, ob mich das zum gewünschten Ergebnis bringt (mit dem auch der Chorleiter zufrieden ist).

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Re: Pop-Chor und Klavier

Beitragvon RainerG » 07.06.2016, 17:57

pkautzsch hat geschrieben:...
Sehr gute Erfahrungen mit zu lautem Übersprechen von Instrumenten in die Chormikrofone habe ich mit Achtermikrofonen gemacht. Die läßt man leicht schräg von oben auf den Chor zeigen und hält das Klavier (oder die Blechbläser oder das Schlagwerk...) in der unempfindlichen Ebene. Achten verfärben winkelabhängig nur wenig, dadurch fällt eventuelles Übersprechen auch noch weniger auf, und auch der Diffusschall kommt ungefärbt.



Hallo Peter und Moritz,

Die gleiche gute Erfahrung habe ich auch mit Achten gemacht - vor allem bei Oratorienbesetzungen wo aus Platzgründen die Bläser so dicht vor dem Chor standen, daß kaum eine richtige Trennung zwischen Bläser und Chor war. Auch bei Stützen im Orchester habe ich schon Achten benutzt wegen des akustischen Übersprechens. In allen Fällen die Nullebene der Acht zu der "störenden" Schallquelle hin zeigend.

Nur nicht vergessen: Die Acht ist immer sehr trittschallempfindlich und daher Spinne verwenden!

Grüße,
RainerG
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Re: Pop-Chor und Klavier

Beitragvon Moritz » 08.06.2016, 00:00

Die Verwendung von Mikrofonen mit Achter-Charakteristik scheitert bei mir meistens an der Verfügbarkeit eben jener. Mal sehen, ob ich da jemanden finde, der mir mal welche leihen kann.

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Re: Pop-Chor und Klavier

Beitragvon tillebolle » 08.06.2016, 10:37

RainerG hat geschrieben:Ich würde zunächst mal den Dirigenten versuchen zu überzeugen, daß die Aufstellung des Chores äußerst ungünstig ist. Aufgrund der Hörphysiologie klingen die Männerstimmen immer zu leise - von der "Übermacht" der Frauenstimmen in Deinem Fall mal ganz abgesehen. Die SATB-Austellung ist eine Manie die ich bei Chören auch nicht leiden kann. Man hat immer eine klangliche Unsymmetrie drin - es klingt links immer lauter, weil die Männer i.d.R. rechts stehen. Versuche mal, dem Dirigenten die Aufstellung STBA vorzuschlagen und zwar so, daß die Männer in einer Dreiecksanordnung zwischen den Frauen stehen. Dadurch wird das Klangbild von vornherein "symmetrischer".

Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und versuchen, die Männer nach vorne zu holen.

Wir haben das mal in diesem Thread diskutiert:
http://www.tonthemen.de/viewtopic.php?f=4&t=2655

Viele Grüße
tillebolle
SchöneTöne - Phonographie
http://www.schönetöne.com


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