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Dvorak - Messe in D-Dur und Te Deum

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aseptisch
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Re: Dvorak - Messe in D-Dur und Te Deum

Beitragvon aseptisch » 09.11.2017, 21:41

Oh, noch jemand, dessen System auf den AKG ULS aufbaut. Und jemand mit CK 63 Hypernieren, ich dachte, die wären noch nie verkauft worden. ;-) Wie findest Du die?

Ich hab' noch ein paar Fragen zur Mikrofonierung:

1.) Ihr habt jetzt die Solisten mit 1 Mic zwischen S+A und eins zwischen T+B vorgeschlagen. Hattet Ihr nicht neulich über XY vor dem Solistenquartett gesprochen? Die Dvorak-Messe kenne ich nicht, singen die Solisten dabei nur einzeln, und XY ist eher, wenn sie gleichzeitig singen?

2.) Wenn ein Chor (jetzt nicht gerade 120 Leute, sondern etwas kleiner) mit Frauen vordere, Männer hintere Reihe steht, und Ihr stützt mit 4 Mikros über die ganze Breite verteilt, stellt Ihr dann alle gleich hoch, oder evtl. auf jeder Seite eins etwas tiefer (sagen wir die Mikros außen für S, A) und eins etwas höher (Mikros zur Mitte für B, T), um später die Balance noch beeinflussen zu können?

3.) Ich fragte schonmal in einem anderen Thread, wie Ihr das mit dem Laufzeitausgleich macht, wenn eine Pauke dabei ist. a) Wo würde sie stehen, wenn Ihr Euch das wünschen dürftet? b) Richtet Ihr die Stützenverzögerungen auf die Pauke aus, oder unabhängig von der Pauke aufs HM, oder je nach Satz, ob die Pauke spielt oder nicht?

4.) Ganz praktische Frage: Wie macht Ihr das mit einer Hängekonstruktion? Installiert Ihr die ein paar Stunden, bevor die Musiker kommen, und dann muss sie so bleiben? Die Möglichkeiten, später noch was zu verändern, sind doch extrem beschränkt, oder wie macht Ihr das? Wo befestigt Ihr das? Einfach an allem, was in Reichweite ist, oder stellt Ihr manchmal dafür fette Stative auf? Was für ein Seilsystem bietet sich da an?

LG
Lutz

LoboMixx
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Re: Dvorak - Messe in D-Dur und Te Deum

Beitragvon LoboMixx » 10.11.2017, 00:31

Hallo Lutz!

Zu 1.)
Besonders in den großen Oratorien, aber auch in anderen Werken mit Gesangs-Solisten sind zwischen Solo-Arien für jede Stimme alle Kombinationen möglich. Deshalb betrachte ich die beiden Mikrofone vor S/A und T/B als jeweils einzelne Stütze und nicht als Stereo-Mikrofon-System, sie stehen auch entsprechend auseinander und sind dekorreliert. Man könnte jeder Stimme ein eigenes Mikrofon vorsetzen, aber zwei Mikrofone bei vier Solisten haben sich bei mir stets gut bewährt.

Ich scheue mich irgendwie, speziell bei diesen Aufnahmen in sehr halligen Kirchen außer dem Stereo-Hauptmikrofon-System weitere Stereomikrofone einzusetzen, da ich meine, mit angemessen verteilten und nicht korrelierten Mono-Stützen mehr Deutlichkeit, Lokalisierbarkeit und Klarheit zu erreichen. Da hätte ich unter diesen Umständen bei Stereo-Mikros mit weiteren Laufzeitunterschieden in ihrem Stereosignal etwas Bedenken, dass ich mir damit unkontrollierbare klanglich verwischende Effekte einhandele. Denn Stereo-Systeme machen schließlich nur dann Sinn, wenn man deren Mikros hart nach L/R außen setzt. Koinzidenzsysteme ohne Laufzeitunterschiede könnten vielleicht besser einzusetzen sein, aber da würde wahrscheinlich nur M/S am meisten tauglich sein - damit habe ich aber keine Erfahrungen. Ansonsten mag ich Koinzidenzmikrofone nicht besonders, da sie mir stets zu wenig Klangfläche brachten und eher den zweifelhaften ´Charme´ von Mono austrahlten.
Andere hier im Forum sind diesbezüglich sicher wesentlich kompetenter und mögen dazu sinnvolleres und vertiefenderes beitragen als ich.
(Von Hauptberuf bin ich Musiker, Aufnahmen mache ich nur im Nebenerwerb und da es nicht so viele Termine sind, die ich jedes Jahr habe, vermeide ich es, für mich möglicherweise unbeherrschbare Experimente einzugehen und damit womöglich die Aufnahme zu versauen.)
Wie ich schon weiter oben schrieb, würde ich, wenn eine große Orgel zum Einsatz kommt, dieser durchaus eine (Äquvalenz-)Stereo-Stütze setzen, da diese sonst klanglich nicht angemessen abgebildet wird.

Zu 2.)
Der Chor steht üblicherweise auf einem ansteigenden Podest, so dass ich stets mit vier auf gleicher Höhe platzierten Mikros gute Ergebnisse erzielen konnte. Dabei richte ich die Einsprechöffnungen so aus, dass sie in etwa auf die gedachte Trennlinie zwischen den vorne stehenden Frauen und den hinten stehenden Männern ausgerichtet sind. Bei den Chören, die ich aufnehme, handelt es sich immer um Amateure/Laien. Sie sind zwar immer sehr gut vorbereitet und hoch engagiert, aber stimmlich nun mal nicht auf derselben Höhe wie z.B. der RIAS-Kammerchor. Durch die stärkere Bündelung zu den Höhen hin bei realen Nieren fange ich dann etwas weniger von der Schärfe ein, zu der selbst sehr gute Laien-Frauenstimmen oft neigen (im besten Fall, manchmal geht es halt auch ums Kaschieren).

Zu 3.)
Ob mit oder ohne Pauke, ich messe wenn irgend möglich immer die Abstände aller Stützen zum Hauptmikrofon-System aus, dieses ist für mich der Zeitbezug. Damit habe ich einen Ausgangswert, welche Spurverzögerung ich in Samplitude mindestens einstellen muss um den Eindruck der Tiefenstaffelung zu bewahren. Wobei man ja umgekehrt durch Vorziehen ggf. die Verständlichkeit verbessern kann, aber bei den bisherigen Oratoriumsaufnahmen mit stets rund über 100 Choristen war mir immer daran gelegen, den Chor als große Klangfläche abzubilden, wie er auch live wirkte. Da die Präzision der nicht-Profi Chöre auch nie bei 100% lag, wollte ich dem Chor eher durch diese klangliche Größe schmeicheln und nicht alles in größter Deutlichkeit hervor holen.

Zu 4.)
Zum Abhängen habe ich zwar ein System, das ich für die Mikrofonierung von Orgeln auf Emporen verwende (damit kann ich, wenn es Schlusslöcher in Kreuzrippengewölben gibt, die Mikrofone bei Bedarf recht einfach auf die Höhe der Orgel bringen), aber für die Oratorien usw. habe ich noch nie etwas abgehängt. Es fehlte zum einen schlicht immer die Zeit dazu, aber auch wenn es manchmal vom Platz her eng wurde, konnte ich bisher noch immer meine Stative zumindest ´vernünftig´ aufstellen. Ich habe auch einige Stative, die ich recht hoch aufziehen kann (z.B. für den Chor) und mit Stativen fühle ich mich auch flexibler.
In den letzten Jahren ist es fast jedes mal vorgekommen, dass sich das Orchester nochmal umsetzte, nachdem ich schon die Mikrofone gestellt hatte, weil irgendwelche Stimmgruppen/Musiker keinen guten Kontakt zueinander hatten. Mit den Stativen konnte ich dann immerhin recht flexibel reagieren.


Zum Thema Korrelationsgradmesser/Stereosichtgerät:
Deren Anzeigen habe ich auch immer in einem mehr statistisch zu interpretierendem Sinne verstanden. Statistisch soll sich der Zeiger der KM vorwiegend rechts von der Mitte aufhalten. Beim ausklingenden Nachhall eines Schlussakkords saust der Zeiger hübsch heftig nach links bis zum Anschlag. Aber wie sollte es auch anders sein, das ist doch das Wesen des Nachhalls, so herrlich und völlig dekorreliert zu sein.

Grosse_j
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Re: Dvorak - Messe in D-Dur und Te Deum

Beitragvon Grosse_j » 10.11.2017, 08:41

LoboMixx hat geschrieben:Hallo Lutz!


Zu 4.)
Zum Abhängen habe ich zwar ein System, das ich für die Mikrofonierung von Orgeln auf Emporen verwende (damit kann ich, wenn es Schlusslöcher in Kreuzrippengewölben gibt, die Mikrofone bei Bedarf recht einfach auf die Höhe der Orgel bringen), aber für die Oratorien usw. habe ich noch nie etwas abgehängt. Es fehlte zum einen schlicht immer die Zeit dazu, aber auch wenn es manchmal vom Platz her eng wurde, konnte ich bisher noch immer meine Stative zumindest ´vernünftig´ aufstellen. Ich habe auch einige Stative, die ich recht hoch aufziehen kann (z.B. für den Chor) und mit Stativen fühle ich mich auch flexibler.
In den letzten Jahren ist es fast jedes mal vorgekommen, dass sich das Orchester nochmal umsetzte, nachdem ich schon die Mikrofone gestellt hatte, weil irgendwelche Stimmgruppen/Musiker keinen guten Kontakt zueinander hatten. Mit den Stativen konnte ich dann immerhin recht flexibel reagieren.


Dem kann ich nur zustimmen. Ich bevorzuge auch Stativlösungen, habe mir aber für eine Kirche nach vielen Stativaufnahmen eine individuelle Seil-Abhänglösung erarbeitet. Der Chor hat direkt nach dem Konzertende immer gleich die Orchester-/Chorpodeste abgebaut, wodurch mein Stativabbau in einer sehr stressigen "Hexenjagd" zwischen den "Podestträgern" ausartete. Daher gehe ich jetzt am morgen vor der GP in die Kirche, baue meine Draht-Seile in zwei Stunden auf. Am morgen nach dem Konzert dann wieder in 40 min ab. Alles wesentlich entspannter, aber eine exakt angepasste Lösung für einen speziellen Aufnahmeort:

- Der Chor steht nur 4-5m vorm Dirigenten sodass ich mit Achten den Chor von diesem Seil aus mit Stützen kann
- es gibt eine Empore wo ich direkt über dem Dirigenten und der Orchestervorderseite ein Seil querspannen kann an dem Hauptmikronsystem und Chorstützen hängen
-an dem nächsten Säulenpaar hängt das Zumischmikrofon 5m dahinter
-für die Solisten ist ein extra Seil schräg gespannt über der zweiten Zuschauer Reihe.

Flexibilität besteht allerdings nur in der Anpassung an den Solistenstandort, Platzierung der Chorstützen am Seil und Wahl des Hauptmikrofonsystems (hier Äquivalenz EBS mit Nieren gepaart mit AB 3.4m mit Kugeln).
Gruß
Grosse_j


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