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Oratorienaufnahmen

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aseptisch
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Re: Oratorienaufnahmen

Beitragvon aseptisch » 07.03.2018, 18:11

Oha, das sind ja kräftige Töne! Ich nehme das gerne als statistische Tendenz, teils auch deutliche Tendenz, an, aber nicht als Pauschalisierung. :-) Das Publikum, das im Moment (bis der Neu-Effekt in 20 Jahren abklingt) die Elbphilharmonie besucht, ist tendenziell wohl auch wegen des Glamours da, und man liest selten die Taschenpartitur mit. Es kommt aber auch immer aufs Werk an. Nischenmusik wird manchmal von einem durchgehend erstaunlich disziplinierten und interessierten Publikum gehört. Die Matthäuspassion gehört freilich nicht dazu …

Mir ist es auch ein Graus, sowas in weltlich-trockener Atmosphäre zu konsumieren. Es könnte gewisse interessante Aspekte der Musik hörbar machen, aber richtig genießen kann ich sowas nur in entsprechender Akustik. Darum liebe ich auch die Dresdner Lukaskirche, auch für Aufnahmen sinfonischer Musik. Bei Chor und Orgel darf es natürlich auch mal sehr viel mehr Nachhall sein.

Georg, ich melde mich für Dein spannendes Projekt als Chor-Bass an. Ich würde auch besonders immersiv singen. :shock: Sag' Bescheid. Erste Tage des Juni wären ideal, da bin ich eh in Wien. :mrgreen: (31.5. Konzertkarten im Goldenen Saal.)

P.S.: Wenn es auch nicht vom Bild her ganz professionell ist, ist es doch immer schön, wenn man auch einen visuellen Eindruck von Aufführungen wie der Mancusi-Johannespassion bekommen kann.

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Re: Oratorienaufnahmen

Beitragvon pkautzsch » 07.03.2018, 23:25

aseptisch hat geschrieben:Oha, das sind ja kräftige Töne! Ich nehme das gerne als statistische Tendenz, teils auch deutliche Tendenz, an, aber nicht als Pauschalisierung. :-) [/quote ]
So war das auch gemeint.
Noch eine Ergänzung: Die berührendsten, weil mit Herzblut musizierten, Aufführungen der Bach-Passionen erlebe ich eher in bei (guten) Laienchören, begleitet von den üblichen Verdächtigen der Barockorchsterszene, in Kirchen. Auch dort ist die "historisch informierte" Aufführungspraxis längst Standard.
Aufführungen der "großen Namen" in den großen Konzertsälen sind m.E. oft eine technisch perfekte Aneinanderreihung bedeutungsloser Töne. Wieder eine Pauschalisierung :lol: :lol:

Das Publikum, das im Moment (bis der Neu-Effekt in 20 Jahren abklingt) die Elbphilharmonie besucht, ist tendenziell wohl auch wegen des Glamours da

Von einem Neu-Effekt kann man bei unseren Sälen in München nicht reden - weder beim Gasteig noch beim Herkulessaal.
Als Aufführungsort geistlicher Musik am ehesten "neu" ist die Herz-Jesu-Kirche, in der es (hauptsächlich moderne) Nischenmusik gibt, meist überraschend gut besucht von besagtem diszipliniertem Publikum.

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tillebolle
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Re: Oratorienaufnahmen

Beitragvon tillebolle » 11.03.2018, 11:37

pkautzsch hat geschrieben:Man muss doch auch im Auge behalten, für welche Bedingungen diese Musik geschrieben wurde. Bach wußte ganz genau, wie das, was er in seiner Thomaskirche oben aufführt, unten ankommt.
Ich finde nichts gräßlicher, als eine Matthäuspassion im Konzertsaal anhören zu müssen. Da gehört sie einfach nicht hin - und das dortige Publikum kommt oft eher des proseccoschlürfenden Gesehenwerdens wegen. Die SZ hat diese Art Publikum einmal treffend als "Mapa-Hopper" bezeichnet, die an einem durchschnittlichen Karfreitag drei verschiedene Aufführungen nacheinander besuchen - natürlich die mit den größten Namen auf dem Plakat!
Ergänzung: abgesehen davon sind die Menschen im Konzertsaal nicht jünger als die in der Kirche - nur im Durchschnitt reicher und mehr mit sich selbst beschäftigt.

Ja, genauso sehe ich das auch! Man muss auch berücksichtigen, welche Auswirkungen solche "Glamour-Aufführungen" auf die lokale Chorszene haben. Ich habe mich immer sehr geärgert, wenn Helmuth Rilling in der Essener Philharmonie das Weihnachtsoratorium aufgeführt hat, gesponsert von Evonik und seinem Spezi Werner Müller und beworben mit einem gigantischem Marketingapparat. Mal abgesehen davon, dass das schon terminlich in der Szene einiges durcheinandergewürfelt hat, haben wir das auch bei den Zuschauerzahlen gemerkt. Immerhin hat uns Berthold Beitz nach einer solchen Aufführung mal gesagt, er käme lieber zu uns, das wäre authentischer.

Ich kann auch mit der sicher hervorragenden Kuhn-Orgel in der Essener Philharmonie nichts anfangen. Die klingt halt nur stereo, in einer Kirche wäre das "immersive".

Viele Grüße
tillebolle
SchöneTöne - Phonographie
http://www.schönetöne.com


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