Seit gestern gab es einige Probleme bei der Anmeldung. Es erschienen etwas kryptische Fehlermeldungen.
Jetzt funktioniert wieder Alles.
Der Grund war: Der Provider hat heimlich still und leise die PHP Version von Version 5.6 auf 7.2 geändert.
Wir haben dies temporär wieder rückgangig gemacht.
Allerdings werde ich in den nächsten Tagen noch mal einen Update der Forensoftware
machen und ich hoffe dass alles problemlos läuft.
Hin und wieder kann es während dem Upgrade Prozess zu einer Nichterreichbarkeit
bzw. Fehlermeldungen kommen.

Wo steht das Hauptmikrofon?

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sleepytomcat
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Wo steht das Hauptmikrofon?

Beitragvon sleepytomcat » 29.06.2018, 11:27

(zur Erinnerung und als Hilfe für diejenigen, die es nicht wissen)


Jedes Hauptmikronsystem hat einen Aufnahmewinkel, der sich für alle denkbaren Fälle aus der Visualisierung von EBS entnehmen lässt:


http://www.sengpielaudio.com/Visualization-EBS.htm

Es stellt sich die Frage, wie weit ein Hauptmikrofon vor dem Klangkörper aufzustellen ist, damit er auf der Stereobasis abgebildet wird ohne ein “Loch” in der Mitte oder eine Verdrängung nach außen zu bewirken.

Dazu bietet sich der Strahlensatz der Winkelfunktionen an.:

Entfernung (S) = Klangkörperbreite/2 (b/2) x cot Aufnahmewinkel/2 (gamma/2)

Für einen bestimmten Aufnahmewinkel steht also das Hauptmikrofon idealerweise bei “P” senkrecht und mittig vor dem Klangkörper.

(Abb. aus “wikipedia”, “Basislatte”)

Der Punkt “P” sollte gehörmäßig überprüft und ggf.korrigiert werden. Gemessen werden kann mit Zollstock/Maßband oder bequemer mit einem Laser-Distanzer un einem “target” (z. B. der Mikrofonkoffer, etc.).
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Re: Wo steht das Hauptmikrofon?

Beitragvon RainerG » 29.06.2018, 12:54

sleepytomcat hat geschrieben:...Der Punkt “P” sollte gehörmäßig überprüft und ggf.korrigiert werden. Gemessen werden kann mit Zollstock/Maßband oder bequemer mit einem Laser-Distanzer un einem “target” (z. B. der Mikrofonkoffer, etc.).



Hallo Kollege,

Die Theorie ist ja alles ganz schön, gut und richtig. Aber... wer mißt denn schon mit Zollstock oder gar mit Laser-Meßgerät die Distanzen aus?
Ich mache das ausschließlich nach Gefühl und nach Gehör und das klappt auch.
Hilfsmittel wie die o.g. - das kenne ich nur von ausgesprochenen Anfängern und Dilettanten. Das ist genauso als wolle man ein Klavier mit Tongenerator und digitalem Frequenzmesser stimmen.
Genauso wenn man mit verzögerten Stützmikrofonen arbeitet. Ich schätze die Entfernung zum HM nach Augenmaß und stelle dann die Verzögerung entsprechend ein nach der Faustformel: t = s x 3 ms/m. Es soll welche geben die das mit Maßband ausmessen und dann entsprechend mit Taschenrechner die Verzögerungszeit ausrechnen...

Grüße
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Re: Wo steht das Hauptmikrofon?

Beitragvon alex » 29.06.2018, 14:07

RainerG hat geschrieben:Genauso wenn man mit verzögerten Stützmikrofonen arbeitet. … Es soll welche geben die das mit Maßband ausmessen und dann entsprechend mit Taschenrechner die Verzögerungszeit ausrechnen...


Simpler, schneller und noch präziser (wenn man es denn braucht) geht’s bei Mehrspuraufnahmen mit der Aufzeichnung eines möglichst impulshaften Geräusches am Ort gestützten Instruments: Schlüsselklirren, zur Not auch Händeklatschen (1mal reicht), was gerade da ist. Habe ich jahrelang so gehandhabt und funktioniert ungefähr so flott wie das gelegentlich zu beobachtende "Anrauschen", um Stützen zu identifizieren.

In der DAW lassen sich vor dem Downmix die jeweils ersten Flanken dieser Geräusche in Haupt- und Stützmikrofonen samplegenau übereinander schieben.

Verzögerte Stützen verwende ich seit einiger Zeit nur noch selten.

Grüße, alex
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Re: Wo steht das Hauptmikrofon?

Beitragvon janosch » 29.06.2018, 14:51

RainerG hat geschrieben:Die Theorie ist ja alles ganz schön, gut und richtig. Aber... wer mißt denn schon mit Zollstock oder gar mit Laser-Meßgerät die Distanzen aus?
Ich mache das ausschließlich nach Gefühl und nach Gehör und das klappt auch.
Hilfsmittel wie die o.g. - das kenne ich nur von ausgesprochenen Anfängern und Dilettanten.

Ich denke, dieser Thread richtet sich nicht an „alte Hasen“. Darauf weist auch dieses Zitat hin:
sleepytomcat hat geschrieben:(zur Erinnerung und als Hilfe für diejenigen, die es nicht wissen)

Man muss ja auch an den interessierten Nachwuchs denken.
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Re: Wo steht das Hauptmikrofon?

Beitragvon bockpfeifer » 29.06.2018, 15:01

Jemand wie ich freut sich über solche Informationen :!:

Für Einsteiger kann man gar nicht oft genug wiederholen!
Danke.

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Re: Wo steht das Hauptmikrofon?

Beitragvon Simpel » 29.06.2018, 15:54

Moin.

Für mich stellt sich die Frage eigentlich andersherum: ich halte mir ein Ohr zu und höre mit dem anderen Ohr, wo ich eigentlich mein Mikrofon aufstellen wollte, im Blick auf die Hallbalance zwischen Direkt- und Diffusschall. Damit habe ich den Standort für Druckempfänger gefunden. Sollte ich keine Druckempfänger wollen oder dort nicht platzieren können, dann kann ich mit stärker gerichteten Charakteristiken und dem dazu passenden Abstandsfaktor weiter weg gehen. Ist dieser neue Ort machbar, dann habe ich einen vorgegebenen Aufnahmewinkel. Daraus ergibt sich dann der genaue Aufbau meines Wunschsystems. Wie der auszusehen hat kann ich mit Hilfe der Visualisierung bei EBS rauskriegen.

Ich nutze dafür allerdings die iOS-App „Mic Tools“ die knapp 2,50€ kostet und noch ein paar nützliche Feature bietet. Mit der „Bombsight“ kann ich mit Hilfe der Kamera von oben auf mein Stereo-System gucken und den eingezeichneten Winkel vergleichen. Außerdem gibt es eine optische Hilfe, um den Aufnahmewinkel auszumessen. Das wird mit Hilfe der Kamera und dem eingebauten Kompass gemacht und ist für mein Bedürfnisse genau genug.

Selbstverständlich gibt es noch viele andere Einflüsse die meinen Standort bestimmen können. Wie immer können am Ende nur die Ohren am Lautsprecher oder Kopfhörer helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.
Gruß, Conrad

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Re: Wo steht das Hauptmikrofon?

Beitragvon sleepytomcat » 30.06.2018, 11:30

RainerG hat geschrieben:

Ich mache das ausschließlich nach Gefühl und nach Gehör und das klappt auch.
Hilfsmittel wie die o.g. - das kenne ich nur von ausgesprochenen Anfängern und Dilettanten. Das ist genauso als wolle man ein Klavier mit Tongenerator und digitalem Frequenzmesser stimmen.


Sich Hilfsmitteln zu bedienen ist wohl kaum das Merkmal von Anfängern und Dilettanten. Ich schrieb, dass man seine Berechnungen nach Gehör überprüfen und ggf. korrigieren sollte. Alles nach "Gefühl" zu richten bringt nicht unbedingt Richtiges. Wäre dem so, würde ein Handwerksmeister seinen Zollstock wegschmeißen und den Abbund für den Dachstuhl nach Gefühl und Augenmaß vornehmen.

Auch ein absolutes Gehör wie RainerG es wahrscheinlich hat, reicht nicht aus, ein Klavier vollständig richtig zu stimmen.

Wie so oft im Leben ist es der Mix, der das Ergebnis bringt. Wenn ich mit dem Distanzer grob die Verhältnisse für eine Hauptmikrofonaufstellung ermittle, hat noch niemand gelästert und mich für einen Dilettanten gehalten, eher im Gegenteil.
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Re: Wo steht das Hauptmikrofon?

Beitragvon RainerG » 30.06.2018, 11:53

sleepytomcat hat geschrieben:Sich Hilfsmitteln zu bedienen ist wohl kaum das Merkmal von Anfängern und Dilettanten. Ich schrieb, dass man seine Berechnungen nach Gehör überprüfen und ggf. korrigieren sollte. Alles nach "Gefühl" zu richten bringt nicht unbedingt Richtiges. Wäre dem so, würde ein Handwerksmeister seinen Zollstock wegschmeißen und den Abbund für den Dachstuhl nach Gefühl und Augenmaß vornehmen.


Na, seinen Zollstock wegwerfen wäre auch fatal. Ich meinte nur, daß es keinen Sinn macht und auch zuviel Zeit kostet wenn man jedes mal erst lange berechnen soll. Und für einen Studierenden ist es durchaus auch legitim die Berechnungsgrundlagen zu kennen. Nicht umsonst habe ich unsere Studenten in den Klausuren mit solchen Berechnungen "gepiesackt". Aber:
Ich kenne keinen Tonmenschen vom Rundfunk der das macht. Die kommen, stellen ihre Mikrofone auf und machen Aufnahmeproben. Und gelegentlich sieht man man einen Kollegen mit Mikrofonkorrekturen. Das ist die Praxis

sleepytomcat hat geschrieben:Auch ein absolutes Gehör wie RainerG es wahrscheinlich hat, reicht nicht aus, ein Klavier vollständig richtig zu stimmen.

Ein absolutes Gehör habe ich nicht. Aber ich benutze kein Stimmgerät (außer einer a-Stimmgabel) wenn ich mein Klavier stimme. Ich stimme die eingestrichene Oktave im Quarten-Quintenzyclus bis die Schwebungen gleich sind (gleichstufig temperiert - sieh "Stimm"-Thread) und dann oktavweise die übrigen Töne. Nebenbei: Ich stimme hier mehr nach dem Schema wie es die Orgelbauer machen (Prinzip: Quinte aufwärts - Quarte abwärts immer etwas enger stimmen), denn von denen habe ich das gelernt, nicht wie es die Klavierstimmer machen. Die gehen anders vor.
Aber mal davon abgesehen: Hole 10 Klavierstimmer und Du wirst 10 verschiedene Stimmungen vorfinden.

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Re: Wo steht das Hauptmikrofon?

Beitragvon janosch » 01.07.2018, 01:03

RainerG hat geschrieben:Ich meinte nur, daß es keinen Sinn macht und auch zuviel Zeit kostet wenn man jedes mal erst lange berechnen soll. Und für einen Studierenden ist es durchaus auch legitim die Berechnungsgrundlagen zu kennen. Nicht umsonst habe ich unsere Studenten in den Klausuren mit solchen Berechnungen "gepiesackt". Aber:
Ich kenne keinen Tonmenschen vom Rundfunk der das macht. Die kommen, stellen ihre Mikrofone auf und machen Aufnahmeproben. Und gelegentlich sieht man man einen Kollegen mit Mikrofonkorrekturen. Das ist die Praxis

Solche Tonmenschen kenne ich auch. Es ist äußerst bedauerlich. Denn das Ergebnis solchen Tuns ist nur allzu oft nicht gut und erst recht weit weg von optimal.

Ein Negativ-Beispiel vom vorvergangenen Jahr: Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) hätte gern eine eigene Aufzeichnung (Bild und Ton) eines „Weihnachtskonzerts“ und wählt dafür das für meinen Chor reguläre Adventskonzert aus, das dafür natürlich etwas „aufgepeppt“ werden muss. Der große Bild-und-Tonregie-Truck (technisch sehr beeindruckend – ich habe den Kollegen dort einen Besuch abgestattet) mit allen Technikern reist Tage vor dem Konzert an, um aufzubauen und Proben zu machen. Aufzunehmen sind Chor, Orchester, zwei Gesangssolisten und Orgel. Für die Optik werden blaue Strahler unter den Domfenstern installiert und natürlich viele fahrbare Kameras im Inneren. Die Tonabteilung zieht hunderte Meter Mikrofonkabel außen am Dom hoch und durch Deckenöffnungen im gotischen Gewölbe wieder herunter, um dann am Ende vor der Orgel eine „Beamtenklammer“ anzubringen und vor Chor und Orchester ein nettes kleines Decca-Dreieck (ich nenne es „Beamten-Tree“, wahrscheinlich ebenfalls von Schoeps). Selbstverständlich auch zwei hübsche Colettes vor den Solisten, aber kein wirkliches Hauptsystem.

Wie das Ergebnis aussieht und sich anhört, kann man sich zurzeit leider nicht online ansehen, aber möglicher Weise wieder in der kommenden Adventszeit im rbb. Muss man aber nicht. Denn es ist akustisch äußerst bescheiden, klingt fast monofon und wird der Akustik dieses Konzertes nicht mal annähernd gerecht. (Fast) jeder Amateur, der die Grundlagen kennt und verstanden hat, hätte es besser hingekriegt.

Ich habe mich sehr geärgert, dass ich nicht selbst meine Mikrofone aufstellen durfte, denn die Darbietungen wären eine ordentliche Aufnahme wert gewesen.

Deshalb finde ich es gut und sinnvoll, gelegentlich auf die Grundlagen aufmerksam zu machen. Nicht nur für angehende Tonleute. Erfahrung kommt durch Wissen, Anwendung dieses Wissens und daraus die entsprechenden Schlüsse zu ziehen.
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Re: Wo steht das Hauptmikrofon?

Beitragvon sleepytomcat » 01.07.2018, 16:37

… da habe ich wohl etwas losgetreten…

Es war keinesafalls meine Absicht eine Diskussion über “Praxis” anzuzetteln, sondern über Grundlagen und ihre Beziehungen zueinander zu berichten und zu erinnern.

Der erfahrene Praktiker, egal auf welchem Spielfeld, benötigt weniger Hilsmittel und “Stützen” für die Vorbereitung seiner Aufgabe, als der Neuling. Das ist grundfsätzlich klar.

Wer Hilfen einsetzt, ist nicht grundsätzlich ein Unbedarfter oder gar ein “Dilettant”, sondern eher jemand, der seine Arbeitsweise an den obkjektiven Grundlagen überptüft.

Es besteht durchaus der Verdacht von Arroganz, wenn man seine “Erfahrungen” als seligmachende Verfahrensweise offeriert und und grundlagenbasiertes Vorgehen als Dilettantismus bezeichnet.

Im akademischen Lehr- und Lernbetrieb abgefordertes Wissen wird ad absurdum geführt, wenn es heißt: “Ich fordere es von Euch, auch wenn es für die Praxis vollkommen irrelevant ist”.

Ich habe in meiner Praxis genügend Fälle erlebt, wo sich ein “Verantwortlicher” auf seine “jahrelangen Erfahrungen” berief und und bei Hinterfragung seiner Vorgehensweise keine Antwort lieferte.

Ein schönes Beispiel ist für mich immer noch ein Tonmensch, der die Mikros einer Aquivalenz-Anordnung grundsätzlich aud die Grenzen des Klangköpers ausrichtete (unabhängig vom Aufstellort), weil “nur so der Klangkörper richtig abgebildet werden kann”. Williams-Kurven und vergleichbare empirische und anerkannte Werte wurden dann als “praxisferner Ballast” abqualifiziert. Natürlich waren für ihn die Lehrbriefe und Ausführungen von ebs ebenso “theoretischer Unfug”.
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Re: Wo steht das Hauptmikrofon?

Beitragvon RainerG » 01.07.2018, 19:24

janosch hat geschrieben:"Deshalb finde ich es gut und sinnvoll, gelegentlich auf die Grundlagen aufmerksam zu machen.
Nicht nur für angehende Tonleute. Erfahrung kommt durch Wissen, Anwendung dieses Wissens und daraus die entsprechenden Schlüsse zu ziehen."


Das ist zwar alles durchaus richtig und auch sinnvoll, die Grundlagen zu kennen. Denn: Wie ich von der Hochschule her weiß, scheitern die meisten "Durchfaller" am Grundlagenwissen - nicht am Fachwissen über ihre Projekt- oder Diplomarbeiten etc.
Und daß sich ein Anfägner an jeden Strohalm klammert ist auch völlig verständlich. Das geht nicht nur unserem neuen Mitglied "Bockpfeifer" so, sondern das ging uns mehr oder weniger allen so. Ich möchte nur - und gerade Anfänger - vor allzu übertriebener Theoretisierung, Theoriegläubigkeit und Theoriehörigkeit warnen. Denn dies kann sonst auch dazu führen, daß man sich vor Fachleuten eher lächerlich macht. Der Laie wird sicher staunen, wenn jemand daher kommt mit modernstem Euqipment und Lasermeßgerät etc. und sich dann den "optimalen" Mikrofonstandort damit festlegt. Der Fachmann grinst eher darüber.
Es geht beim Hauptmikrofon ja nicht nur um den richtigen Aufnahmewinkel - den findet man auch gehörmäßig schnell heraus - sondern auch um den optimalen Standort. Und der läßt sich nicht so einfach aus dem Lehrbuch ableiten.
Hierzu nenne ich mal die Vorgehensweise eines Bekannten (ein Kirchenmusiker den ich hin- wieder mal erwähnte - aber der es nicht weit gebracht hat) und dessen Arroganz und Dilettantismus kaum noch zu überbieten war. Er erklärte mir mal wie er bei Orgelaufnahmen vorgeht:
"Ich stelle zwei Kugeln in A/B-35cm-Anordnung auf den Hallradius und dann ist meine Aufnahme optimal. Denn Hallradius messe ich mir mit einem Laserdistanzmeter ab".
Leute - lächerlicher und dilettantischer geht es nicht! Denn allein schon die Bestimmung des genauen Verlaufes des Hallradiusses vom Instrument aus ist doch gar nicht so einfach auszumachen - erst recht nicht in einer Kirche. Die bekannte Sabine-Gleichung versagt doch hier vollständig, weil sie nur für Räume gilt in denen keinerlei Mobiliar vorhanden ist und wenn, dann muß man dessen genauen Absorbtionsgrad kennen.
Das Lehrbuch dieses Menschen war das bekannte Buch "Musikaufnahmen" von Jürg Jecklin. So wie für einen gläubigen Christen die Bibel und für einen gläubigen Moslem der Koran, war dieses Buch für diesen Menschen die absolute Wahrheit (und natürlich auch die einschlägige Glanzpresse). Trotzdem hat es ihm nichts genutzt, denn er hat (trotz Nagra VI-S und 2 Neumann KM 83 und noch ein paar Highendige Prestigeobjekte) hat er keine einzige Produktion auf die Reihe gebracht.
Die Gefahr, daß man sich bei sturer Anwendung von Schul- und Lehrbuchweisheiten auf den Erfolg verläßt, endet dann - wie in dem gerade genannten Fall - oftmals in einer (falschen) Erwartungshaltung; nach dem bekannten Satz: "Das Ohr hört das was es (gerne) hören will".
Und nochetwas zum den Kollegen vom Rundfunk: Viele Leute - insb. Laien und irgendwelche "Freak" hört man immer wieder sagen: "Was der Rundfunk mach ist doch alles Sch...". Dazu kann ich nur sagen: Man kann von den Kollegen vom Rundfunk viel lernen und sich manches auch "abgucken", vor allem bei Liveaufnahmen. Aber: Auch hier warne ich ausdrücklich davor, stur etwas nachahmen zu wollen ohne die physikalischen und psychoakustichen Sachverhalte zu kennen und für die jeweilige Situation zu prüfen! Nicht alles ist richtig was der Rundfunk macht ist richtig und gut, aber auch nicht alles falsch und schlecht. Hier sollte man durchaus die Theorie durchdenken, die dahinter steht. Wer stur etwas bei Rundfunks nachahmt, kann sich sehr schnell als Dilettant gehörig lächerlich machen. Denn allein die Tatsache, daß die Rundfunkleute ganz andere und viel mehr technische Möglichkeiten haben als der Anfänger bzw. der Laie läßt ein stures Nachahmen nicht zu.

sleepytomcat hat geschrieben:Ein schönes Beispiel ist für mich immer noch ein Tonmensch, der die Mikros einer Aquivalenz-Anordnung grundsätzlich aud die Grenzen des Klangköpers ausrichtete (unabhängig vom Aufstellort), weil “nur so der Klangkörper richtig abgebildet werden kann”.


Wie oft sehe ich das bei Anfängern und Amateuren! Und nicht nur das, sondern daß das Mikrofonpaar dann auch noch "meilenweit" vom Klangkörper entfernt steht. Die Anwinkelung der beiden Mikrofone beträgt dann nur ein paar lächerliche Winkelgrade. Das Ergebnis ist dann entsprechend: Das so gewonnene "Stereo" unterscheidet sich dann kaum noch von einer monauralen Wiedergabe. Und das Schlimme daran: Macht man diese Amateure auf ihren Fehler aufmerksam, dann bekommt man zur Antwort: "Die Aufnahme ist sooooooo stereo, besser geht es gar nicht". Ich frage mich was die denn für Ohren haben...
Was ich in diesem Zusammenhan auch schon gesehen habe: Ein Gastchor der in unserer Kirche auftrat hat eine eigene Aufnahme gemacht, auch die Mikrofone schön auf die Ecken des Chores ausgerichtet und natürlich so ca. 10 m vom Chor entfernt UND darüber hinaus stand der Ständer mit den beiden Mikrofonen nocht nicht mal mittig zum Chor, sondern auf der Seite des Kirchenschiffs...
EBS - schade daß er nicht mehr unter uns ist - hätte da die Hände überm Kopf zusammen geschlagen...


Grüße
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Re: Wo steht das Hauptmikrofon?

Beitragvon alex » 01.07.2018, 22:55

RainerG hat geschrieben:… allein schon die Bestimmung des genauen Verlaufes des Hallradiusses vom Instrument aus ist doch gar nicht so einfach auszumachen …


Zumal es einen Hallradius ohnehin nicht gibt, denn dieser ist (von der Mikrofoncharakteristik abgesehen) sowohl abhängig von der frequenzabhängigen Richtwirkung der Schallquelle(n) als auch von der frequenzabhängigen Nachhallzeit des Aufnahmeraums.

Kurzum: ein weiterer untauglicher Versuch, mit vermeintlichen Patentrezepten individuelles Grundlagenverständnis und/oder analytisches Hören entbehrlich zu machen.

Grüße, alex
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Re: Wo steht das Hauptmikrofon?

Beitragvon sleepytomcat » 02.07.2018, 11:54

Die von mir gezeigte Formel sollte nicht “sklavisch” genau genommen werden. Erstens ist es nicht erforderlich und zweitens ist eine gehörmäßige Anpassung unverzichtbar. Das ändert aber nichts daran, daß ein Hauptmikrofon auf der senkrechten Mittenachse vor dem Klangkörper stehen sollte.

Wenn die Formel mit Einheitswerten gerechnet und gerundet wird, ergeben sich für die gängigen Äquivalenz-Anordnungen wie EBS, NOS, RAI, ORTF Abstände, die 5/10 der Klankörperbreite betragen.
Den gleichen Wert kann man für AB 60/70/120 annehmen.

Für eine XY-Anordnung von 120° beträgt der Wert 1/10 der Klangkörperbreite. Das ist nicht sehr praxisgerecht, sodass hier mindestens 1 m, evt. mehr zu nehmen ist, wenn der Klangkörper weniger als 10 m breit ist.

Will man XY mit AB-Zumischung “auffüttern”, so sollten die AB-Mikrofone etwa 1,5 m hinter dem XY-System stehen und eine Basis von ca. 1,2-1,5 m aufweisen. Eine AB-Zumischung soll sich dem Hauptmikrofon (hier XY) unterordnen (Sengpiel).

Alle Distanzen lassen sich meist gut schätzen, sodass messen entfallen kann.

Dieser Text ist für Einsteiger gedacht.
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Re: Wo steht das Hauptmikrofon?

Beitragvon RainerG » 02.07.2018, 14:20

Eine Empfehlung für alle Anfänger die Hilfsmittel für das HM benötigen:
Es gibt von Michael Dickreiter das "Tonmeister Survival Kit". Wird von der SRT herausgegeben, gibt es aber auch bei der Firma Georg Neumann. Kostet m.W. ca. 25 .- €. Da sind alle Parameter mit einer Scheibe einstellbar.

Hier: https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/M ... jfk4k01ZZL

Grüße
RainerG
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Re: Wo steht das Hauptmikrofon?

Beitragvon tillebolle » 03.07.2018, 18:31

sleepytomcat hat geschrieben:Die von mir gezeigte Formel sollte nicht “sklavisch” genau genommen werden. Erstens ist es nicht erforderlich und zweitens ist eine gehörmäßige Anpassung unverzichtbar. Das ändert aber nichts daran, daß ein Hauptmikrofon auf der senkrechten Mittenachse vor dem Klangkörper stehen sollte.

Dem würde hier wohl niemand widersprechen.

sleepytomcat hat geschrieben:Wenn die Formel mit Einheitswerten gerechnet und gerundet wird, ergeben sich für die gängigen Äquivalenz-Anordnungen wie EBS, NOS, RAI, ORTF Abstände, die 5/10 der Klankörperbreite betragen.
Den gleichen Wert kann man für AB 60/70/120 annehmen.

Hier bin ich mit Simpel einer Meinung, dass das die falsche Vorgehensweise ist. Nicht die Klangkörperbreite bestimmt den Abstand zum Hauptmikrofon, sondern die Raumakustik, das gewünschte Verhältnis von Direkt- und Diffusschall und die Wahl der Mikrofone (und leider oft auch andere Faktoren wie Fluchtwege etc.). Ich bestimme also zuerst den Ort des Hauptmikrofons, und aus dem dort ermittelten Aufnahmewinkel bestimme ich die Mikrofonanordnung.

sleepytomcat hat geschrieben:Für eine XY-Anordnung von 120° beträgt der Wert 1/10 der Klangkörperbreite. Das ist nicht sehr praxisgerecht, sodass hier mindestens 1 m, evt. mehr zu nehmen ist, wenn der Klangkörper weniger als 10 m breit ist.

Eigentlich ist genau aus diesem Grund XY fast immer nicht praxisgerecht, es sei denn, ein Ensemble steht im Halbkreis um das Hauptmikrofon herum.

Simpel hat geschrieben:Ich nutze dafür allerdings die iOS-App „Mic Tools“ die knapp 2,50€ kostet und noch ein paar nützliche Feature bietet.

Yep, sehr praktisch, nutze ich auch. Aber das Tonmeister-Survival-Kit werde ich mir interessehalber auch mal bestellen. Leider liegt es den neueren Dickreiter-Ausgaben nicht mehr bei.

Gruß
tillebolle
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http://www.schönetöne.com


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