Tiefe und hohe Frequenzen einschätzen - "Ear Training"

Grundlagen der Tontechnik, Literatur- und Linktips

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Bertelmann
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Tiefe und hohe Frequenzen einschätzen - "Ear Training"

Beitragvon Bertelmann » 24.03.2014, 23:46

Beispiel (aus der Popularmusik) gefunden:

Mehr Bass, mehr Höhen - aber wo sind sie wirklich.

Schön plakativ erfährt man: Die Bässe liegen höher als man vermutet, die Höhen tiefer, als man denkt. Das macht wirklich Mut, Musik mit Hoch- und Tiefpassfilter zu hören und herauszufinden, welche Informationen tatsächlich verloren gehen, oder erstaunlich lange präsent bleiben.

"Low End":
http://www.youtube.com/watch?v=6xTXEDxfJwA

"High End":

http://www.youtube.com/watch?v=0K133DdB-CQ

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RainerG
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Re: Tiefe und hohe Frequenzen einschätzen - "Ear Training"

Beitragvon RainerG » 25.03.2014, 09:24

Das Gestottere des Sprechers kann man sich ja keine 2 Minuten anhören. Habe dann wieder abgeschaltet.

Grüße
RainerG
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Bertelmann
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Re: Tiefe und hohe Frequenzen einschätzen - "Ear Training"

Beitragvon Bertelmann » 25.03.2014, 10:52

Das Gestottere des Sprechers kann man sich ja keine 2 Minuten anhören.


Rainer, das gehört dazu. In vielen Tutorials wird gestottert (man möchte meinen, absichtlich). Auch schmatzen gehört dazu ... (wird üblicherweise am Satzanfang gemacht, wenn man beginnt etwas zu demonstrieren).

PS: Interessant, wie hoch man 100 Hz empfindet, wenn man sich den reinen Sinuston anhört, und wie tief diese 100 Hz musikalisch sind. Und wie wenig sich musikalisch über 10 kHz tut.

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ebs
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Re: Tiefe und hohe Frequenzen einschätzen - "Ear Training"

Beitragvon ebs » 25.03.2014, 22:52

RainerG hat geschrieben: Das Gestottere des Sprechers kann man sich ja keine 2 Minuten anhören.
Bertelmann hat geschrieben: Das gehört dazu. In vielen Tutorials wird gestottert (man möchte meinen, absichtlich). Auch schmatzen gehört dazu ... (wird üblicherweise am Satzanfang gemacht, wenn man beginnt etwas zu demonstrieren).
So ist es. Wir können von Glück reden, dass dieser Tutor nur den Fehler hat, Sätze in Bruchstücken herausbringen, denn eine Macke hat er nicht, der mich an englischen Vorträgen besonders stark nervt und das ist das Einfügen in mindestens jeden zweiten Satz: "You know", ob es dahin passt oder nicht.
Das soll so einheimelnd intim familiär und fließend klingen, ist es aber nicht, weil es einfach lästig ist, you know.
Das wirkt eher so, als ob der Vortragende ständig "äh" sagen würde, you know.
Total albern finde ich es, wenn selbst Deutsche beim Englischsprechen diese dumme "you-know-Angewohnheit" nachplappern, um flüssiger und englischer zu erscheinen, you know? Ja, auch so etwas gibt es.

Viele Grüße ebs

PS: Im Duden steht:
"äh" dient dazu, bei unkonzentriertem Sprechen kurze Sprechpausen zu überbrücken.
Beispiel:
Das … äh … kann ich im Moment … äh … nicht so genau sagen.

"You know" = An expression placed on the end of a statement for pause or emphasis. This expression is often overused, in which case it is totally meaningless and irritating. Tom: Sure, I spent a fortune on this car. Can't take it with you, you know. Rachel: But there are better things to do with it here and now. Bill: Do you always lock your door? Tom: Usually. There's a lot of theft around here, you know.

"You know" = An interjection, most often used when saying something the listener does not, and often could not reasonably, know.
There are 374 102 hairs on my head, you know.

From: "Urban Dictionary":
"you know"
1. Substitution for something not to be said out loud.
2. Substitution for something that cannot be thought of at the present moment.
3. Question, literally meaning either
i. "Are you still listening?" or
ii. "Do you think you understand?" (informal)
1. - You want me to ... you know ... ?
- What, suck me off?
- Yeah.
2. - So I decided to give her that thing.
- What thing?
- The thing, you know.
3. - She didn't like the thing, so she dumped me. You know?
- Yeah.
ebs - Mikrofonaufnahmetechnik und Tonstudiotechnik
http://www.sengpielaudio.com

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RainerG
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Re: Tiefe und hohe Frequenzen einschätzen - "Ear Training"

Beitragvon RainerG » 26.03.2014, 13:42

ebs hat geschrieben: So ist es. Wir können von Glück reden, dass dieser Tutor nur den Fehler hat, Sätze in Bruchstücken herausbringen, denn eine Macke hat er nicht, der mich an englischen Vorträgen besonders stark nervt und das ist das Einfügen in mindestens jeden zweiten Satz: "You know", ob es dahin passt oder nicht.
Das soll so einheimelnd intim familiär und fließend klingen, ist es aber nicht, weil es einfach lästig ist, you know.
Das wirkt eher so, als ob der Vortragende ständig "äh" sagen würde, you know.
Total albern finde ich es, wenn selbst Deutsche beim Englischsprechen diese dumme "you-know-Angewohnheit" nachplappern, um flüssiger und englischer zu erscheinen, you know? Ja, auch so etwas gibt es.



Aber auch im Deutschen gibt es nervende Gewohnheiten:
Ich habe mal im Fernsehen einen Bericht gesehen über den Adel. Da war ein so'n Blaublütler dabei, der sagte dauernd "nich'?" - "nich'?" (soll soviel wie "nicht?" heißen) . z.B.: "Heute ist doch schönes Wetter - nich'?"
Der ging einem wirklich auf den Wecker!

Eine geradezu widerliche Gewohnheit die ich - besonders bei unseren Studenten - beobachte ist der ständige Gebrauch von Verlegenheistsfloskeln wie "quasi" und "praktisch" oder "im Prinzip" !
Beispiel: "Zwei mal zwei ist praktisch vier", "fünf plus drei ist quasi acht" oder "neun mal neun ist im Prinzip einundachtzig".
Eine Seuche ist das.

Grüße
RainerG
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Re: Tiefe und hohe Frequenzen einschätzen - "Ear Training"

Beitragvon RainerK » 27.03.2014, 07:07

Hallo,

bei einem Seminar schaffte es der vortragende Leiter, die Floskel "im Grunde genommen" von Anfang an auffällig oft unterzubringen.
Nach ca. einer Stunde habe ich eine Strichliste begonnen, die es dann nach etwa 3-4 Stunden auf über 50 Zähler brachte.

Auch wenn ich bei der nachfolgenden Diskussion auf eine weitere Zählung verzichtet habe,
war meine Konzentration auf den Inhalt der Beiträge des Leiters "im Grunde genommen" im Eimer.

Es grüßt RainerK
Der Ton macht die Musik

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Re: Tiefe und hohe Frequenzen einschätzen - "Ear Training"

Beitragvon Holger » 27.03.2014, 10:18

Hi Kollegen,

was mir bei den Äußerungen der Vorredner meines Erachtens auffält:

Bei der Auswahl der betreffenden Referenten wird oft nach der Fachkompetenz des betreffenden geschaut, dabei aber außer aucht gelassen, dass es neben der reinen Fachkompetenz auch die Kompetenz des Herüberbrigen an die Zuhörer bedarf.

Die Pädagogischen Aspekte werde gerne außer acht gelassen und sind bei technischen Fachleuten auch oftmals vom Schöpfer nicht sonderlich stark mitgegeben. Gerade hier wäre dann für die betreffenden Referenten eine pädagogische Aus-, bzw. Fortbildung angebracht. Dieses wird aus Kosten-Sparwut-Gründen leider oft nicht gemacht.

Eine junge Absolventin einer renomierten Theatertänzer-Akadie erzählte mir folgendes: Eine gute Tänzerin ist das eine, was noch lange nicht bedeutet, dass man es auch passabel unterrichten kann. Das Pädagogische ist noch eine ganz andere Nummer. Die betreffende Tänzerin hat an der Akademie im Anschluss noch den Tanzpädagogen angehängt.

Viele Grüße

Holger

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Re: Tiefe und hohe Frequenzen einschätzen - "Ear Training"

Beitragvon juppy » 01.04.2014, 00:51

Auf den Punkt gebracht:

Für jeder, der einen Vortrag vor Publikum halten muß, ist Stimm- und Sprechunterricht unabdingbar.
Ansonsten verkommt dieser sehr schnell zu einer Unzumutbarkeit.

Das gilt für Lehrer in der Schule, Dozenten in Universitäten, Machern von Tutorials, Verkäufer im
Kundengespräch, Pastoren vor der Gemeinde, aber auch für Autoren, die aus ihren Büchern vorlesen.
Letztere dürften schon manchen Beschallungstechniker zur Verzweiflung gebracht haben.

Wer "sprechen kann", weil er die richtige Stimmtechnik hat, wird automatisch auf viele - ähmm ... -
Lückenfüller verzichten.

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Re: Tiefe und hohe Frequenzen einschätzen - "Ear Training"

Beitragvon aseptisch » 11.09.2014, 17:14

Ich halte es damit so: Nicht jeder kann alles können. Manche Leute haben einzigartige Fähigkeiten, für die aber gutes Sprechen nicht nötig ist. Wenn mich der Inhalt interessiert, sehe ich von der Form ab und filtere mir das Interessante heraus. Wenn schon der Inhalt nicht interessant ist, kann man ja weghören. :-)

Ich glaube, ich hörte vor einigen Jahren ein längeres Interview mit einem bekannten Dirigenten (sein Bruder ist ein bekannter Politiker), und er sagte auch ständig "nicht?" Wohl kaum jemand hier würde wagen, ihm das als Unfähigkeit vorzuwerfen. Das Interview war extrem interessant, was man sich bei der Musiker- und Komponistenfamilie ja vorstellen kann.

An Schule und Uni habe ich aber auch einige Nieten erlebt. In der Lehre sollte das möglichst nicht vorkommen.

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RainerG
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Re: Tiefe und hohe Frequenzen einschätzen - "Ear Training"

Beitragvon RainerG » 11.09.2014, 18:47

juppy hat geschrieben:....
Wer "sprechen kann", weil er die richtige Stimmtechnik hat, wird automatisch auf viele - ähmm ... -
Lückenfüller verzichten.



Eine genauso geartete Unart ist - habe ich bei unseren Dozenten der Hochschule oft beobachtet in der VL - der dauernde Gebrauch von "....geschieht folgendermaßen..." ... "..jetzt machen wir folgendes..."
Was soll das? Man sieht doch was geschieht!
Noch eine widerliche Unart ist die Verwendung von Doppelverneinungen: " nicht unerheblich", "nicht unbeträchtlich" und ähnlicher Unfug.
Das macht mich geradezu rasend! Ich frage diese Leute dann immer ob sie denn auch in den Metzgerladen gehen und sagen: "Ich möchte 'minus minus 100 Gramm' Wurst" - der Verkäufer/-in würde mich garantiert für bekloppt halten!
Ebenso rasend könnte ich werden wenn ich bei Geschwindigkeitsangaben immer höre "ka-em-ha" anstatt - wenn schon abgekürzt - "ka-em-pe-ha" (kmph - Kilometer per Stunde) und nicht "Kilometer mal Stunde". Bei unseren Studenten habe ich da - wenn sie sowas in einer Klausur schrieben (also physikalisch falsche Einheit) - gnadenlos Punkte abgezogen.


Grüße
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Re: Tiefe und hohe Frequenzen einschätzen - "Ear Training"

Beitragvon Tomte » 12.09.2014, 11:47

Tja, und wiederum andere haben die Unart, sich über Unarten zu ärgern.... ;-)

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Re: Tiefe und hohe Frequenzen einschätzen - "Ear Training"

Beitragvon tillebolle » 13.09.2014, 13:14

RainerG hat geschrieben:Noch eine widerliche Unart ist die Verwendung von Doppelverneinungen: " nicht unerheblich", "nicht unbeträchtlich" und ähnlicher Unfug.
Das macht mich geradezu rasend! Ich frage diese Leute dann immer ob sie denn auch in den Metzgerladen gehen und sagen: "Ich möchte 'minus minus 100 Gramm' Wurst" - der Verkäufer/-in würde mich garantiert für bekloppt halten!

Dem möchte ich nicht unentschieden widersprechen ;-)
Die deutsche Sprache ist zwar sehr logisch im Vergleich zu anderen Sprachen. Im Englischen funktioniert die doppelte Verneinung ja gar nicht, vermutlich hat Herr Jagger mit "I can't get no satisfaction" nicht gemeint, dass er keine Befriedigung nicht bekommen kann. Aber soo logisch ist sie auch wieder nicht. Es besteht zwischen "nicht unerheblich" und "erheblich" durchaus ein subtiler Unterschied.

Also kein Grund zur Aufregung, finde ich.

Viele Grüße
tillebolle
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Re: Tiefe und hohe Frequenzen einschätzen - "Ear Training"

Beitragvon Wolfus » 23.09.2014, 16:07

Das sehe ich auch so.

Ein Beispiel: Um auf einen offensichtlichen und übersehenen Zusammenhang hinzuweisen fand ich in einem Fall die Formulierung

" ... und das kann man nicht vollständig getrennt von ... betrachten"

schon recht deutlich - mit intendiertem ironischen Unterton.

Wie so oft gilt hier die universelle Wahrheit: Es kommt darauf an! (was man genau bezweckt). Als allgemeines Stilmittel ist die doppelte Verneinung sicherlich Unsinn.
'Though nothing shows, someone knows. I wish that one was me. (Procol Harum, Quite Rightly So)

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Re: Tiefe und hohe Frequenzen einschätzen - "Ear Training"

Beitragvon sleepytomcat » 08.10.2014, 10:49

Da hat sich der Ursprungs-threat wieder einmal in eine andere Richtung entwickelt, oft ganz spannend…

Rede-Unart der besonderen Art:

"Da ist man sehr betroffen." "Das kann man so nicht machen/sehen." "Da kann man anderer Meinung sein.", etc.

Wer ist "man"????
Mag der Sprecher keine eigene Position beziehen oder verallgemeinert er einen Standpunkt/Ansicht/Meinung ungefragt auf andere?

Auch immer wieder grausam:
Der unvollständige Koditionalsatz: "Das würde ich ganz anders machen.", "Würden sie vielleicht einmal…", etc.
Der Kater

Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt.
— Albert Einstein —
Elektrische Geräte kennen 3 Zustände:
eingeschaltet, ausgeschaltet, kaputt
— Wau Holland —


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