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Mikrofonierungsfrage: Brahms-Requiem

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tillebolle
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Mikrofonierungsfrage: Brahms-Requiem

Beitragvon tillebolle » 03.06.2015, 23:26

Im Herbst steht das Brahms-Requiem auf dem Aufnahmeplan, in der Version für 2 Klaviere und Pauken. Die beiden Flügel (2x Steinway D) werden dabei vermutlich Beuge an Beuge nebeneinander vor dem Chor stehen, natürlich ohne Deckel. Damit stellt sich für mich die Frage, wie ich so in den Stützen eine angemessene Trennung zwischen Chor und Klavier bekommen kann.

Mein erster Ansatz wäre, die beiden Flügel als ein Instrument zu betrachten und mittig zwischen den Flügeln in 1,5-2m Höhe ein AB mit kleiner Basis (20-30cm) aus nach unten gerichteten Achten zu positionieren, die AB-Achse dabei quer zu den Tastaturen und damit parallel zum Chor. Den Chor würde ich dann mit Nieren oder breiten Nieren stützen.

Was haltet Ihr davon?

Viele Grüße
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Re: Mikrofonierungsfrage: Brahms-Requiem

Beitragvon alex » 04.06.2015, 10:26

Eine Überraschung mit zwei Flügeln ohne Deckel unmittelbar vor dem Chor hatte ich vor ein paar Jahren bei einem Mitschnitt von "Carmina burana".

Um bei den beengten Verhältnissen und dem etwas zu halligen Aufführungsraum die Flügel noch angemessen "packen" zu können, hatte ich zwei oder drei Grenzflächen unter sie gelegt. Viel Sorgfalt und ein wenig Filterung waren nötig, um den Flügelklang nicht als "von unten gestützt" wirken zu lassen. Doch die akustische Trennung zum übrigen Getöse war wirklich erstaunlich: Man vermutet nicht, wie laut es unter den Instrumenten ist und wie wenig man deswegen in den Stützen vom direkt dahinter aufgebauten 100köpfigen Chor hört.

Noch überraschender allerdings war, dass die Flügel - wohl aufgrund der verstärkten Abstrahung ihrer Obertonanteile senkrecht aufwärts - in allen Chorstützen viel zu laut zu hören waren! Nur mit viel Aufwand (und etwas nachträglicher Trickserei) war dies zu beheben bzw. genügend abzumildern.

Grüße, alex
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RainerG
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Re: Mikrofonierungsfrage: Brahms-Requiem

Beitragvon RainerG » 04.06.2015, 12:53

Hallo Kollege,

die Idee mit den nach unten gerichteten Achten - und folglich zeigt die Nullebene zum Chor hin - liegt sehr nahe. Ich habe mit diesem "Prinzip" auch schon gute Erfahrungen gemacht. Aber das Hauptproblem wird sein - wie Alex schon schreibt - die Klaviere aus den Chorstützen heraus zu halten. Da wird es bestimmt mit Breitnieren Probleme geben Vielleicht klappt es da mit Supernieren am besten. Hier kommt es sehr auf die Aufstellung und den Abstand des Chores zu den Klavieren an.Vorschlag - wenn vorhanden - : Neumann U89 auf Superniere. Bei diesem Mikrofon kann man dann schön probieren.


Grüße
RainerG
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Re: Mikrofonierungsfrage: Brahms-Requiem

Beitragvon tillebolle » 05.06.2015, 10:44

Bei Supernieren hätte ich Sorgen, dass dann einzelne Stimmen im Chor zu stark hervorgehoben werden. Ein Multipattern-Mikrofon wäre zum Probieren natürlich praktisch, ich besitze aber keins, und schon gar nicht in ausreichender Stückzahl.

Vielleicht wären Achten schräg von oben eine Alternative, so dass die Klaviere wiederum in der Nullebene liegen.

Viele Grüße
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Re: Mikrofonierungsfrage: Brahms-Requiem

Beitragvon alex » 05.06.2015, 12:14

tillebolle hat geschrieben:Vielleicht wären Achten schräg von oben eine Alternative, so dass die Klaviere wiederum in der Nullebene liegen.


So könnte es auch gehen.

Es bleibt halt eine Abwägung, die einerseits bestimmt wird von den raumakustischen Verhältnissen (vor allem von Dauer und Klangfärbung des Nachhalls), sondern auch von der Choraufstellung zu den beiden Instrumenten, und nicht zuletzt von der akustischen Balance der Vortragsweise.

Grundsätzlich gilt: Je höher ich Chorstützen stelle, um so mehr muss ich sie nach schräg unten neigen, wodurch die Klaviere wieder in den Fokus der Chorstützen rücken.

Baue ich sie niedriger auf, kann ich sie zwar mehr oder weniger horizontal ausrichten, doch können dann die Klaviere durch ihre kürzere Entfernung zu den Chorstützen dominant werden.

Ob Niere, Hyperniere oder Acht, das Problem der mangelnden akustischen Trennung bleibt bestehen und ließe sich - vorausgesetzt dass die Aufführung nicht in sich selbst akustisch bereits ausgewogen herüberkommt - mit "klassischen" Mitteln eigentlich nur durch eine größere Entfernung zwischen Chor und Klavieren oder durch eine genügende Bedämpfung letzterer beseitigen. Beides stößt meist an eng gesteckte Grenzen (Hörbarkeit der Ausführenden untereinander).

Für solche Fälle wären KEMs im Grunde ideal - wenn sie nicht geradezu unbezahlbar wären ...

Grüße, alex
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Re: Mikrofonierungsfrage: Brahms-Requiem

Beitragvon RainerG » 05.06.2015, 12:26

Vielleicht noch ein kleiner Tip bei Verwendung von Achten: Immer gut dämpfen gegen Trittschall (Spinne benutzen). Denn: Je mehr ein Mikrofon zum reinen Gradientenempfänger wird, desto trittschallempfindlicher ist es.


Grüße
RainerG
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Re: Mikrofonierungsfrage: Brahms-Requiem

Beitragvon alex » 05.06.2015, 12:33

RainerG hat geschrieben:Je mehr ein Mikrofon zum reinen Gradientenempfänger wird, desto trittschallempfindlicher ist es.


Und wenn eine "Acht" wegen ihres abfallenden Tiefenfrequenzgangs womöglich zu dünn klingt und man deswegen geneigt ist, den Tiefenregler ein wenig mehr aufzudrehen, macht sich deren Körperschallempfindlichkeit um so stärker bemerkbar. Hier ist die Spinne die einzige Rettung.

Grüße, alex
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Re: Mikrofonierungsfrage: Brahms-Requiem

Beitragvon tillebolle » 07.06.2015, 23:12

RainerG hat geschrieben:Je mehr ein Mikrofon zum reinen Gradientenempfänger wird, desto trittschallempfindlicher ist es.

Danke für die Warnung!

Gehe ich recht in der Annahme, dass die Trittschallempfindlichkeit vor allem für "echte" Achten gilt, also weniger für Doppelmembran-Achten?
Mal sehen, vielleicht kaufe ich mir ja doch mal zwei C414 oder ähnliches.

Viele Grüße
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Re: Mikrofonierungsfrage: Brahms-Requiem

Beitragvon Wolfus » 08.06.2015, 16:31

Nein, das ist davon reichlich unabhängig. Auch eine errechnete Acht entsteht aus den sehr realen Acht-Anteilen der verwendeten Kapseln. Und die sind immer körperschallempfindlich durch die niedrige Abstimmung. Der Effekt ist allerdings schwächer, wenn man Mikrophone mit hoher unterer Grenzferquenz einsetzt, wie manche Overhead-Spezialisten oder Gesangsmikrophone. Das hat aber wieder negative Auswirkungen auf den Klang.
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