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mikrofon für klangschalen und clavichord

Tipps, Tricks und "Kochrezepte" für den guten Ton

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RainerG
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Re: mikrofon für klangschalen und clavichord

Beitragvon RainerG » 21.01.2018, 23:13

Hallo Kollege,

udr hat geschrieben:Danke für die Formeln.
ich bin mir unsicher, ob ich die Idee dahinter verstanden habe.

Wird eigentlich nur ein Kanal um pi/2 verzögert ?


Nein, Du hast es noch nicht richtig verstanden: Bei Kanäle werden verzögert! Die Verzögerung ist proportional zur Frequenz. D.h. Die Phase dreht ständig. Aber: Die beiden Allpaßketten haben unterschiedliche Zeitkonstanten und diese sind so berechnet, daß die Phasendifferenz der beiden Kanäle zueinander immer 90°, also pi/2 beträgt.

L: Ua = Ue x [cos (a) x cos (omega x t + phi)]
R: Ua = Ue x [sin (a) x sin (omega x t + phi)]
Wobei mit "a" der Schalleinfallwinkel in das Mikrofon gemeint ist. Und da die beiden Systeme mechanisch um 90° gedreht sind, ist die Winkelfunktion der Richtcharakteristik im L Kanal eine Cosinus- und im R Kanal eine Sinusfunktion.
Die Zeitfunktion der von beiden Mikrofonen empfangenen Singalen ist zunächst eine Cos-Funktion. Das "phi" in den Gleichungen besagt nämlich das was ich oben schrieb, daß die Phase frequenzabhängig ständig dreht. Da das 90°-Filter nun das "phi" im R-Kanal zusätzlich um eine viertel Periode dreht enststeht eine ständige freuqenzunabhängige Phasendifferenz beider Kanäle zueinander um 90°.

udr hat geschrieben:Und die Summe nach der trigonometrischen Rumrechnerei wäre dann
Monosumme: Ua = Ue * cos(om*t - a)

Genau das ist das Signal was nach der Monosummierung entsteht. Das bedeutet, daß die absolute Phasenlage des Ausgangssignals gegenüber den Mikrofonsignalen abhängig ist vom Schalleinfallwinkel. Die Amplitudenfunktion die durch die Richtcharakteristik entsteht ist nun nicht mehr vorhanden. Das Mikrofon hat dadurch eine in der Ebene resultierende Charakteristik eines Kreises, dagegen in der Senkrechten behält es die Acht bei, weil ja beide Signale in der Senkrechten in gleicher Weise durch die Achtcharakteristik beeinflußt werden - in der Ebene dagegen nicht, dort gelten die obigen Gleichungen.

udr hat geschrieben:So eine "Toroid-Mikrofonanordnung" würde ich gerne mal ausprobieren.
Hat das schon mal jemand im Einsatz gehabt ?
Haben die winkelabhängigen Phasenlagen in der Praxis eigentlich keine Auswirkung ?


Ausprobiert habe ich das schon mal mit dem SM 69 - das klappte auch. Nur praktisch anwenden mußte ich diese Konfiguration noch nicht, dagegen das 90° für bestimmte Zwecke schon.
Gehörmäßig haben die winkelabhängigen Phasenlagen keine Auswirkung, weil das menschliche Ohr keine Rezeptoren hat, die die Phasenlage der Teiltöne erkennt.

Grüße
RainerG
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Re: mikrofon für klangschalen und clavichord

Beitragvon mikroton » 29.03.2018, 23:25

liebes forum,

da bin ich wieder. leider ist der aufnahmetermin in der kirche (klangschalen) nicht zustande gekommen, aber vielleicht klappt das später noch einmal.

in sachen clavichord war ich aber nicht untätig. ich habe alex’ anregung aufgenommen und das mikrofon vor das instrument gestellt, vielleicht 30 cm vor der vorderkante, es schaut also nicht auf die saiten, sondern auf den schräg gestellten deckel.

dann: heizung abgestellt (wasserrauschen), weste ausgezogen (raschelt), wollpullover angezogen, kühlschrank ausgeschaltet und aufgenommen. nachts im mehrfamilienhaus. ich glaube, es ist so weit gelungen, die aufnahme ist von technischen nebengeräuschen ziemlich frei, alle sind selbst gemacht: atmen, kleidung ... :-)

hier ein hörbeispiel:
fall mikroton.wav


ich weiß nicht, ob solche links hier erlaubt sind, wenn nicht, kann ein admin sie natürlich entfernen. ich habe das stück »fall« genannt und es ist teil eines kleinen projektes, in dem ich meditationsmusik (im weitesten sinne des wortes) machen möchte. wer interesse hat, kann das stück dort in voller länge kostenlos anhören oder downloaden.

einkreis.bandcamp.com
einkreis-music.jimdo.com

vielen dank noch einmal für eure hilfe! ohne euch hätte es nicht geklappt!

liebe grüße

mikroton
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Tomte
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Re: mikrofon für klangschalen und clavichord

Beitragvon Tomte » 02.04.2018, 13:23

mikroton hat geschrieben:...
ich habe das stück »fall« genannt und es ist teil eines kleinen projektes, in dem ich meditationsmusik (im weitesten sinne des wortes) machen möchte. ...

Mich interessiert dabei: Für was für eine Art von Meditation soll das sein? Hast Du Meditationserfahrung oder bist mit praktizierenden Menschen diesbezüglich in Kontakt? Für eine ruhige Meditation, um wirklich den Verstand beseite zu lassen, ist für mich diese Musik aus zwei Gründen weniger geeignet: Es gibt ein Metrum, das durchgehalten wird (es bringt mich dazu, auf die nächsten Töne zu warten). Es bewegt sich in Harmonien von Spannung und Entspannung, die mich auch ins Warten bringen (zu viele Septakkorde). Das beschäftigt mich zu sehr beim Anhören.

Eine hohe Messlatte für einen Vergleich, aber hoffentlich eine Inspiration: Tony Scott - Music For Zen Meditation. Nach wie vor "Referenz" in dieser Richtung von Musik, finde ich - und übrigens auch tontechnisch von hoher Qualität (1964!). Heute weniger modern das so deutliche Verteilen im Panorama.

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Re: mikrofon für klangschalen und clavichord

Beitragvon mikroton » 05.04.2018, 22:55

hallo tomte,

vielen dank für deine gedankenreiche rückmeldung!

ja, ich habe meditationserfahrung, würde mich auf diesem gebiet aber noch als anfänger bezeichnen.

dein hinweis auf tony scott ist sehr interessant, den kannte ich noch nicht.

und wie unterschiedlich die menschen doch sind: seine musik gefällt mir weniger zum meditieren :-)

deine beschreibung meiner musik ist natürlich richtig, aber meine wahrnehmung ist eine ganz gegensätzliche :-)

gerade weil meine musik so vorhersehbar ist, richte ich meine aufmerksamkeit nicht darauf. es gibt ein einfaches durchlaufendes metrum. die melodie ist so einfach, dass man sie fast nicht als melodie bezeichnen kann. die einzige und sich ständig wiederholende harmonische fortschreitung, der quintfall, ist vorhersehbar, er erfüllt die hör-erwartung, ist in keiner weise originell. jeder hörer durchschaut das modell sofort, man weiß genau, welcher ton als nächster erklingen wird und genau der erklingt dann auch. es gibt keine überraschungen, es kommt nie etwas neues. nichts zieht meine aufmerksamkeit auf sich.

bei tony scott dagegen ist jeder moment neu. ich weiß nicht, was geschehen wird. aber es klingt ja schön und ich bin gespannt, was nun erklingen wird. also höre ich hin. die musik zieht meine aufmerksamkeit auf sich.

nicht, dass du mich missverstehst: es geht mir nicht darum, mich zu rechtfertigen. es geht ja auch gar nicht darum, wer recht hat. es ist nur so interessant: die musik, die für dich für die situation passend ist, ist es für mich genau nicht. wie unterschiedlich die menschen doch sind! :-)

nun firmiert die musik bei mir ja unter der überschrift »music for meditation, relaxation, spa«. das ist natürlich ein breiteres anwendungsfeld als die reine meditation. was meinst du, ist in deiner wahrnehmung meine musik als klangtapete, als musikalischer raumduft in der sauna passend, oder für dich auch eher störend?

liebe grüße

mikroton

LoboMixx
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Re: mikrofon für klangschalen und clavichord

Beitragvon LoboMixx » 09.04.2018, 11:09

Ich denke auch, dass es sehr subjektiv ist, was Menschen für sich selber als meditativ empfinden oder nicht, solange gewisse Grundkriterien wie etwa ein ruhiges Metrum erfüllt sind usw.

Was mir bei der Aufnahme jedoch auffiel, ist, dass sie (bzw. die WAV-Datei) sehr hoch ausgesteuert ist. Zudem wirkt das Clavichord durch die sehr nahe Abnahme verblüffend perkussiv und kaum so intim, wie man es erwarten würde (ich besitze selber ein Clavichord und kenne diese Instrumente daher ganz gut). Tatsächlich muss man das Clavichord ja als eine Art Percussionsinstrument betrachten aufgrund der Tatsache, dass die Tangente die Saiten ganz real "anschlägt". Aus einer gewissen Entfernung gehört, verliert sich dieser perkussive Klanganteil aber, so dass das Clavichord so leise und intim klingt, wie man es kennt.
Durch die extrem nahe Aufnahme (und zusätzlich die hohe Aussteuerung - ich musste meine Abhörmonitore erheblich leiser einstellen um nicht "umgehauen" zu werden) wirkt auf mich aber dieser perkussive Anteil wie durch eine Lupe vergrößert.
Da dem Gesamtklang nun dieser perkussive Anschlag übermäßig aufgeprägt wurde, verliert sich dieser kräftige und wenig intime Charakter aber auch nicht wirklich, wenn man die Lautsprecher leise einstellt. Insofern bezweifele ich etwas, ob sich diese Aufnahme wirklich für die Meditation so gut eignet.
Ich würde das Clavichord noch mal aus einer etwas größeren Entfernung aufnehmen. Die dazu nötige Technik und die Disziplin hast Du ja offensichtlich.

Ansonsten würde ich doch eher einen guten Flügel für dieses für die Meditation bestimmte Projekt nehmen. Ein guter Flügel klingt per se weicher, vor allem wenn man ihn entsprechend leise anspielt. Dazu sollte es auch einfacher sein, ihn ohne störende Nebengeräusche aufzunehmen.

Es ist mal wieder lehrreich zu erfahren, wie wenig leise "leise" sein kann und welche Überraschungen im extremen Nahbereich von Instrumenten auf einen lauern.

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Tomte
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Re: mikrofon für klangschalen und clavichord

Beitragvon Tomte » 10.04.2018, 10:50

mikroton hat geschrieben:...
nun firmiert die musik bei mir ja unter der überschrift »music for meditation, relaxation, spa«. das ist natürlich ein breiteres anwendungsfeld als die reine meditation. was meinst du, ist in deiner wahrnehmung meine musik als klangtapete, als musikalischer raumduft in der sauna passend, oder für dich auch eher störend?

Ich bin wohl kein repräsentativer Sauna-Besucher. Manchmal gibt es dort ganz schöne Klangschalen Musik, die ich angenehm finde. Oft gibt es synthetisches und wenig musikalisch produziertes Gedudel, was ich weniger ästhetisch finde. Die meisten Sauna-Besucher scheint das aber überhaupt nicht zu stören. Es kommt also wirklich darauf an, für wen das gedacht ist. Für eine Entspannung in der Sauna könnte ich mir Deine Musik als angenehm vorstellen - ob es dem durchschnittlichen Sauna-Besucher auch so geht, würde ich eher bezweifeln, da die einzelnen Töne doch sehr reduziert sind. Ein "musikalischer Raumduft" entsteht für mich eher mit länger klingenden Tönen, vielleicht auch Geräuschen. Vielleicht macht auch ein weicheres Klavier wie vorgeschlagen schon einen Unterschied. Evtl. hat das auch mehr sustain.

Meditiation ist nicht Meditation. Für z.B. Zen-Meditation ist es sehr wohl ein Unterschied und nicht allein persönliche Präferenz, was für Musik geeignet ist. So wie die Musik mich wach hält und überraschend bleibt, so lerne ich alle Wahrnehmungen, Gedanken, Empfindungen ... zu beobachten - und zwar ohne in vorhersehbaren Erwartungen wegzudämmern. Es gibt viele verschiedene Ansätze von Meditation, und der Begriff ist sehr vielfältig belegt. Wenn es mehr in Richtung Entspannung geht, ist das gleich was völlig anderes. Ein riesiges Thema.

Interessant vielleicht auch noch zu erwähnen, dass Musiker (wissend oder unbewusst) nicht nur das Tempo bezüglich Herzraten wählen (beruhigend usw.), sondern auch Rhythmen bestimmte Hirnaktivitäten anregen können. Ich spreche dabei nicht von den Ansätzen binauraler beats (die nur gut über Kopfhörer funktionieren) sondern von schnellen Rhythmen. Ich habe nicht mehr im Kopf, um welche Frequenzen es da ging - ist schon länger her, dass ich mich damit beschäftigt hatte.

Übrigens gibt es ja zahlrreiche Meditations-Apps (z.B.Insight Timer), wo es zahlreiche geführte Meditation sowie die Möglichkeit gibt, einen Hintergrund-Klang abzuspielen. In der genannten App findetn sich eine einige sehr hochwertig produzierte Stücke. Vielleicht auch noch mal als Inspiration interessant.


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