Decca

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d_fux
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Decca

Beitragvon d_fux » 04.02.2009, 19:47

Decca macht dicht...

http://www.scena.org/columns/lebrecht/0 ... decca.html


"These qualities have long been laid to rest, as the new Fischer dics all too grimly demonstrates. Fischer’s sound is poorly balanced and over-bright. Any subtlety she may have tried to convey is blown out of all proportion by all-purpose engineering from a freelance team that has no history with Decca. Nor is there much sign of a producer’s intervention. Fischer plays with steely athleticism but not much forethought or refinement. Comparison to the young Anne-Sophie Mutter, equally metallic but infinitely more controlled, puts Fischer firmly in the lower leagues. Decca in its heyday would not have passed this product."

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Tonzauber
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Beitragvon Tonzauber » 07.02.2009, 18:37

wobei das ein Polyhymnia Team war wenn ich das richtig sehe. Sicher keine Jahrhundertaufnahme, aber so schlecht finde ich sie jetzt auch nicht...

Das man eine Legende wie Decca absägt finde ich hingegen sehr traurig...
Was passiert denn eigentlich mit dem Katalog?
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d_fux
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Beitragvon d_fux » 07.02.2009, 19:11

Die Meldung war anscheinend doch nicht ganz zutreffend...

http://www.musicweek.com/story.asp?storycode=1036857

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ebs
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Decca - traurig.

Beitragvon ebs » 07.02.2009, 19:44

Tonzauber hat geschrieben:Dass man eine Legende wie Decca absägt finde ich hingegen sehr traurig...
Was passiert denn eigentlich mit dem Katalog?

Der große Katalog der Decca wird, wie es so üblich ist, einfach gegen Höchstgebot verramscht. Schade drum.
Als langjähriger Mitarbeiter der Firma Telefunken-Decca = Teldec konnte ich tiefe Einblicke in die Aufnahmetechnik der Londoner Firma Decca haben. Da wurden die Ohren eingesetzt und der Klang verglichen und die Bühne wurde extra für die Aufnahme um 5 Meter verbreitert, um das Orchester aus dem Bühnenkasten zu bekommen. Auch wurden Vorhangsbahnen über die Publikumssitze gelegt und vieles mehr. Bevor zum Beispiel sämtliche Haydn-Symphonien aufgenommen wurden, machte man in verschiedenen Sälen Probeaufnahmen und hörte sich diese vergleichend an. Erst dann entschied man sich für den bestklingenden Raum, der auch noch in der Akustik verbessert wurde. Natürlich wurde der Regieraum klanglich zum Abhören mit Tannoy- oder mit Bowers & Wilkins-Lautsprechern brauchbar hergerichtet. Der vielgerühmte Decca-Tree war eigentlich nur noch das Tüpfelchen auf dem "i", was häufig vergessen wird - auch, dass man keine spätere Abmischung von der Mehrspur machte, sondern gleich richtig in Stereo aufnahm.
Dem Doráti oder dem Solti musste man nicht sagen: Entschuldigung, den richtigen Klang machen wir später bei der Mischung. Die Dirigenten konnten wirklich gleich das Endergebnis anhören.
Wenn ich heute sehe, dass man oft bei Aufnahmen noch nicht einmal Lautsprecher aufstellt, sondern nur mit Kopfhörern aufnimmt und nicht an die Akustik denkt, dann kann die Aufnahme nur mittelmäßig werden.
Es ist aber ein Zeichen der Zeit, denn die Anfragen bei mir häufen sich: Wie kann man die Matthäus-Passion mit nur zwei Mikrofonen aufnehmen? Vor kurzem bekam ich eine Carmina-Burana-CD aus einem bekannten Saal aus Salzburg zu hören, da muss man sich für den Klang schämen. Der Dirigent hatte sich das preisgünstigste Tontechnikangebot ausgesucht und der überforderte Tonmensch hatte sich die Rettung durch ein geliehenes Schoeps Kugelflächenmikrofon erhofft ... Ein verschärfendes Problem ergibt sich natürlich daraus, dass es halt einige sehr gut klingende CDs von diesem Werk auf dem Markt gibt, die schon mit etwas mehr Aufwand aufgenommen wurden.

Viele Grüße ebs
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Re: Decca - traurig.

Beitragvon juppy » 08.02.2009, 00:06

ebs hat geschrieben:Der Dirigent hatte sich das preisgünstigste Tontechnikangebot ausgesucht und der überforderte Tonmensch hatte sich die Rettung durch ein geliehenes Schoeps Kugelflächenmikrofon erhofft ...

Der Witz ist in mehrfacher Hinsicht gut:

Für eine Billigproduktion ein KFM6 ...
Für einen derart großen Klangkörper ein KFM6 (SOLO?) ...
Für den Mietpreis eines KFM6 häte man sicherlich mehrere preiswerte Mikrofone bekommen, mit denen man wenigsten nach "Vorhang"-Prinzip eine bessere Aufnahme hätte machen können.

Nicht schon wieder die Kugelflächendiskussion, wo sich die Geister scheiden. Aber wer damit arbeitet, sollte schon sehr vertraut mit dem Mikrofon sein ...

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ebs
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Kein Witz

Beitragvon ebs » 08.02.2009, 09:42

juppy hat geschrieben:Der Witz ist in mehrfacher Hinsicht gut ...
... Nicht schon wieder die Kugelflächendiskussion

Leider werde ich nicht richtig verstanden. Mir kommt es nicht darauf an über das Kugelflächenmikrofon oder seine Benutzer abfällig zu sprechen. Nur war die Suche nach einer guten Aufnahme mit geringstem Einsatz noch nie so groß wie heute. Das ist kein Witz. Da verstehe ich den Tontechniker, dem der Einsatz eines ORTF-Mikrofonsystems bei einer großen Orchesteraufnahme zu Recht zu schwach vorkam und der sich dann ein Wunder von einem geliehenem Supermikrofon erhoffte.

Hier wird zum Beispiel solch ein Wunder als etwas sehr Praktisches angeboten, das aber physikalisch gesehen eindeutig falsch ist. Diese Aussage ist dazu nirgends im Internet zu finden.
Holophone Mini Announced For Consumer 5.1 Recording
Weil der Kunde es wünscht, wird alles patentiert und mit großen Worten angepriesen und vermarktet. Bei kleinsten Abmessungen sind hier 6 Mikrofone mit Kugelcharakteristik an einem Schrumpfkopf-Ei angebracht. Das ist ziemlicher akustischer Unsinn. Darüber spricht natürlich die Werbung nicht. Es wird immer Kunden geben, die davon vollauf begeistert sind - nicht vom Klang, sondern weil es so praktisch und niedlich ist.

... und jetzt werden diejenigen auf die Barrikaden gehen, die so ein niedliches Ding für ihre Kamera schon gekauft haben, auch wenn ich nichts gegen die Besitzer gesagt habe.

Damit ich richtig verstanden werde: Wenn man Surround-Sound mit seiner Kamera als Einzelmensch aufnehmen will gibt es nichts Praktischeres als das Holophone H4 SuperMini, aber ... :cry:

Viele Grüße ebs
ebs - Mikrofonaufnahmetechnik und Tonstudiotechnik

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Beitragvon Tonzauber » 08.02.2009, 11:20

Ja one-point *hüstel* ist wieder im Kommen....

Wenn ich hier einen bekannten Professor in Wien zitieren darf: "Da stellst Du eine Scheibe hin, und alle Probleme sind gelöst..."

Bei aller Liebe zu ihm und seinem Ideenreichtum, aber als ich das von meiner Praktikantin, die bei ihm studiert, zum ersten mal gehört habe, bin ich aus den Latschen gekippt...


Das Holophon H4 ist richtig niedlich.... Für eine schnelle Surround-Athmo auf der Kamera funktioniert es auch erstaunlicher weise halbwegs sinnvoll. Musikaufnahmen wird damit hoffentlich niemand machen wollen.
Tonzauber - einfach klassisch

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MA

Beitragvon MA » 08.02.2009, 11:58

Lieber ebs,
liebe Forumsmitglieder,

jeder sitzt einmal einer Internet-Ente auf.... Davon kann gerade auch ich ein Liedchen singen.
Geglaubt habe ich die Geschichte ohnehin nicht. Wer hätte wohl die Marke mit welchem Geschäftsziel erwerben sollen?

Ich sehe auch nicht schwarz, was die Produktionsqualität anbelangt. Es hat zu allen Zeiten gute und schlechte Aufnahmen gegeben. Bei der Decca haben innerhalb der letzten 12 Jahre diverse Revirements stattgefunden, damals mussten bereits viele große Namen ausscheiden. Die Klassikbranche ist mindestens seit dieser zeit auch notleidend. Ein gelbes Label soll nur noch 4 Produktionen monatlich machen dürfen, und das seit Jahren.

Die besagte Aufnahme mag etwas spitz im Klang sein, aber warum wollen wir der jungen, aufstrebenden Künstlerin nicht den Einstieg in ein Major Label gönnen ?

Die Entwicklung der Aufnahmetechnik lässt sich auch nicht an irgendwelchen armen Naturburschen festmachen, die glauben, die One-Point-Technik und all ihre Derivate seien das Allheilmittel für natürlichen Klang. Entschuldigung, aber der Aufnahmeversuch eines komplexen Werkes mit einem 100-köpfigen Chor, Sinfonieorchester, vielleicht noch Solisten, mittels eines KFM beruht auf grober Unkenntnis. Da sind Geisterfahrer der Aufnahmetechnik am Werk. Das muss man schlicht ignorieren.

Aber: Mit einem 10-16-Kanalpult, und sei es einem auch noch so vertraut, wird auch kein Schuh draus, wenn es etwas werden soll. Da muss man klotzen.
Der Aufnahmesaal muss für einen Produktion hergerichtet werden, dafür gibt es den BERUF des Tonmeisters, der alles Notwendige hört und akustisch notwendige Vorkehrungen trifft.
Aber der alte Mammon: In den Hochzeiten der Schallplatte/CD wurde klotzig verdient ( Gesichtspunkt der Lizenz zum Gelddrucken ), da mögen sich aufwändige Probeaufnahmen, zumal für das damalige Jahrhundertprojekt ( 104 Sinfonien) der Philharmonia Hungarica, gerechnet haben. Diese Zeiten sind heute längst vorbei . Wer weiß, welchen Zwängen das Aufnahmeteam in unserem Fall ausgesetzt war. Tonzauber oder andere, die der Decca nahe stehen, können uns berichten. ( Es hört sich so nach DPA - plus ungünstiger, zu präsenter Saal - an,die schnell hart, scharf und metallisch klingen können; der eigentlich unpassende Hall soll es hier richten, aber auch hier wünsche ich mir Aufklärung.)

Ebs hat übrigens sehr zutreffend darauf hingewiesen, dass bei einer Produktion die eigentliche Aufnahme nur einen winzigen Bruchteil ausmacht. Auch der Schnitt hat größte Bedeutung. Der professionelle Tonmeister lässt den Klang und die die genaue Abmischung an Ort und Stelle entstehen. Dafür ist er durch langes und anspruchvolles akademisches Studium + Berufserfahrung ausgebildet. Hierin liegt eben auch seine besondere Qualifikation, zugleich aber auch die Mindestanforderung an ihn.

Um es gleich klarzustellen: Ich ziehe mir den Schuh mit der One-Point-Technik nicht an, nur weil Erdie in dem Parallelthema scheinbar in diese Richtung gefragt hat. Die Diskussionen zeigen auch, dass sich viele anfangs nicht trauen, komplexere Mikrofonierungen praktisch anzuwenden. Sie wollen den Mitschnitt auch nicht verderben. Warum wollen wir dem Amateur nicht diese sukzessive Lernentwicklung zugestehen?
Die One-Point-Technik , ein gut klingender Raum vorausgesetzt, hat zweifellos ihre Meriten. Ich habe vor 15 Jahren erhebliche Erfahrungen damit gemacht ,vorwiegend auf kammermusikalischer Ebene. Die Aufnahmen von Denon hatten fast schon Kultstatus.
Die Scheibe landete doch schon vor fast 30 Jahren nach dem ersten Gebrauch in der Ablage. Die Gefahr einer Renaissance dieser Techniken sehe ich nicht.

Natürlich beherrsche auch ich die Fertigkeit, sofort einen Stereo- und Surroundmix endgültig vorzubereiten. Aber das ist doch nur der kleinste Mindeststandard, ohne den niemand in dem Metier auskommen kann ! In der Zeit der reinen Stereophonie, für mich die weitaus längere Zeit der Aufnahmepraxis, wurde man stets dazu gezwungen! Da gab es gar nichts anderes, wenn nicht die ganze Mühe umsonst gewesen sein soll. Wenn ich meine vielen älteren Aufnahmen höre, merke ich, dass damals eigentlich alles richtig gelaufen ist.

Wir sollten uns aber gegenüber all denjenigen, die jetzt erst anfangen und/oder sich noch nicht an komplexere Aufnahmebedingungen herantrauen, nicht "von oben herab" verhalten. Wenn diese notwendige extreme Bandbreite nicht mehr toleriert werden kann, können wir das Forum schließen. Es darf auch nicht vergessen werden, dass eine qualifizierte Ausrüstung für aufwändige Aufnahmen enorme Kosten auslöst. Wir müssen auch tolerieren, dass viele nicht das Geld dafür haben. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich immer wieder auf preiswertes Equipment hinweisen möchte, ohne professionelle Klangstandards zu verlassen. Es muss eben nicht immer Kaviar sein.

In diesem Sinne
MA

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Re: Kein Witz

Beitragvon juppy » 09.02.2009, 08:21

ebs hat geschrieben:Leider werde ich nicht richtig verstanden. Mir kommt es nicht darauf an über das Kugelflächenmikrofon oder seine Benutzer abfällig zu sprechen. Nur war die Suche nach einer guten Aufnahme mit geringstem Einsatz noch nie so groß wie heute. Das ist kein Witz. Da verstehe ich den Tontechniker, dem der Einsatz eines ORTF-Mikrofonsystems bei einer großen Orchesteraufnahme zu Recht zu schwach vorkam und der sich dann ein Wunder von einem geliehenem Supermikrofon erhoffte.

Lieber Eberhard,

ich wollte und habe Dich bestimmt nicht falsch verstanden.

Die Tragik beginnt nicht erst bei dem Wunsch, mit minimaler Technik maximale Ergebnisse zu erzielen.

Sondern schon viel früher im Gespräch mit potentiellen Auftraggebern bzw. Kunden. Wer nicht das Vergnügen hat, vorwiegend mit "den Großen" zu arbeiten, trifft ob den Vergütungssätzen für die Arbeit eines Tontechnikers immer wieder auf pikierte Gesichter.

Inzwischen habe ich die Nase davon gestrichen voll, daß drittklasige Säle teuerer sein sollen als mein Honorar. Von Flügelmieten, die sich die meisten meiner Klientel eh nicht leisten, einmal abgesehen.

Professionelle Qualität zu Amateurpreisen?

Unter diesem Aspekt fällt es auch schwer, in teuerere Geräte zu investieren. Von daher ist man schon gezwungen, nach Alternativen zu jenen Herstellern wie dem des KFM6 zu suchen. Und weiß der Kunde solche Investitionen überhaupt zu schätzen? Wer auf "youtube" daddelt oder die Jungs in den öffentlichen Verkehrsmitteln mit ihren MPEG-Telefonen sieht, dem kommen da Zweifel.

Das KFM6 - ich besitze und benutze es selber - ist ein wunderbares Mikrofon, wenn man es einzusetzen weiß und die Grenzen kennt. Aber wer glaubt, (allein) damit einen großen Klangkörper samt Chor aufnehmen zu können, ist auf dem Holzweg, unabhängig von der Diskussion über "one point"-Aufnahmen.

Gruß

Juppy

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Re: Kein Witz

Beitragvon d_fux » 09.02.2009, 09:51

juppy hat geschrieben:Inzwischen habe ich die Nase davon gestrichen voll, daß drittklasige Säle teuerer sein sollen als mein Honorar. Von Flügelmieten, die sich die meisten meiner Klientel eh nicht leisten, einmal abgesehen.

Ich frag mich auch manchmal, was die Blumendeko oder Last-Minute-Beleuchtung kosten, die da so angekarrt werden. Da wird sicher einfach gezahlt, was gefordert wird.

Wo ich schon am Meckern bin... Die besagte Last-Minute-Beleuchtung hat dann ein häßl. akust. Sirren produziert, das ich in meinen Hauptmikros hatte. Und bei einer kl. Reihe von Konzerten in einem Autohaus ( :-? ) hat mich dann mit einem unregelmäßig anlaufenden Lüfter eines 19-Zoll-Lichtverstärkers erfreut, der teilw. direkt unter der Bühne stand. :shock:


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