Grenzflächenmikrofone

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ebs
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Grenzflächenmikrofone - Raummikrofone

Beitragvon ebs » 24.03.2009, 22:27

pkautzsch hat geschrieben:Die schmalere Abbildung (auf der Lautsprecherbasis bei Grenzflächenmikrofonen), wie sie EBS beschreibt, kann ich bestätigen.

Danke, Peter für diese sonst selten gehörte Zustimmung.

pkautzsch hat geschrieben:Ich habe den Eindruck, daß man mit einem GF-Hauptmikrofon weiter weg vom Orchester sein muß als mit einem Stativpaar, um die Unterschiede in der Abstrahlrichtung nicht zu stark zur Geltung kommen zu lassen - der Raumanteil wird hier zunehmend wichtig. Eine so durchsichtige Aufnahme wie mit einem Tree und einigen Stützen ist nicht möglich. Als Zumischmikrofon könnte ich mir Grenzflächen recht gut vorstellen, durchaus auch an der gegenüberliegenden Wand.

Das sind alles gute und richtige Anmerkungen. Im Gegensatz zu Mikrofonen mit Kugelcharakteristik gibt es bei üblichen Grenzflächenmikrofonen im gesamten Übertragungsbereich ein unterschiedliches Übertragungsmaß für das Verhältnis von Direktschall zum Raumschall (Diffusschall): Es beträgt im Direktfeld (Freifeld) auf Grund der Druckverdoppelung im gesamten Frequenzbereich (+)6 dB, im reflektierenden Schallfeld durch die Phasenunterschiede zwischen den Reflexionen jedoch nur (+)3 dB. Hierdurch übertragen Grenzflächenmikrofone "weniger Raumanteil", d. h. die Aufnahme wird “trockener” als bei Mikrofonen mit Kugelcharakteristik Auch wenn es sich bei Grenzflächenmikrofonen nicht um Richtmikrofone handelt, unterdrücken diese den Raumschall; somit dürfen sie als Hauptmikrofonsystem mit weiteren Abstand von der Schallquelle positioniert werden.
In meinem Blatt Zwei verschiedene Grenzflächenmikrofon-Bauarten schrieb ich wörtlich: Ein Grenzflächenmikrofon zeigt auch eine Auswirkung auf das Aufnahme-Verhältnis von Direktschall zu Raumschall, und zwar 3 dB zugunsten des direkten Schalls. Das kann für Tonaufnahmen häufig recht vorteilhaft sein.
Damit sind Grenzflächenmikrofone nicht besonders zur Raumsignalaufnahme prädestiniert - sie werden aber angewendet.
Anmerkung: Hiermit möchte ich einen Aha-Effekt auslösen. Ich sage nichts gegen die Verwendung von Grenzflächenmikrofonen als Zumischmikrofonsystem oder als Raummikrofonsystem, auch wenn man mir nachsagt, dass ich das angeblich so geschrieben hätte. Warum auch immer, werden meine Worte gern auf die "Goldwaage" gelegt und manchmal auch verdreht; damit muss ich eben leben.

Viele Grüße ebs
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Re: Grenzflächenmikrofone - Raummikrofone

Beitragvon max » 24.03.2009, 22:55

ebs hat geschrieben:Im Gegensatz zu Mikrofonen mit Kugelcharakteristik gibt es bei üblichen Grenzflächenmikrofonen im gesamten Übertragungsbereich ein unterschiedliches Übertragungsmaß für das Verhältnis von Direktschall zum Raumschall (Diffusschall): Es beträgt im Direktfeld (Freifeld) auf Grund der Druckverdoppelung im gesamten Frequenzbereich (+)6 dB, im reflektierenden Schallfeld durch die Phasenunterschiede zwischen den Reflexionen jedoch nur (+)3 dB.

D.h. wenn ich in einem kleinen Raum von gleichen Mikrofonen (Kugel) am Fußboden gegen Stativlage +3,5 dB bekomme, kann das bedeuten, daß in diesem Raum hauptsächlich reflektierende Schallfeld vorhanden ist? So muß eigentlich in jedem Raum Unterschied zwischen +3 und +6 dB sein und so kann das als Maß für Reflexionsgrad gelten?

Viele Grüße,
Max

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Re: Grenzflächenmikrofone - Raummikrofone

Beitragvon ebs » 24.03.2009, 23:54

max hat geschrieben: So muß eigentlich in jedem Raum ein Unterschied zwischen +3 und +6 dB sein und kann als Maß für den Reflexionsgrad gelten.

Achtung, die "Theorie" erklärt:
Im "reinen" Direktfeld (Freifeld) nimmt ein ideales Grenzflächenmikrofon (mit Halbkugelcharakteristik) (+)6 dB mehr Pegel auf, als ein Mikrofon mit Kugelcharakteristik.
Im "reinen" Raumschallfeld (reflektierenden Schallfeld bzw. Diffusfeld) nimmt ein ideales Grenzflächenmikrofon (mit Halbkugelcharakteristik) (+) 3 dB mehr Pegel auf, als ein Mikrofon mit Kugelcharakteristik.
Ein theoretisches reines Direktfeld enthält absolut keine Reflexionen (ist also "knochentrocken") und ein theoretisches reines Diffusfeld ist ein idealer Hallraum in dem es keine Direktsignale mehr gibt (da "schwimmt" alles total).
Ein "üblicher" Raum kann theoretisch zwischen diesen beiden Zuständen liegen.
Jedoch soll es keinen absolut "knochentrockenen" Raum = reines ideales Direktfeld geben, der üblicherweise reflexionsarmer Raum genannt wird.
Es soll auch keinen absolut "schwimmenden" Raum = reines ideales Raumfeld (Diffusfeld) geben, der mit quasi idealer Hallraum bezeichnet wird. Auch in Konzertsälen wird gerne vom Diffusfeld geredet, aber es gibt auch dort praktisch nirgendwo ein "sauberes" = reines Diffusfeld.

Da der Schallreflexionsgrad durch das Verhältnis der Schallintensitäten der reflektierten Schallwelle Ir und der einfallenden Welle I0 definiert ist (ρ = Ir / I0), wird es schwierig sein, diesen als Messwerts einer Schalldruckpegel-Erhöhung gelten zu lassen, wie Max vorschlägt.
Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass weder meine Mikrofonmembranen noch meine Trommelfelle irgendwie durch Schallintensitäten bewegt werden. :lol:

Viele Grüße ebs

PS: Etliche Audio-Dozenten schlagen ihren Studenten Schallintensitäten um die Ohren, was mir unbegreiflich ist. Die armen Studenten.
Zuletzt geändert von ebs am 12.08.2009, 14:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon max » 25.03.2009, 00:38

Lieber ebs,
natürlich nicht als Messwert, nur als Einschätzung... Absolut direkt = +6dB, absolut diffus = +3 dB. Dann ein Raum mit +3,5 dB wird mehr "diffus" als ein Raum mit +5,4 dB. Oder kann das generell (unter bestimmten Bedingungen) auch umgekehrt sein? Unter welchen? Wie ändert sich die Schallschnelle bei Reflexion? Ich verstehe wohl den Begriff noch nicht so im klaren... Ist das richtig, wenn ich sage, daß die Schallschnelle in großer Entfernung von der Schallquelle beinahe konstant bleibt? Wenn ja, dann ist die Schallschnelle in Diffusfeld beinahe konstant und Reflexionsgrad kann auch durch Schalldruck definiert werden?

Gruß,
Max

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Nahfeld Fernfeld Direktfeld Raumschallfeld Diffusfeld

Beitragvon ebs » 25.03.2009, 02:03

max hat geschrieben:Absolut direkt = +6dB, absolut diffus = +3 dB. Dann ein Raum mit +3,5 dB wird mehr "diffus" als ein Raum mit +5,4 dB.

Oder kann das generell (unter bestimmten Bedingungen) auch umgekehrt sein? Unter welchen? Wie ändert sich die Schallschnelle bei Reflexion?

Hallo Max,
die ersten beiden Sätze sind richtig, wenn man Schalldruck als Schallfeldgröße und Schallintensität als Schallenergiegröße auseinanderhält.
Die nächsten beiden Fragen verstehe ich nicht. Da ich Praktiker und Mikrofonanwender bin, kenne ich die "Schallschnelle" eigentlich nicht. Beim Mikrofon sind das einfach Druckdifferenzen zwischen Vorder- und Rückseite der Membran.

max hat geschrieben:Ist das richtig, wenn ich sage, daß die Schallschnelle in großer Entfernung von der Schallquelle beinahe konstant bleibt? Wenn ja, dann ist die Schallschnelle in Diffusfeld beinahe konstant und Reflexionsgrad kann auch durch Schalldruck definiert werden?

Jetzt müssen wir uns mal vom Direktschallfeld D (Freifeld) und Raumschallfeld R (Diffusfeld) verabschieden. Beide Felder werden von den raumakustischen Eigenschaften des Umgebungsraums bestimmt. Bei der Raumbeschreibung zu Tonaufnahmen spricht man auch von einem klangbestimmenden R/D- bzw. D/R-Verhältnis. Bei Schallmessungen wird jedoch üblicherweise nur innerhalb des Direktfelds gemessen. Ein Diffusfeld wird immer durch Hindernisse als Störung der Schallausbreitung erzeugt.
Merke: Direktfeld und Raumschallfeld - Nur raumabhängig und nicht schallquellenabhängig.

Nahfeld und Fernfeld sind Akustik-Begriffe, die schallquellenabhängig sind. Das Nahfeld ist ganz nahe an der Schallquelle. Das Fernfeld beinhaltet das Freifeld und das Diffusfeld.
Merke: Nahfeld und Fernfeld - Nur schallquellenabhängig und nicht raumabhängig.

Die Grenze zum Fernfeld liegt bei der Größe einer Wellenlänge λ oder bei 2 λ oder liegt auch bei k ∙ r = 1; ist also frequenzabhängig. Tiefe Frequenzen haben ein Nahfeld das von der Quelle weit weg ist. k = Kreiswellenzahl - Beim Nah- und Fernfeld wird von den Akustikern alleine das vom "Störer" erzeugte Schallfeld betrachtet.

Im Nahfeld eines Kugelstrahlers ist k ∙ r << 1 und die Schallschnelle v ~ 1/r^2. Dabei sind Schalldruck p und Schallschnelle v nicht in Phase. Der Schalldruck eilt der Schallschnelle maximal um 90° voraus (Phasenverschiebung). Ganz dicht bei der Schallquelle tritt nur Blindleistung auf; siehe: Eine Schallfeldgröße - Die Schallschnelle.

Im Fernfeld eines Kugelstrahlers ist k ∙ r >> 1 und die Schallschnelle v ~ 1/r. Dabei sind Schalldruck und Schallschnelle phasengleich (Keine Phasenverschiebung). Im Fernfeld liegen also Schalldruck und Schallschnelle in Phase und v ist nur noch abhängig von 1/r.

Die Annahme von Max, dass die Schallschnelle in großer Entfernung von der Schallquelle beinahe konstant bleibt, ist unrichtig, denn es gilt dort: v ~ 1/r.

Viele Grüße ebs

PS: Nur selten bin ich in einem Forum-Posting so tief in die Akustiktiefen gestiegen.
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max
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Beitragvon max » 25.03.2009, 18:10

Hallo EBS,
Vielen Dank, daß du dich die Mühe gibst, dem Musiker ohne Grundtheoriewissen einiges beizubringen!

Gleich habe ich meine zwei trittfesten Mikrofon-Hüllen bis zu Ende angepaßt, heute möchte ich sie in der Kirche testen - ob alles klappt... es kann immer alles passieren...

Viele Grüße,
Max

P.S. Test ist durchgeführt. Ich schätze das positiv. Leider habe ich es vergessen, Fotoapparat mit in die Kirche zu nehmen, so habe ich Trittschütz separat fotografiert:
http://rapidshare.com/files/213552676/Grenzflaeche.pdf
Das sichert Mikrofon vor Tritt oder Schlag (im gewissen Maß!), aber natürlich muß das die Richtcharakteristik ein bißchen verschlechtern. Trotzdem habe ich heute gerade so getestet, wenn auch heute für Mikrofone kein Gefahr war und ich sie einfach legen durfte...
http://rapidshare.com/files/213555360/G ... _Probe.mp3

Ich habe Duffuskorrektur 3-10,6 gemacht (d.h. Anfang auf 3 kHz, auf 10 kHz Anstieg 6 dB, weiter flach) - das hat sich als notwendig gezeigt, wie ich den Klang der Aufnahme verglichen habe mit dem, was im Raum klang... Ansonsten keine Korrekturen. Basis etwa 230 cm (Auf dem Stativ hatte ich am 6.03 100 cm). Die Stelle ist gleich wie bei der Aufnahme mit gewöhnlich angehängten Mikrofonen
http://rapidshare.com/files/208768663/K ... _Probe.mp3
http://rapidshare.com/files/209245183/Kreuz06032009.pdf
- diese Files habe ich schon früher gegeben...

Wie ich höre, ist der Klang weniger "diffus", ich saß nicht weit von Mikrofonen, und in dem 1. Praeludium war echte "Brei", die Aufnahme ist viel deutlicher. In Trio (am Ende des Probefiles) ist Pedal klarer, als mit Mikrofonen auf dem Stativ. So denke ich, daß wenn man die Mikrofone an dieser Stelle in der Kirche haben will, so hat Grenzflächen/Fußboden-Mikrofonierung deutliche Vorteil.

Viele Grüße,
Max

MA

Grenzflächen und ABC in Stereo u. Surroundsound

Beitragvon MA » 28.03.2009, 18:33

Hallo zusammen,
fast alle Aussagen von pkautsch kann ich bestätigen. Das gilt vor allem für die diffizilen Ergebnisse aufgrund der unterschiedlichen Abstrahlcharakteristiken der Instrumente.

Das Ensemble saß in meinem Fall wie üblich im Halbrund. Der Abstand des linken Mikrofons zur ersten Geige war max. 2 m, eher noch näher, ebenso der Abstand des rechten Mikrofons zum Cello. Der Abstand zum Kontrabass war vielleicht 2,50 – max. 3 m. Der Kontrabassist freute sich sehr über den sonoren und griffigen Klang seines Instruments auf der Aufnahme, nicht minder galt dies für Cellisten
Das an sich mit den anderen 2 Mikrofonen gleichpegelige linke Mikrofon musste um 8 (!) dB höher aufgezogen werden, um der ersten und zweiten Geige eine ordnungsgemäße Stereobalance zu verschaffen. Das ist für einen an konventionelle Aufnahmen gewohnten Menschen wie mich außerordentlich überraschend gewesen, aber eben mit der Abstrahlcharakteristik der Geige leicht erklärbar.

Die Beobachtung einer eingeengten Stereobasis kann ich jedoch nicht bestätigen. Beide Aufnahmen („oben/unten“) sind bei mir insofern gleichwertig. Das hat seine Begründung wahrscheinlich darin, dass pkautsch 2 Mikrofone verwendet hat und ich 3; ich wollte eine zu den „Oben“-Mikrofonen korrespondierende Aufstellung haben und zudem die Auswirkungen der Grenzflächen als Frontmikrofone für Surroundsound ausprobieren. Das dürfte ein wichtiges Thema nicht nur für Videoanwender sein. Die Anwendung nur zweier Kugelmikrofone habe ich nach kurzen, überschlägigen Versuchen mit Umgruppierungen als undurchführbar verworfen. Eine genaue Begründung habe ich jedoch so schnell nicht finden können.

Der an sich folgerichtige Vorschlag von pkautsch, als theoretische Lösung eine entferntere Aufstellung zu wählen, um den Gesamtklang einzufangen, macht nur dann Sinn, wenn man dann zusätzlich die einzelnen Instrumente stützt. Dann aber kann man beinahe gleich auf „Bodenmikrofone“ verzichten, weil die Violinen immer ein Oben-Mikrofon benötigen, oder sehe ich das falsch ? Als Atmo-Mikrofone sind Grenzflächen aber seit langem vielfach im Einsatz.

Allerdings: Selbst der Abstand von nur max. 2 Metern führte bemerkenswerterweise zu einem nicht zu nahen Klangbild, sodass der Vorschlag des größeren Aufnahmeabstandes zum Zweck der bloßen Verbesserung der Klang- und Stereobalance erst recht ein zu entferntes und zu flächiges Klangbild befürchten lässt. Wenn alle Parameter einer guten Aufnahme erfüllt sein sollen, so kommt dies dem Versuch der Quadratur des Kreises gleich. Trotzdem habe ich sehr aufschlussreiche Erfahrungen sammeln können. Man lernt anschaulich nur in der Praxis.

Ich frage mich aber, ob das Anwinkeln der Nierenmikrofone nicht doch etwas Positives bewirkt, zumindest als einzelnes Stützmikrofon.

Auch die Versuche mit Surroundsound fallen im Ergebnis nicht besser aus. Das linke der drei Mikrofone fängt die erste und zweite Geige nicht richtig ein, seine Position liegt nicht optimalen Aufnahmebereich. Das Klangbild ist gleichfalls zu matt . Eigentlich ist das auch logisch. Die vielfältigen Balanceprobleme heben sich auch nicht auf. Bei Surroundsound benötigt man relativ viel Direktschall und Zeichnung. Werden diese Anforderungen nicht erfüllt, ist die Mikrofonanordnung nicht mehr brauchbar. Es hilft dann auch kein Herumschrauben am Klang.

Die konventionelle Surroundsoundanordnung mit 3 Kugeln und der Nierenstütze sowie 2 Achten ist dagegen gut anhörbar.
Die gewonnenen Erfahrungen möchte ich nicht missen. Für vereinzelte Stützmikrofonierung per Grenzflächenmikrofon habe ich wertvolle praktische Erkenntnisse und Einschätzungsmöglichkeiten gewonnen. Vielen Dank an Markus für die Anregungen!

Herzl. Grüße
MA

MA

Orgalaufnahme per PZM, Mikrofonbasis

Beitragvon MA » 29.03.2009, 15:09

Hallo Max,
bei Deiner letzten Grenzflächenaufnahme per 25.3. hast Du das bisherige Diskussionsergebnis leider noch nicht berücksichtigt. Nach der 2:1-Formel von ebs und den Hinweisen auf eine Mikrofonbasis von 50 - 60 cm hättest Du wahrscheinlich maximal 1,20 m als Basis nehmen dürfen, bei 1 m wären es ca. 2 m gewesen. Bei Deinen 2,30 m drängt der Klang nur auf die Seiten, in der Mitte ist ein Loch. Die Stereobalance – links/rechts - ist auch sonst nicht ganz ausgewogen. Die Aufnahme hat sehr viel Fundament, aber nach meinem Gefühl führt die Höhenanhebung um weitere 6 dB zu einem andeutungsweise zu spitzen Klang. Die Aufnahmetechnik hat eben so ihre Tücken. Musikalisch hast Du ja "echt was drauf".

Die übrigen links konnte ich nicht öffnen. Wie kann man eigentlich über diese Seite kostenlos files verschicken?

@ tonzauber: Kann man hier im Forum eigentlich auch Photos oder Zeichnungen einstellen?

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag
MA

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Beitragvon max » 29.03.2009, 21:11

Hallo MA,
die Seite:
man kommt in http://www.rapidshare.com/ und registriert sich als Collector, das ist kostenlos. Dann kann man eigene Files aufladen, aber: kostenlos geht es nicht mit Programmen wie FlashGet u.a., nur per Browser. Ich habe gleich alle Files per Browser angeklickt - alles ist zu haben...

Die Aufnahme: ich habe gerade die Formel berücksichtigt. :-) Wie ich an dieser Stelle mit dem Stativ aufgenommen habe, hatte ich Basis 100 cm, so sind 230 cm in Fußboden in Toleranzgrenzen von 2x100... Die Aufnahmewinkel war etwa 30° (2x15°). Wenn die Aufnahme ein Loch hat - ich habe keine so gute Monitore, um das festzustellen, wo ich das gehört habe, ist kein Loch zu hören. Und noch: was für ein Loch kann bei einer Orgelaufnahme sein? Hier geht es ja gar nicht um die Lokalisation von Klangquellen, oder brauchen wir jede Pfeife zu orten? Ich glaube, wichtig ist, wenn Klangeindruck dem entspricht, welche bei natürlichem Hören entsteht, wenigstens wir Organisten erwarten von einer Aufnahme gerade das. Kein Zufall, daß viele Orgelaufnahmen für Organisten zu künstlich und zu trocken klingen: wir sind zu natürlichem Orgelklang gewöhnt, wie er in einer großen Kirche entsteht...

Vielleicht war die Korrektur 3-10,6 wirklich etwas zu stark, das habe ich schon gedacht, vielleicht richtiger wäre 3-10,4 oder 3-10,5. So wie es ist wurde diese Jehmlich zu stark einer Potsdamer Schucke ähnlich. :-) Aber nach dem Abschluß von Schneiden korrigiere ich etwas selten: was gemacht ist, ist gemacht, das ist auch ein Werk, am nächsten Mal mache ich etwas anders. Diesmal war es sowieso eher ein Test, und die Organisten hören eher ihre Spielfehler und weniger die genaue Klangbalance, wie sie ein Tonmeister hört... Auch 7 CDs wurden schon an beteiligten Organisten gegeben... Gar ohne Korrektur hatte die Aufnahme deutlich zu wenig Glanz im Vergleich mit dem, was ich während des Spiels gehört habe.

Heute habe ich ganz konventionelle Stativanordnung gemacht (Zwickau, Marienkirche), und - ohne zu erwarten - kam ich wieder zu Nieren! Die Besetzung stand ziemlich tief, und mit Kugel waren Solisten und Instrumenten gut, den Chor aber zu mulmig. Ich habe zuerst versucht, die Mikrofone weiter zu stellen, aber dann haben auch die Solisten etwas verloren, den Chor blieb mulmig. Dann habe ich erinnert, daß ich zum Verdacht auch die Nierenkapsel genommen habe, und habe die Kapsel schnell ersetzt. Gleich beginne ich Schneiden, aber so wie ich das ein bißchen gehört habe, ist das brauchbar, auch Oboisten waren mit ihrem Klang zufrieden. Natürlich muß ich nun alles hören, erst dann kann ich eindeutig sagen, ob ich richtig gehandelt habe oder falsch... Aber heute war es nicht notwendig, an Grenzflächen zu greifen, ich durfte Stativ dort einstellen, wo ich wollte...

Viele Grüße,
Max

P.S. Der Klang ist akzeptabel, die Perspektive OK, aber der Klang "in sich" ist dem Klang von Kugel unterlegen. Nun beginne ich langsam zu verstehen, wozu man eigentlich die Stützen braucht :-) "Kugelklang" und gute Perspektive - und zwar bei jeder möglichen Aufstellung von Chor, Orchester und Solisten - geht das mit 2 Mikrofonen wohl nicht immer?

Die beteiligten Musiker sind von der Aufnahme begeistert. Ich habe schon 28. CD gebrannt. Aber ich fürchte, es gibt gewisse Differenz zwischen dem, was die Musiker erwarten, und dem, was ein professioneller Tonmeister will?

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Beitragvon max » 10.05.2009, 13:08

Hallo,
heute kam ich wieder zu Grenzflächen.

Orgel und Geige. Zusammen und separat. Geige oben und unten. Ich habe Stativ mit Kugel und Nieren ausprobiert und Grenzfläche, und letzteres hat beste Ergebnis gegeben. So werde ich am Donnerstag aufnehmen (heute war Probe).

http://rapidshare.com/files/231303726/C ... 100509.pdf

Basis 120 cm.

So hat sich meine Vermutung bestätigt: Grenzflächenanodnung ist immer zu berücksichtigen, wenn man sich um besten und natürlichen Klang kümmert.

Gruß,
Max

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Grenzflächenanordnung Orgel und Geige

Beitragvon ebs » 10.05.2009, 19:45

max hat geschrieben:So hat sich meine Vermutung bestätigt: Grenzflächenanordnung ist immer zu berücksichtigen, wenn man sich um besten und natürlichen Klang kümmert.

Interessant ist deine Feststellung, dass eine Grenzflächenanordnung (leider ohne Nennung der Positionierung) den besten natürlichen Klang gezeigt hat.
Das mag ja sein, jedoch kenne ich den Aufstellungsort der Grenzflächenanordnung für die Geige nicht; möglicherweise Groß-AB mit 1,20 Meter Mikrofonbasis auf dem Boden. Auch weiß ich nicht, ob der Geiger steht oder sitzt.
Wer kann bestätigen, dass die Violine eines Stehgeigers durch eine Grenzflächenanordnung am Boden am besten klingt?

Meine Erfahrung: Bei einer Fernsehaufzeichnung, wo keine Mikrofone sichtbar sein durften, lag "ein" Grenzflächenmikrofon 1,50 Meter vor dem Tenor auf dem Boden. Sein "Kalinka" vor dem Balalaika/Akkordeon-Orchester kam ideal rüber. Besser geht es nicht. Besonders als Monosignal klebte das Signal im Stereobild scharf wie eine Briefmarke auf der Postkarte.
Etwas anderes ergaben meine Mikrofonversuche bei einem Beethoven-Violinkonzert. Die beiden 50 cm AB Grenzflächen-Bodenmikrofone gaben als Solo-Violin-Stützen keine Klangfarbe mit dem Solo-Biss vor dem Symphonie-Orchester, den ich dagegen mit zwei von oben kommenden 30 cm AB Kleinmikrofonen mit Kugelcharakteristik bekam. Der bekannte israelische Geigen-Solist hätte den Klang der Bodenmikrofone niemals akzeptiert.
Das zu einer gewissen Zeit einmal in Mode gekommene Grenzflächenmikrofon als Stützmikrofon auf dem Boden vor dem Leiter der Kontrabassgruppe bei einem Symphonieorchester war einmal "der letzte Schrei", ist jedoch heutzutage völlig "out". So etwas habe ich schon 8 Jahre nicht mehr gesehen.
Es gibt in der Tontechnik auch kurzzeitige Moden - keine Raummoden :lol: So etwa ist oft nur ein Strohfeuer.

Viele Grüße ebs
ebs - Mikrofonaufnahmetechnik und Tonstudiotechnik

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Beitragvon max » 10.05.2009, 23:03

Hallo EBS,

Hier geht es nicht um die Mode. Mein Zweck ist nur, Konzert möglichst besser zu machen, sonst nichts. Mode ist mir egal. Ich überprüfe alle Möglichkeiten und wähle, was besser ist, sonst nix :-)

ebs hat geschrieben:Interessant ist deine Feststellung, dass eine Grenzflächenanordnung (leider ohne Nennung der Positionierung) den besten natürlichen Klang gezeigt hat.
Ist das auf dem Foto nicht zu sehen? AB 120 cm.

Das ist die gleiche Kirche, wo ich Bach'sche Matthäus-Passion gemacht habe (Fotos von Raum habe ich schon früher gegeben).
Heute ist die Situation anders. Nur 2 Solisten, Altarraum mit ausgezeichneter schallharten Fläche ist frei, die Geige ist wechselweise oben und unten...

Alles habe ich auch dem Geiger gegeben, anzuhören. Unabhängig von mir nannte er auch diese Variante als beste.

Ich betrachte Grenzflächen-Hauptmikrofonanordnung nicht als die Lösung für alles. Das ist nur eine Möglichkeit, die unter bestimmten Bedingungen bessere Ergebnis geben kann, aber nicht immer und nicht überall. Ich denke aber, gerade hier ist diese Anordnung am Platz.

Gruß,
Max

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Bedrängung beim Filehosting

Beitragvon ebs » 11.05.2009, 09:20

max hat geschrieben:
ebs hat geschrieben:Interessant ist deine Feststellung, dass eine Grenzflächenanordnung (leider ohne Nennung der Positionierung) den besten natürlichen Klang gezeigt hat.
Ist das auf dem Foto nicht zu sehen? AB 120 cm.

Deine Bild- und Ton-Mitteilungen, die über "RapidShareEasyFilehosting" sehe ich mir nicht an. Ich mag diese Art der PayPal-Bedrängung und die Gängelung mit der Timing-Bremse der "Free User" nicht. Teste doch einmal, wieviele Besucher auf dieses unangenehme Filehosting gehen.
Es mag andere User geben, die das anders sehen, weil sie dankbarer und geduldiger sind.

Viele Grüße ebs
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Beitragvon max » 11.05.2009, 12:20

Hallo EBS,
ich habe nicht gedacht, daß das für dich so lästig ist. Ich habe selbst von diesem Server viel nützliches aufgeladen.

Ich habe leider keinen eigenen Server, und ich habe auch keinen Bekannten, der mir so was zu hosten erlaubt. Auch ist das in diesem Forum unmöglich (im Gegensatz zu manchen anderen), kurze Files einzuhängen. So weiß ich einfach nicht, wie sonst ich die Fotos und MP3s freilegen kann.

Kannst du mir vielleicht was empfehlen? Ich kann weder eigenen Server kaufen noch einen Platz abonieren.

Es gibt auch ein paar anderen Server etwa wie diesen, aber die sind noch schlechter, z.B. in Nutzbedingungen steht, daß alle solche Files die Eigentum von Serverbesitzer werden (!)...

P.S. gleich habe ich wieder eine Probe aufgenommen. Ich höre keine Verfärbungen noch andere Artefakten. Genau was ich während des Spiels gehört habe. Ich denke, für diesen Raum und diese Besetzung, mit diesem Mikrofonpaar ist das die beste Lösung.

Sicher, die Verwendung von mehreren Mikrofonen könnte den Klang an Geschmack von Tontechniker anpassen, das ist hier aber nicht der Zweck. Alles, was hier anzupassen ist, wird nicht durch die Aufnahmetechnik, sondern durch die Spieltechnik allein gemacht.

Gruß,
Max.

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Beitragvon RainerG » 11.05.2009, 13:47

max hat geschrieben:Hallo EBS,
ich habe nicht gedacht, daß das für dich so lästig ist. Ich habe selbst von diesem Server viel nützliches aufgeladen.

... So weiß ich einfach nicht, wie sonst ich die Fotos und MP3s freilegen kann.

.

Gruß,
Max.



Hallo Max,


wenn Du Bilder hier hochladen willst, probiere doch mal

http://www.picbutler.de/


Wir haben damit gute Erfahrungen.


MfG
RainerG


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