Faltungshall

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Holger
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Faltungshall

Beitragvon Holger » 30.03.2009, 18:26

Hi,

was für einen Faltungshall könnt Ihr empfehlen?
Wie ist z. B. der Faltungshall von Cubase 5?
Muss es immer unbedingt der "Platzhirsch" Altiverb sein?
Was gibt es sonst noch für Alternativen?

Recher: Quad-Core mit Windows XP => VST-Plug IN.

Viele Grüße und Vielen Dank im Voraus.

Holger

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ebs
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Impulsantwort wird mit Faltungshall bezeichnet

Beitragvon ebs » 30.03.2009, 21:21

Holger hat geschrieben:Was für einen Faltungshall könnt Ihr empfehlen?

Dieses Gerät von Sony DRE S777 sollte man kennen, wenn man schon das Wort "Faltungshall" in den Mund nimmt. http://www.soundonsound.com/sos/dec99/a ... res777.htm
Bei der Herstellung dieses Hallgeräts wurde der werbeträchtige Begriff "Faltungshall" geboren.
In Wikipedia ist dieser schöne Begriff auch zu finden: http://de.wikipedia.org/wiki/Faltungshall
Faltungshall stellt aber nichts anderes dar, als schlichtweg eine Impulsantwort.
Anfänglich wurde der beliebte "Faltungshall" maßlos überbewertet, weil es eben nicht stimmt, dass man ein Klavier und eine Geige preisgünstig im Wohnzimmer abnimmt und dann die Impulsantwort aus dem Faltungshallgerät mit dem Programm des Goldenen Saals über seine Tonaufnahme gießt und es dann so klingt, als sei das der Raumklang aus dem teuren Wiener Musikverein.
Einige Nachhallprogramme der Firma Lexicon erscheinen mir für Stereoaufnahmen brauchbarer. Es kommt aber immer auf die Schallquelle an. Ganz besonders zu loben wäre das Schlachtschiff Lexicon 960 hinter dem die entgegengesetzte Philosophie einer "originalgetreuen" Darbietung eines angeblich ganz natürlichen Konzertsaalklangs steckt.

Viele Grüße ebs

PS: Wieso komme ich bei dem Wort "Falten" immer auf Servietten?

Und noch etwas mit "falten" ...
Ein Gedicht von Christian Morgenstern (1871-1914)
"Das Gebet"

Die Rehlein beten zur Nacht,
hab acht!
Halb neun!
Halb zehn!
Halb elf!
Halb zwölf!
Zwölf!
Die Rehlein beten zur Nacht,
hab acht!
Sie falten die kleinen Zehlein,
die Rehlein.
Zuletzt geändert von ebs am 02.04.2009, 00:05, insgesamt 1-mal geändert.
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prinzipal
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Beitragvon prinzipal » 31.03.2009, 19:45

ebs: interessante stellungnahme, auch ich stelle dies gerade fest... dachte aber, es liegt an meinen evtl. nicht so dollen impulsantworten.

wieso klappt die ganze sache doch nicht so ganz? könnte man sagen, daß es auf die menge und dichte der information ankommt?
sprich: würde die faltungshallgeschichte wesentlich (?) besser funktionieren wenn man 1-bit technologisch gesampeltes material (also aufnahme UND impuslantwort) miteinander verrechnet?

rein vom hören, bin ich momentan der ansicht doch maximale energie in den besten klang vor ort zu stecken. doch woran liegts, welche dinge werden beim faltungshall nicht berücksichtigt?

lg matthias

p.s. ähnlich hört sich für mich momentan übrigens digitale filter (fft) an: wie beim foto-je mehr man regelt umso mehr entstehen komische artefakte etc. der klang wird rauher und schlechter. nur eine frage der bittiefe und der digitalen auflösung?

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ebs
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Der natürliche Nachhall - Das unnatürliche Stereofoniesystem

Beitragvon ebs » 31.03.2009, 21:43

Wie immer, so gibt es sicher viele Gründe, warum manchmal ein bestimmter Hall "passt" und manchmal eben nicht zur Aufnahme klingt. Sicher hängt das auch von der Art der aufgenommenen Schallquellen ab.
Vergessen wird gerne bei dem starken Wunsch nach "ganz natürlichem Hall", dass wir diesen für unsere künstliche Stereoaufnahme benötigen, die sich nur vorne zwischen den beiden Lautsprechern abspielt. Etwa in einer Kirche kommt viel mehr natürlicher Nachhall eben nicht aus der Richtung des Klangkörpers. Mit David Griesinger bin ich nach langen Diskussionen fest der Meinung, dass eine Tonaufnahme einen deutlich "anderen" Nachhall benötigt, als er in natürlichen Räumen vorhanden ist. Bekannt ist beispielsweise, dass die Nachhallzeit in "guten" Sälen und Kirchen bei tiefen Frequenzen unter 200 Hz in der Nachhallzeit (nicht im Pegel) deutlich länger ist, als bei 1000 Hz. Das klingt bei Orgelmusik und bei Don-Kosaken-Chören in großen Sälen und Kirchen ganz wunderbar plastisch - satt und "warm umspülend". Jedoch klingt dieser Nachhall bei Stereo-Tonaufnahmen angewendet schlecht - eben verwaschen und stark mulmig. Ich wünsche mir darum keinen Nachhall, der in den Tiefen eine längere Nachhallzeit hat, auch nicht als Faltungshall oder als 1-bit gesampeltes Material. Natürlich musste Griesinger in seine Hallgeräte den Bass-Multiply einbauen, weil das vom Marketing und von den Audiophilen unbedingt verlangt wurde. Ich rate jedoch meinen Studenten, diesen Bass-Enhancer der Nachhallzeit auf "1" zu stellen, also unbedingt abzuschalten.
Hier ist eine typische Kurve der "Nachhallzeit in Abhängigkeit von der Frequenz", die häufig falsch mit Nachhall-"Frequenzgang" bezeichnet wird.
Bild
So etwas wirkt eben in dieser Bremer Kirche schön umhüllend, aber auf einer Stereoaufnahme klingt das schlecht, weil unter anderem diese hinzugemischten Nachhallsignale, wie auch die Direktsignale aus der vorderen Richtung kommen und das Stereoklangbild "vermulmt" klingt - also verdorben wird. Wenn man auf einer Aufnahme hört, dass "künstlicher" Hall drauf ist, dann hat der Tontechniker etwas falsch gemacht. Das muss nicht sein, denn das ist zu verhindern.

Viele Grüße ebs

PS: Was ist denn ein Frequenzgang?
Zuletzt geändert von ebs am 23.02.2010, 15:08, insgesamt 1-mal geändert.
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RainerK
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Re: Der natürliche Nachhall - Das unnatürliche Stereofoniesy

Beitragvon RainerK » 01.04.2009, 07:39

ebs hat geschrieben:...
Viele Grüße ebs

PS: Was ist denn ein Frequenzgang?


Auch wenn die Frage rethorisch gemeint sein sollte, kann ich mir zur weit verbreiteten Gedankenlosigkeit beim Gebrauch des Begriffs Frequenzgang dieses nicht verkneifen:
(Fast) immer meint der Benutzer dieses Begriffs tatsächlich den Amplitudengang über der Frequenz.
Einen Frequenzgang hat z.B. ein Generator, dessen erzeugte Frequenz sich durch äußere Einflüsse (z.B. eine Änderung der Temperatur oder Betriebspannung) ändert.

Leider ist man oft dazu gezwungen, auch das Wort Frequenzgang falsch zu benutzen, weil sich das so versteinert hat und die meisten Adressaten sonst nicht wissen, wovon man spricht.

Es grüßt RainerK
Der Ton macht die Musik

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Beitragvon prinzipal » 01.04.2009, 09:16

danke erstmal.

heißt das dann aber nicht, daß ich a) mittels der regler "tiefen" (und höhen)in z.b. samplitude die impulsantwort paßgerecht anpassen kann und b), daß es quasi sache der praxistauglichkeit der impulsantwort ist, wie das ganze klingt?

am ende eine impulsantwort mit "leichtem" knall aufgenommen-luftballon z.b. sogar die bessere ist, statt eine antwort über den ganzen hörbereich?

letzte wichtige frage für mich dazu: ist qualitativ eine impulsantwort eines hallgerätes dem originaleinsatz desselbigen adäquat?

meine fragen übrigens alle vor dem klanglichen hintergrund kammermusik/stimme/soloinstrumente-also absolut durchhörbare musik mit blanken instrumenten ohen natürliches dithering ;-)))

lg matthias

p.s. da orgelmusik angesprochen wurde: ist es wirklich ratsam orgelaufnahmen zu verhallen? eine orgel kann man ja schlecht im studio aufnehmen und dann kathedrale xy drüber "gießen" ;-)

ist für mich mal interessant, wie groß die zahl der fälle ist, wo ein proff. toning orgelaufnahmen verhallt.

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ebs
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Re: Nachhall - die Zeit oder der Pegel?

Beitragvon ebs » 01.04.2009, 09:37

RainerK hat geschrieben:(Fast) immer meint der Benutzer dieses Begriffs tatsächlich den Amplitudengang über der Frequenz. Einen Frequenzgang hat z.B. ein Generator, dessen erzeugte Frequenz sich durch äußere Einflüsse (z.B. eine Änderung der Temperatur oder Betriebspannung) ändert. Leider ist man oft dazu gezwungen, das Wort Frequenzgang falsch zu benutzen, weil sich das so versteinert hat und die meisten Adressaten sonst nicht wissen, wovon man spricht.

Hallo RainerK, da ist was dran. Jedenfalls sollte man dabei nachdenken, sich das klarmachen und den Nachwuchs darauf hinweisen. Danke.

Auf die Frage: "Welche Kurve mag wohl mit dem Wort "Nachhallkurve" gemeint sein? Pegel oder Zeit als y-Achse?" wurde ich gestoßen, als ich im orangefarbenen Dickreiter (Teil 1) in Auflage 6 und früher bei "Nachhallkurven" mehrfach das unrichtige Wort "Frequenzgang" fand - mit der Zeit des Nachhalls auf der y-Achse.
Dazu habe ich für den wirklich Interessierten das Blatt "Drei Nachhallkurven - aber nur ein Frequenzgang" entwickelt
und auch: "Frequenzabhängige Nachhallzeit und frequenzabhängiger Nachhallpegel".

Nach dem Studium hatte ich auch geglaubt, dass bei tiefen Frequenzen der Nachhall ansteigt, wobei sich in meinem Kopf falsch eine Pegelanhebung eingeprägt hatte. Erst bei den eigenen Nachhallmessungen mit aufgenommer Schreckschusspistole und Auswertung mit Pegelschreiber und vorgeschalteten einstellbaren Terzfiltern, lernte ich, dass bei tiefen Frequenzen kaum Pegel vorhanden ist, sicher auch weil die Schreckschusspistole keine tiefen Anregungs-Frequenzen abgeben kann. Die dabei längere Nachhallzeit habe ich bei tiefen Frequenzen immer gefunden. Seit dieser Zeit trenne ich penibel genau die Zeit und den Pegel; siehe:
"Parameter des Nachhallgeräts Lexicon 480 L".

Auch wurde mir bei der Tätigkeit der damals mühsamen Nachhallmessungen mit Tonbandschleife eindrucksvoll klar, dass das nichts mit Energie zu tun hat, wie mir das die Akustiker beibrachten, sondern dass das schlicht der Schalldruck und die daraus erzeugte und dann gemessene Spannung ist.

Viele Grüße ebs

PS1: Und der Anfangsposter "Holger" will doch nur einfach wissen, was für einen "Faltungshall" er denn nehmen soll.

PS2: Wer meine pdf-Links nicht laden kann, der hole sich den kostenlosen AdobeReader 9.1; unter http://get.adobe.com/de/reader/
Dabei ist unbedingt das "Häkchen" wegzunehmen: "Kostenlose Google-Toolbar (optional) - 1.2MB".
Sonst bekommt man etwas, was man gar nicht möchte.

PS3: Wer unbedingt die Antworten zu den Fragen des letzten Links sucht, der findet diese hier.
"Antworten zu Parameter des Nachhallgeräts Lexicon 480 L".
Zuletzt geändert von ebs am 02.04.2009, 08:30, insgesamt 2-mal geändert.
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Orgel und künstlicher Nachhall

Beitragvon Musikmeister » 01.04.2009, 10:33

prinzipal hat geschrieben:Da Orgelmusik angesprochen wurde: Ist es wirklich ratsam Orgelaufnahmen zu verhallen?
Eine Orgel kann man ja schlecht im Studio aufnehmen und dann Kathedrale xy drüber "gießen".
Für mich ist mal interessant, wie groß die Zahl der Fälle ist, wo ein Prof. Toning Orgelaufnahmen verhallt.

Sicher ist das weniger üblich. Aber es gibt eben nichts was es nicht gibt, denn es gibt Orgelaufnahmen bei denen mehrere Mikrofone wirklich im Orgelgehäuse dicht an die verschiedenen Pfeifen-Register montiert wurden. Da wird man schon Kunsthall verwenden müssen, wenn Raummikrofone für den originalen Kirchenhall nicht ausreichen.
1703 trat Johann Sebastian Bach trat seine erste Orgelstelle in der Neuen Kirche in Arnstadt an.
Neben einer neueren Orgel gibt es auch noch die von Bach gespielte Orgel dort. Wer einmal diese Orgel hat spielen hören, der erkennt, dass das mehr nach Wohnzimmer, als nach Kathedrale klingt, was kein Wunder bei der kleinen Kirche mit Holzwänden ist. Es ist nicht vorstellbar, dass man eine Aufnahme veröffentlicht, bei der man diesen Originalklang so belässt. Da wird man ganz vorsichtig und geschmackvoll mit "Kunsthall" nachhelfen, ohne dieses auf dem Plattencover zu erwähnen, denn man will ja keine Käufer verschrecken.
Der übliche Fall ist doch nicht die Orgel, sondern Kammermusik im Wohnzimmer und der Wunsch es aber nach Kammermusiksaal klingen zu lassen. Da muss immer elektronischer Nachhall helfen, wenn man nicht Einspielen in ein Treppenhaus vorzieht.

PS: Nicht nur Principal sollte mal das vorige Posting von ebs sorgfältig durchlesen, denn allgemein scheint das Anheben und Absenken der Nachhall-Zeit oder der frequenzabhängigen Hall-Amplitude (Hall-Pegel) ziemlich unklar zu sein. Pegel ist doch nicht das gleiche wie Zeit. Also was möchte man regeln und was regelt man?

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stefan
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Beitragvon stefan » 01.04.2009, 11:29

Hallo zusammen,
eine Bemerkung/Frage dazu:

Ganz oft ist es nicht möglich, bei tieffrequentem Schall von 'Nachhallzeit' zu reden. Nachhall setzt per Definition ein diffuses Schallfeld voraus und das ist im unteren Freqzenzbereich -abhängig von der Raumgrösse, abhängig vom Abstand zur Schallquelle- oft nicht gegeben. Wenn irgendwas bei den tiefen Frequenzen 'mulmt' dann sind das eher störende Eigenmoden des Raumes. Das ist eine bekannte Problematik, die die Akustik von (zu kleinen) Abhörräumen betrifft und das bringt mich überhaupt auf diesen Gedanken hier, denn prinzipiell ist das ja auch auf die Aufnahmeräume anwendbar:

Bei der Aufnahme ist der Mikrofonabstand zu den Schallquellen nie so gross, dass dieser einen künstlichen Hallanteil für tiefe Frequnzen rechtfertigen würde. Es existiert in diesem Bereich ja kein diffuses Schallfeld.

Hat somit ein als unnatürlich empfundener tieffrequenter künstlicher Hall etwas damit zu tun, dass es für die Aufnahme im unteren Frequenzbereich diesen Nachhall in Wirklichkeit gar nicht gibt und dass man diesen vom psychoakustischen Aspekt her nicht erwartet? Oder ist der Gedanke falsch?

Und darüberhinaus - vielleicht gibt es einen Zusammenhang zwischen dem 'mulmigem' Klang ungünstig eingestellter Hallgeräte und Problemen bei tiefen Frequenzen von Abhörräumen? - (aber möglicherweise ist diese Frage zu sehr an den Haaren herbeigezogen :-) )

Grüsse
Stefan


PS: vielleicht sollte jemand mal diesen Thread in eine andere Rubrik verschieben? Eigentlich wirds für den Threadstarter off-topic...
Zuletzt geändert von stefan am 01.04.2009, 15:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Es ist egal, wie tief man die Messlatte für den menschlichen Verstand ansetzt,
jeden Tag kommt jemand und marschiert erhobenen Hauptes darunter hindurch.

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Beitragvon RainerK » 01.04.2009, 13:53

Vieleicht liegt die Unnatürlichkeit der Bearbeitung "trockener" Aufnahmen mit Impulsantworten in unzulässigen Vereinfachungen.
Die Impulsantworten, die ich bisher "gesehen" habe, waren ausschließlich in mono.
Wo soll dann ein Unterschied für die zu bearbeitenden Stereokanäle herkommen.
Die notwendige Rauminformation für den Diffusschall fehlt doch dann und der Hall kommt z.B. "schmal aus der Mitte".

Eine weitere offene Frage ist für mich auch noch, ob Schallgeber und Mikrofone für die Aufnahme der Impulsantwort
an Aufstellorten waren, die auch die Standorte von z.B. Musikinstrument(en) und Hauptmikrofon einer Tonaufnahme in dem Raum wären.

Eine kaum zu vermeidende Vereinfachung ist sicher auch noch, daß eine ausgedehnte Orchester- und/oder Chor-Aufstellung
und damit die Vielzahl an wirksamen Impuslantworten praktisch nicht berücksichtigt werden kann.

Alles pure Theorie, was sagen die Praktiker ?

Es grüßt RainerK
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Beitragvon prinzipal » 01.04.2009, 15:56

ja, hab leider zu schnell geantwortet- man kann in sam natürlich nur den PEGEL der tiefen frequenzen absenken, nicht die zeit.

leider kann ich ebs verlinkte dateien nicht öffnen.

zum tiefen nachhall empfehle ich aber einmal orgel mit offenen ohren zu hören. wenn die 16" und 32" ordentlich intoniert sind (engl. orgeln mit höheren luftdruck zeigen den effekt ganz gut) dann hört man bei durchsichtigen registrierungen ganz gut, daß die bässe länger im raum stehen bleiben. der orgelbauer wird es natürlich etwas ausgeglichen haben ( mit der mensur) um das klangbild nicht zu basslastig zu machen.

ich könnte mir allerdings vorstellen, daß über gut oder schlecht im falle tiefen nachhalls auf der aufnahme eher die auflösung der tönenden box im baßbereich da entscheidend mit reinspielt. auf boxen mit sehr großen und guten bassmembranen habe ich auch z.b. bestimmte orgelaufnahmen sehr differenziert bis in den bassbereich hören können, aber da war ja auch kein impulshall zugemischt.


lg

p.s. danke für die erklärung mit arnstadt. ja, verstehe ich! die hörgewohnheiten sind da stärker als originaldoku-ansatz ;-)

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Beitragvon prinzipal » 01.04.2009, 16:04

noch eine frage, die auch dem trheadersteller helfen könnte:

ich stelle mir das momentan so vor (in den üblichen programmen): per fft-analyse wird der klang in einzelne frequenzbereiche aufgeteilt (separiert) und diese einzelfrequenzen quasi mit dem impuls verrechnet.

heißt für mich, daß aber je nach auflösung der fft-analyse löcher (also nicht verrechnete frequenzanzeile auftreten. (wenn die größte auflösung z.b. 1,2 hz ist, dann wäre das das raster). nun ist meine erfahrung, daß die fft-analyse zwar genauer wird, je höher die samplerate ist, aber gleichzeitig das raster "gröber" wird. dagegen bei niedrigen sampleraten die abstände kleiner. würde es also eher sinn machen IR´s mit niedrigen sampleauflösungen zu berechnen um eine dichte verteilung über das ganze frequenzband zu erreichen, oder erzähle ich grad müll?

liegt hier evtl. auch evtl. der ganze "hund" des faltungshalls, daß -um rechenpeistung zu sparen- dieses "raster" oft viel zu grob ist?

fragen über fragen....

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Nachhall - Das vernachlässigte Bass-Fundament

Beitragvon ebs » 01.04.2009, 16:43

Gerade eben bekomme ich die Vereinszeitschrift des Verbands Deutscher Tonmeister. Da traue ich meinen Augen kaum. Von Seite 35 bis 41 wird genau unser Hall-Thema abgehandelt:
Peter K. Burkowitz und Helmut V. Fuchs: "Das vernachlässigte Bass-Fundament" - Zur Behandling der tiefen Frequenzen beim Darbieten, Aufnehmen und Wiedergeben von Sprache und Musik.
Sollte jemand aus unserem privaten Kreis daran Interesse haben, so kann er mir ja mailen. Aus Copyright-Gründen traue ich mich nicht, diesen frischen Aufsatz für die Allgemeinheit auf meine Webseite zu stellen.

Nachträgliche Ergänzung: Ich zitiere aus dem recht erfreulichen Aufsatz von Peter K. Burkowitz und Helmut V. Fuchs: "Das vernachlässigte Bass-Fundament" - Zur Behandlung der tiefen Frequenzen beim Darbieten, Aufnehmen und Wiedergeben von Sprache und Musik.
Ganz generell gilt: "Um ein differenziertes Bass-Fundament als Basis für den gesamten Klang-Kosmos gleich welcher Stilrichtung, generieren zu können bedarf es einer "schlanken" Raumakustik. - Der leider noch weit verbreitet anzutreffende Anstieg der Nachhallzeit zu den Tiefen hin wirkt sich ausgesprochen kontraproduktiv aus."
Danke für dieses deutliche Statement, auf das ich lange warten musste.

In diesem Artikel, stecken viele kleine Wahrheiten und Weisheiten von zwei erfahrenen Menschen. Im ganzen Artikel kommt nirgends das Wort Schallenergie vor. Sehr gut! Das sind für mich ernstzunehmende Fachleute, die genau wissen, was sie sagen.
Man sollte nur wissen, dass viel zu oft ein Autor ungeprüft vom anderen abschreibt; da gehen sogar falsche Behauptungen ohne weitere Prüfung in die Norm ein. Ich bin so dankbar, dass endlich jemand dafür plädiert, nicht die ansteigenden Ist-Kurven der Nachhallzeit bei tiefen Frequenzen mit der unnötigen Mulmwirkung als Norm zu erheben, sondern die
akustisch notwendigen ebenen oder sogar abfallenden Kurven, die für klaren Klang sorgen.

Zufällig wird auch dort von der Kirche in Arnstadt gesprochen im Vergleich zur Jesus Christus Kirche in Berlin-Dahlem. Ich kenne beide Akustiken. Mir ist nur unklar, warum die Kurven der Nachhallzeit in Abhängigkeit von der Frequenz im Aufsatz recht ähnlich aussehen, aber deutlich unterschiedlich klingen. Dahlem klingt groß und frei - Arnstadt klingt schon mehr nach "Holzkiste", als nach "Kirche".

Viele Grüße ebs
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Alle pdf-Dateien laufen einwandfrei mit AdobeReader 9.1

Beitragvon ebs » 01.04.2009, 23:24

prinzipal hat geschrieben:Leider kann ich ebs' verlinkte pdf-Dateien nicht öffnen.

Antwort: Das kann daran liegen, dass du nicht den letzten Adobe Newsreader besitzt.

Lade dir den kostenlosen AdobeReader 9.1 runter.

http://get.adobe.com/de/reader/

Bei mir laufen alle pdf-Files vorschriftsmäßig.

Viele Grüße ebs

PS: Unbedingt dabei das "Häkchen" wegnehmen bei "Kostenlose Google-Toolbar (optional) - 1.2MB".
Sonst bekommt man etwas, was man gar nicht möchte.
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MA

Faltungshall

Beitragvon MA » 04.04.2009, 23:00

Hallo Holger,

mir bekannte Varianten von Faltungshall sind SIR, Samplitude und Altiverb, genannt in qualitativ aufsteigender Reihenfolge. SIR ist Freeware, es gibt m. E. für Klassik nicht eine einzige Hallantwort, die man als ästhetisch passend bezeichnen könnte. Ich meine auch, die bei früheren einfachen Hallgeräten zu beobachtende Abweichung der Lokalisation bemerkt zu haben. Das habe ich aber schon einmal im TTF geschrieben.

Bei Samplitude sieht die Sache schon besser aus, aber der Faltungshall ist nur sehr mühselig und zeitraubend durch langes Suchen nach den files überhaupt passend zu bekommen. Mit Samplitude mag es mit Erfahrung dann gehen. Ein Treffer hängt auch von der gewählten Mikrofonierung und der Mikrofonmarke ab. Z. B. Schoeps und Ähnliche lassen sich relativ leicht verhallen. Allerdings haben viele Hallantworten irgendein unnatürliches Scheppern, für das ich – jedenfalls für Klassik - keine Anwendungen sehe.

Man kommt konventionell schneller zum Ziel, für mich ist das ein entscheidendes Argument. Altiverb ist wirklich nicht verkehrt, erlaubt aber z.B. praktisch nur wenig mehr als 2 Instanzen bei voller DSP-Belastung.

Das ist der entscheidende Kritikpunkt. In praktisch allen Fällen kann man auf dem Computer keine genügende Zahl von Instanzen aufschalten. Dies aber wäre durchaus für eine differenzierte Darstellung der Räumlichkeit sinnvoll, ja sogar bei einer anspruchsvollen Produktion zwingende Voraussetzung.
So bleibt der „endlich gefundene“ Faltungshall in vielen Fällen nur der Notnagel, und da ist er eben nur deshalb so beliebt, weil er sich bruchlos in den heutigen computermäßigen „workflow“ einpasst.

Die Hersteller von Hardware haben bis auf das extrem teure Angebotssegment, wo eine Einbindung über USB oder FW erfolgen kann, völlig die Entwicklung verschlafen. Bei den PCI-Karten sehe ich verdächtig viele Gebrauchtanzeigen, oder liege ich da falsch?

Der Faltungshall ist übrigens eine uralte Sache. Vor ca. 20 Jahren wollte die Fa. Denon die Fachwelt damit beglücken. Diese winkte damals schon dankend ab, weil die Geräte von Lexicon, L 224 (XL), 300, 480, dazu das Gerät von Quantec, schon so ausgereift waren, dass ein weiterer Bedarf nicht bestand und der dahinter stehende Denkfehler, man könne eine vermeintliche Original-Konzertsaalakustik über die eigene Produktion stülpen, durchaus sofort erkannt worden ist.

Ich will Dich keineswegs von dem preiswerten oder gar kostenlosen Faltungshall abhalten: Du kannst mit ausgiebigem Probieren auch per Faltungshall zu einem gut anhörbaren Ergebnis kommen. Worauf zielt Deine Frage ab, suchst Du den ultimativen Faltungshall oder ging es nur um die Aufzählung und Besprechung der verschiedenen Marken?

Herzl. Grüße
MA


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