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GEZ

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aseptisch
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Re: GEZ

Beitragvon aseptisch » 19.05.2018, 23:53

Ich stimme mit Euch praktisch flächendeckend überein. Bei dem aktuellen Bundeswettbewerb der Schulen hörte ich (übrigens im öffentlich-rechtlichen Radio), dass eine Schule in Greifswald eine der Aspirantinnen auf die ersten Plätze sei, weil dort Inklusion sehr gut funktioniert. Die Schule war allerdings zuvor mal eine reine Behindertenschule und hat somit sehr gut ausgebildetes Personal, und 3 Lehrer kommen auf 15 Schüler. Tja …

Bezüglich der Lehrerbezahlung sprach ich jetzt nicht über Studienräte. Wie ist es denn so in den verschiedenen Bundesländern, nach wievielen Jahren hat man denn überhaupt Chancen, verbeamtet zu werden? Als beginnender Gymnasial-/Real-/Hauptschullehrer (gibt's eigentlich diese Schultypen noch?), was verdient man denn da so, und sind die Verträge unbefristet? LoboMixx scheint sich da ja auszukennen.

Ich habe ein paar Kollegen, die auch Lehrer hätten werden können. Einer hat vor ein paar Jahren nach seiner Doktorarbeit in Theoretischer Physik auch mal kurz als Lehrer gearbeitet, so aushilfsmäßig. Der Typ ist richtig fähig, kann gut erklären, hat eine laute Stimme, eine natürliche Autorität (selber 3 Kinder), ist ein gelassener, freundlicher Typ und auch noch ein hübscher Friese. Den hätte ich gerne damals als Mathe- oder Physiklehrer gehabt. (Fachlich, meine ich!) Zwar sind die Vorzüge einer Verbeamtung nicht unwesentlich, aber erstmal wäre er ja Angestellter. Und jeden Tag früh vor der Klasse stehen, und das bei den heutigen Schülern und vor allem Eltern. Nee, vielen Dank! Er fand das nicht so einladend. So kam er zu uns als Software-Entwickler, was für Berufseinsteiger ein Tarif EG15 bei der IG Metall BaWü ist. (Das Gehalt ändert sich allerdings bis zur Rente auch nicht mehr, abgesehen von den nicht schlechten alljährlichen Tariferhöhungen.) Die Angestellten der anderen zwei Firmen auf unserem Gelände, Vossloh Locomotive und insbesondere Rheinmetall Defense, dürften deutlich höhere Gehälter zahlen. Abgesehen davon, dass ich moralisch gesehen für letztere Firma nicht arbeiten würde: Wo liegt der Anreiz, als Lehrer anzufangen? Ok, fähige Idealisten, die sich berufen fühlen, den Nachwuchs auszubilden, aber davon gibt's jetzt nicht so besonders viele. Mein Kollege kann jetzt hingegen ein kleines Reihenhaus abzahlen. Wir brauchen noch ganz, ganz viele gute Lehrer!

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Re: GEZ

Beitragvon LoboMixx » 20.05.2018, 12:12

Detaillierte Informationen zu den Lehrergehältern findet man hier:
https://www.oeffentlichen-dienst.de/news/69-gehalt/300-grundschullehrer-gehalt-lehrergehalt.html

Und hier noch mal ergänzend für die Sekundarstufe II und leitende Positionen:
https://www.lehrcare.de/blog/besoldungstabellen-fuer-verbeamtete-lehrkraefte-2014/

Dabei muss man immer beachten, dass den Beamten keine Einkommenssteuer abgezogen werden, auch keine Rentenbeiträge. Sie müssen sich allerdings selber krankenversichern. Für die Pensionen sorgen die Steuerzahler.

In dem Zusammenhang möchte ich betonen, dass ich das Beamtentum für Lehrer als überholt ansehe. Ebenso wie die Schaffner in der Bahn und die Briefträger heute nicht mehr verbeamtet werden, sollten Lehrer heute noch verbeamtet werden. Auch als Angestellte des öffentlichen Dienstes haben sie einen Eid zu leisten und auch angestellte Lehrer üben die "hoheitliche" Aufgabe aus, Noten zu vergeben, Zeugnisse zu schreiben und Abiturprüfungen durchzuführen. Geht also heute schon.

Zum Vergleich: Musikschullehrer (mein Beruf) werden nach TVÖD Stufe 9 bezahlt (diese Stufe findet sich auch in einer der Tabellen). Allerdings nur solche, die an sozusagen ´ordentlichen´ öffentlichen Musikschulen angestellt sind, die auch korrekte Verträge anbieten und dann nach TVÖD bezahlen. Musiklehrer, die an "e.V."-Musikschulen oder gar privaten Musikschulen arbeiten, haben meistens nur Honorarverträge, schlimmstenfalls ohne Bezahlung ausgefallener Stunden (auch bei Krankheit und Ferien!). Und oft bekommen sie brutto nicht mehr als z.B. 16,- € je 45-Min.-Unterrichtsstunde wie ich mal konkret erfahren habe. So etwas nenne ich Tagelöhnerei!!!
Von einem Gehalt nach TVÖD Stufe 9 kann man durchaus leben, bescheiden zwar, aber immerhin, auch mit Familie. Allerdings bleibt es an den Musikschulen nach der Bewährungszeit (ca. 1 Jahr) dann bis zur Rente dieselbe Stufe. Mehr bekommen nur die (sehr wenigen) Fachbereichsleiter (allerdings nur geringfügig mehr) und natürlich Leiter und stellvertretender Leiter. Der Leiter hat den Amtsleiter-Status und wird entsprechend eingestuft, wobei die Größe der Musikschule auch noch eine Rolle spielt. Beamter ist an den Musikschulen niemand, auch die Leiter nicht.

Zurück zum Thema öffentlicher Rundfunk:
400.000,- € für den Intendanten des WDR ist sicher angemessen im Kontext der heutzutage üblichen Relationen und der Größe des WDR sowie der Verantwortung, die so ein Intendant hat.
Meine persönliche Meinung dazu ist: das ist zu viel, so viel Geld braucht kein Mensch, von noch mehr, ja exorbitant viel mehr Salären und "Boni" in anderen Bereichen ganz zu schweigen!
Tom Buhro ist sicher ein fähiger Intendant soweit ich das beurteilen kann (ich habe aber beruflich nichts mit irgendwelchen Rundfunkanstalten zu tun und keine Einblicke in deren Innenleben), aber so viel Geld braucht er sicher auch nicht.
Für unfähige Redakteure ist sowieso jeder Euro zuviel (fähige , die es sicher auch gibt, sei ihr Einkommen gegönnt), aber auch die Honorare für Showgrößen aller Art überschreiten für mich oft schon die Grenzen der Obszönität. Dem stehen die "Privaten" aber in nichts nach.

Es gibt kein Menschenrecht auf Reichtum, schon gar nicht auf unermesslichen Reichtum, auch nicht auf Luxus oder übertriebene Bequemlichkeit!
Die Verteilung der Einkommen ist ein großer Missstand und absolut ungerecht.
Überhaupt ist für mich die Gier ein Hauptgrund aller Übel, der die Welt aktuell ausgesetzt ist, wenn nicht die Hauptursache. Die Gier nach Geld, Macht und auch Ruhm lässt Menschen verrohen und über Leichen gehen (sogar buchstäblich), hält den größten Teil der Menschheit in Armut und Elend und ruiniert unseren schönen und einmaligen Planeten.

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Re: GEZ

Beitragvon manjak » 20.05.2018, 13:19

LoboMixx hat geschrieben:Detaillierte Informationen zu den Lehrergehältern findet man hier:
https://www.oeffentlichen-dienst.de/news/69-gehalt/300-grundschullehrer-gehalt-lehrergehalt.html

Und hier noch mal ergänzend für die Sekundarstufe II und leitende Positionen:
https://www.lehrcare.de/blog/besoldungstabellen-fuer-verbeamtete-lehrkraefte-2014/

Dabei muss man immer beachten, dass den Beamten keine Einkommenssteuer abgezogen werden, auch keine Rentenbeiträge. Sie müssen sich allerdings selber krankenversichern. Für die Pensionen sorgen die Steuerzahler.


Also um es mal richtig zu stellen. Selbstverständlich zahlen Beamte einkommenssteuer. Über die Beihilfe erhalten Sie 50% der Behandlungskosten erstattet, der Rest läuft über eine private Krankenversicherung. BeiFamilienangehörigen ist der Zuschuß der Beihilfe 70%.Rentenbeiträge werden nicht gezahlt, weil es dafür die vom Staat gewährte Pennsion gibt. Und natürlich zahlen Beamte auch keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung.



LoboMixx hat geschrieben:In dem Zusammenhang möchte ich betonen, dass ich das Beamtentum für Lehrer als überholt ansehe. Ebenso wie die Schaffner in der Bahn und die Briefträger heute nicht mehr verbeamtet werden, sollten Lehrer heute noch verbeamtet werden. Auch als Angestellte des öffentlichen Dienstes haben sie einen Eid zu leisten und auch angestellte Lehrer üben die "hoheitliche" Aufgabe aus, Noten zu vergeben, Zeugnisse zu schreiben und Abiturprüfungen durchzuführen. Geht also heute schon.


Das sehe ich ganz genau so! Beamte sollten nur noch dort eingesetzt werden, wo hoheitliche aufgaben anstehen, die zur Sicherung des Staates und der öffentlichen Ordnung dienen, also Militär, Polizei etc.


LoboMixx hat geschrieben:Zurück zum Thema öffentlicher Rundfunk:
400.000,- € für den Intendanten des WDR ist sicher angemessen im Kontext der heutzutage üblichen Relationen und der Größe des WDR sowie der Verantwortung, die so ein Intendant hat.
Meine persönliche Meinung dazu ist: das ist zu viel, so viel Geld braucht kein Mensch, von noch mehr, ja exorbitant viel mehr Salären und "Boni" in anderen Bereichen ganz zu schweigen!
Tom Buhro ist sicher ein fähiger Intendant soweit ich das beurteilen kann (ich habe aber beruflich nichts mit irgendwelchen Rundfunkanstalten zu tun und keine Einblicke in deren Innenleben), aber so viel Geld braucht er sicher auch nicht.
Für unfähige Redakteure ist sowieso jeder Euro zuviel (fähige , die es sicher auch gibt, sei ihr Einkommen gegönnt), aber auch die Honorare für Showgrößen aller Art überschreiten für mich oft schon die Grenzen der Obszönität. Dem stehen die "Privaten" aber in nichts nach.

Es gibt kein Menschenrecht auf Reichtum, schon gar nicht auf unermesslichen Reichtum, auch nicht auf Luxus oder übertriebene Bequemlichkeit!
Die Verteilung der Einkommen ist ein großer Missstand und absolut ungerecht.
Überhaupt ist für mich die Gier ein Hauptgrund aller Übel, der die Welt aktuell ausgesetzt ist, wenn nicht die Hauptursache. Die Gier nach Geld, Macht und auch Ruhm lässt Menschen verrohen und über Leichen gehen (sogar buchstäblich), hält den größten Teil der Menschheit in Armut und Elend und ruiniert unseren schönen und einmaligen Planeten.


Das Thema Gerechtigkeit ist im Grunde nicht diskutabel. Wer viel hat oder bekommt, wird das als angemessen ansehen und wer wenig hat oder bekommt findet das naturgemäß nicht OK. Gehälter im Millionenbereich finde ich in der Tat unverhältnismäßig, aber hier sieht man schon sehr die Zielrichtung der Argumentation. Schaut da die Manager und die Unternehmer, die stopfen sich die Taschen voll. Dabei muss man sich mal die Frage stellen, wer wirklich so viel bekommt. Insgesamt haben wir in Deutschland 3,6 Mio Unternehmen. Davon sind 92,7% Kleinstunternehmen, bei denen sich viele über einen Stundensatz von 16 Euro sehr freuen würden. Dann sind noch einmal 6,7%mittelständische Betriebe mit bis zu 100 Beschäftigten und nur 0,6% Betriebe mit mehr als 100 Beschäftigten. Millionegehälter bekommen nur sehr wenige Vorstände von sehr großen Aktiengesellschaften. Die discussion impliziert aber, genau das eingangs gesagte, Unternehmen zocken die anderen ab. Dabei sind es die Unternehmer die dafür sorgen, dass es in unserem Land einen guten Lebenstandard gibt und wir in sehr weiten Bereichen der Bevölkerung einen gewissen Wohlstand haben. Auch die Tatsache, dass wir ein funktionierendesStaats- und Sozialversicherungssystem haben, resultiert daraus.

Letztendlich ist jede Einkommenshirarchie immer mehr oder weniger willkürlich, aber es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum jemand der eine Rundfunkanstalt leitet das vier-, fünf- oder sechsfache davon erhalten muss. In Japan hat man eine Begrenzung der Managergehälter eingeführt, was ich für sehr sinnvoll halte, aber da gibt es auch immer noch Beträge um die 700.000 euro.

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Re: GEZ

Beitragvon LoboMixx » 20.05.2018, 17:37

Von den Mittelständlern und Klein- bzw. Kleinstunternehmen habe ich nicht geschrieben, die meine ich auch nicht. Ich weiß auch, dass es viele gibt, auch bei den Selbständigen, die es schwer haben und ich finde es immer bedauerlich und ungerecht, wenn Menschen, die etwas können und eine gute Arbeit machen nicht den ihnen gerechterweise dafür zustehenden Lohn bekommen.
Ich hatte auch geschrieben, dass man von einem Musikschullehrergehalt nach TVÖD ordentlich leben kann, zumindest wenn man eine volle Stelle hat. Von dem was man an einer privaten Musikschule verdienen kann, kann man nicht wirklich leben, zumal es dort viele Stellen nur mit Teilzeit gibt. Zur Information: in einer Vollzeitstelle hat ein Musikschullehrer 30 Unterrichtsstunden plus Zusammenhangstätigkeiten (plus in der Regel einem sog. Ferienüberhang von ca. 2 Unterrichtsstunden). Was ein Lehrer mit vielleicht nur 15 Unterrichtsstunden an einer Privatmusikschule verdienen kann, kann man sich leicht ausrechnen.
Lehrer an Schulen haben maximal 24 Unterrichtsstunden je Schulwoche.

Überhaupt soll jeder, der eine gute Arbeit macht, gut bezahlt werden und wer eine sehr gute Arbeit macht und einen sehr verantwortungsvollen Job hat soll auch sehr gut bezahlt werden. Die erwähnte Obergrenze von umgerechnet 700.000,- € in Japan finde ich sehr gut. Das ist wirklich sehr, sehr viel Geld, mehr muss es wirklich nicht sein, egal was man macht.

Was mich aufregt, sind z.B. Meldungen wie die folgende: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/banken/deutsche-bank-zahlt-2-3-milliarden-euro-boni-a-1198400.html. Diese Art Investmentbanker möchte ich raffgierig nennen und ich habe kein Verständnis dafür, dass man ihnen so viel Geld hinterher schmeißt, obwohl sie 2017 eigentlich keine gute Arbeit geleistet haben, denn im Investmentbereich hat die Deutsche Bank zuletzt nur Verluste gemacht, wie man hier nachlesen kann (weiter unten auf der Seite): http://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/deutsche-bank-macht-weniger-geschaeft-im-investmentbanking-15428934.html.

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Re: GEZ

Beitragvon manjak » 21.05.2018, 08:34

LoboMixx hat geschrieben:Von den Mittelständlern und Klein- bzw. Kleinstunternehmen habe ich nicht geschrieben, die meine ich auch nicht. Ich weiß auch, dass es viele gibt, auch bei den Selbständigen, die es schwer haben und ich finde es immer bedauerlich und ungerecht, wenn Menschen, die etwas können und eine gute Arbeit machen nicht den ihnen gerechterweise dafür zustehenden Lohn bekommen.


Das war nicht gegen Dich gerichtet, sondern sollte aufzeigen, dass diese Argumentation in bestimmten politischen Kreisen als ideologische Grundlage kursiert und daraus dann die entsprechenden Maßnahmen abgeleitet werden, was kaum sinnvoll ist.
LoboMixx hat geschrieben:Ich hatte auch geschrieben, dass man von einem Musikschullehrergehalt nach TVÖD ordentlich leben kann, zumindest wenn man eine volle Stelle hat. Von dem was man an einer privaten Musikschule verdienen kann, kann man nicht wirklich leben, zumal es dort viele Stellen nur mit Teilzeit gibt. Zur Information: in einer Vollzeitstelle hat ein Musikschullehrer 30 Unterrichtsstunden plus Zusammenhangstätigkeiten (plus in der Regel einem sog. Ferienüberhang von ca. 2 Unterrichtsstunden). Was ein Lehrer mit vielleicht nur 15 Unterrichtsstunden an einer Privatmusikschule verdienen kann, kann man sich leicht ausrechnen.

16 Euro Stundenlohn ist schon ganz gut. Und von den unschönen Verhältnissen an Privatschulen habe ich von diversen bekannten Musikern bereits gehört, wobei dann, bei weiteren Nachfragen, zumeist die notwendige Einsicht in ökonomische Hintergründe fehlt. Die Unterrichtsstunde kostet 35 Euro und ich bekomme nur 18 Euro, wenn ich das selbst mache, habe ich die 35 Euro. Aber erstens geht man dann davon aus, dass man schwarzarbeitet, zweitens, dass man keine kosten für Räume, Marketing, das Administrative Personal usw. hat. Das ist eine komplette Milchmädchenrechnung. Dazu kommt, dass die staatlichen Musikschulen zumeist noch gefördert werden, denn die Zahlungswilligkeit oder -fähigkeit der Klientel ist ja bekanntermaßen begrenzt.

LoboMixx hat geschrieben:Was mich aufregt, sind z.B. Meldungen wie die folgende: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/banken/deutsche-bank-zahlt-2-3-milliarden-euro-boni-a-1198400.html. Diese Art Investmentbanker möchte ich raffgierig nennen und ich habe kein Verständnis dafür, dass man ihnen so viel Geld hinterher schmeißt, obwohl sie 2017 eigentlich keine gute Arbeit geleistet haben, denn im Investmentbereich hat die Deutsche Bank zuletzt nur Verluste gemacht, wie man hier nachlesen kann (weiter unten auf der Seite): http://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/deutsche-bank-macht-weniger-geschaeft-im-investmentbanking-15428934.html.


Ja, das ist überhaupt nicht OK, zumal der entlassene Vorstandschef elementare Fehler gemacht hat. Seit ihrer Gründung war die Deutsche Bank eine Mittelstandsbank, die sich also vorrangig um die mittelständischen Unternehmen gekümmert hat. Er hat aber auf Investmentbanking gesetzt und seinen Investmentbankern entsprechende Boni versprochen. Wenn dann aber aus den getätigten Investments eine Menge Umsatz, aber wenig Ertrag resultiert, macht der Laden Verlust und die Investmentbanker kassieren ab. Das jemand dann für so elementare Fehlentscheidungen rausfliegt, ist mehr als richtig, dass er dafür aber Millionenentschädigungen bekommt, ist unvertretbar.

Hieran sieht man dann auch, dass die vom letzten VW-Chef Müller getroffene Aussage, man muss so viel verdienen, weil man ja immer mit einem Bein im Gefängnis stehe, Unsinn ist. Selbst wenn diese Leute noch so viel Mist bauen, gehen Sie im ungünstigsten Fall vorzeitig und kassieren dafür noch ordentlich ab. Nur sehr selten sind Vorstände dafür wirklich belangt worden. Das die Justiz in den USA die VW-Manager jetzt unter Anklage stellt, ist vollkommen korrekt. Diese Entscheidung ist aus meiner Sicht nie von den Ingenieuren selbst getroffen worden, sondern muss vom Vorstand gedeckt gewesen sein. Dass man hier nichts wirklich findet, spricht eher dafür, dass hier das Ganze auf informellen Weg gelaufen ist und nicht dokumentiert wurde.

LoboMixx hat geschrieben:Überhaupt soll jeder, der eine gute Arbeit macht, gut bezahlt werden und wer eine sehr gute Arbeit macht und einen sehr verantwortungsvollen Job hat soll auch sehr gut bezahlt werden. Die erwähnte Obergrenze von umgerechnet 700.000,- € in Japan finde ich sehr gut. Das ist wirklich sehr, sehr viel Geld, mehr muss es wirklich nicht sein, egal was man macht.


Tja, das ist ein frommer Wunsch. Einnahmen minus Kosten sind Ertrag. Weiter aufgeschlüsselt: Einnahmen minus Materialkosten ist der Rohgewinn. Zieht man davon Abschreibung und sonstige Kosten ab, erhält man den Betrag, den man für das Personal ausgeben kann. Es geht also weniger darum, was man zahlen sollte, sondern was man als Unternehmen in der entsprechenden Marktsituation zahlen kann. Und die Reduzierung hoher Gehälter einiger Weniger wird am Verdienst der Vielen nichts ändern.

Die Forderung nach 12 Euro Mindestlohn, zeigt deshalb eine völlig naive Einsicht in ökonomische Zusammenhänge. Der Ansatz ist dabei ja prinzipiell gut, wer Arbeitet soll gut verdienen und besser dastehen, als jemand, der nicht arbeitet. Wen nehme ich hier aber als Maßstab? Den Einzelnen oder die Durchschnittsfamilie mit zwei Kindern?

Und was mache ich dann mit den Leuten, die einen Schulabschluss und eine Ausbildung absolviert haben, also entsprechend qualifiziert sind und die jetzt 12 Euro verdienen, Nun, die müssen dann ja logischer Weise auch mehr bekommen, sagen wir mal 15 Euro mindestens. Faktisch kommt dadurch das gesamte Gehaltsgefüge ins Rutschen. Bedingt dadurch steigen die Kosten bei den unternehmen und am Ende die Preise für die Produkte, die wir kaufen. Dass führt dann zu einem entsprechenden Kaufkraftverlust.

Am Ende stellen wir fest, dass die armen Sozialhilfeempfänger nicht mehr genug haben um zu Leben und folglich mehr bekommen müssen. Soweit so gut! Aber dann sind da doch die gering qualifizierten Arbeitskräfte, die verdienen dann im Verhältnis zu dem Harz IV-Leuten zu wenig, die müssen dann ja auch wieder mehr bekommen. Das Spielchen kann man ad Infinitum fortsetzen. Wir haben dann mehr Geld in der Tasche, bekommen dafür aber entsprechend weniger zu kaufen.

Als ich 2011 mit meiner Frau eine Tour durch Norwegen gemacht habe, war das sehr schön zu sehen. Der Treibstoff für unseren Wagen kostete 1,90€, hier in Deutschland 1,10 Euro. . Eine einfache Pizza gab es im Restaurant nicht unter 25 Euro. Ein Abendessen im Restaurant für zwei Personen mit einem Glas Bier oder Wein und einem Menü war kaum unter 80 Euro zu bekommen Ja, in Norwegen verdient man sehr gut, aber was bekommt man für das viele Geld? Die Kaufkraft des Geldes ist also entscheidend!

Ein Mindestlohn von 12 Euro hätte zur Folge, dass wir, sofern die Unternehmen sich entschließen gering qualifiziertes Personal überhaupt weiter zu beschäftigen, im Außenhandel an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, was bei einer Außenhandlssquote von33% verehrend wäre oder dass die gering qualifizierten ihre Jobs verlieren, weil die Unternehmer noch mehr Jobs für gering qualifizierte ins Ausland verlagern und wir so für diese Menschen die Möglichkeit ihren Lebensunterhalt durch Arbeit zu finanzieren, nehmen. Arbeit ist schlussendlich mehr als nur Geld verdienen, sondern hat auch eine soziale Komponente, ich hänge nicht am Sozialtropf, sondern sorge für mich und meine Familie!

Wer so argumentiert, hat unser Wirtschaftssystem nicht verstanden. Wir haben eine "soziale Marktwirtschaft"! Ausgangspunkt für alle Entscheidungen muss deshalb sein, dass wir von einer ökonomischen Betrachtung ausgehen und Härten, die sich aus diesem System ergeben, durch sozialen Ausgleich kompensieren, ohne dabei aber das ökonomische System elementar zu beschädigen. Wer das Soziale voranstellt, verkennt, dass die Marktwirtschaft die Grundlage unseres Wohlstandes ist. Adam Smith hat mit seiner Idee von der "unsichtbaren Hand" eine sehr wichtige Erkenntnis gehabt, der Eigennutz des einzelnen dient letztendlich allen, wenn hier auch der sozialen Marktwirtschaft der Vorzug zu geben ist. Zentralverwaltungssysteme, bei denen der Staat reguliert, sollten sich nach den Erfahrungen der Geschichte gedanklich überholt haben, was man an den Problemen in Venezuela sieht. . Aber es gibt halt immer noch einige Träumer, die davon nicht lassen können.

So, jetzt aber genug geschwafelt, denn das ist ja eigentlich schon ziemlich out of topic!

VG Manfred
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Re: GEZ

Beitragvon manjak » 21.05.2018, 08:44

LoboMixx hat geschrieben:Von den Mittelständlern und Klein- bzw. Kleinstunternehmen habe ich nicht geschrieben, die meine ich auch nicht. Ich weiß auch, dass es viele gibt, auch bei den Selbständigen, die es schwer haben und ich finde es immer bedauerlich und ungerecht, wenn Menschen, die etwas können und eine gute Arbeit machen nicht den ihnen gerechterweise dafür zustehenden Lohn bekommen.


Das war nicht gegen Dich gerichtet, sondern sollte aufzeigen, dass diese Argumentation in bestimmten politischen Kreisen als ideologische Grundlage kursiert und daraus dann die entsprechenden Maßnahmen abgeleitet werden, was kaum sinnvoll ist.
LoboMixx hat geschrieben:Ich hatte auch geschrieben, dass man von einem Musikschullehrergehalt nach TVÖD ordentlich leben kann, zumindest wenn man eine volle Stelle hat. Von dem was man an einer privaten Musikschule verdienen kann, kann man nicht wirklich leben, zumal es dort viele Stellen nur mit Teilzeit gibt. Zur Information: in einer Vollzeitstelle hat ein Musikschullehrer 30 Unterrichtsstunden plus Zusammenhangstätigkeiten (plus in der Regel einem sog. Ferienüberhang von ca. 2 Unterrichtsstunden). Was ein Lehrer mit vielleicht nur 15 Unterrichtsstunden an einer Privatmusikschule verdienen kann, kann man sich leicht ausrechnen.

16 Euro Stundenlohn ist schon ganz gut. Und von den unschönen Verhältnissen an Privatschulen habe ich von diversen bekannten Musikern bereits gehört, wobei dann, bei weiteren Nachfragen, zumeist die notwendige Einsicht in ökonomische Hintergründe fehlt. Die Unterrichtsstunde kostet 35 Euro und ich bekomme nur 18 Euro, wenn ich das selbst mache, habe ich die 35 Euro. Aber erstens geht man dann davon aus, dass man schwarzarbeitet, zweitens, dass man keine kosten für Räume, Marketing, das Administrative Personal usw. hat. Das ist eine komplette Milchmädchenrechnung. Dazu kommt, dass die staatlichen Musikschulen zumeist noch gefördert werden, denn die Zahlungswilligkeit oder -fähigkeit der Klientel ist ja bekanntermaßen begrenzt.

LoboMixx hat geschrieben:Was mich aufregt, sind z.B. Meldungen wie die folgende: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/banken/deutsche-bank-zahlt-2-3-milliarden-euro-boni-a-1198400.html. Diese Art Investmentbanker möchte ich raffgierig nennen und ich habe kein Verständnis dafür, dass man ihnen so viel Geld hinterher schmeißt, obwohl sie 2017 eigentlich keine gute Arbeit geleistet haben, denn im Investmentbereich hat die Deutsche Bank zuletzt nur Verluste gemacht, wie man hier nachlesen kann (weiter unten auf der Seite): http://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/deutsche-bank-macht-weniger-geschaeft-im-investmentbanking-15428934.html.


Ja, das ist überhaupt nicht OK, zumal der entlassene Vorstandschef elementare Fehler gemacht hat. Seit ihrer Gründung im 19. Jahrhundert war die Deutsche Bank eine Mittelstandsbank, die sich also vorrangig um die mittelständischen Unternehmen gekümmert hat. Er hat aber auf Investmentbanking gesetzt und seinen Investmentbankern entsprechende Boni versprochen. Wenn dann aber aus den getätigten Investments eine Menge Umsatz, aber wenig Ertrag resultiert, macht der Laden Verlust und die Investmentbanker kassieren ab. Das jemand dann für so elementare Fehlentscheidungen rausfliegt, ist mehr als richtig, dass er dafür aber Millionenentschädigungen bekommt, ist unvertretbar.

Hieran sieht man dann auch, dass die vom letzten VW-Chef Müller getroffene Aussage, man muss so viel verdienen, weil man ja immer mit einem Bein im Gefängnis stehe, Unsinn ist. Selbst wenn diese Leute noch so viel Mist bauen, gehen Sie im ungünstigsten Fall vorzeitig und kassieren dafür noch ordentlich ab. Nur sehr selten sind Vorstände dafür wirklich belangt worden. Das die Justiz in den USA die VW-Manager jetzt unter Anklage stellt, ist vollkommen korrekt. Diese Entscheidung ist aus meiner Sicht nie von den Ingenieuren selbst getroffen worden, sondern muss vom Vorstand gedeckt gewesen sein. Dass man hier nichts wirklich findet, spricht eher dafür, dass hier das Ganze auf informellen Weg gelaufen ist und nicht dokumentiert wurde.

LoboMixx hat geschrieben:Überhaupt soll jeder, der eine gute Arbeit macht, gut bezahlt werden und wer eine sehr gute Arbeit macht und einen sehr verantwortungsvollen Job hat soll auch sehr gut bezahlt werden. Die erwähnte Obergrenze von umgerechnet 700.000,- € in Japan finde ich sehr gut. Das ist wirklich sehr, sehr viel Geld, mehr muss es wirklich nicht sein, egal was man macht.


Tja, das ist ein frommer Wunsch. Einnahmen minus Kosten sind Ertrag. Weiter aufgeschlüsselt: Einnahmen minus Materialkosten ist der Rohgewinn. Zieht man davon Abschreibung und sonstige Kosten ab, erhält man den Betrag, den man für das Personal ausgeben kann. Es geht also weniger darum, was man zahlen sollte, sondern was man als Unternehmen in der entsprechenden Marktsituation zahlen kann. Und die Reduzierung hoher Gehälter einiger Weniger wird am Verdienst der Vielen nichts ändern.

Die Forderung nach 12 Euro Mindestlohn, zeigt deshalb eine völlig naive Einsicht in ökonomische Zusammenhänge. Der Ansatz ist dabei ja prinzipiell gut, wer Arbeitet soll gut verdienen und besser dastehen, als jemand, der nicht arbeitet. Wen nehme ich hier aber als Maßstab? Den Einzelnen oder die Durchschnittsfamilie mit zwei Kindern die Harz IV bezieht??

Und was mache ich dann mit den Leuten, die einen Schulabschluss und eine Ausbildung absolviert haben, also entsprechend qualifiziert sind und die jetzt 12 Euro verdienen, Nun, die müssen dann ja logischer Weise auch mehr bekommen, sagen wir mal 15 Euro mindestens. Faktisch kommt dadurch das gesamte Gehaltsgefüge ins Rutschen. Bedingt dadurch steigen die Kosten bei den unternehmen und am Ende die Preise für die Produkte, die wir kaufen. Dass führt dann zu einem entsprechenden Kaufkraftverlust.

Am Ende stellen wir fest, dass die armen Sozialhilfeempfänger nicht mehr genug haben um zu Leben und folglich mehr bekommen müssen. Soweit so gut! Aber dann sind da doch die gering qualifizierten Arbeitskräfte, die verdienen dann im Verhältnis zu dem Harz IV-Leuten zu wenig, die müssen dann ja auch wieder mehr bekommen. Das Spielchen kann man ad Infinitum fortsetzen. Wir haben dann mehr Geld in der Tasche, bekommen dafür aber entsprechend weniger zu kaufen.

Als ich 2011 mit meiner Frau eine Tour durch Norwegen gemacht habe, war das sehr schön zu sehen. Der Treibstoff für unseren Wagen kostete 1,90€, hier in Deutschland 1,10 Euro. . Eine einfache Pizza gab es im Restaurant nicht unter 25 Euro. Ein Abendessen im Restaurant für zwei Personen mit einem Glas Bier oder Wein und einem Menü war kaum unter 80 Euro zu bekommen Ja, in Norwegen verdient man sehr gut, aber was bekommt man für das viele Geld? Die Kaufkraft des Geldes ist also entscheidend!

Ein Mindestlohn von 12 Euro hätte zur Folge, dass wir, sofern die Unternehmen sich entschließen gering qualifiziertes Personal überhaupt weiter zu beschäftigen, im Außenhandel an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, was bei einer Außenhandlssquote von33% verehrend wäre oder dass die gering qualifizierten ihre Jobs verlieren, weil die Unternehmer noch mehr Jobs für gering qualifizierte ins Ausland verlagern und wir so für diese Menschen die Möglichkeit ihren Lebensunterhalt durch Arbeit zu finanzieren, nehmen. Arbeit ist schlussendlich mehr als nur Geld verdienen, sondern hat auch eine soziale Komponente, ich hänge nicht am Sozialtropf, sondern sorge für mich und meine Familie! Wer soll die Kosten für die Arbeitslosen zahlen, schon jetzt zahlt das zu ¾ der Steuerzahler! Die andere Alternative ist, mehr Leistung abzufordern, aber wie soll das funktionieren, wenn immer mehr Studien zum Ergebnis kommen, dass schon jetzt 2/3 der Mitarbeitern mehr oder weniger mit ihrer Arbeit überfordert sind.

Wer mit so einem Mindestlohn argumentiert, hat unser Wirtschaftssystem nicht verstanden. Wir haben eine "soziale Marktwirtschaft"! Ausgangspunkt für alle Entscheidungen muss deshalb sein, dass wir von einer ökonomischen Betrachtung ausgehen und Härten, die sich aus diesem System ergeben, durch sozialen Ausgleich kompensieren, ohne dabei aber das ökonomische System elementar zu beschädigen. Wer das Soziale voranstellt, verkennt, dass die Marktwirtschaft die Grundlage unseres Wohlstandes ist. Adam Smith hat mit seiner Idee von der "unsichtbaren Hand" eine sehr wichtige Erkenntnis gehabt, der Eigennutz des einzelnen dient letztendlich allen, wenn hier auch der sozialen Marktwirtschaft der Vorzug zu geben ist. Zentralverwaltungssysteme, bei denen der Staat reguliert, sollten sich nach den Erfahrungen der Geschichte gedanklich überholt haben, was man an den Problemen in Venezuela sieht. . Aber es gibt halt immer noch einige Träumer, die davon nicht lassen können.

So, jetzt aber genug geschwafelt, denn das ist ja eigentlich schon ziemlich out of topic!

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