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Kleine Musikgruppe mikrofonieren

Tipps, Tricks und "Kochrezepte" für den guten Ton

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bockpfeifer
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Kleine Musikgruppe mikrofonieren

Beitragvon bockpfeifer » 14.06.2018, 16:17

Liebe Mitglieder dieses Forums!

Erst einmal vielen Dank für die vielen lehrreichen Beiträge in diesem Forum, schon seit geraumer Zeit kämpfe ich mich durch die vielen Wortmeldungen und Tipps.
Ich bin ein echter Laie, wirklich! Von den meisten Dingen welche hier diskutiert werden habe ich nicht die geringste Ahnung, selbst deren Grundlagen sind mir oft fremd. Mein Interesse an der Thematik Tontechnik ist mehr aus der Not heraus entstanden. Vor ein paar Jahren habe ich angefangen auf der Bockpfeife zu spielen. Es gibt in meiner Umgebung nicht wirklich viele Bockpfeifer, schon gar keine Lehrer. Also habe ich mir die Grundlagen erklären lassen und dann allein weitergeübt. Dazulernen konnte ich lediglich auf Seminaren/ Kursen. Dort habe ich, damit ich zu Hause eine akustische Erinnerung habe, die verschiedenen neuen Stücke und Techniken mit dem Telefon mitgeschnitten. Wie wunderbar das klingt, weiß hier jeder. Also habe ich mir ein etwas besseres 'Diktiergerät' besorgt. Damit ich nicht gleich wieder ansteh, fiel meine Entscheidung auf den H6. Mit diesem Gerät bin ich auch einigermaßen zufrieden, zumindest scheine ich mich mit den Nachteile dieses Teils abfinden zu können. Die MS Kapsel rauscht mir zu stark, das XY Mikrofon macht aber meiner Ansicht nach seinen Job. Das die Bedienungsanleitung bezüglich des XY Mikrofons grob falsch ist, habe ich hier im Forum erfahren. Auch, dass ich etwas einigermaßen Vernünftiges auf die Ohren brauche um die Aufnahmen abzuhören weiß ich erst von euch - Danke!
Jetzt steht die nächste Erweiterung an und die Planung dieser lässt mich ein wenig verzweifeln...
Mit meiner Frau und zwei Freunden haben wir uns inzwischen zu einer kleinen Musikformation zusammengefunden. Zeitweise gesellen sich noch andere Musikfreunde dazu. Wir möchten jetzt einige unsere Proben aufnehmen. Das ging mit den mob. Recordern (H2 von Freunden und mein H6) schon einigermaßen gut, aber es reicht uns noch nicht. Also sollen noch zwei bis vier Mikrofone her. Ich möchte diese an den H6 anschließen, fürs Erste zumindest. (Denn nachdem ich hier inzwischen einiges gelesen habe, würde meine jetzige Entscheidung eher auf den neuen F8n fallen.)
Vor lauter neuer Informationen dreht sich mir der Kopf... Welche Mikrofone? Nieren, Kugeln, Mikrofonaufstellung, Abbildungsbreite, Direktschall und diffuser Schall, Grenzflächen...Hilfe! Immer wenn ich glaubte etwas verstanden zu haben hat mich die nächste Information wieder durcheinander gebracht ! :lol: Aber vielleicht gelingt mir ja doch noch der notwendigen (Grund-) Durchblick.
Bei und erklingen zwei Bockpfeifen, verschiedene Flöten, Hörner (https://www.histnastroje.cz/en/gemshorns/) und eine Geige. Wir spielen vor allem alte alpenländischen Volksmusik, alte Lieder gelegentlich auch Tänze. Hin und wieder gestalten wir die musikalische Umrahmung einer Messe oder kirchlichen Feier. Das wir dabei auch von Orgel, Regal oder Alphorn begleitet werden spielt für unsere Aufnahmepraxis allerdings kaum eine Rolle.
Ich glaube mit zwei Kleinmembran Nieren erst einmal nicht falsch zu machen. Zuerst habe ich mit den 'überall empfohlenen' Rode NT5 geliebäugelt, nach ein paar Hörbeispielen bin ich aber gar nicht mehr begeistert. (Begeistert bin ich von den 184ern, allerdings sprengen diese mein Amateurbudget deutlich.) Von den hier eventuell nicht so geliebten, anderswo gelobten Chinesen SE8 habe ich leider noch nichts gehört. Haun steht ebenfalls im Raum, ich weiß aber nicht ob diese für mein kleines Gerät genug Ausgangsleistung bringen.
Wie würdet ihr in meinem Fall eine solche Gruppe mikrofonieren? Bringt es mir Vorteile wenn ich neben Nieren auch Kugeln verwende? Macht ein Großmembranmikrofon Sinn? (Nachdem was ich bisher hier gelesen habe wohl eher nicht, vielleicht spricht ja aber doch etwas dafür) Ich bin für jede Anregung dankbar.
Ach ja... Wir proben im Sommer gern in freier Natur, unter uralten Kastanien im Burgenland oder auf einer Kärntner Bergwiese, gelegentlich auch am Ufer eines Sees oder eines ruhigen Flusses.
In der kälteren Zeit ziehen wir uns lieber in Kirchen zurück. Die Proben, welche wir in unseren Wohnzimmern halten werden wir aufgrund der kleinen Räume eher nicht aufnehmen.
Liebe Grüße
Der Bockpfeifer

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sleepytomcat
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Re: Kleine Musikgruppe mikrofonieren

Beitragvon sleepytomcat » 15.06.2018, 11:30

Hallo Bockpfeifer,

Mikrofone:

Die Rhode NT5 (mit Nierenkapseln) sind Kleinmembranmikrofone mit einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis, die auch professionellen Ansprüchen genügen können. Wenn du mit dem "Klang" nicht zufrieden bist wird es wahrscheinlich eher an den Aufnahmeverhältnissen (Raum, Equipment), am Aufnahmeabstand (Mikrofonpositionierung) oder der Vorführung der Instrumente liegen.

Großmembranmikrofone mag ich für deine Anwendungen nicht empfehlen.

Die NT5 werden standardmäßig mit Nierenkapseln geliefert. Es gibt zusätzliche Kugelkapseln. Eine gute Idee ist es einen "Einsteiger-Park" von 4 Stück NT5 und zwei Kugelkapseln anzuschaffen. Damit ergeben sich verschiedene Mikrofonierungsmöglichkeiten, die aber bei optimalem Einsatz ein Mischpult erforderlich machen. Aufnahmetechniken wie "Hauptmikrofon mit AB-Zumischung" (eine sehr bewährte Technik), Polymikrofonierung mit "Knüppelstereo" und der Einsatz von Stützen (geht alles mit bereits vier Mikros) ist ohne Mischpult nur bedingt möglich. Für den Anfang reicht ein Pult mit 8-10 Eingängen.

Die höhenwertigen Handy-Recorder von "Zoom"] sind eine feine Sache und haben die Möglichkeit neben den eingebauten Mikrofonen weitere (meist zwei) anzuschließen und einzumischen. Dann ist aber immer eine zusätzliche Stromversorgung notwendig. Die mitgelieferten Netzteile sind keine glückliche Lösung, denn sie neigen zum Brummen. Entweder du verwendest eine wirkliche brummfreie Lösung oder eine Autobatterie.

Aufnahmen im Freien:

So befriedigend das musizieren im Freien auch ist, aufnahmetechnisch ist es eine Herausforderung gute Aufnahmen zu bekommen. Umweltgeräusche und die fehlende "Räumlichkeit", die durch Reflexionen, Raummoden und Nachhall in einem guten Innenraum gegeben ist, sind schwierig zu kompensieren.

Mache deine Aufnahmen in einem nicht zu großen und "normal" eingerichteten Wohnraum, in dem störende elektrische Geräte, die brummen, summen, pfeifen oder rauschen abgeschaltet sind (dazu gehören auch Computer mit ihren Lüftern).

Die Musikergruppe steht in einem solchen Raum etwa 1-1,5 m vor einer den Schall diffus reflektieren Wand. Das ist am einfachsten ein großes Bücherregal. Auf dem Fußboden sollte Teppich liegen.

Wenn du neben dem Zoom-Recorder noch kein Mischpult einsetzen willst oder kannst, stelle den Recorder auf "XY" mit einer Wickelung von 120°. Der Recorder steht auf einem Stativ in etwa 150-180 cm Höhe. Der Standort befindet sich in der Mitte vor der Gruppe in einem Abstand der der halben Ausdehnung der Musikergruppe entspricht (so passt der Aufnahmebereich der XY-Anordnung etwa zur Stereobasis bei der Wiedergabe in Abhängigkeit von der Musikergruppe).

Wenn du zwei Rhode NT5 mit den zusätzlich beschaffbaren Kugelkapseln ausstattest, stelle sie bitte im Abstand von ca. 150 cm hinter dem Zoom auf. Der Abstand der Mikrofone sollte 70-120 cm betragen. Die Zusatzmikrofone ("AB-Zumischung") kann noch mit dem Zoom eingemischt werden, ohne das es eines Pultes bedarf.

Wenn du deine Aufnahmen nachbearbeiten möchtest bietet sich am Anfang und zum "üben" das Programm “audacity” an. Es ist freeware (!) und für alle üblichen Rechnerplattformen (Linux, windows, Apple) erhältlich. Es ist einfach und intuitiv anwendbar.

Ich habe dir hier das Vorgehen für einen Beginner aufgedeckt, das mit einfachen Mitteln zu brauchbaren Ergebnissen führt. Mikrofone und eine Konsole sind neben Kabeln und Stativen kostspielig und können nach und nach ergänzt werden, womit die Möglichkeiten und auch die Erfüllung höherer Ansprüche steigen können.
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Re: Kleine Musikgruppe mikrofonieren

Beitragvon hafi69 » 15.06.2018, 12:49

Alternativ zu den - zu dem Preis - wirklich ordentlichen NT5
seien noch explizit die "üblichen Verdächtigen" der Mittelklasse

Line Audio CM3 (etwas günstiger)
und
Beyer MC930 (deutlich teurer)
erwähnt.

Wie bereits bekannt sind die Eigenschaften des Raumes und die Platzierung
von Musikern UND Mikrofonen (!)
wesentlich kritischere Punkte als die Auswahl des Mikrofons. :-P

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Wilfried
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Re: Kleine Musikgruppe mikrofonieren

Beitragvon Wilfried » 15.06.2018, 15:30

sleepytomcat hat geschrieben:Aufnahmen im Freien:
So befriedigend das musizieren im Freien auch ist, aufnahmetechnisch ist es eine Herausforderung gute Aufnahmen zu bekommen. Umweltgeräusche und die fehlende "Räumlichkeit", die durch Reflexionen, Raummoden und Nachhall in einem guten Innenraum gegeben ist, sind schwierig zu kompensieren.

Soweit richtig. In diesem Aufnahmefall würde ich so vorgehen:
1.) Sich für alle Instrumente mit der jeweiligen Abstrahl-Charakteristik befassen.
2.) Jedes Instrument einzeln so nah wie möglich entsprechend seiner Abstrahl-Charakteristik mikrofonieren,
gerne auch mit am Instrument angeklemmten Mikrofonen Windschutz für alle Mikros nicht vergessen.
"Knüppelstereo" halt. Was anderes hilft hier leider nicht.
3.) Pro Aufnahmespur 1 Mikrofon. Alle bei der Probe eingestellten Pegel um ca. 9 dB reduzieren. Live ist immer viel lauter.
4.) Später abmischen mit Hallzugabe entweder pro Kanal oder in der Gesamtabmischung oder beides. Hierfür viel Zeit einplanen.
Ggf. mehrere Abmischungen ausprobieren und nach einigen Tagen sich erst entscheiden. Auch andere mal hören lassen.

Wenn man Glück hat ergibt das dann eine brauchbare Aufnahme.
If you can't fix it with a hammer, you've got an electrical problem.

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Re: Kleine Musikgruppe mikrofonieren

Beitragvon bockpfeifer » 15.06.2018, 21:25

Ich bin begeistert! Aber Hallo!
Das sind ja wohl wirklich klare Hinweise, danke! Meine Skepsis bezüglich der NT5 bezog sich auf Klangbeispiele wie diese: https://www.musiker-board.de/threads/ro ... 674/page-4 Ist aber egal, nachdem was ich bisher von euch gehört habe, bleiben wirklich keine Zweifel an eurer Empfehlung. Dort wo diese Klangbeispiele eingestellt sind kann ich nicht immer einschätzen welche Qualität die Aussagen haben. Die mir dort bisher verständlichsten Wortmeldungen, zumindest von den Beiträgen welche ich gelesen habe, kamen von einem User welcher sich dort und hier lediglich durch ein 'x' mehr oder weniger zu unterscheiden scheint. Ich glaube hier irgendwo gelesen zu haben, daß sich der Klang der NT45 O doch von Kapsel zu Kapsel unterscheien soll, wie komme ich zu zwei Kapseln die zusammen passen? Vielen Dank für die Tips zur Positionierung der Mikrofone, ich glaube dabei dürfte mir das: https://m.thomann.de/at/zoom_ecm_6.htm helfen!? Ein vernünftiger Schwenkarm (KM2121) steht schon auf der Einkaufsliste, die großen Stative habe ich bereits (Ausstattung Fotostudio)
Wilfried, danke auch für deine Tips, mit Punkt eins beschäftige ich mich schon ein paar Tage. Ein spannendes Thema!
Jetzt kann ich mich schon einmal niedersetzen und an der Einkaufsliste arbeiten
Ich danke euch sehr
Der Bockpfeifer


Kurzer Nachtrag
Das mit dem Rauschen beim Netzteil ist mir noch nicht bewusst aufgefallen. Allerdings versorge ich den Recorder von Anfang an mit einer Pauerbank. Am Netzteil habe ich ihn lediglich wenn ich mich zum Lernen durch die umständliche Menüführung kämpfe.
Zuletzt geändert von bockpfeifer am 15.06.2018, 21:44, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Kleine Musikgruppe mikrofonieren

Beitragvon pkautzsch » 15.06.2018, 21:43

Vorsicht bei Fotolicht-Stativen! Die Dinger sind meistens nicht für unsymmetrische Belastung ausgelegt, ein Schwenkarm braucht da auf jeden Fall das passende Gegengewicht. Die beliebten "Multiblitz"-Stative würde ich nicht unbedingt damit erweitern.
Für Deine Gruppe dürfte ein K&M 21021 oder 20800 mit zusätzlichem Galgen locker reichen. Thomann hat alternativ auch noch die Marke Superlux im Angebot, die größeren Stative von denen sind für gelegentlichen Einsatz völlig ausreichend und deutlich günstiger.

Für Außenaufnahmen unbedingt an Windschutz denken. Rycote. Finger weg von den billigeren Alternativen.
Kompakt ist man hier in M/S unterwegs, z.B. mit den relativ günstigen AKG Blue-Line (SE300B mit verschiedenen Kapseln).
Wenns etwas aufwendiger sein soll, schließe ich mich der Empfehlung "nahe Einzelmikrofone" eingeschränkt an. Ein gewisser Abstand zum Instrument ist auch außen durchaus sinnvoll - von Anklemm-Mikrofonen bekommt man halt einen sehr nahen "abgenommenen" Sound. Jedem Musiker aber so einen Rycote-Korb vor die Nase zu setzen, ist auch wiederum übertrieben. Ggf. Kompromiss: Bläser über ein Hauptmikrofon und die Geige angeklemmt stützen.

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Re: Kleine Musikgruppe mikrofonieren

Beitragvon bockpfeifer » 15.06.2018, 21:56

Oh, bei der Bezeichnung des Schwenkarmes habe ich irgendwo einen Dreier verloren, die richtige Bezeichnung ist 21231. Entschuldigung.

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Re: Kleine Musikgruppe mikrofonieren

Beitragvon LoboMixx » 15.06.2018, 23:32

Der mit dem "X" bin ich (in dem Zusammenhang Danke für das Kompliment). Da ich hauptberuflich Musiker bin, lese und schreibe ich auch im "musiker-board". Zum Thema Mikrofone habe ich aber mittlerweile aufgehört, dort etwas zu schreiben und ich lese dort auch noch kaum etwas über Mikrofone.
Für mein Gefühl sind mir dort zuviele "Fanatiker" in Sachen Mikrofone unterwegs, jedenfalls einige von denen dir dort regelmäßig dazu schreiben empfinde ich mittlerweile so. Man findet in diesem Board zwar durchaus auch sehr realistische, Praxis-bezogene und brauchbare Tipps zu Mikrofonen, aber sehr vieles finde ich einfach extrem übertrieben. Vor allem, was die allfälligen Diskussionen dort über sehr hochpreisige (besser gesagt maßlos überteuerte) Großmembranmikrofone angeht, wo man am besten gleich mehrere verschieden besitzen sollte, weil das eine "fettere Mitten", das andere "luftigere Höhen" usw. usw. hat (was man mit einem EQ aber so ganz und gar nicht adäquat beeinflussen kann und schon gar nicht darf).
"Geraslutz" ist allerdings noch extremer.

Dieses Forum hier kann und möchte ich hingegen sehr gerne empfehlen, wenn Du profunde und wirklich Praxis-nahe Informationen zu Mikrofonen, aber auch über Technik, Mikrofonierung und überhaupt alle Tonthemen suchst. Esoterik findet hier nicht statt, bzw. habe ich solches hier noch nicht bemerkt, im Gegenteil.

Die bereits erwähnte "Blue Line" von AKG kann ich aus eigener Erfahrung im übrigen auch sehr empfehlen als eine vergleichsweise preiswerte Alternative. Vor allem, weil man diese Mikrofone auch immer wieder in gutem Zustand gebraucht bekommen kann.
Vergleichsweise ebenfalls preiswert sind, bzw. ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis haben meiner Erfahrung nach die Mikrofone von Haun/MBHO, die Du im Eingangspost ebenfalls erwähnt hattest. Exzellente Mikrofone und ein exzellenter und dabei bezahlbarer Service.

Gruß, Jürgen

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Re: Kleine Musikgruppe mikrofonieren

Beitragvon bockpfeifer » 17.06.2018, 21:16

pkautzsch hat geschrieben:Für Außenaufnahmen unbedingt an Windschutz denken. Rycote. Finger weg von den billigeren Alternativen.Welchen Windschutz meinst du, von Rycote gibt es ja unglaublich viel
Kompakt ist man hier in M/S unterwegs, z.B. mit den relativ günstigen AKG Blue-Line (SE300B mit verschiedenen Kapseln).

Die AKG habe ich mir auch angesehen. Das System mit den Wechselkapseln klingt natürlich interessant.
Aber bringen diese auch mehr als die NT5? Immerhin bekomme ich statt vier NT5 plus zwei NT45 O gerade einmal zwei AKG Speiseteile mit Nieren.

Apropos Außenaufnahmen!
Danke für die verschiedenen Ratschläge. Mir ist schon klar, dass die akustischen Eigenschaften in freier Natur nicht immer optimal sind. Natürliche ' Störgeräusche' wie z.B. Vögel sind uns allerdings durchaus willkommen! Wir hatten bei einem Pobemitschnitt einmal einen krähenden Hahn - den hätte man nicht besser zumischen können - der hatte seinen Einsatz perfekt plaziert! :lol:

Eure Ratschläge für Außenaufnahmen interessieren mich noch aus einem anderen Grund. Ich verweile jedes Jahr im Mai für ein paar Tage an einem wunderschönen Platzl in Venezien. Die Nachtigallen singen dort zu dieser Zeit rund um die Uhr - Tag und Nacht. Traumhaft schön, ich möchte kaum schlafen um nichts zu verpassen. Natürlich möchte ich meine Mikrofone auch dort einsetzen, einfach nur um diese schönen Erinnerungen einzufangen.
Liebe Grüße
Der Bockpfeifer

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Re: Kleine Musikgruppe mikrofonieren

Beitragvon manjak » 17.06.2018, 21:37

bockpfeifer hat geschrieben:Ich glaube mit zwei Kleinmembran Nieren erst einmal nicht falsch zu machen. Zuerst habe ich mit den 'überall empfohlenen' Rode NT5 geliebäugelt, nach ein paar Hörbeispielen bin ich aber gar nicht mehr begeistert. (Begeistert bin ich von den 184ern, allerdings sprengen diese mein Amateurbudget deutlich.) Von den hier eventuell nicht so geliebten, anderswo gelobten Chinesen SE8 habe ich leider noch nichts gehört. Haun steht ebenfalls im Raum, ich weiß aber nicht ob diese für mein kleines Gerät genug Ausgangsleistung bringen.
Wie würdet ihr in meinem Fall eine solche Gruppe mikrofonieren? Bringt es mir Vorteile wenn ich neben Nieren auch Kugeln verwende? Macht ein Großmembranmikrofon Sinn? (Nachdem was ich bisher hier gelesen habe wohl eher nicht, vielleicht spricht ja aber doch etwas dafür) Ich bin für jede Anregung dankbar.


Moyn Bockpfeifer,

vor vielen Jahren habe ich mit zwei gebraucht erworbenen MKH40 von Sennheiser gestartet. Aus meiner sicht machen Kugelmikrofone bei eurer Aufstellung nur als Hauptmikron, also als AB wirklich Sinn. Damit würde man im Freien sehr viel an Umgebungsgeräuschen einfangen.

Großmembraner würde ich bei Eurem Zweck auch nicht einsetzen.


Für Einzelmikrofonierung würde ich immer auf Niere oder stärker richtende Mikrofone zurückgreifen.Ich würde auch mal die AT4051B von Audiotechnica in Erwägung ziehen, die haben einen hohen Ausgangspegel und klingen sehr neutral. Ich habe meine vor einigen Jahren sehr günstig über einen französischen Händler bezogen, da war der Stückpreis aber immer noch bei ungefähr 450 Euro.

Denkbar wären auch die Shure KSM137, die auch recht günstig sind.

Viele meiner Mikrofone habe ich gebraucht gekauft. Wenn man etwas Zeit und Geduld mitbringt, kann man da auch gute Systeme zu ganz ordentlichen Preisen bekommen. Da du ja aber nicht unter zeitdruck bist, sollte das kein Problem sein.

VG Manfred
Viele Grüße
Manfred

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Re: Kleine Musikgruppe mikrofonieren

Beitragvon tillebolle » 17.06.2018, 21:53

pkautzsch hat geschrieben:Vorsicht bei Fotolicht-Stativen! Die Dinger sind meistens nicht für unsymmetrische Belastung ausgelegt, ein Schwenkarm braucht da auf jeden Fall das passende Gegengewicht. Die beliebten "Multiblitz"-Stative würde ich nicht unbedingt damit erweitern.
Für Deine Gruppe dürfte ein K&M 21021 oder 20800 mit zusätzlichem Galgen locker reichen. Thomann hat alternativ auch noch die Marke Superlux im Angebot, die größeren Stative von denen sind für gelegentlichen Einsatz völlig ausreichend und deutlich günstiger.

Ich benutze solche Fotolicht-Stative sehr gerne, weil sie viel günstiger, kleiner und leichter sind. Ich habe aber auch nie einen Schwenkarm dran, höchstens die Manfrotto-Mikrofonschiene für AB. Das ist schön symmetrisch und ich hatte noch nie Stabilitätsprobleme. Im Zweifelsfall kann man unten noch einen faltbaren Wasserkanister dranhängen, gefüllt natürlich :mrgreen: .
Ein K&M 20800 habe ich auch, benutze es aber nur noch selten, weil es mir einfach zu schwer ist.

Viele Grüße
tillebolle
SchöneTöne - Phonographie
http://www.schönetöne.com

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Re: Kleine Musikgruppe mikrofonieren

Beitragvon juppy » 18.06.2018, 05:22

tillebolle hat geschrieben:
pkautzsch hat geschrieben:Vorsicht bei Fotolicht-Stativen!

Ich benutze solche Fotolicht-Stative sehr gerne, weil sie viel günstiger, kleiner und leichter sind. Ich habe aber auch nie einen Schwenkarm dran, höchstens die Manfrotto-Mikrofonschiene für AB. Das ist schön symmetrisch und ich hatte noch nie Stabilitätsprobleme. Im Zweifelsfall kann man unten noch einen faltbaren Wasserkanister dranhängen, gefüllt natürlich :mrgreen: .

Ein System- bzw. Aufsteckblitz kann mit Batterien leicht ein Gewicht von über 500 g erreichen.
Zwei Kleinmembranmikrofone bleiben auch mit Stativklammern und Stereoschiene sicher darunter.

Die Stabilität eines soliden Mikrofonstativ bietet ein Fotostativ zwar nicht, aber hier wird kaum
an Saalschlachten oder Wanderzirkus gedacht, bei dem die Mitwirkenden nicht auf Stative achten.

Passende Adapter, um Mikrofone auf Lichstative setzen zu können, findet man im Fotohandel.
Die von Manfrotto haben sich bei mir als genügend paßgenau erwiesen.

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Re: Kleine Musikgruppe mikrofonieren

Beitragvon alex » 18.06.2018, 06:59

bockpfeifer hat geschrieben: Die Nachtigallen singen dort zu dieser Zeit rund um die Uhr - Tag und Nacht. Traumhaft schön, ich möchte kaum schlafen um nichts zu verpassen. Natürlich möchte ich meine Mikrofone auch dort einsetzen, einfach nur um diese schönen Erinnerungen einzufangen.


Auch hierfür wären die NT5 gut geeignet, mit Nieren- oder Kugelkapseln, je nach Umgebungsbedingungen. Wobei Kugeln (genauer gesagt: Druckempfänger) auf Windgeräusche gutmütiger reagieren als Nieren und darum weniger aufwendige Windschutze benötigen.

Bei Naturaufnahmen mit sehr leisen Schallquellen kann ein Großmembranmikrofon den entscheidenden (und im Grunde einzigen) Pluspunkt für sich verbuchen: seine Rauscharmut. Dies nur für den Fall, dass ein Kleinmembraner für dein Empfinden zu stark rauschen sollte.

Mit Kugelkapseln gehört das NT5 mit ca. 12 dBA Eigengeräuschpegel zwar zu den rauschärmsten Kleinmembranmikros auf dem Markt, doch ein NT1 (wichtig: aus der neuen Serie, die seit 2014 hergestellt wird, erkennbar an der schwarzen Oberfläche) schlägt mit 4,5 dBA so ziemlich alle Mitbewerber aus dem Feld, vor allem zu diesem Preis. Vor einem Jahr habe ich zwei gebrauchte Exemplare für jeweils unter 120 Euro geangelt, davon kann ich gerne ein Klangbeispiel einstellen, wenn auch nur mit einem profanen Amselbullen :roll:

Druckempfänger mit entsprechend rauscharmen Großmembrankapseln sind rar geworden, und billig sind sie auch nicht gerade (Beispiel M960 von Microtec Gefell).

Grüße, alex
"Modern technologies allow new ways of enhancing old mistakes."

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Re: Kleine Musikgruppe mikrofonieren

Beitragvon juppy » 18.06.2018, 14:01

alex hat geschrieben:Bei Naturaufnahmen mit sehr leisen Schallquellen kann ein Großmembranmikrofon den entscheidenden (und im Grunde einzigen) Pluspunkt für sich verbuchen: seine Rauscharmut. Dies nur für den Fall, dass ein Kleinmembraner für dein Empfinden zu stark rauschen sollte.

Ein Großmembranmikrofon, das den Vorteil des geringeren Eigenrauschens der Kapsel ausnutzt, dürfte i.A. in der
Preisklasse "professionell" liegen und damit die Etatvorstellungen an Equipment für "schöne Erinnerungen" sprengen.

Ob eine auf die Spitze getriebene Rauscharmut bei Außenaufnahmen ob der Umweltgeräusche das oberste Kriterium
bei der Mikrofonwahl sein muß, lasse ich mal offen ...

Das sollten die Kollegen bei Empfehlungen für Mikrofone beachten! Es macht wenig Sinn, wenn ein Laie die meiste
Zeit seine teueren Mikrofone nur als totes Kapital im Schrank liegen hat.

Aber hier wurden bereits einige preiswerte Beispiele genannt, die den gestellten Anforderungen genügen sollten.

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Re: Kleine Musikgruppe mikrofonieren

Beitragvon LoboMixx » 18.06.2018, 15:04

Das Rode NT1 wird derzeit im Set mit Ploppschutz für 201,- € verkauft und gehört somit zu den preiswerteren Mikrofonen. Dessen extreme Rauscharmut kann ich bestätigen, da ich eines besitze. Ob man es sinnvoll für Naturgeräusch-Aufnahmen verwenden kann, weiß ich aber nicht zu sagen. Ich mache solche Aufnahmen selber nicht, habe aber oft mitbekommen, dass dafür gerne stark richtende Mikrofone benutzt werden, wie z.B. Keule oder sogar Rohrichtmikrofone. Diese liegen in guter Qualität preislich aber sehr hoch, wobei man mit etwas Geduld ein älteres Sennheiser Richtrohr mit Tonaderspeisung für wenig Geld finden kann. Ein professioneller Windschutz dürfte hier aber für Außeneinsätze unabdingbar sein und der ist auch nicht billig, besonders für die langen Rohre.

Über das NT5 kann ich nicht viel sagen, da ich keins besitze. Ich kenne aber einige Leute, die damit ganz zufrieden sind, - es wird ja auch sicher nicht ohne Grund viel verkauft.
Obwohl ich die Rücksende-Manie, die mittlerweile geradezu zum Volkssport geworden ist, sehr kritisch sehe und diesen Trend eigentlich nicht unterstützen möchte, würde ich an deiner Stelle, @bockpfeifer, durchaus überlegen, das übliche Rückgaberecht, das alle Versender anbieten mal im Hinterkopf zu behalten und ein NT5-Stereo-Set bestellen und gründlich testen. Bei Nichtgefallen kannst du es ja dann doch wieder zurück senden.
Die im Netz allenthalben und in großer Zahl zu findenden "Mikrofon-Tests", aber vor allem die "Hörbeispiele" sehe ich sehr kritisch und mit großer Skepsis. Beim Aufnehmen kann man so viele Fehler machen und es ist so oft einfach Schlamperei im Spiel, dass diese ganzen Tests und Beispiele kaum hilfreich sind, - das ist jedenfalls meine Erfahrung und Meinung dazu.
Und selbst wenn sich ein bestimmtes Mikrofon in einem bestimmten Zusammenhang oder Einsatzbereich als ungünstig erweist, kann es doch für dich völlig zufriedenstellend sein.

Für eher in niedriger Höhe aufgestellten Stützen (alles leichte Kleinmembraner) mit kurzen Auslegern nutze ich auch einige billige Lichtstative. Für das Stereo-Hauptmikrofon-Set, das üblicherweise recht hoch eingerichtet wird und mit langem Galgen (meistens Orchesteraufnahmen) vertraue ich lieber auf ein gutes K&M-Hochstativ mit schwerem Ständer.
Wenn du aber schon große Fotostative hast, dann sollten die aber auch funktionieren. Zur Not werden halt die Beine mit Gewichten gesichert. Was im übrigen dann Pflicht ist, wenn das Stativ nah am Publikum steht und die Leute nah daran vorbei laufen können.


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