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Mikrofonierung bei auf der Bühne agierenden Bläsern

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RainerG
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Mikrofonierung bei auf der Bühne agierenden Bläsern

Beitragvon RainerG » 16.09.2018, 21:42

Hallo Kollegen,

Am vorigen Sonntag habe ich mir im Rahmen des "Nieder-Mooser Konzersommer" ein Konzert des "Carion Quintett" (ein Bläserensemble der Spitzenklasse!) angehört (und irgendein Konzertbesucher hat mich mit einem Schnupfenbazillus infiziert...). Das Konzert wurde vom HR aufgezeichnet und wird am 01.01. 2019 um 20.00 in "HR 2 Kultur" gesendet.

Ich habe mir mal die Mikrofonierung angesehen und auch mal mit den Tonkollegen mich unterhalten. Als Hauptsystem hatte sie ein A/B-Anordnung mit 2 Druckempfängern von Schoeps (den Typ habe ich nicht erfragt - war mir weniger wichtig). Aber die Stütztechnik war interessant: Da die Künstler auf der Bühne agierten (da in der Kirche [klassizischtischer Baustil mit seitlichem Altarraum] fand die Darbietung im Atarraum statt) und nicht die ganze Zeit auf festen Plätzen saßen, habe die Kollegen 5 Grenzflächen-Mikrofone verwendet von Schoeps mit der MK 41-Kapsel. Diese auf die vordere Kante des Altarraum gelegt. Bin mal gespannt wie sich das anhören wird.
Hat einer von Euch schon mal sowas ähnliches gemacht?

Grüße
RainerG
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alex
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Re: Mikrofonierung bei auf der Bühne agierenden Bläsern

Beitragvon alex » 16.09.2018, 22:46

RainerG hat geschrieben:Hat einer von Euch schon mal sowas ähnliches gemacht?

Bei Holzbläserensembles dann nicht, wenn bereits live abgemischt wird. Die Chance, bei diesem Wanderzirkus für einen Moment mit einem der GM zufällig genau in Richtung der Schallstürze (Schallbecher) von Oboe oder Klarinette zu liegen, wäre mir zu groß.

Meist habe ich mich in solchen Situationen - auch wenn er optisch ungleich mehr stört - lieber für einen Mikrofonvorhang in nicht allzu großer Höhe entschieden, sofern die Bühnen- und Raumakustik dafür geeignet ist.

Den Mitschnitt werde ich mir nach Möglichkeit anhören (ist ja noch was hin).
Danke für den Tipp!

Grüße, alex
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aseptisch
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Re: Mikrofonierung bei auf der Bühne agierenden Bläsern

Beitragvon aseptisch » 17.09.2018, 20:32

Sowas mit AB-Hauptmikrofon und Grenzflächen-Vorhang als Stützen habe ich nun nicht gemacht, aber Nieren-Grenzflächen als HM verwendet, nämlich Haun MBNM 630. Einmal habe ich sie als optisch unauffällige Notlösung auf dem Mittelgang bei einem Chorkonzert in einer sehr hallreichen Kirche verwendet, was zu einem unbefriedigenden Ergebnis führte, da die Seitenwangen der Bänke keinen freien Zugang des Schalls ermöglichten, bzw. nur der mittig Stehenden. Besonders ungünstig. Tonaufnahme aus einem Tunnel heraus.

Bei einer Streichquartett-Probe habe ich mal mit einer Äquivalenz-Anordnung auf dem Holzfußboden rumprobiert, in einer gesunden Entfernung von ein paar Metern durch Ausprobieren. Der Holzboden war klanglich kein unangenehmer Reflektor, und man hätte die Anordnung mit gewissen Einschränkungen als passabel akzeptieren können, hätte nicht das Cello viel zu fett reingehauen (Grundtonbereich). Das hing auch gar nicht besonders vom Ort der Mikrofone oder Spielrichtung des Cellos ab.

Wie meistens, wenn man woanders was gesehen hat und denkt, das wäre vielleicht ein Geheimrezept oder könnte irgendwas Tolles, das man noch nicht kennt, blieb die Erkenntnis, dass man sich einfach vorstellen könnte, man legte sich dort mit dem Kopf auf den Boden. Was kommt da an? Richtig, bei einem Streichquartett sicher nicht der Klang, von dem man träumt, sondern ein spezieller Teil der Instrumentenabstrahlung nach unten, an der Grenzfläche reflektiert und mit Druckstau/größerer Präsenz. Trotzdem war ich eher noch positiv überrascht.

Vor einem einreihig stehenden Chor oder Ensemble ohne Leitung könnten Grenzflächenmikros ganz ok sein, wenn der Raum dafür gut ist und auf dem Boden und drumrum nichts stört. Oder bei Orgel vielleicht. (Dann aber lieber Kugel bzw. Halbkugel-Grenzflächenmikros.) Ansonsten eher für die Aufnahme im bekannten Abstrahlbereich eines Instruments wie Kontrabassstütze, was ich Laie einem RainerG freilich nicht erklären muss.

Die erwünschte/erhoffte Wirkung von Nieren oder eher noch Supernieren als Grenzflächenmikrofone ist, dass der Pegel nicht stark von der Entfernung der Schallquelle abhängt, wobei man wohl eher an Sprecher, Sänger oder nicht stark gerichtete Schallquellen denkt. Weit entfernt (im Unendlichen :lol:) befindet sich die Schallquelle auf der Haupteinsprechrichtung, und je dichter dran, desto höher über dem Mikrofon und somit seitlicher und gedämpfter ist die Schallquelle. Vielleicht hatten sich die Kollegen das erhofft. Wird bei diesen Blasinstrumenten, wie alex schon schreibt, vermutlich nicht so toll funktionieren.

In welchem Abstand zu den Ausführenden haben die Grenzflächen denn beim Carion Quintett gelegen? Konnte man irgendwie annehmen, dass die MusikerInnen nicht direkt in Richtung der Bodenmikros spielen?

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RainerG
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Re: Mikrofonierung bei auf der Bühne agierenden Bläsern

Beitragvon RainerG » 18.09.2018, 13:08

aseptisch hat geschrieben:In welchem Abstand zu den Ausführenden haben die Grenzflächen denn beim Carion Quintett gelegen? Konnte man irgendwie annehmen, dass die MusikerInnen nicht direkt in Richtung der Bodenmikros spielen?



Ich stelle mal ein Bild dieses Kircheninnenraumes ein (hoffe daß es klappt). Die beiden roten Punkte sind der Standort des Haupsystems. Höhe etwa 2,5 m.
Die grünen Punkte sind die 5 Grenzflächenmikrofone und der blau eingekringelte Bereich ist der Bereich in dem die Künstler agierten.[img]file:///C:/Kirche_NiederMoos_FesteH608.jpg[/img]
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
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Re: Mikrofonierung bei auf der Bühne agierenden Bläsern

Beitragvon aseptisch » 18.09.2018, 19:07

Hm. Oh. Naja. Da dürfte die von Alex beschriebene Gefahr ja dauerhaft bestehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das alles gutgehen soll. Aber wenn der freien Sicht die Prio gegeben wurde …

Danke für das Bild! Ich hab' mir gleich mal Wikipedia über die Orgel durchgelesen. Schönes Register: Flaschiolet. Das ist so wie „Schantalle“.

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Re: Mikrofonierung bei auf der Bühne agierenden Bläsern

Beitragvon juppy » 18.09.2018, 22:49

RainerG hat geschrieben:Ich stelle mal ein Bild dieses Kircheninnenraumes ein (hoffe daß es klappt). Die beiden roten Punkte sind der Standort des Haupsystems. Höhe etwa 2,5 m.
Die grünen Punkte sind die 5 Grenzflächenmikrofone und der blau eingekringelte Bereich ist der Bereich in dem die Künstler agierten.[img]file:///C:/Kirche_NiederMoos_FesteH608.jpg[/img]


Ich muß gestehen, daß sich auch "mein inneres Gehör" von dem gezeigten SetUp keine rechte Vorstellung machen kann.

Auf youtube habe ich mir einige Videos von dem Ensemble angehört/angeschaut. Dort ist schon ziemlich viel Bewegung
drin, daß ich mich frage, wie die Musiker eine solche Aktion in dem engen Platz vor dem Altar präsentieren wollen.

In den Mikrofonaufsätzen von Wuttke ist die Anwendung der MK41 als Grenzflächenmikrofon beschrieben.
(Kapitel 9. Grenzflächen-Kurzinformation, Abschnitt 2. Der Druckgradientenempfänger als Grenzflächenmikrofon, S. 63)

Aufgrund der Enge des "Bühnenraumes" hätte ich bei der Lösung des HRs eher an MK4 als an die MK41 gedacht - und
dafür evtl. weniger Grenzflächenmikrofone.

Aber lassen wir uns von dem Ergebnis der Lösung des HRs bei der Übertragung überraschen, selbst wenn wir nie Details
über die Mischung, die sicher bedeutenden Einfluß haben wird, erfahren werden..

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Re: Mikrofonierung bei auf der Bühne agierenden Bläsern

Beitragvon tillebolle » 19.09.2018, 12:04

Mich irritiert dabei, dass die Grenzflächen ja praktisch genauso weit entfernt sind wie das HM.
Möglicherweise soll es sich dabei gar nicht um Stützen handeln, sondern um alternative Hauptmikrofone, nach dem Motto "stört ja optisch nich, und wir haben die Dinger dabei, also verteilen wir mal ein paar am Bühnenrand, wer weiß wozu's gut ist."
So kann man sich je nach Aufstellung der Musiker ein passendes Pärchen als HM aussuchen.

Viele Grüße
tillebolle
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